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Boulevard-TV

Patricia Riekel: "Ich möchte nicht von Minderheiten terrorisiert werden"

Gleich in der ersten Ausgabe der Primetime-Talkshow "Viertel nach Acht" machte der neue "Bild"-Fernsehsender Stimmung gegen queere Menschen und inszenierte einen "LGTBQI+-Aufreger".


Ex-"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel bei "Viertel nach Acht" (Bild: Screenshot Bild)

Über die von Thomas Gottschalk formulierte Ausgangsfrage kann man ja, meinetwegen, diskutieren. Hat CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet wirklich den Punktabzug einer jungen "Influencerin" verdient, als er am Sonntag im "Bild"-TV-Duell mit Olaf Scholz zwar Lesben und Schwule erwähnte, andere Teile der queeren Community jedoch unter den Tisch fallen ließ?

In der allerersten Ausgabe der Primetime-Talkshow "Viertel nach Acht" des neuen Fernsehsenders von "Bild" zeigte sich Gottschalk am Montagabend zwiegespalten. "Da habe ich gedacht: Bin ich jetzt richtig oder sind die richtig?", erzählte der 71-Jährige. Auch wenn er die Kritik an Laschet nicht wirklich begreife, versuche er im Umgang mit Sprache dazuzulernen. Leider nicht sehr erfolgreich, sei erwähnt: Beim Versuch, die Abkürzung LGBTQI+ zu erklären, machte die "Wetten, dass...?"-Legende keine besonders gute Figur.

Ein inszenierter "Aufreger", der gar keiner ist

Eine echte Diskussion über Respekt und eine bessere Sichtbarkeit und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt war bei "Bild"-TV natürlich gar nicht erst geplant. Thomas Gottschalk diente nur als Stichwortgeber für einen künstlich inszenierten "LGBTQI+-Aufreger" – dieses Schlagwort wurde bereits eingeblendet, bevor der Entertainer und Moderator überhaupt zum Thema kam. Das im Übrigen auch gar kein echter "Aufreger" ist (selbst Gottschalk betonte mehrfach, sich nicht empören zu wollen), sondern von "Bild" nur zum "Aufreger" erklärt wurde, um offen gezeigter Queerfeindlichkeit den Teppich auszurollen.

Dafür saß offenbar Patricia Riekel in der Runde. "Ich möchte nicht von Minderheiten terrorisiert werden", empörte sich die ehemalige "Bunte"-Chefredakteurin prompt über das simple Verlangen, die Existenz von inter, trans, nichtbinären, bi- oder asexuellen Menschen zur Kenntnis zu nehmen. "Wir leben doch jetzt in einer Zeit, in der es mehr um Minderheiten geht als um die große Allgemeinheit", behauptete die 72-Jährige. "Wenn ich alle Gruppen nenne, bin ich ja mit meiner Redezeit schon bald zu Ende."


Erste Talkrunde bei "Bild"-TV (v.l.n.r.): Jürgen Trittin, Patricia Riekel, Moderator Julian Reichelt, Nena Schink, Thomas Gottschalk (Bild: Screenshot Bild)

Die 28-jährige "Bild"-Redakteurin Nena Schink stieß, wenn auch deutlich gemäßigter, ins selbe Horn: "Manchmal frage ich, ob wir damit nicht genau das Gegenteil bewirken, wenn wir alle Gruppen einzeln benennen." Lediglich der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zeigte Verständnis für die Kritik an Laschet und gab Politiker*innen den Rat, in der Sprache "niemanden zu vergessen oder auszugrenzen". Die "ungenaue" Formulierung des CDU-Kanzlerkandidaten hält er indes für verzeihlich. "Ich würde ihm sogar das Beste unterstellen, was er gemeint haben könnte."

Queerfeindlichkeit als Konzept

Moderator und "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt griff bei Riekels Entgleisungen nicht ein. Stattdessen machte er selbst keinen Hehl daraus, was er von Respekt gegenüber Minderheiten hält. Nämlich nichts. "Man könnte es als absurd abtun, aber es ist eines der bewegenden Themen unter Zeit", kommentierte er die Debatte über "sehr, sehr kleine Gruppen von Menschen". Die ihn offenbar so sehr nerven, dass er zum Ende seiner Sendung über die "emotionalsten Themen der Woche" noch einmal gezielt Stimmung machen musste auf Kosten dieser "kleinen Minderheit". Und seine Zuschauer*innen mit dem geschürten Groll auf diese skurrilen Genderleute, die selbst wie immer nicht zu Wort kamen, ins Bett schickte.

Bei "Viertel nach Acht" schloss sich damit zumindest ein Kreis: Gleich zu Beginn seiner Talkshow hatte Julian Reichelt mit der Begrüßung "Guten Abend, meine Damen und Herren, in dem Sender, in dem wir noch offen sagen: 'Guten Abend, meine Damen und Herren'" den antiqueeren Ton von "Bild"-TV gesetzt.

-w-

#1 NelioAnonym
  • 24.08.2021, 08:15h
  • Also alles wie erwartet.

    In der zweiten Folge dann: Wir haben so viel über Minderheiten gesprochen, dass wir uns nicht um Hochwasserschutz und Pandemievorbeugung gekümmert haben.

    Die Aufrufe zu den Mistgabeln gibt es dann in den Kommentarspalten.

    Konservative doing Konservativen things. Nazis darf man ja nicht mehr sagen.
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#2 Rebecca
#3 Sarah_SAnonym
  • 24.08.2021, 08:44h
  • Der Name des Senders ist total falsch gewählt, er hätte sich gleich Fox News nennen sollen. Herr Reichelt müsste sich dan nur noch in Tucker Carlson umbenennen und es wäre perfekt. Fehlt nur noch Herr Laschet mit wehend lichter blonder Mähne.

    Es ist wirklich wiederlich das man diese, die Gesellschaft spaltenden, Formate einfach nach D übernimmt und hier mir dem selben Mist anfängt.
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