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"Santa Fu" wird bunter

Regenbogenfahne weht erstmals vor Hamburger Gefängnis

Zwischen Schwarz-Rot-Gold und der Hamburg-Fahne vor dem Hamburger Gefängnis weht nun auch eine dritte Flagge.


Erstmals beflaggt die Hansestadt Hamburg auch ihre Justizvollzugsanstalt (Bild: Nan Palmero / flickr)

Erstmals ist vor einem Hamburger Gefängnis zum Christopher Street Day die Regenbogenfahne gehisst worden. Ein Justizvollzugsbeamter zog sie am Freitagmorgen in "Santa Fu", der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, neben der Deutschland- und der Hamburg-Fahne hoch. Damit solle ein Zeichen für die Rechte von queeren Menschen gesetzt und an die Geschichte erinnert werden, sagte Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne).

"Lange Zeit wurden Homosexuelle hierzulande strafrechtlich verfolgt. Allein wegen ihrer sexuellen Orientierung wurden sie verhaftet und auch in Hamburg ins Gefängnis und ins KZ gebracht." Der Paragraf 175 stellte Homosexualität seit 1872 unter Strafe und "war noch jahrzehntelang nach dem Zweiten Weltkrieg ein dunkles Kapitel im Strafgesetzbuch", sagte sie. Die Erinnerung an dieses Unrecht müsse wachgehalten werden. "Diese Erinnerung ist ein wirksames Gegengift gegen Ausgrenzung, Ungleichbehandlung und Intoleranz gegenüber LSBTIQ."

Nazis inhaftierten Homosexuelle in Fuhlsbüttel

Die Ausrottung der Homosexualität habe zu den Zielen des Nationalsozialismus gehört, erklärte der Leiter der Stiftung Hamburger Gedenkstätten, Detlef Garbe. Auch lesbische Frauen seien unter dem Vorwurf des Anormalen beziehungsweise der Asozialität einem hohen Verfolgungsdruck ausgesetzt gewesen. Homosexuelle seien in Hamburg oft zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. "Fast alle von ihnen wurden im Gefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Im dort ebenfalls untergebrachten KZ wurden Homosexuelle schwer misshandelt, in großer Zahl auch in die Emslandlager und in die Konzentrationslager Sachsenhausen und später Neuengamme überstellt. Viele überlebten die Torturen nicht", sagte er.

Zum Auftakt der Hamburger Pride Week sollte am Mittag auch das Rathaus mit der Regenbogenfahne beflaggt werden. Außerdem war ein virtueller Senatsempfang geplant, bei dem die Gleichstellung und rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien im Mittelpunkt stehen sollte.

Die offizielle Eröffnung des CSDs findet am Freitagabend mit der Pride Night auf Kampnagel in Winterhude statt. Dort wird die WDR-Journalistin Georgine Kellermann mit dem Pride Award 2021 geehrt (queer.de berichtete). (dpa/cw)



#1 felix-baerlinAnonym
  • 23.07.2021, 11:40h
  • Nicht jede Beflaggung in Regenbogenfarben sollte bejubelt werden.

    Der Sinn dieser Aktion erschließt sich mir nicht ganz. Schön wäre es, wenn in dem Gefängnis etwas für LSBTI-Gefangene getan wird oder mit dieser Beflaggung auf die besonderen Knastbedingungen hingewiesen werden soll.
    Die Begründung, die hier angeführt wird, ist doch arg dünn und konstruiert. Ich finde, wir sollten langsam mal diskutieren, ob und von wem eine Beflaggung Sinn macht. Die vermeintliche Vereinnahmung durch Querdenker war ein Warnschuss.
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#2 Ja gutAnonym
  • 23.07.2021, 12:15h
  • Antwort auf #1 von felix-baerlin
  • Gelten Gefängnisse nicht als staatliche Institutionen? Ich war im ersten Moment auch eher irritiert belustigt, aber wenn man die Flagge auch als Symbol für Menschenrechte ansehen soll ist das vllt gar nicht so ne schlechte bzw kuriose idee.... Gefängnisse sind ja in ner merkwürdigen Form auch ein "Treffpunkt", was außerhalb der mauern existiert, existiert ja auch innerhalb der mauern + ein Großteil der Insassen werden ja auch irgendwann wieder frei gelassen.

