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Georgien/Österreich

App simuliert 100-fachen Mord an queerer Aktivistin

Zwei Wochen lang war ein Handyspiel im Google Play Store erhältlich, das 100 Arten simuliert, eine nach Österreich geflüchtete trans Aktivistin zu töten.


Das Handyspiel wurde bereits 10.000 Mal heruntergeladen (Bild: Background photo created by ijeab - www.freepik.com)

Die vor zwei Jahren nach Österreich geflohene georgische trans Aktivistin Kristy Labadze erhält nun auch in ihrer neuen Heimat Wien Morddrohungen. Unbekannte veröffentlichten laut mehreren österreichischen Medienberichten bereits am 6. Juli im App-Laden von Google das krude Spiel "100 dumb ways to kill Kristy Labadze" – also einen Tag nach den massiven LGBTI-feindlichen Ausschreitungen von Rechtsextremen in Tiflis, die zur Absage des CSDs führten. In der App wird gezeigt, wie die Aktivistin auf 100 verschiedene Arten umgebracht werden kann.

Google entfernte das Game laut den Berichten am Dienstag. Es sei aber bereits mehr als 10.000 Mal heruntergeladen worden. Da die App auch auf anderen Plattformen hochgeladen worden sei, verbreite sich das Handyspiel weiter.

Labadze stellte bereits am Montag bei der Polizei Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Allerdings erklärte ein Polizeisprecher, dass es sehr schwierig werden würde, einen internationalen Haftbefehl gegen einen ausländischen Entwickler oder eine ausländische Entwicklerin zu erwirken.

Bereits 2007 hatte sich Labadze als trans geoutet. Seither seien Morddrohungen gegen sie an der Tagesordnung gewesen, allerdings habe die georgische Polizei ihr nicht geholfen. 2019 habe ihr ein vermeintlicher Polizist in Zivil gar mit Mord gedroht. Danach floh sie und ließ sich in Wien nieder. Sie sei damals nach Österreich gekommen, "weil ich dachte: Ein Land, dass Conchita Wurst zum Song-Contest schickt, kann nicht homophob sein", so Labadze gegenüber der Zeitung "Standard".

Österreich lehnte Asylantrag Labadzes ab

Trotz ihrer Geschichte lehnte die österreichische Ausländerbehörde BFA ihren Antrag auf Asyl ab. 2020 hob ein Gericht den negativen Bescheid wegen eines "mangelhaften Ermittlungsverfahrens" auf. Daraufhin wurde ihr sogenannter subsidiärer Schutz gewährt – das bedeutet, dass sie zwar nicht als Asylbewerberin anerkannt wird, aber nicht abgeschoben werden darf, weil ihr in ihrem Heimatland Gefahr für Leib und Leben droht. Das BFA behauptete aber weiter, dass ihr in Georgien keine staatliche Verfolgung drohe.

Das BFA war in der Vergangenheit wegen LGBTI-feindlicher Entscheidungen kritisiert worden: So lehnte das Bundesamt 2018 einen schwulen Iraner ab, weil er nicht wusste, was die Fahnen der Regenbogenfahne bedeuten (queer.de berichtete). Im selben Jahr lehnte die Behörde einen schwulen Afghanen ab, weil sein "Gehabe" nach Ansicht der Behörde nicht schwul genug sei (queer.de berichtete).

Georgien wurde von Österreich 2016 das Prädikat "sicheres Herkunftsland" verliehen. Damit ist es einfacher, Geflüchtete in den Kaukasusstaat abzuschieben. Auch die schwarz-rote Bundesregierung in Berlin wollte 2019 mit Unterstützung von AfD und FDP dem vorderasiatischen Land dieses Prädikat verleihen, scheiterte aber am Widerstand im Bundesrat. (dk)

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#1 PiakAnonym
  • 22.07.2021, 17:35h
  • Mal von dem widerlichen Inhalt abgesehen ist es höchst erstaunlich und untragbar, wie lange so was verfügbar bleiben kann, ehe das jemand meldet oder das Unternehmen reagiert.

