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Polizeibericht

Beleidigt, geschlagen, gewürgt: Neue homophobe Attacke in Berlin

Zwei junge Männer wurden in der Nacht zu Dienstag in Berlin-Charlottenburg erst beschimpft, dann brutal angegriffen. Die Polizei konnte die 17 und 19 Jahre alten Tatverdächtigen kurz darauf festnehmen.


Symbolbild: Die Berliner Polizei macht mutmaßlich LGBTI-feindlich motivierte Gewalt gezielt öffentlich (Bild: cocoparisienne / pixabay)

In der Nacht zu Dienstag nahmen Polizeieinsatzkräfte einen Mann und einen Jugendlichen in Berlin-Charlottenburg fest. Das meldete die Polizei der Hauptstadt am Dienstag.

Ersten Erkenntnissen zufolge soll das Duo, das auf Fahrrädern unterwegs war, gegen 1.30 Uhr an der Kreuzung Kantstraße Ecke Budapester Straße in der Nähe des Bahnhofs Zoo einen 22 Jahre alten Mann und einen 17-Jährigen angegriffen haben. Die Angegriffenen waren zu Fuß auf der Budapester Straße in Richtung Hardenbergplatz unterwegs.

Mit dem Fahrrad zunächst in die Hacken gefahren

Der jüngere der beiden später Festgenommenen soll dem 22-Jährigen zunächst mit dem Vorderrad in die Hacken gefahren sein und ihn dabei schwulenfeindlich beleidigt haben. Anschließend sollen die Tatverdächtigen ihre Fahrräder abgestellt und auf die beiden Fußgänger zugelaufen sein. Der jüngere der beiden mutmaßlichen Täter soll auf den 22-Jährigen eingeschlagen und ihn dabei am Hinterkopf getroffen haben. Weitere Faustschläge soll der Angegriffene abgewehrt haben.

Als der Begleiter des Angegriffenen versucht haben soll, die Rangelei zu beenden und sich dazwischen stellte, soll der zweite Tatverdächtige ihn mehrfach mit den Fäusten gegen den Kopf geschlagen haben, so dass dieser rückwärts zu Boden stürzte. Der Tatverdächtige soll sich im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung auf den Angegriffenen gesetzt und ihn mit beiden Händen gewürgt haben, wodurch dieser zwischenzeitlich keine Luft mehr bekam. Er soll daraufhin laut Polizeibericht "in den Intimbereich seines Angreifers geschlagen" haben, so dass dieser letztlich von ihm abließ.

Als die beiden Angegriffenen schließlich angekündigt hätten, die Polizei hinzuzuziehen, sollen die beiden augenscheinlich Alkoholisierten mit ihren Fahrrädern in Richtung Budapester Straße geflüchtet sein.

Die beiden jungen Männer wurden leicht verletzt

Der 22-Jährige erlitt durch den Angriff eine leichte Kopfverletzung. Sein Begleiter stand unter Schock und wurde leicht an einem Knie, einer Hand und am Hals verletzt. Einen Transport durch Rettungskräfte in ein Krankenhaus lehnten sie ab.

Alarmierte Einsatzkräfte trafen die Gesuchten unweit des Tatortes an und nahmen sie fest. Anschließend brachten sie den 17-Jährigen und seinen 19 Jahre alten Komplizen für Blutentnahmen in einen Polizeigewahrsam. Der ältere der beiden Tatverdächtigen wurde zudem erkennungsdienstlich behandelt. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde der 19-Jährige vor Ort entlassen, seinen Begleiter übergaben die Einsatzkräfte an dessen Mutter.

Beide müssen sich nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung und Trunkenheit im Verkehr verantworten. Die weiteren Ermittlungen, insbesondere zu den Hintergründen der Tat, dauern an. Nähere Angaben zu den Angreifern wurden im Polizeibericht wie bei Erstmeldungen üblich nicht gemacht.

Behörden sind für queerfeindliche Gewalt sensibilisiert

Die Berliner Polizei macht mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt in ihren Berichten publik und meldet diese daher vergleichsweise häufig der Öffentlichkeit. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt haben eigene Ansprechpartner für LGBTI. (pm/cw)



