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Polizeibericht

Schöneberg: Teilnehmende nach CSD angegriffen und beleidigt

Nach dem Berliner CSD meldet die Polizei eine weitere mutmaßlich homofeindliche Gewalttat – und Ausschreitungen bei einer vom CSD unabhängigen Pride-Demonstration in Kreuzberg.


Symbolbild (Bild: TechLine / pixabay)

Nach körperlichen Übergriffen und homophoben Beleidigungen in Schöneberg am Samstagabend hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Ermittlungen aufgenommen. Das gab die Berliner Polizei am Sonntagnachmittag in einer von mehreren Pressemitteilungen im Rückblick auf den Berliner CSD vom Samstag bekannt.

Gegen 18.45 Uhr sollen demnach in einer Grünanlage am Viktoria-Luise-Platz drei Personen einer Gruppe ehemaliger CSD-Teilnehmender, eine 48 Jahre alte Frau sowie ein 39 und ein 51 Jahre alter Mann, aus einer größeren Gruppe heraus körperlich angegriffen und teilweise beleidigt worden sein. Die 48-Jährige gab an, aus der Gruppe heraus einen Schlag gegen den Rücken bekommen zu haben und dann gestürzt zu sein. Anschließend soll sie ein später namhaft gemachter 22-Jähriger mit seinem Fuß gegen den Rücken getreten haben.

Dem 39-Jährigen soll derselbe 22-Jährige gegen den Rücken geschlagen haben. Der 51-Jährige, der die Auseinandersetzung mit seinem Handy aufnahm, soll von einer 19-Jährigen mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen worden sein. Der 39-Jährige und die 48-Jährige gaben außerdem an, homophob beleidigt worden zu sein. Alle drei wurden leicht verletzt.

Auch Polizei angegriffen

Zeugen riefen die Polizei, die der Gruppe der flüchtenden Tatverdächtigen nacheilte und diese im U-Bahnhof Viktoria-Luise-Platz stellen konnte. Im Rahmen der Festnahmen verletzten der 22-jährige Tatverdächtige und ein 18-Jähriger aus dessen Gruppe zwei Polizisten. Der 18-Jährige schlug einem Beamten mit der Faust gegen den Kopf und verletzte ihn dabei. Der 22-Jährige sprang einem Polizisten unter anderem in den Rücken. Weitere Mitglieder der Gruppe der Angreifenden konnten nur mit Unterstützung von hinzualarmierten Kräften einer Einsatzhundertschaft und der Androhung eines Reizgaseinsatzes von einem Eingreifen abgehalten werden.

Die beiden 22- und 18-Jährigen kamen ebenso wie die 19-jährige Tatverdächtige in einen Polizeigewahrsam, aus dem sie nach erkennungsdienstlichen Behandlungen und richterlich angeordneten Blutentnahmen wieder entlassen wurden. Die Ermittlungen des Polizeilichen Staatsschutzes dauern an.

Weitere Vorfälle rund um den CSD-Samstag

Die Berliner Polizei macht mögliche Taten aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt in ihren Berichten publik. Bereits am Sonntagmorgen hatte sie gemeldet, dass ein 21-jähriger CSD-Besucher ebenfalls nach der Veranstaltung von zwei Unbekannten am Hackeschen Markt geschlagen und getreten wurde. In seinem Rucksack steckte noch eine Regenbogenfahne, die ihm die Unbekannten entreißen wollten (queer.de berichtete).

Erst am Freitag war zudem ein schwules Paar in der Berliner-U-Bahn attackiert worden. Auch die Gedenktafel für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung am Magnus-Hirschfeld-Ufer wurde am Vortag des CSD zum wiederholten Mal beschädigt (queer.de berichtete).

Beim CSD am Samstagnachmittag hatten nach Polizeischätzungen rund 65.000 Menschen teilgenommen (queer.de berichtete). "Im Verlauf der Strecke erhöhte sich die Zahl der Teilnehmenden fortwährend auf eine Zahl im mittleren fünfstelligen Bereich, so dass sich der Aufzug bis zu drei Kilometer auseinanderzog. Dies wurde durch die Polizei bewusst zugelassen und forciert, damit Abstände eingehalten werden konnten", so eine Polizei-Zusammenfassung vom Sonntagnachmittag. "Um das Hygienekonzept der Versammlungsleitung durchzusetzen, wurden während der laufenden Demonstration in regelmäßigen Abständen Lautsprecherdurchsagen getätigt und Personen, die sich nicht an die Hygieneregeln hielten, gezielt durch Polizeikräfte angesprochen."

Nach Ende der Pride-Demo habe man auch bei einer Ansammlung von bis zu zehntausend Personen im Bereich des Nollendorfplatzes durch Lautsprecherdurchsagen und persönliche Ansprachen Corona-Regeln durchgesetzt. Insgesamt seien 27 Personen festgenommen worden. "Es wurden Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstands, Spendensammelbetrugs und Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung geschrieben", so die Polizei. Gegenüber queer.de hatten Zeugen von einer Eskalation des Polizeiverhaltens auf der Motzstraße gesprochen (queer.de berichtete).

Demo in Kreuzberg eskaliert

Auch eine vom CSD unabhängig organisierte Pride-Demonstration in Kreuzberg schaffte es zu einem Polizeibericht. An einem "Internationalistischen Queer Pride", der unter anderem von Gruppen aus der antisemitischen BDS-Bewegung organisiert wurde, beteiligten sich am Samstagnachmittag Schätzungen zufolge über 1.000 Menschen. Dabei wurden Aufnahmen zufolge mehrfach antisemitische und antiisraelische Plakate gezeigt und entsprechende Parolen skandiert.

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In sozialen Netzwerken war zudem unter anderem vom "Jüdischen Forum" und der dju von Angriffen auf Journalist*innen die Rede. Die Polizei berichtet, sie habe im Bereich der Reichenberger Straße / Mariannenstraße einen 42-jährigen Ordner festgenommen, nachdem dieser sich weigerte, es zu unterlassen, Journalisten mit einem Handlautsprecher aus nächster Nähe anzubrüllen. 50 bis 80 Menschen hätten dann den Polizeiwagen mit dem Festgenommenen umstellt und verhindert, dass er abfahren konnte. Dazu seien "polizeifeindliche Sprechchöre skandiert" worden. In der Folge seien rund 300 weitere Demonstrationsteilnehmende auf das Fahrzeug zumarschiert, denen sich Beamte in den Weg gestellt hätten. Anschließend hätten Demonstrierende Beamte geschlagen und getreten, während Einsatzkräfte "gezielt körperliche Gewalt in Form von Schlägen gegen die Aggressoren unter den Teilnehmenden" eingesetzt hätten. Die Polizei fertigte Anzeigen an unter anderem wegen eines Verstoßes gegen das Vereinsgesetz, eines besonders schweren Landfriedensbruchs und einer versuchten Nötigung. Mehr zu dem Thema bietet auch ein Bericht des "Tagesspiegels". (nb/pm/dpa)

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CSD Berlin 2021
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