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- 05. Dezember 2005 2 Min.
Seit Montag dürfen Homo-Ehen angemeldet werden. In zwei Wochen gibt es die ersten Zeremonien.
Von Norbert Blech
(queer.de) Hunderte schwule und lebische Briten haben am Montag die Behörden Großbritanniens gestürmt, um sich für Homo-Ehen anzumelden. Die amtliche Registrierung der Partnerschaften, die Ehen rechtlich weitgehend gleichgestellt sind, wurde an diesem Tag in Großbritannien erstmals möglich.
Nach dem neuen Gesetz über gleichgeschlechtliche Partnerschaften müssen diese zunächst angemeldet werden, ehe sie nach einer Bedenkfrist per Unterschrift beider Partner bestätigt werden. Nach dem Ablaufen der Frist dürften ab dem 19. Dezember mehr als 1200 Homo-Ehen besiegelt werden, wie der Sender BBC in einer Umfrage ermittelte. Die ersten Homo-Ehen werden in Nordirland bestätigt, anschließend in Schottland und ab dem 21. Dezember auch in England und Wales.
Adoptionen bereits möglich
Die nicht Ehe genannten "Civil Partnerships" enthalten keine Bestimmung zum Adoptionsrecht - bereits seit 2002 dürfen schwule und lesbische Paare gemeinsam Kinder adoptieren, auch wenn sie staatlich nicht registriert sind. Unterschiede zur Ehe gibt es neben dem Namen wenig: statt eines Ringtausches wird die Partnerschaft mit Unterschriften besiegelt. Die Partnerschaft wird nicht geschieden, sondern annuliert ("dissolution"). Und statt eines Geistlichen führt ein Beamter durch die Zeremonie. Im Steuer- oder Sozialrecht sind Partnerschaft und Ehe jedoch gleichgestellt.
Derweil hat sich die Industrie bereits voll auf die geplanten Zeremonien und Partys eingestellt. In Geschäften werden überall Hochzeitskarten für "Herr und Herr" sowie "Frau und Frau" angeboten. Bäcker verkaufen Torten mit jeweils Männern oder Frauen aus Zuckerguss. Das Handelsministerium schätzt, dass es bis zum Jahr 2050 etwa 45 000 Eheschließungen von homosexuellen Paaren geben wird. Allerdings bedeute dies bei etwa 1 000 Homo-Eheschließungen pro Jahr lediglich "eine Marktnische für den Einzelhandel".
Eheparadies Brighton
Vor allem der Tourismus dürfte von den Homo-Ehen profitieren, denn die Paare dürfen heiraten, wo sie wollen. Nach BBC-Angaben hat der Bezirk Brighton and Hove mit 510 die meisten Anmeldungen erhalten, die Homo-Metropole Manchester hingegen nur 88. In Brighton gab es am Wochenende eine große Handelsmesse zum Thema Homo-Ehe. Auch die Medien haben neue Einnahmefelder: die "Times" druckte am Montag die ersten drei Partnership-Bekanntgaben ab.
5. Dezember 2005, 15.30h















Vielleicht sollte sich die bundesregierung mal ein Beispiel an unseren Britischen Nachbarn nehmen, auch was das volle Adoptionsrecht angeht!