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Talk-Klassiker

30 Jahre "Boulevard Bio": Deutschlands versöhnlichste Talkshow

Vor 30 Jahren startete Alfred Bioleks Gesprächssendung "Boulevard Bio", die auf fast 500 Ausgaben in zwölf Jahren kam. Mit Putin plauderte er freundlich, Stoiber hingegen konfrontierte er mit dessen Homophobie.


Staatsbesuch bei "Boulevard Bio": 2002 plauderten Alfred Biolek mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (Bild: WDR / Bockemühl)

Schon der Name der Sendung zergehe "wie Mousse au Chocolat" auf der Zunge, schwärmte Feinschmecker Alfred Biolek vor 30 Jahren, als seine ARD-Talkshow "Boulevard Bio" (7.8.) startete. Nach Formaten wie "Bio's Bahnhof" oder "Mensch Meier" wollte Biolek, der vor kurzem (23. Juli) mit 87 Jahren starb, eine angenehme wöchentliche Gesprächssendung etablieren. Für ein Millionenpublikum als schwul geoutet wurde er erst ein paar Monate später in einer RTL-Talkshow vom Filmemacher und Aktivisten Rosa von Praunheim.

In der ersten "Boulevard Bio"-Ausgabe vom 7. August 1991 war der damalige Bundesinnenminister und heutige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu Gast. Zehn Monate nach dem folgenreichen Attentat sprach der CDU-Politiker über sein neues Leben im Rollstuhl.

Bioleks Talkshow, die vielen älteren TV-Zuschauern bis heute als die versöhnlichste Sendung dieser Art in der deutschen Fernsehgeschichte gilt, brachte es bis Juni 2003 auf 485 Ausgaben. Erst kam sie mittwochs, ab 1992 dienstags gegen 23 Uhr. Das Publikum liebte Bio mit all seinen Schrulligkeiten. Der steif durchgedrückte Oberkörper, die Stichwortkärtchen, das Räuspern, die "Ähs" – all das war Kult.

Der Dalai Lama war ebenso zu Gast wie Britney Spears

Die Themenpalette reichte von "Aids – der einsame Tod" bis etwa "Mythos Primadonna" mit Jessye Norman im Studio. Die Gästeschar war ebenso breit gefächert. Prominente wie Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer, Schriftsteller Günter Grass, Modeschöpfer Karl Lagerfeld, Stargeiger und Dirigent Yehudi Menuhin oder der Dalai Lama nahmen bei Bio Platz. Auch Filmstars wie Gina Lollobrigida und Sir Peter Ustinov, der damalige Bundespräsident Roman Herzog, der Politiker Theo Waigel oder die Popsängerin Britney Spears kamen zu ihm. 1994 sendete Biolek aus Warschau und war beim damaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa zu Gast im Palast.

Viele Fans fanden, dass Bio die interessantesten Gespräche mit eher unbekannten Menschen führte. Am 6. September 1994 stand er anlässlich seines 60. Geburtstags in seiner eigenen Sendung Rede und Antwort, Moderator an diesem Abend war der Entertainer Harald Schmidt.

Die Sendung wurde meist ein paar Stunden vor der spätabendlichen Ausstrahlung aufgezeichnet. "Der Vorteil ist, dass alle Beteiligten frischer sind als zum Sendetermin nachts um elf", sagte Biolek dazu. Es werde aber quasi "live versetzt" gesendet. "Nichts wird geschnitten, jeder Patzer bleibt drin." So kam es zum Beispiel, dass Biolek den Rennfahrer Michael Schumacher als "Harald Schumacher" ankündigte. Dieser nahm Platz und sagte: "Sie dürfen mich Michael nennen." Worauf Biolek entgegnete: "Ach, das ist aber nett."

