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Ab Donnerstag im Kino

Aufopfern für den homophoben Arschlochvater

Johns alternder Vater ist verbittert und unausstehlich. Seine Homophobie drückt er dem schwulen Sohn andauernd ins Gesicht. Trotzdem kümmert der sich um ihn. Viggo Mortensens Regiedebüt "Falling" ist ein Vater-Sohn-Drama, das unter die Haut geht.


John (Viggo Mortensenre, r.) leidet seit seiner Kindheit unter seinem unausstehlichen Vater Willis (Lance Henriksen) – und nimmt ihn dennoch aufgrund dessen beginnender Demenz bei sich auf (Bild: Prokino)

An die erste selbstgeschossene Ente erinnert sich ein Kind vielleicht ein Leben lang. Der kleine John will sie gar nicht hergeben, nimmt sie wie ein Quietscheentchen mit in die Badewanne, schläft neben ihr ein. Lass ihn, sagt sein Vater Willis zu seiner Frau, so als hätte er seinen ersten erfolgreichen Schuss selbst genau vor Augen und das Gefühl, das er auslöst, noch in der Brust.

Es gibt sie, die schönen, erinnerungswürdigen Momente in der Beziehung von John (Viggo Mortensen, vor allem bekannt als Aragorn in "Der Herr der Ringe" oder aus "Green Book") und seinem Vater Willis (Lance Henriksen). Und es gibt die Momente, die sich eingebrannt haben, weil sie so schmerzhaft waren. Wie seine Mutter Gwen (Hannah Gross) wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa liegt und nur noch schluchzen kann oder wie der Vater ihn als Teenager vom Pferd wirft, weil der sich die langen blonden Haare nicht schneiden lassen will, obwohl er damit aussieht wie ein "gottverdammtes Mädchen".

Willis war schon immer ein Arsch


Poster zum Film: "Falling" startet am 12. August 2021 bundesweit in den Kinos

Dennoch kümmert sich John um den Vater, will ihn von seiner verlassenen Farm zu sich nach Kalifornien holen. Dafür ist er bei John, seinem Ehemann Eric (Terry Chen) und der gemeinsamen Tochter Monica (Gabby Velis) zu Besuch, er soll sich ein Haus in der Nähe ansehen. Wer die Mutter von Monica ist, fragt er, anscheinend nicht zum ersten Mal. "Eric und ich sind ihre Mutter."

Willis ist nicht nur senil und kann sich an vieles nicht mehr erinnern. Dass es seine eigene Idee war, nach Kalifornien zu ziehen? Vergessen. Der Staat ist ein Ort für Schwule und Flaggenverbrenner. Was soll er da. Der alte Mann ist unausstehlich, verbittert, ein andauernd meckernder und in alle Richtungen auf Übelste beleidigender Kotzbrocken. Ein Schweinearsch, wie seine Enkelin ziemlich treffend bemerkt. Er wurde es nicht erst mit dem Alter. Je mehr Rückblenden in die Vergangenheit wir sehen, desto mehr wird klar: Willis war schon immer gereizt und unnachgiebig.

Der Film lässt seine Bilder sprechen

Die erste Regiearbeit von Viggo Mortensen, der sich auch noch den Soundtrack selbst komponiert hat, porträtiert diese außergewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung. Einerseits ganz chronologisch erzählt er von Willis' Besuch in Kalifornien, verwebt das filmisch virtuos mit Szenen aus der Vergangenheit. Sind es Erinnerungen des Vaters, des Sohnes, gemeinsame? Das ist nicht immer eindeutig, und es ist gut so.


Terry Chen (r.) spielt Johns Ehemann Eric (Bild: Prokino)

Wie er überhaupt vieles nicht direkt aussprechen lässt. John redet nie mit Eric über die Beziehung zum Vater, warum er sich die mal nur blöden, mal zutiefst beleidigenden Sprüche gefallen lässt, wie er all das erträgt, ob und weshalb er Willis verzeihen kann. Auch die genauen Umstände von Willis' zwei gescheiterten Ehen werden nur schemenhaft, aber ausreichend skizziert. Denn die Geschichte lässt sich vor allem in Willis' Gesicht ablesen.

Johns Geduld scheint grenzenlos

Lance Henriksen als Vater hat eine enorme Präsenz, sein gezeichnetes Gesicht nimmt oft die ganze Leinwand ein. Seine Blicke direkt in die Kamera wirken unvermittelt, wir können ihnen genauso wenig entkommen wie der Sohn. Eine beeindruckende schauspielerische Leistung – von Henriksen genau wie von Mortensen. Mit welcher stoischen Ruhe der den Arschlochvater gewähren lässt, ganz unbeeindruckt, ist bemerkenswert. John ist beharrlich, scheint eine nicht enden wollende Geduld zu haben. Wie oft will er dem Vater noch erklären, dass Eric nicht sein Freund, sondern sein Mann ist? Welche Emotionen dahinterstecken, lässt sich nur erahnen.

"Falling" ist ein einzigartiges Drama über Familie, Vergeben, Aufopferung – und irgendwie auch über Liebe. Ein Film, der heraussticht, und der auf weitere Werke von Viggo Mortensen hoffen lässt.

