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Olympische Spiele

Wegen Geste für unterdrückte Menschen: Lesbischer Medaillengewinnerin droht Strafe

Wieder einmal ermittelt ein Verband, weil sich eine Sportlerin für die Rechte von Minderheiten engagiert – dieses Mal traf es die extrovertierte Südstaatlerin Raven Saunders.


Raven Saunders holte sich am Wochenende ihre erste olympische Medaille ab (Bild: Twitter / Raven Saunders)

Das Internationale Olympische Komitee ermittelt gegen die offen lesbische US-Diskuswerferin Raven Saunders (genannt "Hulk"), weil sie bei der Siegerehrung eine Geste für unterdrückte Menschen gezeigt hatte. Das gab das IOC am Montagvormittag bekannt. Die 25-Jährige, über die bei den Spielen wegen ihrer extrovertierten Outfits viel berichtet wurde, hatte mit ihren Armen über ihrem Kopf die "X-Geste" gezeigt, die Solidarität für die Rechte von unterdrückten Menschen zum Ausdruck bringen will. Dies könnte vom IOC als verbotenes politisches Zeichen interpretiert werden.

Nach der Aktion erklärte Saunders, das Symbol repräsentiere "die Überschneidungen, an denen sich alle unterdrückten Menschen treffen". Die ursprünglich aus Charleston (South Carolina) stammende Sportlerin erklärte, sie trage als schwarze, lesbische Frau mit Depressionen selbst mehrere Minderheiten in sich. Sie glaube nicht, dass sich ihre Generation daran störe, dies offen anzusprechen. In einem Interview erklärte sie: "Gruß an alle meine schwarzen Leute. Gruß an meine LGBTQ-Community. Gruß an alle meine Leute, die sich mit psychischer Gesundheit auseinanderzusetzen haben. Am Ende ist dieser Gruß stärker als die Mächtigen. So viele Menschen schauen auf uns Athleten und hoffen, dass wir etwas sagen und für sie sprechen." Auf Twitter ergänzte sie mit einem lachenden Smiley: "Lass sie versuchen, diese Medaille zu nehmen. Ich rennen über die Grenze, auch wenn ich nicht schwimmen kann."

Twitter / GiveMe1Shot
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In den letzten Jahren hatte das IOC die Regelungen zu "politischen Äußerungen" beispielsweise in Pressekonferenzen etwas gelockert. Bei den Siegerehrungen sind aber alle als "politisch" geltenden Aussagen – auch ein bloßer Hinweis auf Gleichheit aller Menschen – verboten.

IOC hat unterschiedliche Standards bei "politischen" Gesten

Die Ermittlungen erinnern an die Aktion der afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos, die bei einer olympischen Siegerehrung 1968 in Mexiko-Stadt die Black-Power-Geste gezeigt hatten. Smith begründete seine Geste damals mit den Worten: "Wenn ich gewinne, bin ich Amerikaner, kein schwarzer Amerikaner. Aber wenn ich etwas Schlechtes tue, sagen sie, ich wäre ein [N-Wort]." Der damalige IOC-Präsident Verhalten Avery Brundage stufte das Verhalten als eine "üble Demonstration gegen die amerikanische Flagge durch [N-Wort]" ein und erwirkte, dass Smith und Carlos aus dem amerikanischen Leichtathletik-Team entfernt wurden. Demgegenüber hatte das IOC keinerlei Problem mit dem Hitlergruß bei den Olympischen Spielen 1936.

Bei der diesjährigen Olympiade haben sich unter den mehr als 11.000 Athlet*innen bislang 179 als Teil der LGBTI-Community geoutet. Erstmals tritt mit Laurel Hubbard auch eine offen transsexuelle Sportlerin im Gewichtheben an (queer.de berichtete). Die Neuseeländerin hat ihren ersten Wettkampfauftritt am frühen Montagnachmittag (deutscher Zeit).

Laut "Outsports" haben queere Sportler*innen bislang insgesamt 19 Medaillen gewonnen, davon sechs in Gold. Das deutsche Team brachte es bislang insgesamt auf 20 Medaillen, allerdings sind davon nur vier in Gold. (dk)



#1 SportbonzenAnonym
  • 02.08.2021, 12:20h
  • Können wir nicht all diese überbezahlten Sportbonzen boykotieren?

