Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39663

Serientipp

Teenager, eine mysteriöse Entführung und jede Menge Queerness

Die Psychotrillerserie "Cruel Summer" des schwulen Showrunners Bert V. Royal überzeugt mit spannenden Twists, stimmigem Nineties-Flair und einem überzeugenden Ensemble. Jetzt bei Amazon Prime Video!


Beste Freund*innen bummeln in der Mall: Mallory (Harley Quinn Smith), Jeanette (Chiara Aurelia) und Vince (Allius Barnes) in "Cruel Summer" (Bild: Freeform)

Brauchen wir wirklich noch eine Serie über Teenager und ihr Highschool-Umfeld? Die Frage ist berechtigt, wenn man sich ansieht, was gerade bei den Streamingdiensten dieser Tage so geboten wird. Doch mit "Cruel Summer" (ab 6. August bei Amazon Prime Video) geht nun eine an den Start, die doch einige überzeugende Argumente ins Feld führt.

Entscheidend ist dabei vor allem die Tatsache, dass die Serie das übliche Setting – Spinde im Schulflur, Lunch in der Mensa und in der Freizeit Bummeln im Einkaufszentrum und abends illegale Partys – samt zugehörigem Personal mit einem anderen Fernseh-Dauerbrenner kombiniert, nämlich dem Genre "Verbrechen erschüttert Kleinstadt". Und obendrauf gibt es hier noch eine gute Portion Neunzigerjahre-Nostalgie.

Der Plot ist dabei recht schnell zusammengefasst: Etwa zum gleichen Zeitpunkt, als im texanischen Örtchen Skylin die beliebte Schülerin Kate (Olivia Holt) verschwindet, blüht die etwas jüngere und vor allem sehr viel nerdigere Jeanette (Chiara Aurelia) zusehends auf. Als die Vermisste ein Jahr später wieder auftaucht, beschuldigt sie Jeanette, gewusst zu haben, wo sie gefangen gehalten wurde, ohne Hilfe geholt zu haben. Oder ist sie nur eifersüchtig, weil Jeanette inzwischen mit ihrem früheren Freund liiert ist?

Am gleichen Tag in drei aufeinanderfolgenden Jahren


Poster zur Serie: "Cruel Summer" startet am 6. August 2021 bei Amazon Prime Video

Erzählt wird diese Geschichte auf drei Zeitebenen. 1993 trägt Jeanette noch Zahnspange, hängt mit ihren besten Freund*innen Mallory (Harley Quinn Smith, die bisexuelle Tochter von Regisseur Kevin Smith) und Vince (Allius Barnes) und blickt neidisch schmachtend auf das Leben von Kate, die derweil verschwindet. 1994 ist Jeanette zum hübschen Schwan erblüht und mit Jamie (Froy Gutierrez) liiert, als die Vermisste unerwartet und vor allem lebend gefunden wird. Und 1995, als beide Mädchen des Lebens eigentlich nicht mehr froh werden, steht ein Prozess an, weil Jeanette Kate und ihre Familie auf Schadensersatz wegen Rufmordes verklagt, nachdem letztere ihre Behauptungen auch öffentlich im Fernsehen vorgetragen hat.

Der Kunstgriff des schwulen Showrunners Bert V. Royal (von dem auch schon das Drehbuch zur tollen Highschool-Komödie "Einfach zu haben" stammte), dass der Großteil der zehn Folgen an jeweils einem gleichen Tag in allen drei Jahren spielt, erweist sich als unnötig bemüht. Davon abgesehen aber wartet die von Jessica Biel ("The Sinner") mitproduzierte Serie, die bereits für eine zweite Staffel verlängert wurde, mit etlichen spannenden Twists, stimmigem Nineties-Flair und einem überzeugenden Ensemble auf.

Dass "Cruel Summer" nebenbei auch noch auf erstaunlich interessante und zeitlose Weise vom Druck und den Zwängen erzählt, die Jugend und Pubertät sozial wie familiär mit sich bringen, ist besonders erfreulich. Und als i-Tüpfelchen bringt die Serie dann auch noch eine gute Portion Queerness mit. Teilweise durch die bloße Beobachtung der Tatsache, dass die Grenzen zwischen Anziehung, Freundschaft und erotischen Gefühlen in der Pubertät oft fließend und ohne fix definierten Horizont daherkommen. Aber dann auch durch dezidiert queere Figuren. Nur welche das sind, sei an dieser Stelle nicht verraten, denn das langsame Enthüllen von Wahrheiten ist bei "Cruel Summer" Programm.