#1 Wahlberliner
  • 03.08.2021, 18:28h
  • Warum lehnen die Opfer immer wieder ab, in ein Krankenhaus gebracht zu werden??
    So würde nämlich die Schwere der Tat sehr leicht beweisbar und die Strafe und auch das Schmerzensgeld können mit hoher Wahrscheinlichkeit höher ausfallen!
    Mindestens aber immer zum Arzt gehen (wenn abends dann Notfallaufnahme im Krankenhaus) und alles bescheinigen lassen!!
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#2 ZustimmungAnonym
#3 gastAnonym
  • 03.08.2021, 18:38h
  • Antwort auf #1 von Wahlberliner
  • Da wird es weder Schmerzensgeld geschweige denn ein Urteilsspruch geben. Im besten Fall wird es "eingestellt". Trunkenheit - sprich - Alkohol - wird noch als strafmindernd gewertet werden. "Ist ja schließlich auch nichts wirklich schlimmes passiert - alle "Beteiligten" konnten auf ihren eigenen zwei Beinen nach Hause, zu Mamma gehen .... Ironie off!
    Das Berliner Gericht kommt ja nicht mal mit den wirklich schweren, ernsten, staatsgefährdenden Straftaten hinterher, was sollen sie sich dann mit "jugendlichem Kräftemessen" befassen .... findet den Fehler .....
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#4 SöderAnonym
  • 03.08.2021, 18:41h
  • Antwort auf #1 von Wahlberliner
  • Genau das habe ich mir auch schon gedacht.
    Es muss aber einen Grund haben, weil das öfter vorkommt. Zu langes Warten in der Notaufnahme in der Nacht? Vorfall passierte um 01:30, bis alle Befragungen abgeschlossen sind, war es wahrscheinlich 3:30. Könnte dann auch verstehen, wenn man einfach nur nach Hause will.
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#5 LotiAnonym
#6 Wahlberliner
#7 HugogeraldAnonym
  • 04.08.2021, 08:55h
  • Antwort auf #1 von Wahlberliner
  • Warum? Es ist komisch, aber ich habe mich geschämt, dass ich mich als Mann niederprügeln habe lassen, als ob ich versagt habe. Ich habe mich zu Hause verkrochen, keine Rettung gerufen - hatte ja kein Handy, das hat der Täter ja mitgenommen. Am nächsten Tag hat mich meine Familie dann überredet das Ganze der Polizei anzuzeigen und am übernächsten Tag war ich dann beim Arzt, weil die Schmerzen im Brustkorb immer ärger wurden - Schlagring! Die Tage danach habe ich bei verschiedenen Ärzten verbracht, ansonsten habe ich mich weiter verkrochen, und das erste Mal in meinem Leben habe ich Angst wenn ich im Dunkeln auf der Straße bin - das Ganze ist jetzt 4 Wochen her und ich bin immer noch nicht der Mann, der ich vorher war.
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#8 GodzillaAnonym
  • 04.08.2021, 09:16h
  • Das ist doch wirklich unfassbar.
    Anstatt den beiden Opfern zuzusprechen, Solidarität zu zeigen und die Tat zu verurteilen wird hier quasi auf den Opfern rumgehackt, warum sie denn ärztliche Hilfe verweigern.
    Jeder Mensch kann und soll das selbst entscheiden und da hat sich niemand anzumaßen, das noch zu kritisieren und den Opfern indirekt Schuld zuzusprechen, weil dadurch ja dann nichts passiert.
    Die Polizei war vor Ort und dokumentiert das haarklein, auch das Verletzungen vorliegen und sogar welche, wenn sichtbar und nach Angaben der Opfer. Meines Wissens nach ist es sogar so, dass du die Dokumentation der Verletzungen im Krankenhaus auch noch selbst bezahlen darfst, gerne lasse ich mich dahingehend aber korrigieren.

    Ich hoffe, dass sich die Beiden schnell erholen und die Täter mehr als einen Fingerzeig bekommen.
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#9 zundermxeAnonym
  • 04.08.2021, 09:50h
  • Antwort auf #7 von Hugogerald
  • Jo, wir wollen alle keine Opfer sein und schämen uns überdies ein Stück weit, wenn es dann doch passiert.

    Wünsch dir und hoffe, dass du die körperlichen und vor allem psychischen Folgen des Überfalls verarbeiten kannst! Leider hab ich auch kein Patentrezept dafür. Doch reden ist ein guter Anfang.

    Vor Jahren bin ich mit meinem Freund von vier Angreifern nachts unweit einer Bar aus dem Nichts überfallen worden.
    Die hatten zum Glück keine Waffen wie Schlagringe und hatten auf leichte Beute gehofft. Da wir uns beide massiv gewehrt haben und die Angreifer unerfahren waren, konnten wir sie tatsächlich buchstäblich in die Flucht schlagen. Angezeigt haben wir das damals leider auch nicht weil wir nicht schon wieder Ärger mit der Polizei wollten. Die hatten Wochen zuvor, fast an gleicher Stelle, meinen Freund grundlos auf dem Heimweg festgenommen und die halbe Nacht auf der Wache behalten weil er sich nicht ausweisen konnte. Anruf oder Nachfrage bei mir zur Bestätigung seiner Angaben wurden verweigert.

    Was vielleicht nicht alle nachvollziehen können, ist auch der Schock während und nach einem Überfall. Klar denken braucht dann nicht selten ne ganze Weile.
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#10 LotiAnonym
  • 04.08.2021, 11:55h
  • Antwort auf #9 von zundermxe
  • Danke für diese Aufführung.
    Mein damaliger Partner u.ich wurden auch mal vor einer Bar von einem Typ mit einem Totschläger angegriffen. Mein Freund hatte verdammtes Glück gehabt, denn der Schläger streifte ihn nur am Kopf. Ich war so in Wut geraten, dass ich sofort nach den Totschläger griff und ihn nicht mehr losließ. Zu guter letzt kam gerade ein anderer Gast aus dem Lokal und half uns sofort, den Täter dingfest zu machen. Alles kam deshalb zur Anzeige, da dieser Typ nicht alleine war. Sein Kumpel saß im Auto. Als beide dann wegfuhren merkten wir uns die Autonummer. Zuerst wollte die Polizei nicht einmal eine Anzeige aufnehmen. Aber ich drängte den Beamten damit, eine Beschwerde einzulegen, wenn er nicht endlich spurt.
    Nie werde ich das Hochrote Gesicht der Richterin später zum Prozess vergessen. Die war dermaßen wütend über den Täter.
    Er bekam 6 Monate auf 2 Jahre Bewährung. Selbst sein Kumpel hatte gegen ihn damals ausgesagt. Der Täter hatte nur Glück mit dem Urteil, da er gerade eine Lehre machte. Sonst wäre er in den Jugendstrafvollzug gelandet. So die Richterin.
    Ach ja. Mein Freund und ich verbrachten Stunden auf in Notaufnahme da Sonntagmorgen war, bis er endlich am Kopf untersucht wurde.
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