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Formel 1

LSVD: FIA "macht sich mit Orbáns Jagd auf den Regenbogen gemein"

Der Lesben- und Schwulenverband hat den Veranstalter der Formel 1 scharf kritisiert.


Die FIA versucht den Einsatz von Sebastian Vettel für Minderheitenrechte zu verhindern (Bild: Instagram / vettelofficial)

Nach der Rüge gegen den deutschen Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel wegen Tragens eines Regenbogen-Leibchens sieht der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland den Motorsport-Dachverband als Alliierten der LGBTI-feindlichen ungarischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán: "Wenn die FIA nun Sebastian Vettel für das Tragen eines Regenbogenshirts offiziell rügt, macht sie sich mit Orbáns Jagd auf den Regenbogen gemein", erklärte LSVD-Vorstandsmitglied Alfonso Pantisano. "Denn dieses Shirt wäre nach der neuen ungarischen Gesetzgebung verboten, da auch Kinder und Jugendliche das Formel-1-Rennen sehen können." Kein Sportler oder keine Sportlerin sollte dafür bestraft werden, "für Menschenrechte und Respekt einzutreten".

Vettel hatte beim Großen Preis von Ungarn am Sonntag vor und nach dem Rennen ein T-Shirt in Regenbogenfarben mit der Aufschrift "Same Love" getragen (queer.de berichtete). Bereits im Vorfeld des Rennens hatte er das "Homo-Propaganda"-Gesetz in Ungarn kritisiert (queer.de berichtete). Dieses im Juni vom Parlament beschlossene Gesetz verbietet nach russischem Vorbild die Darstellung von Homo- oder Transsexualität nicht nur an Schulen, sondern auch in Büchern, Filmen und anderen Medien, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden können.

Pantisano beklagte, dass die ungarische Regierung seit Monaten die Rechte von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten angreife, um diese Gruppe "in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit" zu drängen. Es sei wichtig, wenn Sportler*innen wie Vettel – aber auch der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton – diese Art der Menschenfeindlichkeit offen kritisierten.

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Konkret war Vettel offiziell dafür gerügt worden, dass er das Shirt während der ungarischen Nationalhymne getragen hatte. Auch drei weitere Rennfahrer hatten eine Verwarnung erhalten, weil sie Hemden mit Botschaften nicht abgelegt hatten. Damit seien sie nicht der allgemeinen Aufforderung gefolgt, zur Hymne des Gastgeberlandes im Rennanzug zu erscheinen.

Ein weiterer ungewöhnlicher Vorgang belastet das Rennen von Ungarn: Vettel wurde nach dem Rennen disqualifiziert, angeblich weil er zu wenig Restbenzin im Tank hatte. Hintergrund ist, dass Fahrer*innen nach dem Rennen mindestens einem Liter im Tank haben müssen. Laut der FIA hätten bei einer Prüfung von Vettels Autor nur 0,3 Liter entnommen werden können. Nach den Berechnungen von Vettels Team Aston Martin sind aber selbst nach der Entnahme noch 1,44 Liter Benzin im Auto. Schuld an der Diskrepanz sei ein Schaden bei Förderpumpen gewesen.

Nach der Disqualifizierung machen sich Homo-Hasser*innen über Vettel lustig: Der AfD-Europolitiker Tomasz Froelich erklärte etwa auf Twitter: "#Vettel macht sich mit seinem Regenbogenshirt, das er heute demonstrativ beim #grandprixhongrie präsentiert hat, zum Clown. Er ist der Goretzka des Motorsports. Und nein, ich fordere nicht, daß er dieses Shirt nun in Abu Dhabi anzieht. Er soll es einfach gar nicht mehr anziehen." Sogar Sven Tritschler, der offen schwule AfD-Vizefraktionschef in NRW, erklärte hämisch: "Karma is a gay bi*ch" und setzte neben diese Aussage eine Regenbogenflagge.



Auch in anderen Sportarten gab es zuletzt Querelen, weil Veranstalter Regenbogenfahnen als politisches Symbol verboten haben. So hatte etwa die UEFA bei der EM verboten, dass die Münchner Allianz-Arena in Regenbogenfarben beleuchtet wird (queer.de berichtete). Auch Werbung in Regenbogenfarben bei Spielen, die in Russland und Aserbaidschan ausgetragen wurde, war vom Kontinentalverband untersagt worden (queer.de berichtete). (dk)



#1 GodzillaAnonym
  • 02.08.2021, 16:51h
  • Das gerade nen AfDler an Karma glaubt wundert mich kein Stück.

    Ich finde die Handlung und Haltung von Vettel richtig und wichtig, ebenso von den drei anderen, weiß leider ihre Namen nicht.

    Btw: Wundert sich einer bei der Handhabe der ganzen Vereine wie UEFA, IOC und FIA ernsthaft warum sich so wenige Sportler outen?!
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#2 MagsAnonym
#3 SchleicheRAnonym
  • 02.08.2021, 17:58h
  • Antwort auf #1 von Godzilla
  • Ne, wundert mich auch net...
    Vor Allem den Regenbogen als "verbotenes politisches Symbol" zu bezeichnen ist geradezu grotesk. Wie weit soll denn dieses Verbot noch gehen? Gibts in Polen, Ungarn und Russland denn bald "Spezial"-Brillen, die man aufsetzen muss, wenn am Himmel ein Regenbogen erscheint? Vielleicht reichen auch Scheuklappen und die Order, während eines Regenbogen-Events nicht in den Himmel schauen zu dürfen. Nicht auszudenken, wenn die Kinder den Regenbogen auch noch zeichnen. Ob die dann auch so abgemahnt werden, als hätten sie das Hakenkreuz im Schulheftchen gekritzelt?

    Das Verhalten einiger Sportverbände und Länder ist so lächerlich, dass man eigentlich herzlich darüber lachen müsste. Nur ist diese Repression eben nicht lustig.
    Meiner Landesregierung M-V hab ich zumindest einen anständigen Brief geschrieben, weil die Polizeileitung sich hier ja ebenso verhält.

    Immerhin gibt es Sportler, die sich gegen diesen absoluten Unsinn stellen, und dafür bin ich sehr dankbar. Sebastian Vettel ist in der Formel 1 schon nicht mehr allein und Leon Goretzka auch nicht. Diese Leute sind der nötige Gegenpol zu den unglaublichen Behauptungen und Lügen einzelner Regierungen und Organisationen, welche die Sicherheit und auch körperliche Unversehrtheit einer gar nicht so kleinen Minderheit gefähren.

    Ich bin etwas gespannt, wie die großen Sportereignisse in Zukunft laufen, z.B. in Katar.
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