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"Im Interesse des Publikums"

Bayerischer Rundfunk erlässt Genderverbot

Der öffentlich-rechtliche Sender wird zur Sprachpolizei: Gendersternchen – egal ob schriftlich oder mündlich – sind untersagt.


Geschlechtergerechte Sprache sucht man im Bayerischen Rundfunk künftig vergeblich (Bild: WorldDAB / flickr)

Der Bayerische Rundfunk verbietet die Nutzung des Gendersternchens. Wie laut "taz" aus einer internen Mail vom Mittwoch hervorgeht, dürfen Mitarbeitende künftig nicht mehr diese Art der geschlechtergerechten Sprache verwenden – weder im gesprochenen noch im geschriebenen Wort. Die einzige Ausnahme soll für Angebote gelten, "in deren Zielgruppe der Genderstern etabliert und akzeptiert ist". Das betrifft mutmaßlich den queeren Podcast, den der BR vergangenes Jahr gestartet hat und der geschlechtergerechte Sprache verwendet (queer.de berichtete).

Gegenüber der "taz" rechtfertigte der BR die Entscheidung damit, dass die "Sprechpause häufig für Irritationen bei Hörerinnen und Hörern gesorgt" habe. Zudem sei das Verbot nötig, "um Einfachheit und Verständlichkeit der Sprache im Interesse des Publikums zu gewährleisten".

BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs hatte bereits letztes Jahr erklärt, dass er geschlechtergerechte Sprache in seinem Sender nicht akzeptieren wolle, außer in der queeren Nische (queer.de berichtete).

Das Verbot stieß auf Kritik. So tweetete etwa die freie Journalistin Marlene Halser, die unter anderem den Deutschen Reporterpreis gewonnen hatte: "So viel zum Thema Journalist:innen wird 'von oben' was vorgeschrieben. Das ist das erste Mal, dass ich so eine 'von oben' Ansage erlebe und – siehe da – es ist eine, die konservativen Kräften gefallen will. Yo. Gute Nacht."

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Über das Gendersternchen – und ähnliche Sprachkonstrukte wie den Gender-Doppelpunkt – wird bereits seit Jahren teilweise hochemotional diskutiert. Ziel dieses Vorgehens ist es insbesondere, Frauen sprachlich sichtbar zu machen. Auch nichtbinäre Menschen sollen so in die Sprache integriert werden.

Direktlink | Das WDR-Magazin "Quarks" erklärt, was fürs Gendern spricht – und was dagegen
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Andere Rundfunkanstalten überlassen es meist den Redakteur*innen, ob sie Gendersternchen sprechen oder nicht. Die kürzlich in Ruhestand gegangene "Heute"-Moderatorin Petra Gerster nutzte die kurze Pause in ZDF-Nachrichtensendungen bei manchen Worten wie "Politiker*innen" (die ähnlich ausgesprochen wird wie die Pause beim Wort "Spiegelei"). Das ZDF habe damit kein Problem gehabt: "Es steht uns frei zu gendern, aber es gibt keinen Zwang", so Gerster in einem Interview.

Teile der CDU wollen gesetzliches Genderverbot

Auch einige staatliche Stellen lassen Gendersternchen und Co. zu, etwa das rot-grün regierte Hamburg (queer.de berichtete). Vom Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß kam dagegen die Forderung, Verwaltungsangestellten geschlechtergerechte Sprache zu verbieten (queer.de berichtete). (dk)

Wöchentliche Umfrage

» Der Bayerische Rundfunk hat die Nutzung des Gendersternchens verboten. Deine Meinung?
    Ergebnis der Umfrage vom 09.08.2021 bis 16.08.2021


#1 Still_Ith_Ehemaliges Profil
  • 06.08.2021, 12:20h
  • TJa, für manche Menschen ist das Vorkommen von mehr als dem maskulinen Geschlecht eben ein Grundrecht, das in unserer Verfassung steht, für andere ein so gesellschaftsschädigendes Ärgernis, dass die Mit-Ansprache verboten gehört.