Direktlink | Deutscher Trailer zur Serie
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Infos zur Serie

Cruel Summer. Psychothrillerserie. USA 2021. Autor: Bert V. Royal. Darsteller*innen: Olivia Holt, Chiara Aurelia, Michael Landes, Froy Gutierrez, Harley Quinn Smith, Allius Barnes, Blake Lee, Brooklyn Sudano, Sarah Drew. Zehn Folgen zwischen 42 und 45 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Seit 6. August 2021 bei Amazon Prime Video


#1 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 06.08.2021, 09:32h
  • Noe, sorry.

    1. in den Hauptrollen schon in der Beschreibung zwei Frauen, die mit jeweils nem Typ zusammen sind und mehr wird über Identitäten und Sexualitäten nicht verraten.
    Das beschreibt sich also klassisch hetero, und hetero-presenting Held*innen können mich mal, genauso wie die Leute, die sich eine "normale" Serie nicht ohne gut sichtbare Heterosexualität vorstellen können. Hetero-Rumgeficke wird's wahrscheinlich bei nem Teenie-Thema dann auch noch geben.
    Wenn da was queer wird, wird es untergejubeltes Queer, das sich zumindest in der Beschreibung vor der gewöhnlichen Cis-Hete versteckt, um das "normale Publikum" nicht bloß meinetwegen abzuschrecken. Und wahrscheinlich wird es wieder mal so low-level queer, dass es eher auf dem Niveau von Queerbaiting läuft.

    2. Niemals ohne Spoiler, keine Überraschungen, weil Überraschungen meistens negative Tropes bedeuten, gerade in einer Serie, in der Verbrechen passieren. Ich bin PTSD-Patient, ich hab Dutzende toxische Tropes im Umgang mit Queerness gesehen, Charakteren, mit denen ICH mich identifiziere, darf ich meistens beim Leiden, Gequältwerden, Gemobbtwerden oder auch mal sterben zusehen. Alternativ sind wir die Bösewichte, bei denen dann auch niemand drum traurig ist, wenn sie den Rest ihres Lebens im Knast misshandelt werden.
    Das kann man sich mit Vorbereitungen antun. Traumatisierte Menschen hassen Überraschungen, und die Art Überraschungen hasse ich so richtig, aber sie sind Alltag. Ob das der schwule Poly-Prota ist, der zum Finale bekanntgibt, dass seine Rumvögelei ja bloß Eskapismus war und dann eine FRAU(!) heiratet, oder die Killerin, bei der sich später rausstellt, dass sie gemordet hat, weil sie trans ist und ihre GA-OP subotimal gelaufen ist, und sie deswegen jetzt Typen umbringt, die finden, dass sich das "komisch" anfühlt. Oder einfach nur der Standard "sexualisierte Gewalt an Person ohne Penis", weil das schließlich sein muss. Ich hab es alles übertrieben satt, vor allem, dass von mir erwartet wir, das dann obendrein noch zu feiern, weil "hey, wir haben hier einen missbrauchten und erschossenen Transmann als Repräsentation für dich, du könntest dich schon echt mal freuen, dass wir jemanden wie dich vorkommen lassen".

    3. wenn die queere Partei in der Produktion ein schwuler Cis-Mann ist, kann ich das für mich sowieso vergessen. Ich bin schließlich eine von diesen "Frauen, die seine Szene zerstören". Außerdem wird's wahrscheinlich vor Sexismus strotzen, denn schwule Typen sind die Letzten, die sich freiwillig mit Feminismus und Konsens befassen.

    4. wenn da was enthüllt wird, heißt das, die Leute leben closeted. Und ich hasse es, closeted Queerness zum einzignormalen Standard zu machen, und damit auch zum Vorbild. Damit ich mich mit fiktiven Charakteren abgebe, die weniger out & proud sind als ich selbst, müssten die mir schon überragend sympathisch sein, und das Umfeld auch. Und ein Umfeld, in dem zwei Frauen sich um einen Typen reißen, ist mir schon so vom sehr groben Draufgucken massivst unsympathisch.

    5. die 90er waren scheiße.

