Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39688

Wahlkampf 2021

Aufregung über LSU-Treffen mit Nathanael Liminski

Nathanael Liminski hat früher gerne mit Homophobie Politik gemacht ("Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid"). Jetzt wird der Laschet-Berater von der LSU umgarnt – nicht alle finden das richtig.


Nathanael Liminski, die rechte Hand des Kanzlerkandidaten Armin Laschet, besuchte am Sonntag die Lesben und Schwulen in der Union (Bild: Twitter / Frank Sarfeld)

Der CDU-Ministerialbeamte Nathanael Liminski, der wichtigste Berater von NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet, steht wegen extrem konservativer Äußerungen aus seiner Vergangenheit vermehrt in der Kritik. So wird immer wieder ein Interviewsatz des katholischen Christdemokraten aus dem Jahr 2007 zitiert, als er dem "Spiegel" zu Protokoll gab: "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern." Später war er Praktikant beim erzkonservativen US-Abgeordneten Mark Souter, der Homosexualität mit Alkoholismus gleichsetzte, und Autor für das Propaganda-Portal "Freie Welt" von Sven von Storch, dem Ehemann der AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Das Portal macht bis heute Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten (queer.de berichtete).

Die SPDqueer kritisierte bereits im Februar dieses Jahres, dass Liminski möglicherweise auf Kanzlerkandidat Laschet "einen gefährlichen Einfluss" ausübe (queer.de berichtete). Inzwischen steht Liminski eher im Hintergrund – und äußert sich gegenüber der Presse nicht mehr zu tagesaktuellen Fragen, zu seinem Glauben oder seiner Haltung zu sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten.

Trotz der Vorgeschichte luden die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) den 36-Jährigen auf ihre Landesmitgliederversammlung am Sonntag in Düsseldorf ein und lobten ihn im Anschluss mit blumigen Worten. LSU-Vertreter Frank Sarfeld veröffentlichte am Sonntag Bilder mit Liminski und betonte, dass man sich mit ihm gut über die Politik der NRW-Koalition unterhalten habe. Dazu merkte er an: "Danke für das gute Gespräch heute und Deinen Einsatz für #queere Projekte in NRW, lieber Nathanael #Liminski."

Twitter / sarfeld
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

LSU-Landeschef Philipp Pohlmann erklärte gegenüber queer.de, dass es beim Gespräch um "die Queer-Politik der NRW-Landesregierung, deren Arbeit er als Chef der Staatskanzlei koordiniert", gegangen sei. Als queerpolitische Leistungen der NRW-Regierung nannte Pohlmann konkret den Aktionsplan "Impulse 2020 – für queeres Leben in NRW" und die "historische Aufarbeitung des Unrechts der Homosexuellenverfolgung". Zudem würden "Beratungsangebote für LSBTIQ*-Jugendliche und junge Erwachsene in Nordrhein-Westfalen im Bundesvergleich positiv bewertet, wie die vom Familienministerium in Auftrag gegebene Studie 'Coming out in NRW' des Deutschen Jugendinstituts belegt" (PDF der Studie).

Liminski habe "Spiegel"-Aussage inzwischen "eingeordnet"

Pohlmann relativierte auch Liminskis Interviewaussage aus dem Jahr 2007. Diese habe der Ministerialbeamte inzwischen "eingeordnet": "Bei dem Gespräch mit dem 'Spiegel' ging es demnach um Homosexualität in der katholischen Kirche, hier insbesondere im Kontext der Priesterausbildung. Er hat klar gemacht, dass die Aussage 'einige tun mir leid' sich auf Priesteramtskandidaten bezog, die persönlich und in ihrem Umfeld Schwierigkeiten hatten, mit ihrer sexuellen Identität umzugehen, und die unter dieser Situation gelitten haben", behauptete Pohlmann.

In sozialen Netzwerken empören sich jedoch einige Nutzer*innen über die mutmaßlich unkritische Nähe der LSU zu Liminski. Sie verweisen beispielsweise auf einen "Spiegel"-Bericht aus dem letzten Monat, wonach der Einfluss Liminskis offenbar dazu geführt hatte, dass die NRW-Landesregierung einen homophoben Verband in den WDR-Rundfunkrat gehievt habe (queer.de berichtete).

Viel Kritik an SPD-Wahlwerbespot mit Liminski

Die Debatte wurde am Wochenende auch durch einen neuen Wahlwerbespot der SPD weiter aufgeheizt, in dem die Partei Liminskis frühere radikale Aussagen zitiert. In dem Werbespot heißt es etwa, wer den Kandidaten der Union wähle, "wählt erzkatholische Laschet-Vertraute, für die Sex vor der Ehe ein Tabu ist". Dabei bezieht die SPD ebenfalls auf eine Aussage Liminskis aus dem Jahr 2007.

Twitter / josefheynckes
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Dieser Spot wurde von mehreren Seiten scharf kritisiert. In einem "Welt"-Kommentar heißt es etwa, der Spot sei eine "persönliche Attacke auf die religiösen Überzeugungen des Gegners" und "ein schwerer Stilbruch". Kritik kommt auch von den Grünen: Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz bezeichnete den Spot einen eklatanten Verstoß gegen die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit und erklärte auf Twitter: "Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit anzugreifen, ist exakt so unterirdisch, wie sie wegen ihrer Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft anzugreifen."