Helmut Kohl erster Auftritt in einer Talkshow

Im Februar 1996 war Hannelore Kohl zum Thema "Szenen meiner Kindheit" zu Gast. Sie fühlte sich offenbar so gut aufgehoben, dass sie ihrem Mann die Scheu vorm Unterhaltungsfernsehen nahm. 14 Jahre nach seinem Amtsantritt fand Bundeskanzler Helmut Kohl am 11. September 1996 erstmals den Weg in eine TV-Talkshow. Harte politische Fragen stellte Biolek natürlich nicht. Mit munteren Erzählungen über Schlägereien mit SPD-Anhängern in seiner Jugendzeit und sein persönliches Puddingrezept – 18 Eier für sechs Portionen – hatte Kohl die Lacher im Publikum auf seiner Seite. Er witzelte auch: "Ich könnte hier gut schlafen, vielleicht würde die Sendung dadurch gewinnen."

Acht Monate nach dem Tod von Hannelore Kohl kam dann im März 2002 auch Peter Kohl zu Biolek – Thema der Sendung: "Schicksal Sohn".

Kritik erntete die Sendung vom 9. April 2002 aus Weimar, in der der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin ohne kritische Fragen ihre Männerfreundschaft präsentierten. Putin verriet, in seiner Zeit als KGB-Agent in Dresden gern "Radeberger" getrunken zu haben. Schröder sagte, ebenfalls Bier zu mögen – aber nur wenig zu trinken mit Blick aufs Gewicht.

Bei Edmund Stoiber ging Biolek auf Konfrontation

Zwei Monate danach begrüßte Biolek – politisch ausgewogen – auch den Schröder-Herausforderer des damaligen Wahljahres, Edmund Stoiber. Bei ihm ging er für seine Verhältnisse geradezu auf Konfrontation, monierte schwulenfeindliche Aussagen auf der CSU-Website. "Die Homosexuellen sind über manche Signale sehr irritiert", sagte Biolek. Er, Stoiber, sei ja auch gegen eingetragene Lebenspartnerschaften. Warum eigentlich? "Es geht um ein geistiges Klima." Stoiber wurde kleinlaut: "Jeder muss in seiner Fasson glücklich werden."

In der Abschiedssendung vom 10. Juni 2003 betrat am Ende Fritz Pleitgen, damals Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), das Studio und stellte dem Talkmaster ganz in dessen Stil mit Karteikärtchen in der Hand Fragen wie "War's schwer heute Abend?".

Im Blitzlichtgewitter und mit den Gästen Barbara Becker und Verona Feldbusch im Arm ließ sich der Talkmaster dann vom Studiopublikum feiern. Er strahlte über das ganze Gesicht. Hinter seiner runden, getönten Brille schimmerten die Augen jedoch ein wenig feucht.



#1 LotiAnonym
  • 06.08.2021, 08:18h
  • Danke für diesen kleinen, aber sehr lehrreichen Artikel über Den Talkmaster im Deutschen TV schlechthin. Alfred Biolek hat damals etwas erreicht, was beispielhaft geblieben ist. Ich kenne nicht alle Folgen. Doch die ich mir angeschaut hatte, waren geprägt vom Zuhören des Gastgebers. Er schnitt niemals die Worte ab. Schon das können manch andere Talkmaster*innen heute nicht. Heute gar nicht mehr zu vergleichen. Nochmals danke an Herrn Biolek. Er ist und bleibt immer in meine Erinnerung.
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#2 PeerAnonym
  • 06.08.2021, 10:06h
  • Seine Talks mit Politikern habe ich nie gemocht, weil er mir dafür zu zahm war. Gerade bei Politikern muss man auch mal kritische Fragen stellen, nachhaken, mit Widersprüchen konfrontieren, etc. Oder auch mal unterbrechen, wenn sie auf eine Frage wieder mal nicht antworten und stattdessen was ganz anderes erzählen. Denn das Zuhören und Eingehen muss dann von beiden Seiten kommen.

    Stattdessen waren das oft reine Werbeveranstaltungen für Politiker, wo diese sich in einem schönen Licht darstellen konnten und kaum kritische Fragen zu erwarten hatten. Und erst recht kein Nachhaken.

    Aber das schmälert natürlich nicht die Lebensleistung von Herrn Biolek.

    Wo ich Boulevard Bio immer ganz groß fand, war wenn andere Gäste zu Gast waren. Ich kann mich noch an eine tolle Sendung erinnern wo vier Opernsängerinnen zu Gast waren. Oder eine andere, wo vier Witwen von Komponisten früherer Jahrzehnte zu Gast waren. Oder auch andere Gäste aus Musik, Theater, Film, Kunst, Literatur, Sport, etc.