    Also, meinetwegen ohne Spoiler dazu, welche und was für negative Tropes mich erwarten, und wie viel von der "sich entfaltenden" Queerness de facto eher Queerbaiting ist, für das viele zu viele Leute im Gegensatz zu mir dann obendrein auch noch devote Dankbarkeit übrig haben. Aber wenn ich nicht sehr genau erfahre, wie viele Drecks-Kommentare ich erwarten darf, in wie vielen Details ich der queeren Person beim Leiden zu sehen darf, dann eben ohne mich.
    Man macht doch eine 90er-Serie mit Queerness nicht zum Empowerment. In den 90ern war das vollkommen normal, allein schon fürs Schwulsein totgerpügelt zu werden. Von anderen queeren Identitäten brauchen wir da gar nicht erst anfangen.
    Gute, alte Zeiten.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 06.08.2021, 09:55h
  • Das Traurige ist, ich weiß ja schon, so ganz ohen Spoiler, dass Menschen "wie ich" nicht vorkommen können, weil Schauspieler*innen nunmal entweder cis oder zumindest cis-passing zu sein haben.
    Eine transmännliche Person mit HRT samt Effekten, aber ohne OPs? Typischerweise weiblich gelesene Statur, aber mit Stimmbruch und Bart? Das kannst du vergessen, jemand, der so rumläuft, würde als Schauspieler*in nie im Leben Rollen bekommen.
    Man dürfte nicht existieren, so einfach ist das. Und in der Medienlandschaft, wo Cissen entscheiden können, was vorzukommen hat und was nicht, existierst du dann eben nicht. It's as simple as that.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 MarcAnonym
  • 06.08.2021, 10:29h
  • Antwort auf #1 von Still_Ith_
  • "die 90er waren scheiße."

    Das ist ja wohl subjektiv.

    Für mich waren die 90er klasse. Da war ich in meinen 20ern, habe viele tolle Leute kennengelernt und viele tolle Dinge unternommen und erlebt. Und auch die Liebe meines Lebens kennengelernt.

    Und was man auch ohne jede Subjektivität rein objektiv feststellen muss:
    in den 90ern war die Toleranz deutlich höher als heute. Da gab es weniger LGBTI-feindliche Gewalt. Da sind auch mehr schwule und lesbische Paare händchenhaltend durch die Stadt gegangen. Insgesamt war die Gesellschaft noch nicht so gespalten wie heute und noch viel liberaler nach dem Motto "Jeder wie er mag".

    Ich finde eher, dass heute viele Dinge auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen deutlich schlechter sind als in den 90ern.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 06.08.2021, 10:47h
  • Ok, also ich hab mir jetzt mal so grob was wie Does the dog die und einige Plotspoiler angesehen, und dass nicht-cis-männliche Überlebende von häuslicher und partnerschaftlicher Gewalt sich vorm Anschauen zumindest zu der Folge näher informieren sollten, die sich an dem ergötzt, was während der Entführung so alles passiert, hätte man unter all dem "Erfreulichen" zumindest mal erwähnen können.
    Ich mein, gut, es ist Netflix, wer Netflix-Produktionen kennt, weiß, dass der Spaß an Gewalt gegen Frauen zum Konzept gehört. Wenn man aber schon so übertrieben viel Lob für eine Serie übrig hat bzw. die derart empfiehlt, könnte man vielleicht mal einen klitzekleinen Moment so tun, als ob man hier nicht nur für Cis-Männer schreibt, und sowas mit einbeziehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 06.08.2021, 12:06h
  • Antwort auf #3 von Marc
  • Ja klar ist das subjektiv, aber das ist ja beim Großteil meiner sonstigen Gründe auch nicht anders.

    Dass du als mutmaßlich nicht-trans*-Person die 90er als irgendwie besser empfunden hättest, mag halt daran liegen, dass die komplette Unsichtbarkeit und Nicht-Existenz jeglicher Trans*-Repräsentation (durch Sportler*innen-Outings, durch Buchwerbung von Ownvoices, durch Darstellung als Cover auf Zeitschriften...) dich halt nicht zu jucken braucht. Weder damals noch heute. Genausowenig dürfte dich als mutmaßlichen Cis-Mann jucken, dass es bis zu den recht späten 90ern konkret in Deutschland vollkommen legal war, die eigene Ehefrau zu missbrauchen. Aka ich damals in einer Welt aufgewachsen bin, in der der einzige Film, der jemanden wie mich zeigte "Boys don't cry" gewesen ist (also der trans*-Mann, bei dem graphisch dargestellt wird, wie er vor der Freundin gedemütigt, entblößt, missbraucht wird, um mit einem ausgeblendeten Schuss von draußen zu enden), der trans*-Personen über Gendergrenzen hinweg traumatisiert hat, und meine Familie für mich ein Schicksal als Eigentum eines Cis-Mannes selbstverständlich gefunden hätte, der mit mir in etwa hätte machen dürfen, was er wollte.

