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Auf Druck der Staatsmacht

Apple sperrt schwule Dating-App in der Türkei

Wer den App Store in der Türkei öffnet, kann die kostenlose Anwendung nicht mehr finden. Zuvor hatte ein Gericht die Sperrung angeordnet.


Hornet ist in der Türkei künftig tabu (Bild: Hornet Networks)

Die Dating-App Hornet, die sich selbst als "Gay Social Network" bezeichnet, ist vom Konzern Apple in der Türkei gesperrt worden. Die Anwendung kann damit nicht mehr im App Store heruntergeladen werden. Wie die türkische Nachrichtenagentur Bianet meldet, habe ein Gericht in Ankara am vergangenen Freitag die Sperrung angeordnet. Grundlage sei das 2007 erlassene Gesetz 5651 gewesen, das eigentlich türkische Internetnutzer*innen vornehmlich vor Cyberkriminalität schützen soll. Das Gesetz räumt der türkischen Staatsmacht weitgehende Rechte ein, Inhalte im Internet zu sperren. Der schwammig formulierte Gesetzestext erlaubt es auch, Verstöße gegen die Moral zu ahnden.

Die türkischen Nutzer der App mit einem Apple-Smartphone erhielten von Hornet eine Nachricht, wonach Apple die App "wegen einer Entscheidung türkischer Gerichte" entfernt habe. Man werde weiter versuchen, "das Problem mit Apple und den türkischen Gerichten zu lösen".

Twitter / KaosGL | Die LGBTI-Organisation Kaos GL meldet die Sperrung von Hornet
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Bereits 2013 hatte ein türkisches Gericht die schwule Dating-App Grindr sperren lassen. Von der Türkei aus können seither Grindr-Server nicht mehr erreicht werden (queer.de berichtete). Ein Gericht bestätigte im Folgejahr die Sperrung mit dem Argument: "Der Zugang wurde blockiert, weil die Website Prostitution und Unzüchtigkeit enthält."

Hornet hat weltweit 25 Millionen Nutzer – und war in der Türkei die beliebteste Dating-App für Schwule. Auch in vielen anderen Ländern, etwa in Frankreich oder Russland, ist sie der Marktführer.

Homosexualität ist in der Türkei zwar seit 1858 legal – Deutschland schaffte sein Homo-Verbot bei Erwachsenen erst 111 Jahre später ab. Allerdings hat sich in der Türkei insbesondere in den letzten Jahren die Stimmung gegenüber sexuellen Minderheiten verschärft. Dazu trägt auch die Regierung des Autokraten Recep Tayyip Erdoğan bei, der immer wieder gegen Schwule und Lesben Stimmung macht (queer.de berichtete). Aus Homophobie kündigte Ankara dieses Jahr etwa seine Mitgliedschaft in der Istanbul-Konvention, einem internationalen Abkommen zum Schutz von Frauen (queer.de berichtete). Seit Jahren verbietet die Staatsmacht auch CSDs. Die Polizei schlägt Demonstrationen für LGBTI-Rechte regelmäßig mit Reizgas und Gummigeschossen nieder (queer.de berichtete). (dk)



#1 PeerAnonym
  • 11.08.2021, 11:32h
  • Und wieder mal beugt sich Apple dem Druck und macht sich zum Schoßhündchen von Regierungen.

    Wenn ein Staat es fordert, würde Apple bereitwillig seine Kunden und deren Rechte verkaufen.
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#2 LotiAnonym
  • 11.08.2021, 12:08h
  • Ich bin mit meinem iPad ohne Simcard, sprich unangemeldet unterwegs. Mein Nachbar hat mir freundlicherweise sein WLAN Anschluß zur Verfügung gestellt.
    Immer wieder versucht Apple Safari mir ausgerechnet den Zugang zu queer.de zu sperren. Aber ich habe ein sehr profanes Mittel dies zu umgehen.
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#3 Carsten ACAnonym
  • 11.08.2021, 12:24h
  • So viel zum Märchen, Apple wäre auf Seiten der LGBTI und würde gegen Diskriminierung und Zensur einstehen.

