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"Der Kampf gegen Queerfeindlichkeit geht weiter"

Vorwürfe gegen Polizei nach Attacke beim CSD Gelsenkirchen

Beim CSD soll es am vergangenen Samstag zu LGBTI-feindlichen Übergriffen gekommen sein – die prominente Europapolitikerin Terry Reintke erhebt Vorwürfe gegen die Polizei.


Die Polizei soll laut einer Grünenpolitikerin nicht korrekt auf eine queerfeindliche Attacke reagiert haben (Bild: René Mentschke / flickr)

Hat die Polizei beim CSD am Samstag in der Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen queerfeindliche Übergriffe ignoriert? Entsprechende Äußerungen von Terry Reintke, der stellvertretenden Fraktionschefin der europäischen Grünen im EU-Parlament, legen dies nahe. Die 34-jährige gebürtige Gelsenkirchenerin erklärte in einer Abfolge von acht Twitter-Nachrichten am Montag, dass ein grüner Bezirksverordneter aus Gelsenkirchen-Buer mehrfach versucht hätte, nach einer queerfeindlich motivierten Attacke die Polizei zu einem Einsatz zu rufen – allerdings ohne Erfolg.

Als sie und der Bezirksverordnete Nik ein Banner in die grüne Geschäftsstelle bringen wollte, "beschimpfte, bedrohte und bespuckte uns ein junger Mann auf einem Fahrrad", so die offen lesbische Politikerin. "Mit klarer queerfeindlicher Motivation. Nik versuchte daraufhin, die Polizei zu rufen. Die Antwort war enttäuschend: Leider stünde zur Zeit kein Einsatzwagen zur Verfügung. Nik war zuvor bereits am HBF beleidigt worden und hatte auch da versucht, die Polizei einzuschalten."

Twitter / TerryReintke

Später hätten sie den Täter wiedergesehen und versucht, ihn einzuholen: "Nik lief in eine Seitenstraße, in der er von einem Mann angegangen, festgehalten und mit der Faust bedroht wurde. Eine junge Frau half Nik, in ein Haus zu kommen und die Tür zu schließen. Einige Minuten später kam ich dazu. Wiederum versuchten wir die Polizei einzuschalten – ohne Erfolg. Obwohl die Situation weiter eskaliert war", so Reintke.

Weitere Politikerin berichtet von Attacke

Als Antwort auf Reintkes Twitter-Thread schrieb auch die grüne Bundestagskandidatin Vera Johanna Jandt (Platz 76 der NRW-Landesliste), dass sie beim CSD Gelsenkirchen ebenfalls verbal attackiert worden sei: "Ich wurde auch auf dem Heimweg vor der Geschäftsstelle von einer Gruppe als Schwule Sau angebrüllt und beschimpft. Zum Glück gingen Sie dann nach einer Weile weiter."

Twitter / verajandt

Reintkes Resümee: "Für mich ist klar: Wenn ein CSD stattfindet, müssen die Teilnehmer*innen sich sicher fühlen können. Dafür braucht es ein Sicherheitskonzept, das nicht mit Polizeiwagen während der Demo endet. Queerfeindliche Drohungen und Übergriffe müssen von der Polizei ernstgenommen werden." Auf dem CSD seien besonders viele junge Queers gewesen. Sie schmerze deshalb, "dass junge Menschen auf ihrem vielleicht ersten CSD solche Erfahrungen machen müssen". Sie werde nun mit der lokalen Bundestagsabgeordneten Irene Mihalic (ebenfalls Grüne) "das Gespräch suchen, damit solche Situationen in Zukunft anders enden". Reintke schloss mit den Worten: "Der Kampf gegen Queerfeindlichkeit geht weiter. Und trotz allem: HAPPY PRIDE."

Twitter / TerryReintke

Polizei weist Vorwürfe zurück

Die Polizei ist sich keiner Schuld bewusst. Sprecher Matthias Büscher warf laut WAZ dem Opfer Nik vor, am Samstag nicht lange genug gewartet zu haben. Er habe erst am Sonntag den Vorfall zur Anzeige gebracht.

Laut Büscher würden Polizist*innen zu einem Raub oder Verkehrsunfall mit Verletzten sofort ausrücken, bei Beleidigungen daure es aber eventuell länger. "Im konkreten Fall wollte der Geschädigte vor der Veranstaltung und auf dem Weg dorthin eine etwaige Wartezeit nicht in Kauf nehmen", so Büscher. Zudem habe es Beamt*innen vor Ort gegeben. "Zu diesen nahm der Geschädigte aber keinen Kontakt auf."

In der WAZ erklärte Nik, dass er auch zwei Tage nach der Attacke noch aufgebracht sei: "Ich habe seither kein Auge zugetan", so der Erzieher. Ohne die Hilfe einer Frau, die ihm geholfen hatte, "in der Notaufnahme gelandet". Seit seinem Coming-out im Alter von 16 Jahren habe er so etwas noch nie erlebt. (dk)

Twitter / TerryReintke | Terry Reintke in einem Tweet vor dem Zwischenfall



#1 zundermxeAnonym
  • 18.08.2021, 09:42h
  • Wie hätte die Polizei wohl reagiert, wenn Jens Spahn bei gleichem Sachverhalt um Hilfe gebeten hätte?

    Am Tag und im direkten Zusammenhang des Prides von einfacher Beleidigung zu sprechen und nicht die Gefahrenabwehr und den Schutz von Menschen in Betracht zu ziehen, ist ein leider vielsagendes Alibi der Polizei.
    Einfach mal warten bis es brennt.
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