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Brandenburg
22-jähriger Grüner soll "Dickpic" an 16-Jährigen versandt haben
Ein junger Ex-Landtagskandidat bestreitet, einem Minderjährigen ungefragt ein Nacktbild geschickt zu haben. Der erhob den Vorwurf anonym auf Twitter. Die Polizei ermittelt, Rechte stürzen sich auf das Thema. Doch viele Fragen sind offen.

Werbung der Dating-App "bumble" in den USA: Ohne Einvernehmen zugesandte "Dickpics" werden seit einigen Jahren als großes Problem der Netzkultur diskutiert (Bild: bumble)
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14. August 2021, 06:44h 5 Min.
Ein Mitglied der Grünen aus Brandenburg soll einem offenbar 16-jährigen Jugendlichen ungefragt auf Twitter ein Bild seines Penis geschickt haben. Der mandatslose 22-Jährige bloggt für die brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, ist Lehramtsstudent und ehemaliger Direktkandidat der Partei bei der Landtagswahl 2019. Ein politisches Amt bei den Grünen hat er aktuell nicht.
Die Vorwürfe stammen von einem Twitteraccount, dessen Nutzer sich "Max" nennt und der ansonsten anonym ist. Der Landesverband der Partei sowie der Grünen-Kreisverband Barnim haben sich bereits öffentlich von ihrem Mitglied distanziert, die mutmaßliche Tat verurteilt und Maßnahmen gegen den Beschuldigten angekündigt. Die Parteimitgliedschaft soll deshalb nun ruhen.
/ GrueneBBG(2/2) Zusätzlich werden Parteiordnungsmaßnahmen von uns und der @gj__bb umgehend eingeleitet. Bis zur Aufklärung des Sachverhalts werden wir das Ruhen der die Mitgliedschaft beantragen.
Grüne Brandenburg (@GrueneBBG) August 11, 2021
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Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und das ungewöhnlicherweise ebenfalls auf Twitter kundgetan.
/ PolizeiBBVielen Dank für Ihre Nachricht. Wir haben Ihre Nachricht an die zuständige Kriminalpolizei zur Einleitung weiterer Ermittlungen weitergeleitet und werden weitere Maßnahmen ergreifen.
Polizei Brandenburg (@PolizeiBB) August 12, 2021
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Anschuldigungen bestritten, widersprüchliche Belege im Netz
Der Angeschuldigte sagte gegenüber der "Bild", die Vorwürfe seien haltlos und die vom 16-Jährigen veröffentlichten Beweisbilder eine Fälschung. Er danke der Polizei, dass sie die Arbeit aufgenommen habe.
Auf den von dem Jugendlichen veröffentlichten Screenshots der Chat-Zusendung, in denen sowohl der Genitalbereich als auch das Gesicht durch Smileys bedeckt sind, sind jedoch vereinzelt Leberflecken zu erkennen, die zu anderen Bildern des Grünen-Mitglieds passen könnten. Im Hintergrund ist abgeschnitten ein deutschsprachiges Pappschild zu erkennen, das wie ein Protestplakat aussieht. Außerdem könnten Frisur und Haarfarbe übereinstimmen.
Nutzer*innen machten auf Twitter jedoch auch darauf aufmerksam, dass es sich nach wie vor um einen Fake handeln könnte oder riefen dazu auf, die Ermittlungen abzuwarten. So wies ein anonymer Account auf ein Instagram-Foto des Angeschuldigten hin, auf dem dessen Oberkörper deutlich weniger muskulös aussieht als der Körper, der auf dem mutmaßlichen Tatfoto zu erkennen ist. Wirklich beweisen lassen sich die Anschuldigungen nur mit Verbindungsnachweisen von den Twitter-Servern.
Rechte stürzen sich auf die Anschuldigungen
In den sozialen Medien freuen sich rechte Nutzer*innen über den Vorwurf. Ein Account schreibt: "Der langjährig bei den Brandenburger Grünen aktive [...] ist bekennender Homosexueller und hat es nun mit seiner Sexualität übertrieben." Dabei zeigen Fotos auf Instagram den Beschuldigten auch mit einer Frau, die seine Partnerin sein soll. Ein weiterer anonymer Account imitiert ein feministisches Argument und behauptet, Menschen wie der Angeschuldigte seien der Grund, warum sich Opfer sexueller Gewalt nicht trauten, über ihnen angetane Taten zu sprechen, weil der Grüne die Anschuldigung "Bild" gegenüber bestritten hatte. Ein Mann, der ansonsten gerne AfD-Politiker*innen retweetet, beschimpft den Beschuldigten als "psychisch instabiler, Onlineprostituierter, Waffennarr, Linksextremer" und als "Drogennutzer".