    Aber ja, es mutet ein wenig strange an....
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#3 FlaggenfanAnonym
  • 23.07.2021, 13:32h
  • So Ihr "kritischen" Schwestern. Ihr habt vermutlich noch nicht gesessen oder dort gearbeitet.

    Deutsche Gefängnisse bilden bei den Insassen oft die Struktur der Aussenwelt ab.

    Daher ist es sehr schön und klug auch dort die Flagge zu hissen.

    Sie symbolisiert die Präsenz und das Angagement "unseres" Teils der Gesellschaft und "unseren" Stolz ab.
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#4 Girlygirl
  • 23.07.2021, 13:38h
  • Antwort auf #2 von Ja gut
  • Ich finde das überhaupt nicht strange, sondern ein richtiges Statement (auch wenn es nur Symbolisch ist). Wir neigen dazu Unecht bei Menschen, die selber was verbrochen haben, herunterzuspielen oder sogar zu rechtfertigen. Rechte und Konservative machen das in den USA immer wieder wenn es um rassistische Polizeigewalt geht; es wird teilweise gerechtfertigt, wenn das Opfer mal eine Straftat begangen hat. Die Würde des Menschen ist unantastbar, selbst wenn dieser Mensch sich nicht selbst daran gehalten hat. Und dass in Gefängnissen teilweise schlimme Dinge passieren auch LGBT feindlich motiviert, ist ja bekannt.
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#5 Ja gutAnonym
#6 Felix-baerlinAnonym
  • 23.07.2021, 16:33h
  • Antwort auf #3 von Flaggenfan
  • Und Sichtbarkeit bedeutet dir alles, auch wenn die Knastbedingungen besonders für LSBTI eine Zumutung sind? In dem Text wird mit keiner Silbe erwähnt, dass im Hamburger Gefängnis irgend etwas dafür getan wird, dass LSBTI nicht Gewalt- und Diskriminierungsstrukturen ausgesetzt sind.
    Erfreu dich ruhig weiter von außen und rede hier von oben herab, dass andere sich mit der Situation nicht auskennen und der Knast eine Abbild der Gesellschaft sei. Den Inhaftierten, die LSBTI sind, hilft das kein Stück. Aber die draußen können sich mit der Beflaggung ein gutes Gewissen einreden.
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#7 zundermxeAnonym
  • 23.07.2021, 16:41h
  • Schon sehr erstaunlich, wem der Bezug der Pride-Beflaggung insbesondere hinsichtlich der deutschen Geschichte zur und leider auch nach dem Nazi-Terror nicht mehr als Grund genug für diese Beflaggung ist!
    Als hätte es den Monster-Paragraphen 175 nie gegeben...
    heftiges Kopfschütteln.

    Doch allein die aktuelle Situation von Queers, leider auch im Knast, bietet mehr als ausreichenden Grund.
    Oder sind die Insass*innen maximal Queers dritter Klasse, die kein Recht auf Aufmerksamkeit, Solidarität und Teilhabe haben?
    Die Antwort ist hoffentlich nicht ich, ich, ich.
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#8 Marius662Anonym
  • 23.07.2021, 17:23h
  • Das wirkt schon sehr verlogen, wenn man bedenkt, dass der Staat immernoch Geschwister, die sich lieben, mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bedroht (§ 173 StGB).
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#9 EinChaserAnonym
#10 WunderbarAnonym
  • 24.07.2021, 00:06h
  • Antwort auf #8 von Marius662
  • Guter Hinweis, dass in Bezug auf die sexuelle Selbstbestimmung immer noch eine Menge zu tun bleibt! Die "kleine Schwester" des § 175, der § 173 kriminalisiert und entrechtet immer noch Menschen. Allerdings dürfte das durch die Empfehlung des Ethikrates zunehmend auf immer dünneren Beinen stehen.
    Der § 175 zeigt aber andererseits, dass es möglich ist, gesellschaftlich wie juristisch zu entkriminalisieren und sogar Opfer zu rehabilitieren (etwa auch bei der Rente). Darum, um diesen Mehrwert sollte es gehen! Justizopfer werden etwa immer noch menschenverachtend behandelt: von minimaler Haftentschädigung für Jahre zu Unrecht in Gefangenschaft werden noch Kost und Logis abgezogen, besteht staatlicherseits überhaupt kein Interesse, Opfer von Fehlurteilen zu rehabilitieren.
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