    Mal ganz abgesehen von solchen Subjektivitäten dient der Rückgriff auf "früher"-Settings, welcher Art auch immer, in Filmen und Serien mit schöner Regelmäßigkeit dazu, Queerfeindlichkeit, Misogynie und co. damit zu legitimieren, dass das "damals eben so gewesen ist". An welchen Stellen irgendetwas in der konkreten Epoche nun tatsächlich besser oder schlechter war, in der Hinsicht fällt die Recherche bei näherer Betrachtung extrem oft durch. Normalerweise sind solche Settings die vorweggenommene Ausrede, um "ja, klar, HEUTE würde man das natürlich nicht gut finden, aber ihr könnt/dürft deswegen jetzt nicht meckern, denn wir sind hier bloß historisch (pseudo-)korrekt" erwidern zu können, wenn dargestellter Rassismus, Misogynie oder sonstige Minderheitenfeindlichkeiten kritisiert werden.

    Überhaupt - was ist denn an Medienkritik bitte nicht subjektiv? Dinge überhaupt kritisch-feministisch betrachten zu _wollen_, ist schließlich für sich genommen schon eine persönliche Entscheidung. Das mit den Triggerwarnungen hat zwar schon auch mit Inklusion zu tun, aber ob man Inklusion jetzt befürwortet oder nicht, ist ja, Stand 2021, auch wieder "Geschmackssache".
    Ich finde es halt schade, wenn sowas bei einem Artikel fehlt, der u.a. mit einem Titel wie "jede Menge Queerness" schon ein sehr klares (subjektives) Urteil für eine Serie trifft, aka sie regelrecht bewirbt.

    Und wenn ich es so betrachte, ich glaube, was mich echt ärgert, ist die Aufmachung hier. In den Titel "jede Menge Queerness" reinschreiben, um dann im letzten Absatz so ein "also, die Queerness ist schon so versteckt, dass ich jetzt spoilern müsste, wenn ich dazu etwas verrate, aber ihr müsst mir einfach mal glauben, dass es welche gibt" zu bringen, bei dem der Titel schon nach Mogelpackung aussieht. Mal ganz ehrlich - "jede Menge Queerness" oder "ich würde jetzt spoilern, wenn ich was dazu schreibe" - das ist ein Widerspruch in sich, besonders wenn währenddessen mindestens zwei Hetero-Outings extrem plakativ schon in der Einleitung stehen, bei denen irgendwie niemand zu befürchten scheint, dass das jetzt nen Spoileralert bräuchte. Und das soll jetzt die Basis sein, auf der ich der Rezension in irgendeiner Hinsicht vertrauen und mich auf so ein Urteil verlassen soll?

    Wie soll ich einer Rezension abkaufen, dass es mehr als Queerbaiting wird, die mich selbst mit Queerbaiting dazu ködert, die Rezi überhaupt erst zu lesen, die mir dann ganz genau GAR nichts dazu sagt, ob ich erwarten kann, diese Serie zu sehen, ohne hinterher verletzt, enttäuscht oder im schlimmsten Fall retraumatisiert zu sein, je nachdem wie graphisch der Terror gegen die Entführte und/oder etwaige vorkommende Minderheiten aussieht?
    Geschweige denn, dass man zumindest Hints dazu geben würde, ob queer hier wieder mal cis-homosexuell bedeutet oder tatsächlich mehr als das abdeckt. Auch die Art von Mogelpackung ist ja gewissermaßen "queerer Standard". Wenn ich also so gar keine, natürlich schon, subjektiven Betrachtungen hier sehe, die die üblichen queerfeindlichen Tropes abdecken und das, was mich erwartet, kritisch ins Verhältnis zu den extrem toxischen Branchenstandards setzen - was habe ich dann davon, als jemand, der*die sich für mediale Repräsentation interessiert?

    Macht mich echt sauer alles. Ja, merkt man, ne? Und klar, alles subjektiv. Aber deshalb nicht notwendigerweise unbegründet.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 06.08.2021, 12:54h
  • Antwort auf #5 von Still_Ith_
  • Die 90iger waren scheiße, ganz einfach. Als transgeschlechtliche Teenagerin ungeoutet in der Schule, ohne Informationen und ohne Vorbilder, war es eine Katastrophe. Ich hatte keine Freunde und schlechte Noten. Ich wollte einfach nur, dass das alles aufhört. Im Gegensatz zu cisgeschlechtlichen Menschen wurde mir meine Jugend genommen.
    Wer weiter an Happyland glaubt, kann sich weiter die Ohren zuhalten.

