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Wahlkampf 2021
Aufregung über LSU-Treffen mit Nathanael Liminski
Nathanael Liminski hat früher gerne mit Homophobie Politik gemacht ("Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid"). Jetzt wird der Laschet-Berater von der LSU umgarnt – nicht alle finden das richtig.

Nathanael Liminski, die rechte Hand des Kanzlerkandidaten Armin Laschet, besuchte am Sonntag die Lesben und Schwulen in der Union (Bild: Twitter / Frank Sarfeld)
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9. August 2021, 13:36h 4 Min.
Der CDU-Ministerialbeamte Nathanael Liminski, der wichtigste Berater von NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet, steht wegen extrem konservativer Äußerungen aus seiner Vergangenheit vermehrt in der Kritik. So wird immer wieder ein Interviewsatz des katholischen Christdemokraten aus dem Jahr 2007 zitiert, als er dem "Spiegel" zu Protokoll gab: "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern." Später war er Praktikant beim erzkonservativen US-Abgeordneten Mark Souter, der Homosexualität mit Alkoholismus gleichsetzte, und Autor für das Propaganda-Portal "Freie Welt" von Sven von Storch, dem Ehemann der AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Das Portal macht bis heute Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten (queer.de berichtete).
Die SPDqueer kritisierte bereits im Februar dieses Jahres, dass Liminski möglicherweise auf Kanzlerkandidat Laschet "einen gefährlichen Einfluss" ausübe (queer.de berichtete). Inzwischen steht Liminski eher im Hintergrund – und äußert sich gegenüber der Presse nicht mehr zu tagesaktuellen Fragen, zu seinem Glauben oder seiner Haltung zu sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten.
Trotz der Vorgeschichte luden die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) den 36-Jährigen auf ihre Landesmitgliederversammlung am Sonntag in Düsseldorf ein und lobten ihn im Anschluss mit blumigen Worten. LSU-Vertreter Frank Sarfeld veröffentlichte am Sonntag Bilder mit Liminski und betonte, dass man sich mit ihm gut über die Politik der NRW-Koalition unterhalten habe. Dazu merkte er an: "Danke für das gute Gespräch heute und Deinen Einsatz für #queere Projekte in NRW, lieber Nathanael #Liminski."
/ sarfeldAuch heute gute Gespräche mit Nathanael #Liminski bei @lsu_nrw zur Politik der #NRWKoalition und zur aktuellen Lage-und auch persönlich:Natürlich werden in #homosexuellen #Partnerschaften #Werte gelebt, die wichtig sind für unseren gesellschaftlichen #Zusammenhalt. #LGBTQIA 2/3 pic.twitter.com/bGnIIkUp6y
Frank Sarfeld (@sarfeld) August 8, 2021
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LSU-Landeschef Philipp Pohlmann erklärte gegenüber queer.de, dass es beim Gespräch um "die Queer-Politik der NRW-Landesregierung, deren Arbeit er als Chef der Staatskanzlei koordiniert", gegangen sei. Als queerpolitische Leistungen der NRW-Regierung nannte Pohlmann konkret den Aktionsplan "Impulse 2020 – für queeres Leben in NRW" und die "historische Aufarbeitung des Unrechts der Homosexuellenverfolgung". Zudem würden "Beratungsangebote für LSBTIQ*-Jugendliche und junge Erwachsene in Nordrhein-Westfalen im Bundesvergleich positiv bewertet, wie die vom Familienministerium in Auftrag gegebene Studie 'Coming out in NRW' des Deutschen Jugendinstituts belegt" (PDF der Studie).
Liminski habe "Spiegel"-Aussage inzwischen "eingeordnet"
Pohlmann relativierte auch Liminskis Interviewaussage aus dem Jahr 2007. Diese habe der Ministerialbeamte inzwischen "eingeordnet": "Bei dem Gespräch mit dem 'Spiegel' ging es demnach um Homosexualität in der katholischen Kirche, hier insbesondere im Kontext der Priesterausbildung. Er hat klar gemacht, dass die Aussage 'einige tun mir leid' sich auf Priesteramtskandidaten bezog, die persönlich und in ihrem Umfeld Schwierigkeiten hatten, mit ihrer sexuellen Identität umzugehen, und die unter dieser Situation gelitten haben", behauptete Pohlmann.
In sozialen Netzwerken empören sich jedoch einige Nutzer*innen über die mutmaßlich unkritische Nähe der LSU zu Liminski. Sie verweisen beispielsweise auf einen "Spiegel"-Bericht aus dem letzten Monat, wonach der Einfluss Liminskis offenbar dazu geführt hatte, dass die NRW-Landesregierung einen homophoben Verband in den WDR-Rundfunkrat gehievt habe (queer.de berichtete).
Viel Kritik an SPD-Wahlwerbespot mit Liminski
Die Debatte wurde am Wochenende auch durch einen neuen Wahlwerbespot der SPD weiter aufgeheizt, in dem die Partei Liminskis frühere radikale Aussagen zitiert. In dem Werbespot heißt es etwa, wer den Kandidaten der Union wähle, "wählt erzkatholische Laschet-Vertraute, für die Sex vor der Ehe ein Tabu ist". Dabei bezieht die SPD ebenfalls auf eine Aussage Liminskis aus dem Jahr 2007.
/ josefheynckesdeutschland hat mehr verdient als diese cdu. pic.twitter.com/TSpQwJJYnP
toto (@josefheynckes) August 4, 2021
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Dieser Spot wurde von mehreren Seiten scharf kritisiert. In einem "Welt"-Kommentar heißt es etwa, der Spot sei eine "persönliche Attacke auf die religiösen Überzeugungen des Gegners" und "ein schwerer Stilbruch". Kritik kommt auch von den Grünen: Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz bezeichnete den Spot einen eklatanten Verstoß gegen die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit und erklärte auf Twitter: "Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit anzugreifen, ist exakt so unterirdisch, wie sie wegen ihrer Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft anzugreifen."
/ KonstantinNotzMenschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit anzugreifen ist exakt so unterirdisch, wie sie wegen ihrer Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft anzugreifen. Wir leben in einem pluralen und liberalen Rechtsstaat. Die #Religionsfreiheit ist konstituierend.
Konstantin v. Notz (@KonstantinNotz) August 8, 2021
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Allerdings sehen es andere als legitim an, die religiösen Überzeugungen einer Person anzugreifen, wenn diese dazu führten, dass Homosexuelle oder andere Minderheiten als minderwertig betrachtet werden. "Vollkommen absurd ist die Idee, Religion sei unpolitische Privatangelegenheit", heißt es etwa in einem Twitter-Eintrag, in dem Liminskis "Ich kenne viele Homosexuelle"-Aussage zitiert wird.
/ BorisNMoellersVollkommen absurd ist die Idee, Religion sei unpolitische Privatangelegenheit. #Liminski pic.twitter.com/JDx2lQQFLn
Boris N. Moellers (@BorisNMoellers) August 8, 2021
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Frank Laubenburg, der Bundessprecher von Die Linke.queer, twitterte zu der Debatte: "Dass mit Nathanael Liminski jemand, der im religiösen Wahn lebt, die NRW-Staatskanzlei von Armin Laschet leitet, ist übrigens der Skandal, nicht, dies zu thematisieren."
/ FrankLaubenburgDass mit Nathanael #Liminski jemand, der im religiösen Wahn lebt, die NRW-Staatskanzlei von Armin Laschet leitet, ist übrigens der Skandal, nicht, dies zu thematisieren.
Frank Laubenburg (@FrankLaubenburg) August 8, 2021
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