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Deutschlands erster queerer Heimatfilm

Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existenziellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm "Neubau" aus der Sicht eines jungen schwulen trans Manns in der Uckermark.


"Neubau" erzählt von einem queeren Sommer in der Brandenburger Provinz (Bild: Salzgeber)

Sommer in der Brandenburger Provinz. Markus ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seinen pflegebedürftigen Omas und der Sehnsucht nach einem anderen Leben in Berlin. In Tagträumen erscheint dem jungen schwulen trans Mann immer häufiger eine Schar schillernder Dämonen als Vorboten einer queeren urbanen Wahlfamilie, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit. Als er sich in Duc verliebt, wird alles noch komplizierter. Denn eigentlich stehen in Markus' Neubauwohnung schon die gepackten Kisten für den Umzug in die große Stadt.


Poster zum Film: "Neubau" startet am 12. August regulär im Kino

Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge.

Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine "Neue Selbstverständlichkeit" geht. Im Januar 2020 feierte "Neubau" seine Uraufführung im Spielfilm-Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis. Dort wurde er als Bester Spielfilm ausgezeichnet und dabei von der Jury besonders für seine "Kraft Empathie zu erzeugen" gelobt. Tucké Royale erhielt zudem für sein Buch und Schauspiel den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film (queer.de berichtete).

Im April war "Neubau" bereits in der queerfilmnacht zu sehen – am 12. August startet der erste queere Heimatfilm aus Deutschland regulär im Kino. (cw/pm)

Direktlink | Offizieller Trailer zu "Neubau"
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Infos zum Film

Neubau. Drama. Deutschland 2020. Regie: Johannes M. Schmit. Buch: Tucké Royale. Darsteller*innen: Tucké Royale, Monika Zimmering, Jalda Rebling, Minh Duc Pham. Laufzeit: 81 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 12. August 2021


#1 Ith_Anonym
  • 12.08.2021, 08:18h
  • Oh, cool, wenn ein schwuler trans Mann ihn selbst schreibt und spielt, gibt es jetzt wenigstens überhaupt mal einen nicht-Doku-Film mit einem trans Mann in der Hauptrolle, der nichtmal erschossen wird, das ist für unsere Verhältnisse ja schon ein riesen Fortschritt ^^

    Inhaltlich ansonsten bei mir aber leider ein mindestens 3-faches "nie im Leben". Und dass man trotzdem drüber nachdenken MUSS, weil's der erste Film ist, ever, von dem man jemals gehört hat, in dem man repräsentiert wird (im Sinne von trans-männlich, schwul, Teil einer Szene nur in den eigenen Halluzinationen), find ich echt ganz schön traurig.
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#2 RuntAnonym
  • 13.08.2021, 14:17h
  • Antwort auf #1 von Ith_
  • Mich würde interessieren: Worauf bezieht sich Deine Aussage "Nie im Leben?"

    Ist der Film unrealistisch bzw unwahrscheinlich? Ist die Situation der Hauptfigur zu positiv oder zu negativ gezeichnet?
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#3 Ith_Anonym
  • 13.08.2021, 19:47h
  • Antwort auf #2 von Runt
  • Unrealistisch.. hm, schwer zu sagen. Abgesehen davon vielleicht, dass jemand, der*die sich eine queere Gemeinschaft herbeihalluzinieren würde, im 21. Jahrhundert im Internet und in kleinstädtischen queeren, aka cis-schwul-exklusiven Szenen landen würde, wo man dann prominent einem Jan Feddersen mit seiner Queergida (taz) und einem Ali Utlu mit den "Frauen, die unsere Szene zerstören"-Ansichten (Twitter) begegnet, was die Halluzinationen dann doch irgendwie trübt.
    Abgesehen von dem Hass der kleinstädtisch-cis-schwulen Szene auf Gendersternchen, aber das Problem hat man wohl dann auch eher als sowas wie ich, was sich auf dem binären Spektrum nicht ausreichend weit an den Extrempolen befindet.

    Eeh, also, wo das "geht gar nicht" bei mir herkommt, ist vermutlich ungefähr:

    - die Eigenbezeichnung als Heimatfilm. Das ist wie mit Klamotten, die man trägt, um nach außen zu zeigen, wer und was man ist. Und die Eigenbezeichnung "Heimatfilm" sagt mir: Für meine Generation wurde der nicht gedreht, da bin ich so gute 20 - 50 Jahre zu jung für.

