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Berlin

18 Schrauben und zwei Titanplatten: CSD-Besucher nach Attacke operiert

Der Angriff auf ein junges SPDqueer-Mitglied beim CSD Berlin löst zwei Monate vor der Bundestagswahl empörte Reaktionen in der Politik aus.


Das im Gesicht schwer verletzte Opfer einer homophoben Attacke musste in der Charité operiert werden (Bild: Copyright Charité – Universitätsmedizin Berlin)

Zu Update springen: Polizei sucht Zeug*innen (17:30h)

Nach einem offensichtlich homophob motivierten Angriff am Rande des Berliner CSDs musste der schwer verletzte 21-Jährige aus Brachttal-Schlierbach im südhessischen Main-Kinzig-Kreis in der Charité operiert werden. Jan Luca W. hatte am Samstagabend laut der "Fuldaer Zeitung" wenige Stunden nach der CSD-Demonstration bei dem Übergriff in einer Unterführung einen doppelten Kieferbruch erlitten. Die Ärzte mussten ihm am Sonntag insgesamt 18 Schrauben und zwei Titanplatten einsetzen, um seinen Kiefer zu stabilisieren. W. muss wegen seiner Verletzungen noch einige Tage in Berlin bleiben. Ihm gehe es jetzt den Umständen entsprechend gut.

Die Täter hatten sich den 21-Jährigen offenbar ausgesucht, weil er eine Regenbogenflagge mit SPDqueer-Aufdruck mit sich führte (queer.de berichtete). Der Sozialdemokrat erstattete Anzeige gegen Unbekannt, glaubt aber nicht, dass die Täter dingfest gemacht werden können, da er ihre Gesichter in der dunklen Unterführung nicht erkennen konnte. In Berlin ermittelt – wie bei Hasskriminalität üblich – der polizeiliche Staatsschutz.

Olaf Scholz: "Queerfeindlichkeit hat in unserer Gesellschaft keinen Platz!"

Mehrere Politiker*innen äußerten sich entsetzt über die Attacke. Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erklärte etwa auf Twitter: "Dass jemand so brutal angegriffen wird, weil er eine Regenbogenfahne trägt, ist erschreckend, unverzeihlich und inakzeptabel." Er wünsche seinem Parteifreund eine schnelle Genesung. "Queerfeindlichkeit hat in unserer Gesellschaft keinen Platz!", so Scholz weiter.

Twitter / OlafScholz
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Auch Thorsten Stolz, SPD-Landrat im Heimatlandkreis des Opfers, zeigte sich entsetzt: "Es ist unfassbar, was Menschen aus bloßer Ablehnung des Anderen imstande sind zu tun", so Stolz auf Facebook. "Ich wünsche unserem Mitbürger eine rasche Genesung und eine baldige Aufklärung der Tat. Ihm gelten unsere Solidarität und vor allem unsere guten Wünsche!"

+++ Ich bin entsetzt über die Attacke auf einen Brachttaler am Samstag nach der CSD-Parade in Berlin. Es ist unfassbar,...

Posted by Thorsten Stolz, Landrat für unseren Main-Kinzig-Kreis on Tuesday, July 27, 2021
Facebook / Thorsten Stolz, Landrat für unseren Main-Kinzig-Kreis
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Ein Teil des Hasses auf CSD-Besucher*innen wird von der Politik befeuert. So forderte etwa die prominente AfD-Politikerin Christina Baum sogar ein CSD-Verbot (queer.de berichtete). Diverse weitere Vertreter*innen ihrer Partei arbeiteten sich in den letzten Wochen öffentlich an Regenbogenflaggen ab (queer.de berichtete).


(Bild: Facebook / Christina Baum)

Selbst aus der SPD werden CSD-Teilnehmende als "nicht normal" beschimpft: Der Münchner Bundestagsabgeordnete Florian Post veröffentlichte etwa letzte Woche bei Twitter ein vorher mehrfach von rechtsextremen Seiten geteiltes angebliches CSD-Bild, auf dem ein Kind mit Regenbogenfahne vor karnevalesk verkleideten Petplayern zu sehen ist, und erklärte: "Ich finde das abstoßend. Möchte nicht, dass meine zwei kleinen Töchter derartiges 'erleben' und das dann auch noch als völlig normal bezeichnet wird, wenn man sich so vor kleinen Kindern präsentiert. Will ich jetzt mal als alter, weißer 40 jähriger Mann so sagen." Dazu setzte er den Hashtag #nichtnormal, der an den diesjährigen AfD-Wahlkampfslogan "Deutschland. Aber normal" erinnert. (dk)