    Zum Text: "IOC hat unterschiedliche Standards bei "politischen" Gesten" - wenn damit die Spiele von 1936 gemeint sind, wie im Text angedeutet, macht sich queer.de mit solchen Vergleichen lächerlich, schadet der Sache letztlich und macht das berechtigte Anliegen unglaubwürdig. 1936 war eine andere Welt. Um das IOC zu diskreditieren, bedarf es keiner solchen an den Haaren herbeigezogenen Beispiele. Die lassen sich bestimmt auch in jüngerer Vergangenheit finden.
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#2 LegatProfil
  • 02.08.2021, 12:26hFrankfurt am Main
  • Menschenrechte sind also mal wieder "politisch" und daher automatisch auszublenden. Rasender Nationalismus hingegen ist ein (angeblich) unabdingbarer Markenkern der olympischen Spiele. Es ist dem IOC daher essentiell wichtig darauf hinzuweisen, dass man auf Menschenverachter unbedingt Rücksicht nehmen müsse. Vermutlich wäre sonst auch die "Freiheit" in Gefahr oder irgendsoein Nonsens.

    Man kann nicht NICHT politisch sein. Auch die olympischen Spiele finden in keinem politischen Vakuum statt. Wer sich übrigens minimal mit der Geschichte der olympischen Spiele auseinandersetzt weiß, dass allein durch Teilnahmeboykotte oder auch Ausschlüsse ganzer Länder, die olympischen Spiele schon immer waren und sind. Auch ein Jesse Owens, der vor Hitlers Augen Gold holte, war politisch und ein wichtiges Zeichen gegen den nationalsozialistischen Rassenwahn, ob nun gewollt oder nicht. Owens selbt hat übrigens immer betont, dass er in Berlin als stolzer schwarzer Mann siegte. Eine Botschaft, die ich nur unterstützen kann. Heute würde er dafür vom (als korrupt bekannten) IOC sicher abgemahnt.
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#3 LegatProfil
  • 02.08.2021, 12:30hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #1 von Sportbonzen
  • Es ist nun mal eine historische Tatsache, dass das IOC keinerlei Problem mit dem Hitlergruß bei den Olympischen Spielen 1936 hatte. Damit beweist das IOC eine unfassbare Geschichtsvergessenheit. Warum willst du das wegreden und behauptest sogar noch, die Darstellung dieses Faktums sei irgendwie "schädlich". In welcher Hinsicht denn?
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#4 LegatProfil
#5 zundermxeAnonym
  • 02.08.2021, 13:07h
  • Freut mich sehr, dass prominente Sportler*innen den Maulkorb verweigern und es immer öfter nicht mehr zulassen wollen, Ihre Persönlichkeit leicht verdaulich und massenverträglich unterdrücken zu lassen.
    Hier find ich besonders imponierend, dass neben Hautfarbe, Queerness auch Depressionen offen thematisiert werden.
    Hug and respect!
    thank u
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#6 LotiAnonym
#7 andreAnonym
  • 02.08.2021, 14:46h
  • Auf Twitter gelesen, auf einer US News Seite. Laurel Hubbard ist bereits, zeitig und nach 3 Fehlversuchen ausgeschieden. Hätte ich nicht gedacht. Imposante Erscheinung und den Wirbel der um Sie war in den Medien und bei Ihren Konkurrentinnen.
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#8 KratzbürsteAnonym
  • 02.08.2021, 14:56h
  • Antwort auf #7 von andre
  • Man könnte fast meinen, bei nur einer trans Frau, die sich überhaupt für Olympia qualifiziert hat und dann früh ausscheidet, dass das ganze Gefasel darüber, dass trans Frauen den Frauensport komplett dominieren würden, einfach transphobe Panikmache war...
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#9 MagsAnonym
  • 02.08.2021, 15:20h
  • Antwort auf #8 von Kratzbürste
  • War's ja auch. Wo wären denn die bösen Transfrauen die einen Weltrekord nach dem anderen brechen? Oder die Transfrauen die auf der Damentoilette spannen? Oder die Transfrauen die wegen der Frauenquote Firmenvorstände übernehmen? Oder die Transfrauen die prügelnd durch Frauenschutzräume ziehen? Ich hab noch von keiner gehört. Wir bedrohen eigentlich niemanden und sind doch eine ständige Bedrohung.
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#10 Still_Ith_Ehemaliges Profil