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Interview

Drei Dramen vom Rouge

Ein Gespräch mit Daphne Rubin-Vega, Stephanie Beatriz und Dascha Polanco, den (queeren) Salon-Ladys aus dem Musicalfilm "In the Heights", über LGBTI- und LatinX-Sichtbarkeit auf der großen Leinwand.


Tanzen durch ihren Kiez: Daniela (Daphne Rubin-Vega), ihre Lebenspartnerin Carla (Stephanie Beatriz) und die beste Freundin Cuca (Dascha Polanco) im Musicalfilm "In the Heights" (Bild: Macall Polay / Warner Bros.)
  • Von Patrick Heidmann
    24. Juli 2021, 07:24h, noch kein Kommentar

In der Bühnenfassung des Tony-prämierten Musicals "In the Heights", so sagt es Schöpfer Lin-Manuel Miranda persönlich, wurde nie gesagt, dass die Frisör- und Schönheitssalon-Betreiberin Daniela und ihre Mitarbeiterin Carla kein Paar seien. In der Kino-Version nun wird die Sache zumindest ein wenig deutlicher: Da teilen die beiden Frauen (gespielt von Broadway-Star Daphne Rubin-Vega und der aus der Sitcom "Brooklyn Nine-Nine" bekannten bisexuellen Stephanie Beatriz) auch das Bett miteinander und tauschen Zärtlichkeiten aus (siehe auch unsere Filmkritik "Queer in Washington Heights").

Wir konnten mit den beiden Schauspielerinnen sowie ihrer Kollegin Dascha Polanco ("Orange Is the New Black"), die als Cuca ebenfalls zur Salon-Clique gehört, ein kurzes Interview via Zoom führen.


Poster zum Film: "In the Heights" läuft seit 22. Juli bundesweit im Kino

Miss Rubin-Vega, Miss Beatriz, es spielt für die Geschichte in "In the Heights" keine wirkliche Rolle, aber wer genau hinsieht, bekommt auf jeden Fall mit, dass Daniela und Carla in der Kinofassung ein Paar sind. War das für Sie ein wichtiger Aspekt dieser Rollen

Beatriz: Ich fand dieses kleine Update, dass Lin-Manuel Miranda und die Drehbuchautorin Quiara Alegría Hudes vorgenommen haben, wunderschön. Klar, das ist subtil und verändert an der eigentlichen Geschichte nichts. Aber als jemand, die selbst queer ist, hat es mir gerade gut gefallen, dass die Beziehung der beiden einfach eines von vielen selbstverständlichen Details in dieser sehr diversen Nachbarschaft ist. Ein Paar, das einfach seiner Arbeit nachgeht und glücklich und zufrieden vor sich hinlebt, ist ja auch in unserer Community eigentlich vollkommen normal.

Rubin-Vega: Mir hat es auch richtig gut gefallen, dass diese Figuren auf der Leinwand nun noch um eine Facette reicher sind. Als Schauspielerin begrüße ich schließlich alles, was meiner Rolle noch mehr Tiefe und zusätzliche Dimensionen gibt. Und ganz abgesehen davon ist jede Form von Inklusion und Diversität willkommen, schließlich sollten Filme ja die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln. Jede von uns kennt doch Frauen wie Daniela und Carla auch im echten Leben.

Haben Sie bzw. Ihre Figur sich da nicht gefühlt wie das fünfte Rad am Wagen, Miss Polanco?

Polanco: Ach, Quatsch. Ich bin einfach Teil der erweiterten Familie, den dieser Salon für den Stadtteil bedeutet. Diese drei Frauen sind eine eingeschworene Gemeinschaft – und ich bin in diesem Trio die Stimmungskanone.


Carla, Daniela und Cuca auf dem Balkon (Bild: Macall Polay / Warner Bros.)

Sie alle drei haben Ihre Wurzeln in Latein- und Südamerika. Was Latinx-Repräsentation auf der Bühne wie auf der Leinwand angeht, ist "In the Heights" ein ziemlicher Meilenstein, oder?

Rubin-Vega: Sicherlich, wobei ich gar nicht sagen kann, dass ich darauf mein Leben lang gewartet habe. Denn was man gar nicht kennt und nie gesehen hat, kann man ja auch nicht vermissen. Ich habe mein Leben lang wundervolle Filme im Kino gesehen und konnte mich mit den Figuren und Geschichten identifizieren, einfach weil mir gar nichts anderes übrigblieb. Erst jetzt, wo ich mit "In the Heights" einen Film sehe, der sich auf Menschen konzentriert, die aussehen wie ich und deren Erfahrungen ich teile, merke ich, was mir gefehlt hat. Das spricht mich noch einmal auf einer ganz anderen Ebene an – und ich kann nicht leugnen, dass sich das sehr besonders anfühlt.

Polanco: Ganz genau. Es ist sehr viel wert, die eigene Kultur und seinesgleichen auf der Leinwand zu sehen. Sich in einem großen Hollywood-Film wie "In the Heights" repräsentiert zu fühlen, ist eine Art von Wertschätzung und ein Gefühl des Wahrgenommen-Werdens, das wir sonst tatsächlich viel zu selten erleben.

Miss Rubin-Vega, eine Frage speziell noch mit Blick auf das Musical "Rent", in dessen Originalbesetzung Ihnen vor genau 25 Jahren der Durchbruch gelang. Mit welchen Gefühlen denken Sie daran zurück?

Rubin-Vega: "Rent" hat mein Leben auf den Kopf gestellt und für immer verändert. Alles, was Sie hier hinter mir sehen – mein Loft-Apartment, meinen Flügel usw. – hätte ich nicht, wenn ich damals nicht die Rolle der Mimi bekommen hätte. Und das meine ich ganz ernst. Ich habe damals natürlich gemerkt, dass alles, was mit diesem Musical zusammenhing, etwas Außergewöhnliches war. Und ich hatte die Angst, so etwas nie wieder zu erleben. "Rent" war die Ausnahme, nicht die Regel. People of Color in Hauptrollen am Broadway, Geschichten mit LGBTQ-Bezug – viele Leute hielten das damals in den Neunzigern eher für kurzlebige Trends. Dass ich jetzt 25 Jahre später Teil von "In the Heights" bin und sich eben doch auch nachhaltig etwas verändert hat, finde ich enorm befriedigend.

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Infos zum Film

In the Heights. Musical. USA 2020. Regie: Jon M. Chu. Darsteller*innen: Anthony Ramos, Leslie Grace, Melissa Barrera, Corey Hawkins, Gregory Diaz IV, Olga Merediz, Jimmy Smits, Daphne Rubin-Vega, Stephanie Beatriz, Lin-Manuel Miranda. Laufzeit: 143 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Warner Bros. Entertainment. Kinostart: 22. Juli 2021