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Infos zum Film

Falling. Drama. Kanada, Großbritannien, Dänemark 2020. Regie: Viggo Mortensen. Darsteller*innen: Viggo Mortensen, Lance Henriksen, Laura Linney, Sverrir Gudnason, Grady McKenzie. Laufzeit: 112 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Prokino. Kinostart: 12. August 2021
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Falling
28 Bilder


#1 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 08:31h
  • Ich hätte jetzt statt "das unter die Haut geht" eher geschrieben "das dazu gedacht ist, uns zu zeigen, wie wir uns gefälligst zu verhalten hätten" oder "das dem geneigten Hetero-Publikum, darunter auch mein Vater, ein wunderbares Beispiel zeigt, wie unterwürfig eine queere Person sein könnte und sollte - und wie mein Vater mich sehr viel lieber hätte".
    Aber jut, dat is dann wohl alles eine Frage der Perspektive.

    Nicht, dass ich mir nicht darüber im Klaren wäre, dass das Ganze mindestens ein Drittel der Community gut abbildet.
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#2 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 08:37h
  • Aber hey, immerhin ist das dann die Sorte Torture-Porn, für die die beteiligten Heten Preise abstauben ^^
    Bewertet werden sie schließlich von Leuten, die aus dem selben Wertesystem heraus urteilen, aus dem heraus sie sowas produzieren.
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#3 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 09:17h
  • Ich mein, wenn ich zu meinem Vater noch Kontakt hätte, würde er mir wieder mal sagen, dass und wie er sich für mich schämt, und falls er oder irgendwer aus seinem Umfeld den Film sehen sollte, würde er darauf verweisen, um mir klarzumachen, wie ich bitte sein sollte, und ich finde, Leute, die sowas weder jemals erlebt haben noch Sorge davor haben müssen, es in Zukunft zu erleben, sollten keine Filme drehen dürfen, die der Welt, in der ich irl lebe, beibringen, dass in dieser Konstellation ICH die Person bin, die sich wirklich mal zusammenreißen und anständig verhalten könnte, weil, wie man hier sieht, es geht ja.
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#4 Mit mir nichtAnonym
  • 10.08.2021, 09:45h
  • Warum sollte ich mir einen Film ansehen, in dem es um Homophobe, verbale und und geistige Gewalt geht!?
    Es würde mich wütend machen, wenn ich sehe wie der Vater den Sohn behandelt und der Sohn lässt es über sich ergehen.
    Auch mit einer schrecklichen Krankheit darf niemand erwarten, dass man andere Menschen missbraucht!
    Ich hätte schon längst den Kontakt abgebrochen, ihm alles Gute gewünscht und dann lasse ich es mir gut gehen!
    Auf nimmer Wiedersehen und wage es nicht mich zu kontaktieren, solltest du Hilfe brauchen.
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#5 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 10:01h
  • Antwort auf #4 von Mit mir nicht
  • "Warum sollte ich mir einen Film ansehen, in dem es um Homophobe, verbale und und geistige Gewalt geht!?"

    Damit du einen Schaden davonträgst, der hoffentlich mal reicht, um dich endgültig kaputtzubekommen, falls dein homofeindliches Real-Life-Umfeld das nicht allein schafft.

    Aber vor allem ist's wohl ein Workshop für das homofeindliche Umfeld, der ihnen die Hoffnung geben soll, dass das mit dem Zerstören im Grunde schon funktioniert. Wenn man früh genug damit anfängt.
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#6 StrottiAnonym
  • 10.08.2021, 10:34h
  • Wenn ich mir diese Kritik durchlese, habe ich den Eindruck, dass er dieses schreckliche Familienbild transportiert, in dem Eltern sich noch so arschig gegenüber ihren Kindern verhalten können - am Ende hat für die Kinder die biologische Familie und "Du sollst Vater und Mutter ehren" den alles überragenden Stellenwert.
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#7 XbergerAnonym
  • 10.08.2021, 10:58h
  • Seid ihr schon einmal auf die Idee gekommen, dass der Sohn seinen Vater trotz allem liebt? Ihr tut mir wirklich leid in eurer Verbitterung. Aber warum müsst ihr solche Dreck über einen Film ausschütten, den ich noch gar nicht gesehen habt. Es ist fatal, wie ablehnend ihr schreibt und euch darüber beklagt dass ihr selbst abgelehnt werdet. Ihr seid damit nicht besser als jeder Homo Hasser. Mit Leuten wie euch, wird sich die Welt nie ändern!
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#8 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 11:21h
  • Antwort auf #7 von Xberger
  • Ja, mit Leuten wie dir, die die Unterdrückung feiern, wird sich die Welt für Menschen wie uns, die für ihre Freiheit und ihr Recht auf einen Menschenwert kämpfen, niemals ändern.