    - dann dieses etwas aufgezwungen wirkende "arme Leute"-Umfeld, wo man irl in nem Neubau unterwegs war und den von Platte nicht unterscheiden konnte, aber sich dann anmaßt, aus der Perspektive berichten und eine Geschichte erzählen zu können. Ja, das mag ein fieser Ownvoice-Anspruch sein, aber wenn man im RL so wenig Ahnung hat, wieso hat man dann nicht erst genügend recherchiert, und woher soll die charakterliche Tiefe kommen, wenn's schon am common knowledge zur Szenerie fehlt? Sowas ist künstlerische Faulheit, sowas nehm ich Leuten als Storywriter*in einfach übel.
    Ich find es außerdem sehr seltsam, wie Jobcenter-Briefe mit einem Umzug nach Berlin zusammenpassen. Wenn man finanziell vom Jobcenter abhängig ist, bedeutet das HartzIV. Und ob du dann umziehst, steht gar nicht zur Debatte, denn das wirst du nur dürfen, wenn du den Job bereits sicher hast. Solltest du den Job sicher haben und ihn dann plötzlich ablehnen, wird dir das Geld gestrichen. Das überzeugt mich an der Stelle einfach von der Beschreibung her nicht, und scheint mir so auf die Klischee-Gewohnheiten typischer Tatort-Filme-Zuschauer*innen ausgerichtet zu sein. Wo du explodierende Stickstoff-Flaschen hast, vor denen panisch gewarnt wird (tatsächlich wird Stickstoff als Inert-Gas verwendet), und kein Mensch mit Identitätsstörung vorkommen darf, ohne die gesamte Symptom- und Klischeepalette abzudecken. Nicht so weit von der Realität weg, dass ich es "unrealistisch" nennen würde. Aber Jobcenter und wie HartzIV Menschen ausgrenzt und fertig macht, ist schon ein heikles Thema für Trans*-Personen. So auf den ersten Blick wirkt auch das aber mit, sagen wir mal, wenig Sorgfalt behandelt.
    Vielleicht isses mir da thematisch zu nah an meinem Leben, bei gleichzeitig eher schludrig wirkender Umsetzung, und da habe ich bereits die Ahnung, dass es mich in ähnlicher Weise an die Decke bringen wird wie dieser Tatort-Schizophrene, der sich am Ende unbedingt auf grausame Weise selbst töten muss. Ich hab einfach zu viele Striche in meinem "ich hab es vorher gewusst, wieso tu ich es mir eigentlich an?"-Buch.

    - Pflegesituation bei Großeltern.
    Da werd ich jetzt nicht näher drauf eingehen, aber das ist aus persönlichen Gründen bei mir wirklich ein "No way".

    Außerdem seh ich ehrlich gesagt nicht den Punkt, wieso man nicht in Berlin bereits szene-intern verbandelt sein sollte. Ich mein, die Uckermark ist ja jetzt nicht Bayern, das ist man mit dem Zug halt auch in 3h oder so gefahren, und wenn man da soo wild drauf wäre, würde man es tun (außer während Corona). Bloß, dass man in der Uckermark die Miete bezahlen kann, also wieso...?

    In erster Linie aber, nuja, siehe oben. Als Ziel des Films erscheint mir, dass er wohl ein älteres Publikum damit aussöhnen soll, dass es Menschen wie mich gibt und wir erstmal keine Ungeheuer sind. Deswegen wohl das Heimatfilm-Label, die Sache mit der Pflegesituation + der tatort-affine graue-Wände-Touch. Es sagt mir halt alles, dass ich in der Prioritätenreihe bzgl. der Zielgruppe sehr weit hinten stehe.

    Irgendwie nehme ich es dem Prota wohl auch einfach übel, für die Zugehörigkeit zu einer Szene nach Berlin zu wollen, von der _ich_ jedenfalls ziemlich gut weiß, wie wenig sie von mir hält.
    Unterm Strich ist es eine Mischung aus Dingen, die für mich irgendwie "sehr" bis "zu nah" dran sind und anderen Dingen, die für mich komplett keinen Sinn ergeben bzw. mich offensichtlich nicht meinen sollen.

    Das mögen jetzt zum Teil durchaus Vorurteile sein, die bei mir durch - es ist deutsches Kino - es ist nennt sich Heimatfilm - es begibt sich in ein künstliches Umfeld, auf das Leute gern hinabsehen - zusammenkommen. Aber nunja. Wenn man sich den "Heimatfilm"-Schuh anzieht, wird man sich ja hoffentlich etwas dabei gedacht haben.

    Wahrscheinlich werd ich ihn mir trotzdem angucken. Vielleicht mal ich mir vorher ein Bullshit-Bingo dazu. Aber ein harmloses, nicht so wie bei dem Mist, den ich bei Cissen-Stories erwarte.
    Filme, an denen "Drama" dransteht, sind vom Prinzip her halt nicht dazu da, dass man sich gut fühlt, wenn man das Ende erreicht.
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  • Anm. d. Red.: Bitte erheblich kürzer kommentieren.
#4 RuntAnonym
  • 13.08.2021, 22:03h
  • Antwort auf #3 von Ith_
  • Trotz der Länge, danke für Deine ausführliche Antwort. Manchmal denke ich, müsste es neben dem Kommentarbereich ein Forum geben, das dem Bedürfnis queerer Menschen nach Austausch und persönlichen Gesprächen entgegenkommt. Das bleibt ja doch bei Minderheiten eine wichtige Sache, um sich nicht zu vereinzelt zu fühlen, gerade wenn man nicht in ein allzu gängiges Schema passt.
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#5 Ith_Anonym
  • 14.08.2021, 09:57h
  • Antwort auf #4 von Runt
  • Achwas, Mods + Admins in Foren sind ausnahmslos und immer machtgeile Antidemokrat*innen, und ich mit meinem Antiautoritarismus aus Prinzip wär nach weniger als ner Woche wegen Kritik an der Obrigkeit dauerhaft gesperrt. Minderheiten bücken sich doppelt so tief wie der Rest oder fliegen, so läuft es halt in der Welt.
    Danke trotzdem.
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#6 LotiAnonym
  • 14.08.2021, 16:07h
  • Antwort auf #4 von Runt
  • Geht doch. Freundliches hier anfragen nach persönliches näher kennenlernen und wenn gewollt klappt das hervorragend. Habe ich selbst schon getätigt. Die Redaktion hilft gerne weiter.
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