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In eigener Sache
"Querdenker" attackieren queer.de
Unsere Redaktion habe nachträglich Masken in ein Foto vom Berliner CSD montiert, erfindet ein Twitter-User – Hunderte teilen und liken seine Lüge von Manipulation und "Propaganda".

Die einen sehen auf diesem Foto zu viele, die anderen zu wenige Atemschutzmasken: Szene vom Berliner CSD 2021 (Bild: communiGAYtion.com)
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2. August 2021, 13:55h 3 Min.
Mathias Priebe wurde 1968 in der DDR geboren, kennt sich also mit Zentralorganen aus. Vielleicht glaubt er ja deshalb, dass queer.de, das "Zentralorgan der Homo-Lobby", wie wir uns mit ein ganz klein wenig Ironie nennen, tatsächlich ein "offizielles" Foto vom Berliner CSD veröffentlichen kann.
Und weil es ja "offiziell" ist, dachte sich wohl der mit den "Querdenkern" sympathisierende "Wahndemie"-Kritiker, kann er das Foto einfach von unserer Homepage klauen und am Samstag auf Twitter posten. Zusammen mit der frei erfundenen Behauptung, wir hätten es manipuliert und nachträglich Menschen mit Schutzmasken hineinmontiert, um die LGBTI-Community in ein besseres Licht zu rücken. Priebe nutzte dazu den Hashtag #Propaganda.

Screenshot von Priebes Tweet
Hunderte likten und teilten die Lüge, nicht selten mit ordentlich Schaum vor dem Mund. "Klare Bild-Manipulation um die dümmliche Masse an den Bilderschirmen zu belügen und zu täuschen", schrieb etwa ein User. In etlichen Kommentaren, Emails und Nachrichten wurde queer.de am Wochenende von "Querdenkern" und "Corona-Kritikern" beschimpft. Unser Mitarbeiter und Vlogger Phil Hollister, von dem das Foto stammt, fiel aus allen Wolken.
Inhaltlich wollen wir nicht auf die absurden "Beweise" Priebes eingehen. Der Twitter-User @OgrimFarthammer hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, die Falschbehauptungen detailliert auseinanderzunehmen. Wer will, kann sich auf queer.de auch Videosequenzen (2:40) von Phil aus der gleichen Perspektive ansehen: Wo gehüpft und getanzt wird, fliegen schon mal Arme durch die Luft…
Wir thematisieren die Fake News über angebliche Fake News vor allem als weiteres Beispiel für die zunehmende Perfidie der "Querdenker"-Szene, die offenbar keine Grenzen nach unten kennt und einen treffen kann auch ohne den geringsten Anhaltspunkt. Um Medien und unsere Demokratie verächtlich zu machen, wird sogar ein vermeintliches Komplott erfunden. Hinter diesem gefährlichen echten Manipulationsversuch verbirgt sich auch eine gehörige Portion Queerfeindlichkeit, die Priebe mit seinem Tweet gezielt weiter schürt.
Jedes Foto, das einen Artikel illustriert, hat natürlich eine eigene Botschaft. Den Bericht "Polizei: CSD und 'Querdenker' kann man nicht vergleichen" vom 30. Juli hätte ich beispielsweise auch mit folgendem Foto von der Pride-Parade bebildern können – als Beweis, dass sich ja sehr viele Teilnehmer*innen an Abstandsregeln und Maskenpflicht gehalten haben:
Ich wählte jedoch – das macht die "Querdenker"-Lüge erst recht so absurd – bewusst die ziemlich sorglos tanzenden Massen vorm Brandenburger Tor, um den aus meiner Sicht zu nachlässigen Umgang nicht weniger CSD-Demonstrant*innen mit den Coronaschutz-Bestimmungen zu thematisieren – auch als Kontrast zu den beschwichtigenden Aussagen von Polizei und Veranstalter*innen.
In unserer jüngsten Wochenumfrage erklärten fast 40 Prozent der Teilnehmer*innen, dass CSD-Demonstrationen mit Zehntausenden Menschen in der Pandemie nicht verantwortungsvoll seien. Bodo Niendel bezeichnete den Berliner CSD in der "Siegessäule" sogar als ein "Superspreader-Event mit Ansage".

Wochenumfrage auf queer.de vom 26.07. bis 02.08.2021
Um nicht missverstanden zu werden: Für die zugedrückten Augen der Polizei bei der Hauptstadt-Parade gab es sehr gute, nachvollziehbare Gründe. Doch die Diskussion darüber, ob Pride-Großveranstaltungen in Coronazeiten sinnvoll und vor allem solidarisch sind, müssen wir offen und ehrlich in der Community führen, ohne die Maskenaversion einer großen Minderheit zu leugnen. Nur dann haben unsere rechten und "querdenkenden" Gegner*innen keine Chance mehr, den CSD für ihre Zwecke zu missbrauchen und mit ihrem Vorwurf doppelter Standards durchzukommen.