    Apple ist letztlich auch nicht besser als alle anderen US-Tech-Unternehmen. Am Ende zählen nur Profite.
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#4 andreAnonym
  • 11.08.2021, 12:58h
  • Antwort auf #3 von Carsten AC
  • Warum ? Das ist Polemik. Auch wenns unschön ist, für den Betreiber der App. Apple beugt sich einem Gerichtsentscheid. Apple ist ja kein rechtsfreier Raum. Wobei es sicher "Geschmäckle" hat, wenns türkische Gerichte entscheiden. Und es steht doch da, daß daran gearbeitet wird. Genau so erging es FB, mit den letzten Urteilen deutscher Gerichte was Hassrede betrifft. Ganz so schlimm wirds nicht sein. Ich gehe mal davon aus, daß jeder dort, auf Grund der politischen Verhältnisse dort, bereits jetzt über VPN ins Internet geht.
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#5 GoggelAnonym
  • 11.08.2021, 13:49h
  • Politiker haben im Bett ihrer Bürger nichts zu suchen!!!!!!!*

    (*solange es einvernehmlich ist)
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#6 FelixAnonym
  • 11.08.2021, 13:57h
  • "Der Zugang wurde blockiert, weil die Website Prostitution und Unzüchtigkeit enthält."

    Heillige Scheiße was geht da denn ab....

    Wir haben 2021, ob das bei denen auch mal ankommt?
    Früher hättest du so etwas als Grund anbringen können, aber das sollte heutzutage einfach keine Sache mehr sein.
    (Nicht das es früher ok gewesen wäre, es wa halt damals noch im gesellschaftlichen Sinne akzeptiert und ist es dort wohl immer noch)
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#7 Carsten ACAnonym
  • 11.08.2021, 14:03h
  • Antwort auf #4 von andre
  • Aha. Wenn Apple nationale Gesetze so wichtig nimmt, wieso sperrt Apple dann Apps (oder z.B. E-Books), wo beispielsweise nackte Frauenbrüste zu sehen sind in Ländern wo das gar nicht verboten ist?

    Legendär war ja der Fall vor ein paar Jahren, als Apple von einem französischen Verlag verlangte ein Buch-Cover zu ändern, weil da ein nackter Busen halb von der Seite zu sehen war (nicht mal die Nippel). Sonst wollten die das nicht über ihren E-Book-Store verkaufen.

    Glücklicherweise ist der französische Verlag nicht vor Apple eingeknickt.

    Ganz ehrlich:
    Apple legt es sich immer so aus, wie es gerade passt. Aber letztlich zensieren sie Nacktheit, etc. auch dort, wo es gar nicht illegal ist. Weil deren prüde US-Ansichten weltweit angewendet werden.

    Insofern komme also hier nicht damit, dass Apple sich an nationales Recht halte, wenn sie es in anderen Bereichen auch nicht interessiert...
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#8 queergayProfil
  • 11.08.2021, 14:17hNürnberg
  • Man kann doch mittlerweile ganz einfach z.B. über 'Surfshark' eine (ständige) Umleitung - und damit Einwahl - über ein anderes Land nach eigener Wahl einrichten. Dann ist es egal, wo ich mich befinde.
    Dürfte wohl auch in der Türkei funktionieren. Damit kann man auch einen Herrscher Erdogan und seinen Bevormundungs-Polit-Apparat ins Leere laufen lassen.
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#9 PiakAnonym
#10 Image vs RealitätAnonym
  • 11.08.2021, 14:56h
  • Antwort auf #2 von Loti
  • Apples Wortvorschläge auf der Tastatur kennen bis heute viele LGBTI-Worte nicht: Schwule, lesbisch, transsexuell, homophob, Homophobie, transphob, Transphobie, etc.

    Die werden nur vorgeschlagen, wenn man sie vorher mind. 2x händisch eingetippt hat. Dann ist das im Benutzer-Dictionary gespeichert.

    Aber ansonsten werden diese Worte nicht vorgeschlagen. Es soll wohl niemand damit belästigt werden, der das nicht will.

    Aber Hauptsache, Apples Propaganda-Abteilung, ähm ich meinte natürlich Marketing-Abteilung kann weiter die Kunden verarschen.
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