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Einzelkommentar zu:
Trans Menschen stärker von Demenz betroffen


#4 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 04.08.2021, 15:41h
  • Antwort auf #2 von Hexe
  • Die Angst vor der Sucht kenn ich. Ich kann es mir, glücklicherweise auch durch den Job, nicht leisten, und mein Körper bestraft mich gern mal mit drei Tagen Migräne. Der Gedanke, dass mich das auffressen könnte, wenn ich einmal wirklich damit anfange, ist schon sehr präsent da.

    Zu der Sache mit der Suizidalität und der Depression habe ich irgendwo ein anderes Verhältnis entwickelt als ich das bei vielen Leute so sehe. Ich bin meiner Depression echt dankbar, wenn du mich fragst, hat die mir das Leben gerettet. Ein Panzer, der dich damit einsperrt, dass er dich nichts fühlen lässt ... aber dich gleichzeitig schützt, weil du auch Dinge nicht fühlen kannst bzw. musst, die sich nicht ertragen lassen.
    Immer noch erstaunt bin ich darüber, wenn ich so zurückdenke, dass dieses Festhängen in der Suizidalität so ein Gedanken-Gefühlskreislauf gewesen ist, auf den ich momentan zurückblicke und mir denke: Okay, ja, krass gewesen. Aber irgendwann auch vorbei gewesen, wie eine Wolke, die ständig über dir hing und inzwischen weg ist.
    Während der PMS meldet sich da manchmal noch sowas, einen Tag lang oder so, aber vergleichsweise oberflächlich. Aber im Grunde würde ich sagen: Wow, kann echt ausheilen, sowas. Krass vor allem, weil ich mich auch daran erinnere, dass ich das währenddessen überhaupt nicht für möglich gehalten hätte.

    Man muss aber leider sagen, zumindest ist das mein Fazit aus der Sache, dass da ziemlich viel vom Umfeld und den Lebensbedingungen selbst abhängt. Das ist nicht alles "nur Psyche", was eine*n da fertig macht, wo du halt mal kurz, so verhaltenstherapiemäßig, deine Perspektive ändern musst und dann wird schon alles gut. Wenn schon die körperlichen Bedingungen schlecht sind, und die sozialen auch, und du da wegen Armut nichts machen kannst, oder weil man sich eben nicht einfach Leute herzaubern kann, die eine*n akzeptieren (ohne Geld und Job und als sozialer Außenseiter nach Berlin ziehen, ja lol) - was willst du da machen? Einfach überleben, irgendwie, und das bisschen, das in der Macht steht, tun, um doch was zu ändern. Aber am Ende wird das nichts ohne Glück, und wie lange das dauert, bis du mal Glück hast, aus dem du dann auch zügig etwas machen musst, ehe die Chance vorbei ist, das kannst du von weit genug unten dann auch wieder wenig bis gar nicht beeinflussen.
    Was es für mich persönlich wirklich dringend gebraucht hätte, wäre ein Sozialstaat, der mich nicht obendrein noch fürs Armsein verachtet und bestraft, als hätte ich nicht schon genug Probleme. Deswegen kann ich es einer Wagenknecht auch nicht verzeihen, wenn sie den Kampf für Arbeiter*innen und Arme ständig gegen gerade diejenigen Minderheiten ausspielt, die von Armut mit der höchsten Wahrscheinlichkeit betroffen sind. Und der Linken nicht, dass sie diese Person in den eigenen Reihen duldet. Es hätte mir in sehr vieler Hinsicht im Leben schon oft besser gehen können, wenn ALG-Bezug und HartzIV nicht so mies wären, wie sie es sind. Aber in der deutschen Parteienlandschaft sehe ich NIEMANDEN, dem ich ein ernsthaftes Interesse daran abkaufe, das zu ändern. Zumindest nicht, von wegen "skurrile Minderheiten", in einer Weise, die mich als trans*-Person tatsächlich mitmeint und mitdenkt.

    Ich komme gerade auch ziemlich viel durch die Natur zur Ruhe, so kitschig sich das anhört. Mehr mit Pflanzen als mit toten Tieren, aber hey. Angeln ist immer noch ehrlicher in der Hinsicht als ein Einkauf im Supermarkt. Ich find es einfach nur so faszinierend, Dingen beim Wachsen zuzusehen. Du steckst eine Knolle in die Erde, oder einen Samen, der locker unter den Fingernagel passt, und dann gießt du das ein bisschen und stellst es in die Sonne und es wird eine Pflanze draus. Sind dann Lebewesen, die dir einfach mal nicht wehtun. Auch mal eine nette Erfahrung.
    So ein gewisses "Back to the roots"-Feeling scheinen mir aus der Pandemie auch so einige mitgenommen zu haben. Bloß Kochen werde ich wohl nie lernen :p

    Für die virtuellen Hugs ein Dankeschön, und schick dir gerne welche zurück :)
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