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Taliban zurück an der Macht

Afghanistan: Lage für LGBTI verschlechtert sich dramatisch

Nach der Machtübernahme der Taliban droht queeren Menschen der Foltertod.


Weltweit war die Machtübernahme der Taliban die Top-Meldung in den Nachrichtensendungen (Bild: Screenshot ZDF)

"Für Schwule gibt es nur zwei Strafen: Entweder Steinigung oder er muss hinter einer Mauer stehen, die auf ihn fällt. Die Mauer muss 2,5 Meter bis drei Meter hoch sein." So beschrieb Taliban-Richter Gul Rahim vergangenen Monat gegenüber einem "Bild"-Reporter die Strafe für Homosexualität. Zwar bleibt unklar, wie mächtig dieser Richter ist – dennoch wird es angesichts der Geschichte der Gotteskrieger wohl Konsens sein, dass sich die Lage für queere Menschen nach der Eroberung Kabuls und damit des ganzen Landes am Sonntag erheblich verschlechtern wird.

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Dabei mussten LGBTI bereits zuvor in Afghanistan wegen Verfolgung im Untergrund leben. Auf Homosexualität standen von der Invasion durch die US-geführte Allianz bis zum Abzug der Truppen Haftstrafen, die Verfassung ließ zudem Scharia-Recht zu – demnach durften Homosexuelle zu Tode gefoltert werden. Afghanistan war und ist damit eines von acht Ländern weltweit, in denen gleichgeschlechtliche Liebe zur Hinrichtung führen kann (queer.de berichtete). Auch lesbische Frauen, die unter den Taliban wegen ihres Geschlechts vollständig entrechtet werden und ihr Gesicht nicht öffentlich zeigen dürfen, kann die Maximalstrafe treffen.

Laut einem Menschenrechtsbericht des amerikanischen Außenministeriums aus dem Jahr 2017 hätten queere Menschen berichtet, "dass sie Diskriminierung, Angriffen, Vergewaltigungen und Verhaftungen durch Sicherheitsbehörden und die Gesamtgesellschaft ausgesetzt" seien. Ferner hätten sie "keinen Zugang zu bestimmten Gesundheitsdiensten". LGBTI-Organisationen mussten im Untergrund arbeiten, weil sie von der Regierung nicht als Menschenrechtsvereine anerkannt wurden.

"Mein Partner und ich hätten keine Chance – und es gibt viele wie uns"

Bereits letztes Jahr berichtete die Londoner Zeitung "Daily Telegraph" über Navid, der sich über den bevorstehenden Abzug der Alliierten und die befürchtete Machtübernahme durch die Taliban Sorgen machte. "Die Gruppe verurteilt offen Homosexualität. Mein Partner und ich hätten keine Chance – und es gibt viele wie uns", erklärte er damals in einem Kabuler Café. Schon damals berichtete er, dass sich die Lage verschlechterte: "Es gab mal mehr Räume für die LGBTI-Community, aber dies klappt nur, wenn Politiker oder andere einflussreiche Menschen das unterstützen – natürlich immer inoffiziell, sie würden das öffentlich nie zugeben."

Twitter / svenlehmann | Sven Lehmann, der queerpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, kritisiert den CDU-Kanzlerkandidaten

Auch Lesben hatten es im Vor-Taliban-Afghanistan nicht einfacher: "Es gibt viele lesbische Frauen und sie sprechen darüber nicht öffentlich", zitierte die BBC eine Afghanin im Jahr 2016. "In Afghanistan wird das Lesbischsein als unislamisch angesehen. Wenn Leute das herausfinden, wäre mein Tod die Folge. Meine Familie darf das niemals wissen."

Wie kompromisslos die Taliban mit Homosexualität umgehen, zeigte sich nach der Machtübernahme in den Neunzigerjahren: Damals ließen sie jegliche sexuelle Beziehungen außerhalb der heterosexuellen Ehe kompromisslos verfolgen. Im Nationalstadion ließen sie viele der "Täter*innen" vor tausenden Menschen hinrichten. Dabei sollen laut "Frankfurter Rundschau" viele Afghanen heimlich gleichgeschlechtlich aktiv sein – was aber daran liege, dass es wegen der Geschlechtertrennung schwierig sei, Kontakte zu Frauen zu knüpfen. (cw)



#1 FinnAnonym
#2 LegatProfil
#3 Dr AcheAnonym
#4 HexenAnonym
#5 LegatProfil
#6 SakanaAnonym
  • 16.08.2021, 12:55h
  • Ich fühle mich dabei eher an die Übernahme der Vereinigten Staaten durch die "Söhne Jakobs" und die Errichtung der "Republik Gilead" in Margaret Atwoods Roman/Serie "Der Report der Magd" erinnert.

    Einfach unfassbar und unendlich traurig, was sich wieder in Afghanistan nach zwanzig Jahren abspielt...
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#7 tychiProfil
  • 16.08.2021, 13:34hIrgendwo im Nirgendwo
  • Antwort auf #3 von Dr Ache
  • Trump hat den Truppenabzug beschlossen.
    Trump hat MIT den Taliban den Abzug ausgehandelt (auf Mai 2021).
    Trump hat dazu ein entsprechendes Abkommen MIT den Taliban geschlossen.
    Trump hat 2018 auf die Freilassung von Baradar gedrängt, dessen Verhaftung in Paktistan von Obama 2010 vorangetrieben wurde. Baradar gehört zu den Gründern der Taliban und hat auch jetzt seine blutigen Hände im Spiel.

    Biden gibt keine gute Figur ab, das Schlamassel verursacht hat aber eindeutig bereits Trump.
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#8 SakanaAnonym
#9 LegatProfil
  • 16.08.2021, 14:01hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #7 von tychi
  • So sieht's halt mal aus, aber selbstverständlich werden die Rechten das alles so drehen und auslegen wie es ihnen passt, für das ganze Debakel Biden die Schuld geben und damit vermutlich so viel Erfolg bei unreflektieren Wählen ohne politisches Bewusstsein oder Gedächtnis haben, dass die Amtszeit von Biden bei einer einzigen bleiben wird. Wenn dieser niederträchtige Plan aufgeht, ist sogar eine zweite Präsidentschaft von Trump denkbar. Der hat nämlich noch nicht fertig.
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#10 Dr AcheAnonym
  • 16.08.2021, 14:27h
  • Antwort auf #7 von tychi
  • Das kann ja alles sein, nur war Trump nur vier Jahre im Amt, die 16 anderen davor Jahre unter Bush und Obama ist auch nichts passiert.
    Die Entscheidung Trumps Afghanistan zu verlassen, war im Prinzip richtig, denn sonst wäre es endlos so weiter gegangen.
    Und der Bereich, wo die Bundeswehr war, ist ebenso schnell an die Taliban gefallen. Wir haben doch auch einen Entwicklungsminister. Warum hört man von dem nichts? Also was wurde dort die letzten 20 jahre gemacht? Anscheinend nichts...
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