    Ich sehe da überhaupt keine Queerness in der Serie. Schwule oder bi Figuren bilden ganz bestimmt nicht das breite Spektrum ab.
    Das ist ungefähr so wie den CSD als Schwulen-Parade darzustellen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 06.08.2021, 14:13h
  • Antwort auf #6 von PhoebeEulenbaer
  • Kommt mir ziemlich bekannt vor, was du zur Schulzeit schreibst.

    "Das ist ungefähr so wie den CSD als Schwulen-Parade darzustellen."

    Du meinst, einerseits irgendwie unschön, wenn die Presse es so nennt, obwohl's doch gar nicht bloß um Schwule gehen sollte, andererseits irgendwie wahr, weil die Schwulen schon die sind, um deren Anliegen und Subkultur sich de facto sehr wohl alles zu drehen und dem sich alles unterzuordnen hat.
    Ja, schätze auch ^^

    "Ich sehe da überhaupt keine Queerness in der Serie. Schwule oder bi Figuren bilden ganz bestimmt nicht das breite Spektrum ab."

    Dass es wohl auf irgendwas mit bi oder cis-homo hinausläuft, darauf bin ich inzwischen auch gestoßen. Hatte ja bei der einen Freundin so ein bisschen noch den Verdacht, ob die trans sein könnte.
    Ich würde jetzt nicht so drastisch ausdrücken, dass man die cis-queeren Issues als "gar keine Queerness" einordnen oder labeln sollte. Aber da hab ich ja jetzt schon Einblicke auf cis-Medien gefunden, die transparenter damit umgehen bzw. differenzieren, was das "queer" in dem Fall meint. Für ein Portal, bei dem queer drübersteht, finde ich es, freundlich ausgedrückt, schade, den Job in der Hinsicht schlechter zu machen als die Cis-Heten.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PeerAnonym
  • 06.08.2021, 16:39h
  • Antwort auf #6 von PhoebeEulenbaer
  • "Im Gegensatz zu cisgeschlechtlichen Menschen wurde mir meine Jugend genommen."

    Und wer sagt Dir, dass es nicht auch viele cisgeschlechtliche Menschen gibt, denen (aus den unterschiedlichsten Gründen und Motiven) die Jugend genommen wurde?

    Auch mir wurde meine Jugend gestohlen und ich wurde in der Schule gemobbt. Nicht weil ich schwul bin (was damals noch niemand wusste), sondern weil ich damals dick war.

    Aber umso mehr habe ich dann meine Studentenzeit in den 1990ern (!!) genossen, wo die meisten Menschen ihre Mitmenschen nicht nach der Figur beurteilt haben.

    Pauschale Aussagen wie "Die 90er waren scheiße" nur weil es einem selbst damals schlecht ging, sind einfach dumm. Man kann nur sagen, ob für einen selbst eine Zeit gut oder schlecht war, aber niemals paschalisierend so tun, ob diese Zeit generell furchtbar war.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Arthouse-FanAnonym
  • 06.08.2021, 18:40h
  • Über eine queer-mysteriöse Teenager-Serie mit pubertären Twists, stimmigem Zahnspangen-Flair und einem "Mir-gehört-die-Welt"-Ensemble kann man natürlich vorzüglich auch auf Filmhochschulen ein vortreffliches Kolloqium abhalten.
    Und wer soll sich den pubertierenden Queerness-Thrill dann extra auf einem Bezahl-TV-Kanal anschauen? Teenager mit finanzkräftigen Eltern, die was für ihr Leben lernen wollen oder nur bei einem Thriller abhängen sollen? Doppeltwens, die nostalgisch verlorenen Zeiten voller Sehnsucht nachhängen können? Alt-Trans-Menschen, die frische, spannende, queere Quirligkeit in ihren Alltag bringen möchten? Oder Gay-and-Gray-People, die auf spannende Weise vom Jugendwahn noch etwas abbekommen wollen?
    Könnte es vielleicht auch sein, daß diese konstruierte Kommerz-Serie letztlich eher ein modernistischer Queer-Quark-Mix ist, der natürlich filmtechnisch super-hip, spannungsvoll dramatisch und eloquent-künstlich daherkommt?
    Mich erinnert die Serie primär an übliche Serienmuster, wie es sie x-fach schon gibt - abgesehen vom aufgesetzten queeren Touch.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 PhoebeEulenbaerAnonym