    Und auch nicht nur immer die allseits bekannten, die man überall sieht, sondern auch Gäste, die vielleicht noch nicht jeder kennt, die aber dennoch interessant sind. Da konnte die harmonische Art von Herrn Biolek dann ihr ganzes Potential ausspielen.

    Das waren wirklich Sternstunden des deutschen Fernsehens!! So was gibt es heute leider nicht mehr...

    (Davon könnte man auch gerne nochmal die ein oder andere Sendung wiederholen. Von mir aus auch im Nachtprogramm.)
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#3 LotiAnonym
  • 06.08.2021, 10:59h
  • Antwort auf #2 von Peer
  • Auch hier stimme ich Dir zu.
    An eine besondere Unterhaltung erinnere ich mich bis heute gerne. A.Biolek unterhielt sich mit einer Frau namens Carmen Thomas und über die Urin Therapie. Man sah ihm förmlich an, wie er etwas angeekelt war von dem was Frau Thomas ihn da so alles erzählte. Dann ging sie soweit zu behaupten, wenn er sich täglich die Haare mit seinem Urin einreiben würde, käme auch der Haarwuchs bei wieder zurück.
    Ich kaufte anschließend ihr Buch und begann über 4 Wochen mit einer Urin Therapie da ich unter Akne litt. Ich trank mein Morgen Urin wie vorgeschrieben und war überrascht wie harmlos es schmeckte.
    Die Entzündungen gingen weg und ich bekam nie wieder welche.
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#4 andyAnonym
#5 LotiAnonym
  • 07.08.2021, 11:21h
  • Antwort auf #4 von andy
  • Sollte wohl ironisch gemeint sein;-)
    Meine Haare wachsen ununterbrochen gut. Hier auch für Männer ein Tipp. Nach dem Aufstehen sich das Gesicht für 20 Minuten mal mit den Morgenurin Mittelstrahl gut einreiben. Besser gehts nicht um was gutes für die Gesichtshaut zu tun. Und ist obendrein kostenlos.
    Nur Vorsicht, wenn eine Person verschiedene chemische Medikamente täglich zu sich nehmen muß, dann geht leider gar nichts in Sachen Urin Therapie. Aber man darf auch ungehindert von vorputertären Kindern den Urin verwenden. Die Chinesen haben dafür sogar extra Auffangbecken an Grundschulen aufgestellt, um das Urin abzufangen.
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#6 StaffelbergblickAnonym
  • 07.08.2021, 11:56h
  • OMG .... von Biolek jetzt zur Eigentherapie mit Urin. Wie sprach bereits Pütz vom WDR ... Urin ist ein ganz besonderer Saft. Deshalb insoweit noch mein "eigener Saft" dazu. Während meiner Bundeswehrzeit erfuhr ich von einer Eigentherapie beim Thema "wiederholte Erkältungen". Angeblich half diesem Mann folgende Anwendung: Den Hals mit alten stinkenden Socken einwickeln und dann mehrere Tage lang den Urin trinken. Danach war er geheilt vor weiteren Erkältungen. Na ja ... wie lange weiß ich nicht.
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#7 LotiAnonym
  • 07.08.2021, 13:59h
  • Antwort auf #6 von Staffelbergblick
  • Ja schon skurril. Da stimme ich Dir zu. Aber wenn man diesen Beitrag damals gesehen hat, weiß wie A.Biolek ständig ungläubig dreingeschaut hatte.
    Übrigens, sehr viele Frauen haben nicht umsonst so einen schönen Teint im Gesicht und das im hohem Alter. Es war bestimmt nicht durch die Anwendung von Loreal:-)
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#8 LotiAnonym
  • 07.08.2021, 14:05h
  • Antwort auf #6 von Staffelbergblick
  • Apropos Herrn Pütz. Ist das nicht die Person, welche meinte auch im hohen Alter noch Kinder zeugen zu müssen? Naja, seine Gesichtshaut z.B. hätte eine all morgendliche Einreibung mit Urin sicherlich gut getan. Wäre dann weniger faltig gewesen;-)
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#9 StaffelbergblickAnonym