    Und wie man an diesem Film mal wieder sieht, beschränkt sich eure gewaltsame Herrschaft leider nicht bloß via Polizei und Justiz auf die physische Welt, sondern über das Erbe der patriarchal dominierten Medienlandschaft auch bis in die Fantasie und die Köpfe der Menschen.
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#9 LotiAnonym
  • 10.08.2021, 13:28h
  • Antwort auf #8 von Ith_
  • Könntest Du Deine persönliche Verbitterung einfach mal ganz weit hinten anstellen? Wäre nämlich an manchen Stellen so wie gerade hier nicht verkehrt. Einen Menschen aus der Familie trotz seiner Grausamkeiten zu Lieben eben weil er der Vater und der Erzeuger ist, ist schon etwas sehr außergewöhnliches.
    Ich werde mir dieses Drama genauestens ansehen, denn mir geht es um die schauspielerische Leistung dieser beiden. Lance Henrikson, der den Vater spielt hat eine ähnliche Vergangenheit wie ich sie erlebt habe. Nur mit dem Unterschied, dass ich nie meinen Erzeuger kennengelernt hatte.
    Eins weiß ich bis heute, gerne hätte ich eine Familie gehabt und nicht bloß eine Aktennummer zu sein, besonders in der Kindheit. Für mich ist dieser Film deshalb doppelt interessant. Und meine Verbitterung als alter Mann bezieht sich nicht einmal auf unsere Community, sondern eher darauf wie Oberflächlich im allgemeinen unsere Gesellschaft doch geworden ist.
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#10 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 14:13h
  • Antwort auf #9 von Loti
  • Das hat mit eigener, persönlicher Verbitterung nur teilweise zu tun, auch wenn mein Vater mich mit Sicherheit gern umgetauscht hätte, und zwar spätestens im Alter von 5 oder so, wenn nicht gleich nach der Geburt, wenn das in Deutschland so funktionieren würde.

    Sowas hier ist aktives Unterdrückungsvorbild. Sich sowas da gefallen zu lassen hat niemals was mit Liebe zu tun. Das ist eine traumabedingte, psychische Krankheit, antrainiert von ebendem Menschen, den man nach so einer Kindheit das ganze Leben "gehören" wird.

    Und das zu Liebe zu erklären, und der Menschheit beizubringen, dass so Liebe auszusehen hat, war seitens der christlichen Kirchen vielleicht das sehr viel größere Verbrechen an Kindern, die häusliche Gewalt überlebt haben, als der gesamte Missbrauch, den Geistliche höchstpersönlich verübt haben.

    Es gibt keine unterstützenden Strukturen für Menschen, die unter solchen Bedingungen als Kinder lernen müssen ihre Unterdrücker*innen zu "lieben", weil ihnen schlichtweg keine Wahl bleibt. Und gerade queere Kinder und Jugendliche gehören zu den Menschen, die exakt darunter in der Gesellschaft am meisten zu leiden haben. Aber den Menschen, die bis zu deiner Volljährigkeit mit dir machen können, was sie wollen, entgehst du nicht einfach so. Das Jugendamt hilft dir genausowenig wie die Psychotherapie, zu der _du_ dann geschickt wirst.

    Selbst ohne diesen hetero-oktroierten Rückgriff auf die queere Minderheit, die sich nochmal doppelt gut unterdrücken lässt. Ich kenne zu viele Leute, die Arschloch-Eltern überlebt haben. Und was ich, genauso wie diese Leute, regelmäßig wieder erfahre, ist die gesellschaftliche Ächtung für das Tabu, mit der eigenen Familie zu brechen, weil die sonst dich zerbrechen, soweit sie das nicht schon geschafft haben.
    Und genau das, und die Täter-Opfer-umkehrende Forderung an die Traumatisierten und Misshandelten, dass man doch auch einfach mal SO sein könnte, statt das bösartige, garstige, undankbare Geschöpf, das "nicht mal die eigenen Eltern lieben kann", exakt sowas befördern Filme wie dieser.

    Man könnte ja auch einfach mal brav sein und gut, und liebevoll. Wie ein "richtiger" Mensch eben. Und auf den eigenen Selbstwert so schön sch***en wie das Vorbild da es uns zeigt. Wie es sich für Kinder "gehört".

    Ich kenne Leute, die unter diesem gesellschaftlichen Stigma noch sehr viel mehr leiden als ich, insbesondere wenn das Leute sind, die an auch körperlichen Übergriffigen sehr viel mehr ertragen mussten als ich persönlich. Und es tut mir jetzt schon leid für jede einzelne, übergriffige Diskussion, die sie künftig mit Leuten führen dürfen, wenn die sich von sowas da beeinflussen lassen, weil solche Filme zeigen ja schließlich, dass es "auch anders geht, könntest du ihnen denn nicht wenigstens mal wieder eine Chance geben?"

    Es macht mich wütend, dass Menschen, die keine Ahnung von dieser Seite der Medaille haben, auf solche Weise dazu beitragen, denjenigen, die schon weit genug unten sind, weit genug unter ihnen, das Leben schwer zu machen. Und ganz besonders, wenn Nicht-Betroffene dafür dann extra noch auf eine Minderheit zurückgreifen, für deren reale Lebensbedingungen sie sich offenkundig einen feuchten Dreck interessieren.
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