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Lübeck

Morddrohung gegen schwulen Grünen: "Um 18 Uhr sind sie tot"

Vor dem Hissen der Regenbogenfahne am Lübecker Rathaus wurde der Bundestagskandidat Bruno Hönel auf Facebook bedroht. Der 25-Jährige ließ sich nicht einschüchtern, erhielt jedoch Polizeischutz.


Der schwule Grünen-Politiker Bruno Hönel ist Mitglied der Lübecker Bürgerschaft. Bei der Bundestagswahl im September tritt er als Direktkandidat im Wahlkreis Lübeck an (Bild: Grüne Lübeck)

Nur wenige Stunde vor einem öffentlichen Auftritt am Montag erhielt der schwule Lübecker Bundestagskandidat Bruno Hönel eine Todesdrohung. "Ab dem 16,08 um 18 Uhr sind sie tot", hieß es in einem Kommentar auf eine bezahlte Facebook-Werbung des 25-jährigen Grünen-Politikers. Um diese Uhrzeit sollte Hönel, der auch Mitglied der Lübecker Bürgerschaft ist, am 16. August ein Grußwort zum Hissen der Regenbogenfahne vor dem Rathaus der Hansestadt halten.

Twitter / Bruno_Hoenel
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Nach einer telefonischen Strafanzeige stellte die Polizei Hönel drei Beamt*innen zur Seite, außerdem wurde sein Redebeitrag vorgezogen. "Mir war schon mulmig", erklärte der Bundestagskandidat gegenüber den "Lübecker Nachrichten" (Bezahlartikel). Die Polizei habe die Situation jedoch professionell gehandhabt. "Das hat mir ein Sicherheitsgefühl gegeben."

"Von diesen Leuten nicht einschüchtern lassen"

Ähnlich äußerte sich Hönel nach der Veranstaltung auf Twitter: "Es ist alles glatt verlaufen. Die Polizei ist aus Sicherheitsgründen dazu gekommen und die Beamten waren sehr freundlich und hilfsbereit, sodass ich mein Grußwort ohne große Sorgen halten konnte."

Twitter / Bruno_Hoenel
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Nach der Todesdrohung habe er in seiner Rede "umso deutlicher" gemacht, "dass wir uns von diesen Leuten nicht einschüchtern lassen und stattdessen gemeinsam und solidarisch für #Menschlichkeit, #Diversität und ein diskriminierungsfreies Deutschland kämpfen"; schrieb der Kommunalpolitiker auf Facebook.

Heute haben wir gemeinsam und überparteilich die Regenbogenflagge am Rathaus in #Lübeck gehisst. Zum mittlerweile...

Posted by Bruno Hönel on Monday, August 16, 2021
Facebook / Bruno Hönel
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Der Staatsschutz ermittelt

Die Todesdrohung stammt von einem aktiven Facebook-Profil. Einen Tag zuvor hatte der User "Ruhe in Frieden angelamerkel" gepostet. Ob der angegebene Profilname echt ist, steht bislang nicht fest. "Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Bedrohung aufgenommen", erklärte ein Polizeisprecher gegenüber den "Lübecker Nachrichten". Einzelheiten wollte er wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Den Bundestagswahlkreis Lübeck hatte vor vier Jahren die CDU-Politikerin Claudia Schmidt mit 35,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Der damalige Grünen-Kandidat Thorsten Fürter landete mit 13 Prozent hinter SPD-Bewerberin Gabriele Hiller-Ohm (33,8%) nur auf Platz 3. (cw)



#1 KaiJAnonym
  • 19.08.2021, 08:45h
  • Danke, Bruno Hönel, für den Mut! Den Täter werden sie hoffentlich kriegen. Einen schnellen Erfolg bei den Ermittlungen!
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#2 RotmirAnonym
  • 19.08.2021, 09:59h
  • So sakrkastisch das jetzt klingen mag, aber da sieht man mal was für verlogene feige Arschlöcher das sind die so etwas machen.

    hoffentlich wird diese Person ermittelt und bekommt Nervenaufreibende Schwierigkeiten.
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#3 PeerAnonym
  • 19.08.2021, 10:43h
  • So weit sind wir in Deutschland schon:
    Dass man als Schwuler Polizeischutz bekommt, weil man sonst um sein Leben fürchten muss.