Twitter / FlorianPost
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Twitter / mrohrlack


 Update  17.30h: Polizei sucht Zeug*innen

Nach dem Übergriff auf Jan Luca W. hat sich die Polizei am Mittwochnachmittag mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit gewandt. Sie fragt, wer am 25. Juli gegen 0.20 Uhr im Umfeld von Burgstraße, Neue Promenade und Henriette-Herz-Platz verdächtige Beobachtungen gemacht habe. "Wer hat die Tat beobachtet und kann hierzu Auskunft geben? Kennen Sie jemanden, der/die sich mit der Tat gebrüstet hat? Wer kann sachdienliche Hinweise zu Tatverdächtigen oder Zeugen geben?"

Zeuginnen und Zeugen werden gebeten, sich beim Polizeilichen Staatsschutz beim Landeskriminalamt unter der Telefonnummer (030) 4664-953525, per Email an lka535-hinweis@polizei.berlin.de, bei der Internetwache der Polizei Berlin oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.



#1 YannickAnonym
  • 28.07.2021, 11:57h
  • --------------
    Olaf Scholz: "Queerfeindlichkeit hat in unserer Gesellschaft keinen Platz!"
    ---------------

    Aha, Herr Scholz.

    Wäre schön, wenn Sie und Ihre Partei in der Bundesregierung auch nach dieser Maxime handeln würden, statt ständig der Queerfeindlichkeit der Union Mehrheiten zu verschaffen...

    Denn Ihre Politik ist mindestens mitverantwortlich für das gesellschaftliche Klima, das solche Taten begünstigt.

    Dem Opfer wünsche ich alles Gute und gute Genesung - sowohl körperlich als auch seelisch.
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#2 SakanaAnonym
  • 28.07.2021, 12:53h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • Echt? Mehr fällt dir nicht ein als so ein ekelhaftes Blame Game in der Situation? Wenn jemand so operiert werden muss, dann sind nicht nur die physischen Schmerzen hart, sondern auch die psychischen und er wird eine verdammt lange Zeit brauchen, bis er wieder einigermaßen auf dem Damm sein wird.

    Ich hoffe, dass es ihm bald wieder besser gehen wird und dass er auch keine psychischen Folgeschäden davon trägt.
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#3 Julian SAnonym
  • 28.07.2021, 13:08h
  • - "Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erklärte etwa auf Twitter [...]"

    - "Auch Thorsten Stolz, SPD-Landrat im Heimatlandkreis des Opfers, zeigte sich entsetzt [...]"

    Ich finde es schon traurig, wer sich alles aus der SPD zu Wort meldet (bis hin in die obersten Kreise), wenn es Leute aus den eigenen Reihen trifft. Bei vielen anderen Fällen von LGBTI-feindlicher Gewalt hört man von diesen Leuten nichts.

    Dem Opfer wünsche ich natürlich auch gute Genesung und dass er das auch psychisch verarbeiten kann.

    Was muss noch alles passieren, ehe sich endlich etwas ändert im Land des rosa Winkels?!
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#4 SakanaAnonym
#5 mesonightAnonym
  • 28.07.2021, 13:50h
  • Irgendwie ist es doch immer das gleiche, oder? Es sind immer die gleichen Leute die mit den immer gleichen Floskeln kommen, ändern tut sich aber nie etwas.
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#6 YannickAnonym
  • 28.07.2021, 14:30h
  • Antwort auf #2 von Sakana
  • 1. Würdest Du statt Deiner laufenden SPD-Propaganda auch mal die Kommentare zu Ende lesen, wüsstest Du, dass auch ich dem Opfer natürlich alles Gute wünsche und das explizit auch auf Körper UND Seele bezogen habe.

    2. Was ist daran ein "Blame Game", wenn man nach dem Kommentar von Olaf Scholz zu diesem Vorfall darauf hinweist, dass sich dieser Kommentar nicht mit dem realen Handeln deckt? Weder mit seinem eigenen Handeln noch dem Handeln seiner Partei.

    Auf solche Widersprüche und Fakten muss man doch wohl hinweisen können. Erst recht, wenn die Folgen dieser Politik so gefährlich sind wie hier gesehen. Auch wenn das SPD-Fans natürlich nicht gefällt.
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