Obwohl das mutmaßliche Opfer 16 Jahre alt sein soll, wurde der Angeschuldigte im Netz als "pädophil" tituliert. Auch seine Partei wurde in diesem Zusammenhang mehrfach in die Nähe von Pädophilen gerückt. In der Vergangenheit hatten rechte Politiker*innen der Partei immer wieder falsche Zitate zu sexueller Gewalt gegenüber Kindern in den Mund gelegt und diese über Sharepics als gezielte Falschinformation im Netz verbreitet.
Die "Bild" schrieb im Zusammenhang mit den Vorwürfen, der Angeschuldigte habe auch mit "extremistischen Ausfällen" für Empörung gesorgt. So habe er in der Klimakrise "linke Militanz" oder eine "Neuauflage" des kommunistischen "Spartakusbundes" gefordert und öffentlich gesagt, er träume davon, politisch Andersdenkende "in den Kofferraum" zu sperren, was als Anspielung auf die RAF-Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer interpretiert wird. Die ganzen Zitate und den Kontext der Äußerungen nannte die Zeitung allerdings nicht. Nach Erscheinen des "Bild"-Artikels wiederum soll der Angeschuldigte einer Journalistin via E-Mail gedroht haben, ihre Adresse heraus zu finden, wenn die Veröffentlichung "nicht in einer Stunde unten ist".
Accounts nicht mehr aufzufinden
Der Twitter-Account des Angeschuldigten ist inzwischen deaktiviert worden. Der Zweitaccount jedoch, von dem laut Beleg-Screenshots die Belästigungen kamen, ist weiterhin im sozialen Netzwerk gelistet. Er wurde erst in diesem Monat erstellt. Doch ob das ungefragt zugesandte Foto tatsächlich von dem Account stammt, lässt sich allein durch die von "Max" veröffentlichten Screenshots nicht sicher sagen.
In den Profil-Angaben zum Zweitaccount steht, dieser werde unter anderem für "Trip-Berichte", also Erfahrungen mit Drogen, "mental health issues", also Probleme mit der psychischen Gesundheit, sowie Dinge, die "justiziabel" wären, genutzt. Daneben steht der Hashtag "#nsfw", was "not safe for work" heißt und als Hinweis genutzt wird, dass man Inhalte etwa aufgrund sexueller Darstellungen nicht auf der Arbeit öffnen solle. Und: Auch der Account von "Max" ist inzwischen nicht mehr erreichbar. Twitter scheint den seit Langem genutzten Account ohne Angaben von Gründen gelöscht zu haben.
Interview mit verschwörungsideologischer Website
Auf der Internetseite "1984 – das Magazin" ist inzwischen ein Interview mit "Max" erschienen. Dort heißt es, "Max" habe extra auf sein Profil geschrieben, dass er 16 sei, damit Erwachsene ihm nicht aus sexuellen Motiven schrieben. Als Profilbild habe er ein Bild des Popstars Ariana Grande gewählt, weil er Twitter hauptsächlich nutze, um ihr und anderen Berühmtheiten zu folgen. Darum war der Jugendliche teilweise für eine Jugendliche gehalten worden. "Max" fordert, dass der Angeschuldigte nicht als Lehrer Kinder unterrichten dürfe. Nach dem Interview mit "Max" folgen Häme und Gerüchte über den Angeschuldigten durch den ebenfalls anonymen Seiten-Autor.
Bei dem Verantwortlichen der Seite, die kein gültiges Impressum angibt, soll es sich laut einer Veröffentlichung des von der Amadeu Antonio Stiftung betriebenen Portals "Belltower.News" um den rechten Aktivisten und Verschwörungsideologen Oliver Flesch handeln, dessen Kanäle etwa auf Youtube aufgrund von Hassrede gesperrt worden sind. Auf dem zur Website zugehörigen Telegram-Kanal war in der Vergangenheit auch Wahlwerbung für die AfD gemacht worden. Flesch war außerdem auch mit dem AfD-Abgeordneten Petr Bystron im Bundestag zu Besuch.