    Wie ich an anderer Stelle heute schon schrieb: Stand 2021, Deutschland. Inklusion? Geschmackssache.
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#2 SakanaAnonym
  • 06.08.2021, 12:20h
  • Bayern - wo die Welt fünfzig Jahre später untergeht...

    Der BR hätte es auch den einzelnen Redaktionen überlassen können, wie und ob sie gendern wollen oder nicht, anstatt so ein allumfassendes Christoph-Ploß-mäßiges Totalverbot zu erlassen...

    Aber was ist auch schon von einem Sender zu erwarten, der sich aus der "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt"-Ausstrahlung ausgeklinkt hat? Unglaublich.
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#3 GodzillaAnonym
  • 06.08.2021, 12:27h
  • Labern was von Sprachpolizei und werden dann selbst zu einer, wenn das keine Realsatire ist weiß ich auch nicht weiter.
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#4 zundermxeAnonym
  • 06.08.2021, 12:48h
  • Aus einer Formulierungsmöglichkeit, die nichts anderes zum Ziel hat als alle Menschen sprachlich zu erwähnen und ganz selbstverständlich ohne jede Wertung auch wirklich alle einzubeziehen, wird von den Gegner*innen ein Kulturkampf um Sprache und Werte entfacht.
    Der Untergang des Abendlandes.
    Gemessen an Geschrei und Schmerzen dieser Bewahrer*innen der reinen deutschen Sprache (hoffe, allen fällt auf, dass allein diese Formulierung von der reinen deutschen Sprache schon ein schlechter Witz ist), scheint mir leider die tatsächliche persönliche Einsatzbereitschaft für Veränderungen vieler sehr überschaubar zu sein.
    Alles muss mehr - aber bitte nix verändern.

    Naja, mich überrascht und trifft diese aktuelle Nummer des BR nicht wirklich direkt. Spätestens seit der Zensur des Vincent-Songs wechsel ich sofort den Sender. Die Bayern-ist-schön-Fraktion soll mit Söder ruhig in der eigenen trüben Suppe köcheln, in der vom Orban-Freund bis Bäume umarmen alles zu finden ist, was das Land so einzigartig macht. Die afd wird sich freuen, dass zumindest der BR den links-grün Versifften Einhalt gebietet.
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#5 LegatProfil
  • 06.08.2021, 12:49hFrankfurt am Main
  • "Es steht uns frei zu gendern, aber es gibt keinen Zwang"

    So könnte es die gesamte Welt ja mit allem halten, doch mächtige Institutionen wie der BR haben eben ein massives Problem mit der Gewährung von Freiheitsrechten.
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#6 EkowAnonym
  • 06.08.2021, 13:26h
  • Da Gendern andere Menschengruppen diskriminiert (Blinde, Migranten & Ausländer, die die Sprache lernen, Menschen mit Lese- und Schreibschwäche) und an den realen Verhälnissen nichts verändert, ist es eine Totgeburt. Ein elitär-moralisches, unpraktisches Idiom, dass die Kommunikation aller erschwert und die Gesellschaft spaltet. Weg damit. Kein Mensch ist ein *!
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#7 LaroxProfil
#8 TomBoromirProfil
  • 06.08.2021, 13:52hKöln
  • Nun, es kommt natürlich auch immer auf den Blickwinkel an. Wenn beispielsweise Medien die TAZ das Gendern in das Redaktionsstatut übernehmen, kommt das ja auch einem Verbot des "Nicht-Gendern" gleich. Das gleiche gilt für Verwaltungen, die anordnen, sämtliche Schriftstücke zu gendern oder etwa die Grünen, die festlegen wollen, dass alle Gesetze zukünftig gegendert werden müssen. Aber natürlich nimmt jede Seite für sich Anspruch, im Recht zu sein.
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#9 innen oder außenAnonym
#10 IhKuhAnonym