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Katholische Kirche

Erzbischof kündigt Ansprechperson für Homo­sexuelle an

Bei einem Treffen mit dem LSVD Berlin-Brandenburg geht der katholische Erzbischof Heiner Koch auf queere Gläubige zu. Eine Einladung zum CSD will er aber noch nicht annehmen.


Der Berliner Erzbischof Heiner Koch (l.) und LSVD-Landesvorstand Ulrich Keßler beim Treffen am Montag in der Hauptstadt (Bild: Erzbistum Berlin)
  • 10. August 2021, 06:23h 13 3 Min.

Das katholische Erzbistum Berlin will sich mehr um Lesben und Schwule kümmern. Bei einem Treffen am Montag mit Vertreter*innen des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Berlin-Brandenburg kündigte Erzbischof Heiner Koch an, ein*e Seelsorger*in als Ansprechperson für Homosexuelle zu benennen. Um das Treffen hatte der LSVD gebeten hatte, heißt es in gleichlautenden Presseerklärungen von Erzbistum und Verband. Anlass sei das Segnungs-Verbot des Vatikans für gleichgeschlechtliche Paare gewesen.

"Ich bitte um Verständnis, dass ich als Bischof um der Einheit der Kirche willen mich nicht über eine solche Position aus Rom hinwegsetzen kann", wird Koch in der Mitteilung zitiert. "Gleichzeitig setze ich mich vorbehaltlos dafür ein, der Liebe und Beziehung von Menschen den Segen Gottes zuzusprechen. Ich werde die Diskussion – auch im Zusammenhang des Synodalen Wegs – weiterführen. Wenn mit Segnungsgottesdiensten kirchenpolitischer Druck ausgeübt werden soll, finde ich das problematisch."

LSVD wirft Vatikan Ausgrenzung und Diskriminierung vor

Aus Sicht des LSVD Berlin-Brandenburg behindert das Segnungsverbot die Bemühungen der katholischen Kirche in Deutschland um einen angemessenen und realitätsbezogenen Umgang mit homosexuellen Menschen. Die Aussage, Lesben und Schwule seien nicht gottgewollt, legitimiere zudem Ausgrenzung und Diskriminierung. LSVD-Vorstand Ulrich Keßler freute sich jedoch über den Widerspruch von deutschen Katholik*innen. "Es hat uns überrascht und gefreut zu sehen, dass die Regenbogenfahne auch von katholischen Kirchtürmen wehte, Internetseiten und Posts in den sozialen Medien schmückte und viele Kirchengemeinden zu Segnungsgottesdiensten aufgerufen hatten."

Für das Erzbistum Berlin betonte Erzbischof Koch, dass er die "doppelte Ausgrenzung" von katholischen homosexuellen Menschen als "problematisch und schmerzhaft" wahrnehme, innerhalb sowohl der katholischen Gemeinde als auch der homosexuellen Community. Die geplante Ansprechperson sei wichtig, "um Ausgrenzung und Diskriminierung von queeren Menschen in der Kirche angstfrei ansprechen zu können", heißt es dazu in der Pressemitteilung,

Erzbischof zum CSD eingeladen

Der LSVD begrüßte die Ankündigung und erklärte seine Bereitschaft, dem Erzbistum hierbei beratend zur Seite zu stehen. Bei der Versorgung queerer Geflüchteter arbeite der Verband bereits "sehr gut" mit kirchlichen Einrichtungen zusammen. Insgesamt, so der LSVD, sollten Angebote im Bereich des innerkirchlichen Beratungsangebotes für queere Familien und Jugendliche ausgebaut werden. Auch in Einrichtungen der Kranken- und Altenpflege sei es wichtig, spezifische Lebens- und Problemlagen von LGBTI mitzudenken.

Der LSVD Berlin-Brandenburg bekräftigte seine Einladung und Ermutigung an das Erzbistum, am Leben der LGBTI-Community wie etwa am Christopher Street Day teilzunehmen, wenn nicht der Erzbischof persönlich so doch durch katholische Laienorganisationen. Koch sagte als nächsten Schritt zumindest zu, einer Einladung der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) zu folgen und mit der Berliner Gruppe Gottesdienst zu feiern.

Das Erzbistum Berlin und den LSVD Berlin-Brandenburg verbindet laut beidseitiger Einschätzung ein "konstruktiver und von Respekt geprägter Dialog". Im Vorfeld des Papstbesuches 2011 lud mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki erstmals ein Erzbischof von Berlin Vertreter*innen des LSVD Berlin-Brandenburg zu einem Gespräch ein (queer.de berichtete). Im Januar 2016 besuchte Erzbischof Heiner Koch das Zentrum für Migrant*innen, Lesben und Schwule (MILES) des LSVD Berlin-Brandenburg, um sich über die Lebenssituation von queeren Geflüchteten zu informieren (queer.de berichtete). Koch nahm im Januar 2019 auch als erster Erzbischof von Berlin an einer Gedenkfeier für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen teil (queer.de berichtete). (cw/pm)

-w-

#1 Ith_Anonym
  • 10.08.2021, 09:41h
  • "konstruktiver und von Respekt geprägter Dialog"

    Ich würde da echt gern drüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Was für eine elende Kriecherei. Wäre Menschen, die das Patriarchat bekämpfen, nicht passiert, derart in Bro-Culture zu verfallen, sobald ein cis-männlicher "Würdenträger" sich gnädig herablässt.

    Na, was glaubt ihr, wie viel Respekt der gute Mann für den Fetischblock hat, hmm?

    Aber hey, Polizei, CDU und SPD dürfen ja auch mitlaufen. Wieso dann nicht auch Vertreter*innen einer Organisation, die eine*n in anderen Teilen der Welt immer noch gern totschlagen lässt fürs Queersein.
    Wäre echt schön, wenn man solche Kommunikation mal queeren Menschen überließe, die mit eher wenigen Privilegien durch die Welt laufen. Und wer hat eigentlich den LSVD autorisiert, irgendjemanden zu einem CSD einzuladen?
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#2 VerteidigerAnonym
  • 10.08.2021, 10:26h
  • Lobenswert erstmal das in den meisten der 20 Landeskirchen der EKD kirchliche Trauungen für homosexuelle Ehepaare kirchenrechtlich erlaubt sind. Nur in 5 der 20 Landeskirchen (Anhalt, Schaumburg-Lippe, Bayern, Württemberg und Sachsen), der EKD handelt es sich um öffentliche Segnungsfeiern für homosexuelle Ehepaare.

    In der Römisch-katholischen Kirche hingegen hat der Vatikan selbst Seine für homosexuelle Ehepaare kirchenrechtlich verboten (Dokument "Responsum ad dubium ").

    In früheren Jahrhunderten seit Einführung des Zölibates Frühmittelalter waren Klöster und Priestertalar ein Schutzraum für homosexuelle Menschen.

    Seit den 1960er aber mit den Legalisierungen in den Industriestaaten behindert der Vatikan homosexuelle Menschen.
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#3 FinnAnonym
  • 10.08.2021, 10:33h
  • Das sind alles nur die üblichen Marketing-Maßnahmen, um in Zeiten, wo Mitglieder in Scharen wegrennen, den Schaden zu begrenzen.

    Ansprechpartner kann man für alles mögliche haben. Aber solche Beruhigungstabletten bringen gar nichts, solange sich nicht wirklich etwas ändert.

    Und selbst wenn sich etwas ändern würde, würde das nicht ungeschehen machen, was dieser Verein bisher angerichtet hat und welche Folgen das noch mindestens für Jahrzehnte haben wird.
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