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"Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen"
Bezirksbürgermeisterin entsetzt über Angriff auf CSD-Teilnehmende
Nach mehreren offenbar queerfeindlich motivierten Attacken am Rande des CSDs in Berlin werden Konsequenzen gefordert.

Angelika Schöttler ist seit 2011 Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg (Bild: SPD Berlin)
- 27. Juli 2021, 10:05h 3 Min.
Die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg, die SPD-Politikerin Angelika Schöttler, hat mit Erschütterung auf eine offenbar homophob motivierte Attacke am Viktoria-Luise-Platz reagiert. Am Samstagabend hatte einer Gruppe junger Menschen drei CSD-Teilnehmende zwischen 39 und 51 Jahren homophob beleidigt und mit Schlägen verletzt (queer.de berichtete). Drei männliche Tatverdächtige zwischen 18 und 21 Jahren wurden vorläufig in Polizeigewahrsam genommen.
"Als Bezirksbürgermeisterin vertrete ich einen weltoffenen und vielfältigen Bezirk Tempelhof-Schöneberg und habe dafür selbst am CSD-Umzug teilgenommen", so Schöttler (SPD) gegenüber der Berliner "Morgenpost" (Bezahlartikel). Sie bezeichnete es als erschütternd, dass "Menschen aus der LGBTQIA+-Community" angegriffen wurden. Um derartige Angriff in Zukunft zu verhindern, müsse verstärkt über die Rechte queerer Minderheiten aufgeklärt werden. Zudem sei es wichtig, die Taten zu ahnden, "denn Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen".
Der heutige CSD Berlin hat queeres ? Leben in seiner bunten Vielfalt sichtbar gemacht. Es war toll, ein Teil der großen...
Posted by Angelika Schöttler on Saturday, July 24, 2021
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Mehrere weitere Zwischenfälle
Bei dem Übergriff in Schöneberg handelt es sich nicht um den einzigen offensichtlich queerfeindlich motivierten Zwischenfall zum Berliner CSD. So wurde am Freitag in Kreuzberg ein schwules Paar in der U-Bahnlinie U1 attackiert. Der 18-jährige Angreifer konnte nach Polizeiangaben gestellt werden. Auch die Gedenktafel für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung am Magnus-Hirschfeld-Ufer wurde am gleichen Tag erneut beschädigt (queer.de berichtete). Im Bezirk Mitte wurde zudem in der Nacht von Samstag auf Sonntag der 21-jährige Jan Luca W. von einem Unbekannten von hinten getreten und mit der Faust ins Gesicht geschlagen (queer.de berichtete). Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft SPDqueer war der Anlass für den Angriff, dass der junge Aktivist eine Regenbogenfahne mit Aufschrift der queeren Sozialdemokrat*innen bei sich getragen hatte. Laut Medienberichten erlitt W. einen Kieferbruch und weitere schwere Verletzungen.
"Dieses Mal war unsere Fahne der Auslöser, aber es hätte auch ein T-Shirt, Fetischkleidung, Drag oder irgendeine andere als queer gelesene Kleidungs- der Ausdrucksform sein können, die einen Täter dazu motiviert zuzuschlagen", so reagierte Oliver Strotzer, der Co-Bundesvorsitzende von SPDqueer, auf die Attacke in Mitte. Er forderte Konsequenzen: "Es reicht nicht, diese Taten nur statistisch zu Erfassen und die Täter vor Gericht zu stellen. Wir müssen endlich an die Wurzeln dieses Hasses, um zu verhindern, das queere Menschen immer wieder zu Opfern werden. Ein nationaler Aktionsplan gegen LSBTIQ*-Feindlichkeit wäre ein Anfang." Derartige Aktionspläne wurden mit Ausnahme von Bayern bereits in allen Ländern eingeführt, aber bislang nicht auf Bundesebene.
Berlin hat "Pflicht, auf Hasskriminalität zu reagieren"
Das queere Antigewaltprojekt Maneo kritisierte am Montag das "Schweigen" in der Berliner Politik nach den Attacken: "Berlin will Regenbogenhauptstadt Europas sein", erklärte Seyran Ateş, die prominente Mitbegründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die einen Sitz im Maneo-Beirat inne hat. Berlin habe "nicht nur die Verantwortung, sondern auch die Pflicht, auf Hasskriminalität zu reagieren, egal welchen Hintergrund die Täter haben. Es muss eine ehrliche und menschliche Politik zum Schutz der Opfer unter den demokratischen Parteien uneingeschränkter Konsens sein", so Ateş.
++ Warum schweigt das politische Berlin zu den Angriffen auf LSBTI* in Berlin?? ++ Am Samstag fand der CSD Berlin -...
Posted by MANEO on Monday, July 26, 2021
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GayChurch plant Andacht
Die GayChurch Berlin und Veranstalter*innen des EastPride Berlin rufen nach den Übergriffen zu einer Andacht und Protestkundgebung auf, um ein Zeichen gegen die "zunehmende queerfeindliche" Gewalt" in der Bundeshauptstadt zu setzen. Die Veranstaltung soll im James-Simon-Park am 31. Juli um 20.30 Uhr stattfinden. (dk)
Posted by GayChurch Berlin on Monday, July 26, 2021
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Sie brauchen jetzt gar keine Krokodilstränen zu weinen und sich wahlkampfgerecht betroffen zu zeigen.
1. In Berlin häufen sich seit Jahren Übergriffe auf LGBTI. Wo war ihre Betroffenheit da? Ach ja, da war nicht Wahlkampft.
2. Ihre Partei, die SPD, trägt doch ganz maßgeblich zu steigendem Hass gegen LGBTI bei. Z.B. indem sie gemeinsam mit der Union volle rechtliche Gleichstellung blockieren, was ein deutliches Zeichen an die Gesellschaft wäre. Ebenso wie die SPD gemeinsam mit der Union einen nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie verhindert.
Also hören Sie bitte auf, uns für ihren Wahlkampf zu missbrauchen.