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US-Ausgabe

Ariel Nicholson ist erste trans Frau auf Cover der "Vogue"

Als 13-Jährige war sie in einer Doku über trans Kinder zu sehen. Inzwischen schreitet Ariel Nicholson über Laufstege – und auf das Titelbild der US-amerikanischen Modezeitschrift "Vogue".


Ariel Nicholson trat mit 13 Jahren in der PBS-Frontline-Doku "Growing Up Trans" über transgeschlechtliche Kinder auf (Bild: Youtube / Public Broadcasting Service)

Das Model Ariel Nicholson ist die erste transgeschlechtliche Frau auf dem Cover der US-amerikanischen "Vogue". Die September-Ausgabe des Magazins titelt mit der größerer werdenden Diversität und sich wandelnden Normen im Mode-Business. Nicholson ist bekannt durch ihre Teilnahme an der 2015 ausgestrahlten Dokumentation "Growing Up Trans" des US-Senders PBS. In dem Film werden die damals 13-jährige Nicholson und andere transgeschlechtliche Jugendliche und Kinder in ihren Familien, in Schule und Freizeit und in der medizinischen Transition begleitet.

Auf ihrem Instagram-Kanal teilte Nicholson ihren Fans und Follower*innen ihre Freude mit: "Ich bin so aufgeregt, mein erstes Vogue-Cover zu teilen! September 2021 <3" Die Gelegenheit zu haben, an der sich wandelnden Fashion-Landschaft teilzuhaben, sei ein Traum, der wahr wird, so das 20-jährige Model.

Mehr als nur "Diversity"

Im "Vogue"-Leitartikel "Generation America: The Models Changing an Industry" geht es darum, wie die Mechanismen der sozialen Medien und die Selbstrepräsentation von Menschen abseits etablierter Schönheitsnormen auch Barrikaden in der Modeindustrie eingerissen haben. Um diese "Revolution" zu zeigen, hat die US-Redaktion neben Nicholson eine Reihe weiterer Models auf das Cover gehoben, die beispielhaft für den Trend stehen: Kaia Gerber, Anok Yai, Precious Lee, Bella Hadid, Sherry Shi, Yumi Nu und Lola Leon.

Begrifflichkeiten wie Diversität und Inklusion reichten nicht aus, das Phänomen zu beschreiben. Immerhin sei es mehr als bloßer "Tokenism" großer Unternehmen, also die nur symbolische Repräsentation von Minderheiten zu Imagezwecken. Vielmehr hätten sich Models aus der Rolle des Objekts emanzipiert, seien durch ihre Kanäle in den Netzwerken selbst zu Subjekten des öffentlichen Blicks geworden. Dem könnten sich die sonst so mächtigen Konzerne gar nicht entziehen.

Auf ihrem Instagram-Account teilt Nicholson neben Modefotos auch private Schnappschüsse, Bilder der Trans-Ikone Marsha P. Johnson oder Bilder aus der Dokumentation, in der sie als Jugendliche zu sehen ist.

Zwischen Modeling und Aktivismus

Im Jahr 2018 war die damals 16-jährige Nicholson das erste transgeschlechtliche Model, das für Calvin Klein eine Modeshow gelaufen ist. Damit bahnte sie auch den Weg für weitere Verpflichtungen transgeschlechtlicher Models. 2019 brachte Calvin Klein etwa eine Pride Collection auf den Markt (queer.de berichtete), für die der Modehersteller verschiedene transgeschlechtliche Modelle vor die Kamera holte, professionelle wie unprofessionelle. Dazu gehörte etwa auch das nichtbinäre Model Indya Moore, das über die Serie "Pose" in der Rolle der Angel Evangelista große Bekanntheit erlangte.

Nicholson wird nicht nur als Model, sondern auch als Stimme für Trans-Rechte wahrgenommen. Bereits als 13-Jährige hat sie mit ihrer Kritik am Umgang der Gesellschaft mit trans Menschen nicht hinterm Berg gehalten: In einer beeindruckenden Szene in der "Growing Up Trans"-Dokumentation widerspricht das Mädchen emotional einer gemeinsam mit ihr interviewten Freundin. Die behauptet in dem Film, es hätte keinen Unterschied für deren Freundschaft gemacht, wenn sie Nicholson bereits vor deren Transition kennengelernt hätte.

Nicholson entgegnete ihr damals: "Ich weiß, dass wir ziemlich eng sind. Aber ich hatte eine solche Erfahrung auch an meiner alten Schule. Ich glaube nicht, dass wir so eng miteinander wären, wie wir es jetzt sind. Es wäre nie so geworden, wenn ich als Junge hinein gekommen wäre. Und es hätte durchaus unsere Beziehung verändert. Das weiß ich definitiv." Dass die Freund*innen überhaupt wussten, dass Nicholson trans ist, war auf ein Fremdouting an ihrer Schule zurück gegangen, auf die sie nach der Transition gewechselt war.

Instagram / ariel.nicholson | Das Foto zeigt Nicholson kurz vor ihrem ersten Laufsteg-Auftritt für Calvin Klein im Jahr 2017
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Schon als kleines Kind hatte sich Nicholson ihren Eltern über ihre Geschlechtsidentität anvertraut. Die Transition fing dann jedoch erst in der fünften Klasse an, als das Mädchen seine Pronomen änderte und erstmalig mit Hormonen zum Stoppen der Pubertätsentwicklung behandelt wurde. Aufklärungsgespräche über die später beginnende Einnahme von Östrogenen mit 13 Jahren sind ebenfalls in dem PBS-Film dokumentiert. Heute setzt sich Nicholson auch beim Gender & Family Project dafür ein, dass transgeschlechtlichen Kindern mit Akzeptanz begegnet wird.

Die US-Ausgabe der "Vogue" ist in der Modewelt besonders einflussreich. Zwar gibt es eigenständige Ableger in 26 Ländern, als ausgezeichnet gilt allerdings vor allem, wer von der in New York sitzenden Redaktion für das Titelbild der mehr als 1,2 Millionen Mal gedruckten Zeitschrift ausgewählt worden ist. Das italienische Blatt hatte Nicholson bereits im vergangenen Jahr auf den Titel gehieft.



#1 DeamaQueen25Anonym
  • 12.08.2021, 04:39h
  • Toll, dass Ariel auf dem Cover ist. Aber um welchen Preis? Sie sieht wie ein Hungerhaken aus, macht also bei den Normen mit, die eine Modewelt aufgestellt hat, die Models immer dünner, schlanker, kindlicher will. Egal, welche körperlichen und seelischen Probleme es für die Models bringt!
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