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"Historischer Schritt"

Israel beendet Diskriminierung Schwuler beim Blutspenden

Anders als Deutschland wird Israel künftig schwule und bisexuelle Männer beim Blutspenden genauso behandeln wie Heterosexuelle.


Nitzan Horowitz – hier bei einem Auftritt in Deutschland – ist seit 2019 Chef der sozialdemokratischen Meretz-Partei und seit Juni 2021 Gesundheitsminister im Kabinett von Ministerpräsident Naftali Bennett (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)

  • 19. August 2021, 15:30h, noch kein Kommentar

Der offen schwule israelische Gesundheitsminister Nitzan Horowitz hat am Donnerstag das Ende der Diskriminierung homo- und bisexueller Männer beim Blutspenden angekündigt. Der Sozialdemokrat bezeichnete laut AFP das bisherige Verbot als "Relikt, das in die Vergangenheit gehört". Ferner erklärte der Minister: "Jeder Blutspender, der Leben retten will, wird künftig gleichbehandelt werden, unabhängig von dem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung."

Geplant sei, dass jede Person, die Blut spenden möchte, nach "Hochrisiko-Sex" in den letzten drei Monaten mit einer neuen Person oder mehreren Partner*innen gefragt wird. Wer mit "ja" antworte, werde ausgeschlossen, egal ob die Person homo- und heterosexuell ist. Die neuen Regeln sollen am 1. Oktober in Kraft treten. "Wir haben damit einen weiteren historischen Schritt in Richtung Gleichbehandlung der LGBT-Community in Israel unternommen. Darauf können wir stolz sein", so Horowitz.

Auch die israelische LGBTI-Organisation Aguda begrüßte die Entscheidung als "historischen Schritt", der sowohl die queere Community als auch für die israelische Gesellschaft beeinflusse. Damit werde endlich gezeigt, "dass das Blut hunderttausender Bürger nicht Blut zweiter Klasse ist".

Israel hatte im Rahmen der Aids-Epidemie in den Achtzigerjahren wie andere Länder auch alle männlichen Spender ausgeschlossen, die einmal Sex mit einem Mann gehabt haben. Seit 2018 können schwule und bisexuelle Männer zwar wieder Blutplasma spenden, sie müssen aber davor zwölf Monate auf Sex verzichten.

Deutschland hält an Sonderverboten für Schwule fest

Mehrere andere Länder – etwa Spanien und Italien – behandeln Homo- und Heterosexuelle schon länger gleich beim Blutspenden. Großbritannien kündigte im Juni eine Gleichbehandlung an (queer.de berichtete). Deutschland hinkt dieser Entwicklung hinterher: Zwar wurde 2018 das Totalverbot für schwule und bisexuelle Männer hierzulande aufgehoben, Angehörige dieser Gruppe dürfen aber aktuell nur Blut spenden, wenn sie zwölf Monate lang keinen Sex gehabt haben.

Zwar sollen die Regeln ab Herbst auch in Deutschland gelockert werden – eine Gleichbehandlung wie in Israel lehnen die Behörden aber nach wie vor ab. Konkret sollen in Deutschland schwule Männer bereits nach vier- statt zwölfmonatiger Sex-Karenzzeit Blut spenden dürfen – diese Voraussetzung müssen heterosexuelle Männer nicht erfüllen. Eine Ausnahme soll zudem für monogame schwule Paare gelten, wenn sie schon vier Monate zusammen sind (queer.de berichtete). (dk)