Twitter / KonstantinNotz
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Allerdings sehen es andere als legitim an, die religiösen Überzeugungen einer Person anzugreifen, wenn diese dazu führten, dass Homosexuelle oder andere Minderheiten als minderwertig betrachtet werden. "Vollkommen absurd ist die Idee, Religion sei unpolitische Privatangelegenheit", heißt es etwa in einem Twitter-Eintrag, in dem Liminskis "Ich kenne viele Homosexuelle"-Aussage zitiert wird.

Twitter / BorisNMoellers
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Frank Laubenburg, der Bundessprecher von Die Linke.queer, twitterte zu der Debatte: "Dass mit Nathanael Liminski jemand, der im religiösen Wahn lebt, die NRW-Staatskanzlei von Armin Laschet leitet, ist übrigens der Skandal, nicht, dies zu thematisieren."

Twitter / FrankLaubenburg
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe



#1 KaiJAnonym
  • 09.08.2021, 17:15h
  • Da muss ich doch auch den Grünen widersprechen. Glaube hin oder her: Sexualität ist ein Grundrecht. In sie darf auch nicht eingegriffen werden aufgrund einer Meinung oder eines Glaubens, ob vor oder erst in einer Ehe gelebt. Sie ist so zu respektieren. Da hat niemand mit einem Glauben oder einer Meinung dreinzureden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 LegatEhemaliges Profil
  • 09.08.2021, 17:17h
  • Ich finde kaum Worte dafür, wie sehr ich Laschet und seine ganze Bande verachte. Warum ist spätestens seit der aktuellen Hochwasserkatastrophe immer noch nicht allen klar, dass dieser Kerl auf gar keinen Fall Kanzler werden darf? Der ist nicht der "nette Onkel", sondern dem sind die Menschen außerhalb seiner Verbindungen völlig egal. Dazu gibt er sich noch mit gefährlichen religiösen und radikalen Irren ab und von Amthor will ich gar nicht erst anfangen, sonst vergess ich mich noch.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 LegatEhemaliges Profil
  • 09.08.2021, 17:37h
  • Antwort auf #2 von Legat
  • Der SPD Werbespot ist zwar schon extrem unglaubwürdig, aber:
    "Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz bezeichnete den Spot einen eklatanten Verstoß gegen die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit und erklärte auf Twitter: "Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit anzugreifen, ist exakt so unterirdisch, wie sie wegen ihrer Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft anzugreifen.""

    Herr Notz, niemand wird allein dafür angegriffen, einer Religion anzugehören. Wer aber irre Überzeugungen hat und diese religiös begründet, ist eben ein gefährlicher religiöser Irrer und kann, soll, MUSS dafür angegriffen werden. Dieser Unterschied muss ihnen klar sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KaiJAnonym
  • 09.08.2021, 18:00h
  • Egal, wofür die LSU Liminski lobt. Er und Laschet haben zu seiner Vita Stellung zu beziehen. Und dazu, was er jetzt in seiner Funktion zu suchen hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 YannickAnonym
  • 09.08.2021, 18:33h
  • Wenn Armin Laschet Bundeskanzler wird, wird sein "erzkatholischer" und vor allem erzkonservativer Einflüsterer Liminski das Land mit regieren.

    Da hätten wir zwei Personen an der Spitze, wo wir uns warm anziehen müssten...

    Das muss auf jeden Fall verhindert werden.

    Geht wählen!!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 YannickAnonym
  • 09.08.2021, 18:36h
  • Ich kann Konstantin von Notz überhaupt nicht zustimmen.

    Wenn jemand seine religiösen Ansichten so sehr mit seiner Politik verknüpft, ist er derjenige, der seine Religion in die Öffentlichkeit trägt.

    Darauf und auf die damit verbundenen Positionen hinzuweisen ist nicht nur erlaubt, sondern geradezu Verpflichtung für jeden, der eine echte Trennung von Staat und Kirche will - wie es eigentlich in einem demokratischen Rechtsstaat selbstverständlich sein sollte.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SoSoAnonym
  • 09.08.2021, 18:36h
  • Antwort auf #3 von Legat
  • Selbst wenn man zweifelsfrei Fragezeichen hinter die Annahme setzen darf, ein SPD Kanzler Scholz stünde für wirklich soziale und queerfreundliche Politik, so kann man dem Inhalt des Werbespots jedoch nur uneingeschränkt zustimmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 swimniAnonym
  • 09.08.2021, 19:06h
  • mit tut erstens herr liminski leid, weil er abergläubig ist und einer teilfaschistoiden, dunklen sekte angehört - die lsu sowieso. denn sie hat keinen kompass.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 HinweisAnonym
  • 09.08.2021, 19:07h
  • Antwort auf #1 von KaiJ
  • Kurzer Reminder: Die Partei nennt sich selbst Christlich Demokratische Union. Möchte aber nicht, dass Andere einen Zusammenhang von Religion und Politik "unterstellen", weil das Privatsache ist. Finde den Fehler.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TamiAnonym
  • 09.08.2021, 19:08h
  • Antwort auf #6 von Yannick
  • Ganz genau! Wer sich Christlich Demokratische Union nennt, muss damit rechnen, dass die Religion thematisiert wird. Sie thematisieren ihre Religion doch auch ständig, wenn sie mal wieder irgendeinen Mist rechtfertigen wollen! Außerdem, du sagst es, in einem Staat, der sich mit Religionsfreiheit schmückt, sollten Kirche und Staat klar getrennt sein und es weder eine Christliche, noch eine Islamische noch eine Jüdische etc. Demokratische Union geben.
  • Antworten » | Direktlink »