    Die Entwicklung der letzten Jahre ist wie die Story von dem Frosch, der sofort rausspringt, wenn man ihn in kochendes Wasser setzt, der aber sitzen bleibt, wenn man ihn in kaltes Wasser setzt, das man langsam erhitzt bis es kocht. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt, aber das Bild passt zu Deutschland: wäre die heutige Situation vor 20 Jahren von einem Tag auf den anderen gekommen, hätte es einen Riesen-Aufschrei aus Politik und Gesellschaft gegeben. Aber das geht ganz langsam in kleinen Schritten. Und das Ende ist noch lange nicht erreicht.

    Die Politik muss endlich aufwachen.
    Und wir müssen mehr Druck machen und nur noch solche Parteien wählen, die wirklich etwas ändern und uns nicht nur immer vertrösten.
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#4 RuntAnonym
  • 19.08.2021, 11:47h
  • Antwort auf #3 von Peer
  • "wäre die heutige Situation vor 20 Jahren von einem Tag auf den anderen gekommen, hätte es einen Riesen-Aufschrei aus Politik und Gesellschaft gegeben"

    Vor zwanzig Jahren wäre es (man korrigiere mich, wenn ich falsch liege) noch undenkbar gewesen, Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden zu hissen und sich so staatlicherseits öffentlichkeitswirksam zum Schutz von queeren Rechten zu bekennen. Das ist also einerseits eine gute Entwicklung hierzulande. Andererseits ist die gewachsene Aggressivität insbesondere in den sozialen Medien (die durch ihre Anonymität eben nicht so sozial sind, wie sie scheinen) ein großes Problem für den ruhigen und stetigen Fortschritt dieser Entwicklung. Man sollte sich aber nicht entmutigen lassen.
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#5 FaktenAnonym
#6 PetterAnonym
  • 19.08.2021, 13:29h
  • Antwort auf #4 von Runt
  • Aber vor 20 Jahren konnten schwule Männer noch händchenhaltend durch deutsche Städte gehen, ohne Angst vor Gewalt zu haben.

    Damals habe ich viel mehr schwule und lesbische Paare gesehen, die das in der Öffentlichkeit offen zeigten. Das wird immer weniger.
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#7 michael008
  • 19.08.2021, 14:13h
  • Antwort auf #6 von Petter
  • Also ehrlich.
    Wie kommst Du denn darauf?
    Auch vor 20 Jahren, und erst Recht davor, war überhaupt nicht risikolos, irgendwo Hand in Hand als schwules Paar herumzulaufen.
    Ich bin ebenfalls besorgt über die häufigen Übergriffe und teile Deine Ansicht, dass das Grundgesetz erweitert werden muss und die Aufklärungsbemühungen in Schule und Gesellschaft verstärkt werden müssen. Aber frühere Jahrzehnte als für uns besser oder risikoloser zu werten ist ein Fehleinschätzung.
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#8 Sito MorescoAnonym
  • 19.08.2021, 14:33h
  • Ich lebe seit über 20 Jahren mit meinem ("ausländisch") aussehenden Mann zusammen, wir sind erfolgreich selbstständig. Er wird mittlerweile auf der Straße offen angepöbelt - nicht weil schwul, sondern weil nicht Deutsch aussehend. Umstehende reagieren kaum, polizeiliche Hilfe gab es auch nur verhalten.
    Daher werden wir Europa bald für immer verlassen - Schwulenfeindlichkeit und Nazitum kehren rasant zurück. Und niemand tut wirklich etwas. Was ich mir wünsche, das Vorgehen gegen Nazis und LGBTQ-Feinde, darf ich hier nicht schreiben - das wäre öffentliche Aufforderung zu einer Straftat.
    Unser Vermögen ist schon im Ausland, unsere Firma in Auflösung, bald sind wir weg, um unsere letzten Jahre in Ruhe und Frieden zu genießen. Deutschland und Europa - machen mich als EX-Deutschen Schwulen mittlerweile nur noch krank ! Es passiert das Gleiche wie damals ... wartet nur ab !
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#9 michael008
#10 LotiAnonym
  • 19.08.2021, 14:54h
  • Antwort auf #7 von michael008
  • Was der User Petter beschreibt, trifft auf das Alte Westberlin mit Sicherheit zu. Wir Schwulen traten damals noch protestierend absichtlich sich händchenhaltend auf. Das verblüffende daran war ja, die meisten Berlinerinnen u.Berliner haben das überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Zumindest nicht offensichtlich.
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