    Warum ein internationaler Haftbefehl schwierig zu erwirken sein sollte, erschließt sich mir auch nur begrenzt, die Vollstreckbarkeit wäre natürlich eine andere Frage.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 22.07.2021, 17:47h
  • Wie kann es sein, dass so eine faschistische App so lange ungestört im Google Play-Store war?!
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#3 Ja gutAnonym
  • 22.07.2021, 18:49h
  • Antwort auf #2 von Carsten AC
  • Aktuell gibt's knapp 3 Millionen Apps im Store, die Prüfung erfolgt (afaik!) daher primär durch Algorithmen.... Und von der Beschreibung her ist das Spiel vom Grundprinzip (!) nichts besonders, es gibt tausend games/ ganze Spielreihen deren Grundprinzip kreatives töten ist (Hitman, Bulletstorm ) und noch mehr games wo es schlicht Teil des Ganzen ist ( GTA, Just Cause)... Und natürlich Millionen beschissener, schlecht programmierter handygames in grottiger pixelgrafik.

    Und (schätzungsweise) dürfte dieser Schund hier (ich nenn den Rotz erst gar nicht "game") eben in letztere Kategorie fallen - ekelhaft wird es ja aufgrund des Kontext, nicht aufgrund nem billigen 08/15 spielprinzip. Und soweit sind wir noch nicht das Algorithmen Kontext filtern/einordnen können, da braucht es dann eben derzeit doch noch den report button.
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#4 NajaAnonym
  • 22.07.2021, 19:00h
  • Antwort auf #3 von Ja gut
  • Und wieso klappt das in Apples App-Store besser?

    Da gibt es neben der Prüfung durch Algorithmen, eben auch mehr menschliche Kontrolleure, die überwachen, was da an Inhalten ist.

    Wenn Google sich das sparen will und lieber auf Masse statt Klasse setzt, ist das deren Ding. Dann sollen sie aber nicht so tun, als sei das alternativlos.

    (Und ich will gar nicht mal sagen, dass bei Apple alles perfekt ist. Aber zumindest in diesem Punkt ist Apple zumindest ein Stück weit besser.)
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#5 Ja gutAnonym
  • 22.07.2021, 19:40h
  • Antwort auf #4 von Naja
  • Ich hab nur versucht auf eine Frage eine mögliche Antwort zu geben, jesses, aber ok, da du so freundlich fragst:

    Ja, hat sich Apple dazu geäußert ob das Teil überhaupt in ihrem Store geladen wurde? Und wie es geblockt wurde? Möglicherweise werden sämtliche trans-related Apps auch automatisch zur menschlichen Kontrolle übersendet? Wenn du da mehr Infos hast immer her damit!

    Ich hab auch keine Ahnung auf welcher Seite mehr "durchrutscht" und wie hoch die einzelnen Zahlen an Entwicklern, Usern, Nutzung sind, genauso wie ich ja auch deutlich gemacht habe dass das alles "schätzungsweise" aka Theorie ist. Wie gesagt, wenn du mir da ne gute Quelle hast immer her, anhand selektiver Fälle kann ich das nicht beurteilen!
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#6 RoseLeBloodAnonym
  • 22.07.2021, 21:10h
  • Antwort auf #5 von Ja gut
  • Um eine App im Apple Store zu veröffentlichen ist um einiges aufwändiger als bei Googles App Store. Man braucht als erstes ein System um die App zu kompilieren, dies funktioniert nur auf einem Apple System. Für andere Plattformen steht dies nicht zur Verfügung. Dann die regestrierung ist erheblich komplizierter als bei Google und kosten intensiver.
    Eine App die für Android geschrieben ist besonders spiele sind nicht so einfach zu porten. Besonders wenn es so ein Game ist das schnell gemacht werden muss und sich zu ein Tag verbreiten soll. Das ist mehr Hass als wirklich ein spiel in den ma viel Energie des portens reinlegt. Persönliche meinung ist.

    Aber Google könnte sich wirklich mehr ein Beispiel an Apple nehmen. Den sowas hat einfach nichts in irgendwelche Plattformen als Angebot existieren dürfen!!
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#7 Ja gutAnonym
  • 22.07.2021, 22:05h
  • Antwort auf #6 von RoseLeBlood
  • Erstmal thx und ja, dass das alles nicht optimal läuft steht außer Frage, das alles sollte auch keine "Verteidigung" für n fu####g Großkonzern sein, nur wie ich schätze (!) das es im store gelandet ist....
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