https://queer.de/?39765
Lübeck
Morddrohung gegen schwulen Grünen: "Um 18 Uhr sind sie tot"
Vor dem Hissen der Regenbogenfahne am Lübecker Rathaus wurde der Bundestagskandidat Bruno Hönel auf Facebook bedroht. Der 25-Jährige ließ sich nicht einschüchtern, erhielt jedoch Polizeischutz.

Der schwule Grünen-Politiker Bruno Hönel ist Mitglied der Lübecker Bürgerschaft. Bei der Bundestagswahl im September tritt er als Direktkandidat im Wahlkreis Lübeck an (Bild: Grüne Lübeck)
- 19. August 2021, 04:23h 2 Min.
Nur wenige Stunde vor einem öffentlichen Auftritt am Montag erhielt der schwule Lübecker Bundestagskandidat Bruno Hönel eine Todesdrohung. "Ab dem 16,08 um 18 Uhr sind sie tot", hieß es in einem Kommentar auf eine bezahlte Facebook-Werbung des 25-jährigen Grünen-Politikers. Um diese Uhrzeit sollte Hönel, der auch Mitglied der Lübecker Bürgerschaft ist, am 16. August ein Grußwort zum Hissen der Regenbogenfahne vor dem Rathaus der Hansestadt halten.
/ Bruno_HoenelHeute, 18 Uhr, darf ich eine kurze Rede zur Eröffnung der #Pride-Week in #Lübeck halten. Gerade habe ich dann diese Morddrohung bekommen, welche sich sehr konkret auf diesen Termin bezieht. Um das mal klarzustellen: Ich lasse mich von euch nicht einschüchtern. pic.twitter.com/KQfGgi6o6n
Bruno Hönel (@Bruno_Hoenel) August 16, 2021
|
Nach einer telefonischen Strafanzeige stellte die Polizei Hönel drei Beamt*innen zur Seite, außerdem wurde sein Redebeitrag vorgezogen. "Mir war schon mulmig", erklärte der Bundestagskandidat gegenüber den "Lübecker Nachrichten" (Bezahlartikel). Die Polizei habe die Situation jedoch professionell gehandhabt. "Das hat mir ein Sicherheitsgefühl gegeben."
"Von diesen Leuten nicht einschüchtern lassen"
Ähnlich äußerte sich Hönel nach der Veranstaltung auf Twitter: "Es ist alles glatt verlaufen. Die Polizei ist aus Sicherheitsgründen dazu gekommen und die Beamten waren sehr freundlich und hilfsbereit, sodass ich mein Grußwort ohne große Sorgen halten konnte."
/ Bruno_HoenelVielen Dank euch allen für die netten und unterstützenden Worte. Es ist alles glatt verlaufen. Die Polizei ist aus Sicherheitsgründen dazu gekommen und die Beamten waren sehr freundlich und hilfsbereit, sodass ich mein Grußwort ohne große Sorgen halten konnte.
Bruno Hönel (@Bruno_Hoenel) August 16, 2021
|
Nach der Todesdrohung habe er in seiner Rede "umso deutlicher" gemacht, "dass wir uns von diesen Leuten nicht einschüchtern lassen und stattdessen gemeinsam und solidarisch für #Menschlichkeit, #Diversität und ein diskriminierungsfreies Deutschland kämpfen"; schrieb der Kommunalpolitiker auf Facebook.
Heute haben wir gemeinsam und überparteilich die Regenbogenflagge am Rathaus in #Lübeck gehisst. Zum mittlerweile...
Posted by Bruno Hönel on Monday, August 16, 2021
|
Der Staatsschutz ermittelt
Die Todesdrohung stammt von einem aktiven Facebook-Profil. Einen Tag zuvor hatte der User "Ruhe in Frieden angelamerkel" gepostet. Ob der angegebene Profilname echt ist, steht bislang nicht fest. "Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Bedrohung aufgenommen", erklärte ein Polizeisprecher gegenüber den "Lübecker Nachrichten". Einzelheiten wollte er wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen.
Den Bundestagswahlkreis Lübeck hatte vor vier Jahren die CDU-Politikerin Claudia Schmidt mit 35,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Der damalige Grünen-Kandidat Thorsten Fürter landete mit 13 Prozent hinter SPD-Bewerberin Gabriele Hiller-Ohm (33,8%) nur auf Platz 3. (cw)
Links zum Thema:
» Homepage von Bruno Hönel















