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Kinostart

Queer in Washington Heights

Beim Musical "In the Heights", das am Donnerstag im Kino startet, ist Mittanzen erlaubt. Der gelungenen Filmadaption seiner gleichnamigen Broadwayshow hat Lin-Manuel Miranda einen queeren Spin verpasst.


Cuca (Dascha Polanco) und das lesbische Paar Daniela (Daphne Rubin-Vega) und Carla (Stephanie Beatriz) in "In the Heights" (Bild: Macall Polay / Warner Bros.)
  • Von Peter Fuchs
    21. Juli 2021, 02:20h, noch kein Kommentar

Manchmal gibt's im Kino Salsa nicht als Soße zu den Nachos, sondern als mitreißenden Tanz auf der Leinwand. Gut vorgeführt, breitet sich auch im Saal der Drang aus mitzutanzen. Die Füße wippen versteckt, ein kleiner Move mit den Schultern ab und an, ein bisschen mit dem Kopf wackeln. Das muss gar nicht verschämt geschehen, denn allen Sitznachbar*innen im Filmmusical "In the Heights" ergeht es sicher ebenso.

Die Eröffnungsnummer dauert an die zehn Minuten und zieht alle Register. Eine ausgeklügelte Abfolge von Song-, Dance- und Dialog-Sequenzen, getragen von einer zeitgemäßem Hip-Hop-Struktur, kombiniert mit witzigen Effekten (der Tritt in den Kaugummi auf der Straße als Scratch-Geräusch) und alles mündet in eine Ensemblenummer, die wie ein gigantischer Flashmob auf die Emotionen abzielt.

Topmotiviertes Ensemble, temperamentvoller Soundtrack

Der Film basiert auf der gleichnamigen Broadwayshow von Lin-Manuel Miranda ("Hamilton"). Für die Regie ist Jon M. Chu ("Crazy Rich Asians") verantwortlich. Gute Voraussetzungen also, und "In the Heights" löst sie auch mit einem topmotivierten Ensemble und temperamentvollen Soundtrack ein. Sein ganzes Potenzial entfaltet der Film zwar nicht, zu verästelt sind viele Handlungsstränge aneinandergereiht, aber die spektakulären Tanzszenen sind sehenswert. Vor allem wieder auf einer großen Leinwand.


Beim Feiern und Tanzen werden auch schon mal nackte Oberkörper gezeigt (Bild: Macall Polay / Warner Bros.)

In einer Beach-Bar in karibischem Ambiente erzählt ein Mann (sehr herzig Anthony Ramos) niedlich aufgeweckten Kids eine Geschichte über die Menschen von Washington Heights. Die vorwiegend aus der LatinX-Community stammenden Bewohner*innen eines New Yorker Stadtteils wünschen sich alle ein besseres Leben. Die erzählte Story klingt verdächtig autobiografisch.

Im Zentrum seiner Erzählung steht Usnavi, der von New York in die Dominikanische Republik ziehen will, um die alte Strandbar seines Vaters wieder zu eröffnen. Usnavi ist aber im Zwiespalt, denn er empfindet Gefühle für Vanessa, die im lokalen Friseursalon als Nageldesignerin jobbt. Vanessa träumt davon, als Haute-Couture-Modeschöpferin in Downtown Manhattan durchzustarten. Dom Rep ist kein Teil ihres Traums.

Usnavis Kindergartenfreundin Nina ist an der Elite-Universität Stanford eingeschrieben und empfindet in den Semesterferien den liebevollen Stolz ihrer Arbeiterklasse-Nachbarschaft als Erfolgsdruck, dem sie nicht gewachsen zu sein glaubt. Zwischen ihr und Benny bahnt sich etwas an, der als Disponent im Taxiunternehmen ihres Vaters arbeitet und deshalb mit großem Respekt an die Sache herangeht.

Träume vom besseren Leben und der Liebe


Poster zum Film: "In the Heights" startet am 22. Juli bundesweit im Kino

Fungierte "West Side Story" als Geschichte der ersten Generation, die aus Lateinamerika in die USA eingewandert ist, kümmert sich "In the Heights" um die zweite Generation. Es erzählt von einer eng verbundenen Community, die zu einer Familie zusammengewachsen ist. Gemeinsam träumen sie von sozialem Aufstieg, einem besseren Leben und – wir sind ja in einem Musical – von Liebe. Deshalb wird gesungen und getanzt, dass es eine Freude ist.

Als ein Stromausfall das gesamte Viertel verdunkelt, eskalieren auch die schlummernden Konflikte rund um Gentrifizierung, Klassismus und Racial Profiling. Die Frage drängt sich auf, wie das Musical noch die Kurve zum Happy-End hinbekommt. Okay, es war eine rhetorische Frage.

Aus Chefin und Mitarbeiterin wurde ein Liebespaar

Besonders berührt die Geschichte des jungen Sonny (Gregory Diaz IV). Der smarte Teenager ist Usnavis Cousin und hat große Pläne. Umso härter trifft es ihn, dass er als sogenannter Dreamer nicht zur Uni gehen darf, weil seine Eltern ohne Papiere in die USA einwanderten.


Carla, Daniela und Cuca auf dem Balkon (Bild: Macall Polay / Warner Bros.)

Einen queeren Spin verpasste Lin-Manuel Miranda seiner Broadwayproduktion auf dem Weg auf die große Leinwand, wenn er auch leider nur ein klitzekleiner Spin ist. Sind Daniela und Carla (die coole Stephanie Beatriz aus "Brooklyn Nine-Nine") in der Theaterfassung bloß Chefin und Mitarbeiterin eines Frisiersalons, teilen sie im Film auch Zärtlichkeiten und das Bett.

Das erzählt sich en passant (fast ein wenig zu schnell), und niemand in der LatinX Community scheint sich daran stoßen. Ist ein schöner Move, kommt aus der Gemeinschaft doch sonst oft eine Machokultur mit dem ganzen heteronormativen Superquark im Schlepptau.

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Infos zum Film

In the Heights. Musical. USA 2020. Regie: Jon M. Chu. Darsteller*innen: Anthony Ramos, Leslie Grace, Melissa Barrera, Corey Hawkins, Gregory Diaz IV, Olga Merediz, Jimmy Smits, Daphne Rubin-Vega, Stephanie Beatriz, Lin-Manuel Miranda. Laufzeit: 143 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Warner Bros. Entertainment. Kinostart: 22. Juli 2021