Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39716

Potsdam

Film-Regisseur Peter Fleischmann gestorben

Der Protagonist des Neuen Deutschen Films wurde vor allem mit dem Drama "Jagdszenen aus Niederbayern" bekannt.


Fleischmann 2019 in einem Filmgespräch und ein Ausschnitt aus "Jagdszenen aus Niederbayern" (Bild: Screenshot DFF, Bavaria Media)

Der Kinoregisseur Peter Fleischmann ist tot. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Familienkreisen. Fleischmann zählte zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films. Er wurde 84 Jahre alt. Zunächst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.

Fleischmann bekanntestes Werk als Regisseur und Drehbuchautor ist das Drama "Jagdszenen aus Niederbayern" aus dem Jahr 1969. Nach dem gleichnamigen Theaterstück von Hauptdarsteller Martin Sperr erzählt es über alltägliche Ausgrenzungen – vor allem gegenüber dem 20-jährigen schwulen Mechaniker Abram.

Zu Fleischmanns weiteren Hauptwerken zählt der Science-Fiction-Film "Die Hamburger Krankheit" von 1979 über eine tödliche Seuche. In "Herbst der Gammler" von 1967 porträtierte er die Gegenkultur der Jugend.

In den 1990er Jahren war Fleischmann maßgeblich an der Rettung der Filmstudios in Potsdam-Babelsberg beteiligt und begleitete die Übernahme durch den französischen Mischkonzern Vivendi. Er gehörte 2003 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie. Im Jahr 2008 erschien Fleischmanns Roman "Die Zukunftsangst der Deutschen".

Wie seine Familie am Donnerstag bestätigte, starb der Regisseur und Autor am Mittwoch an den Folgen eines Sturzes. Fleischmann wohnte den Angaben zufolge zuletzt in Werder bei Potsdam. (dpa/cw)



#1 jdkdjAnonym
  • 12.08.2021, 19:06h
  • "Jagdszenen aus Niederbayern" ist harter Tobak in seiner Darstellung der vollkommenen Ignoranz und Menschenfeindlichkeit seiner meisten Figuren, ein richtiger Anti-Heimatfilm, aber wohl leider nahe an der Realität der bayrischen Provinz in den 60ern dran.

    Ich hatte die "Jagdszenen aus Niederbayern" vor ein paar Jahren in Anwesenheit von Herrn Fleischmann sehen dürfen. Er wurde danach gefragt, ob er damit einen LGTB-Film gemacht habe - Fleischmann hat da etwas abgewunken, da es in einem noch viel universaleren Rahmen um Angepasste und Außenseiter, Mehrheit und Minderheit gehen würde.

    Ziemlich bescheiden, denn eigentlich hat dieser Film Geschichte gemacht: Der erste bundesrepublikanische Spielfilm, der sich offen auf die Seite der Schwulen gestellt hat und den Artikel 175 kritisiert hat - Und dann auch noch viele Auszeichnungen gewonnen und als deutscher Oscar-Beitrag eingereicht!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 LotiAnonym
  • 12.08.2021, 19:39h
  • Antwort auf #1 von jdkdj
  • Stimme Dir vollkommen zu. Gut kommentiert. Es ist zwar schon lange her als ich diesen Film gesehen habe, doch ist er danach zeitlebens in meiner Erinnerung geblieben.
    Mich hat er zu der Zeit nur noch mutiger gemacht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 queergayProfil
  • 13.08.2021, 03:04hNürnberg
  • Der Titel "Jagdszenen aus Niederbayern" wurde mittlerweile zum geflügelten Wort. Filmkritiker nannten den Film auch eine "Naturgeschichte des Bösen" und "Ursituation des Faschismus". Den Statisten wurde damals beim Filmdreh zunächst nicht gesagt, wen sie da in Wirklichkeit jagen müssen.
    Der Dramatiker und Schauspieler Martin Sperr (1944-2002) spielte die Rolle des Abram, die auch Rainer Werner Fassbinder übernehmen wollte. So erzählte später Film-Regisseur Peter Fleischmann von seinem speziellen deutschen Heimatfilm.
    Leider haben solche und ähnliche Jagdszenen immer noch Tradition.
  • Antworten » | Direktlink »