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Ein schwuler Sommer in Tel Aviv

Das Israelische Filmfestival SERET bringt Eytan Fox' bewegenden Film "Sublet" über die zufällige und doch folgenreiche Begegnung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern erstmals nach Deutschland.


Michael (John Benjamin Hickey, l.) und Tomer (Niv Nissim) brauchen sich mehr, als sie zunächst ahnen (Bild: Greenwich Entertainment)

Gleich mal ein Fun Fact vorweg zum israelischen Regisseur von "Sublet". Eytan Fox wurde 2002 mit seinem Film "Yossi & Jagger" international bekannt. Das romantische Drama porträtiert die Liebe zwischen zwei jungen Soldaten, die ihre Wehrpflicht ableisten. Damals weigerte sich das israelische Militär, die Filmproduktion mit Ressourcen zu unterstützen. Schwule in der Army? Kein gutes Thema. Heute zeigt es den Film offiziell seinen Rekrut*innen in der Ausbildung, um ihnen die Akzeptanz sexueller Vielfalt nahezubringen. Wie sich die Zeiten ändern!

Auch der heute 57-jährige Eyton Fox wechselt in "Sublet" die Perspektive. "Es ist ein Film über den älteren Mann, der ich bin, und den jüngeren Mann, den ich zu bewahren versuche", so Fox gegenüber der "Jerusalem Post". Das bekommen wir auch auf liebevolle Weise in "Sublet" zu sehen.

Angesehener Reisejournalist trifft jungen Filmstudenten


Poster zum Film: "Sublet" läuft am 24. und 26.08.21 im Babylon Berlin (jeweils 19.30 Uhr) sowie am 01.09. in der Kölner FilmPalette. Für kurze Zeit gibt es den Film auch als Video on Demand.

Der angesehene Reisejournalist Michael, ein US-Amerikaner mittleren Alters, reist nach Tel Aviv, um eine Woche lang für einen Artikel zu recherchieren. Um näher an der authentischen Stadt zu sein, mietet er als Unterkunft ein privates Apartment. Als er ankommt, muss er jedoch feststellen, dass der junge Vermieter die Wohnung noch nicht bezugsfertig hat. Der verpeilte Filmstudent Tomer hat sich im Datum vertan.

Michael will den Deal abblasen und in ein Hotel einchecken, aber der von Geldnöten geplagte Tomer überredet ihn zu bleiben. Weil Tomer sich noch kein Sofa bei Freund*innen zum Übernachten organisiert hat, nimmt er Michaels Angebot an, in seiner eigenen Wohnung am Sofa zu schlafen. Im Gegenzug soll er Michael als Guide die Sehenswürdigkeiten Tel Avivs abseits touristischer Trampelpfade zeigen. Michael erhofft sich dadurch einen unverfälschten Blick für seinen Artikel in der "New York Times".

Man fragt sich sofort, ob die Motive des schwulen Michael völlig unschuldig sind. Tomer ist zwar eingebildet, weil er wie viele seines Alters zu wissen glaubt, wie der Hase so läuft im Leben. Dabei agiert er aber sehr charmant und ist zweifelsfrei sehr gutaussehend.

Gespräche am schwulen Strand vor dem Hilton-Hotel

Ab dann laufen die beiden gemeinsam durch Tel Aviv, und Eytan Fox lässt die aufregende Stadt – metropolig wie Berlin, aber mit schönem Wetter und am Meer – ganz leicht und en passant an den Zuschauer*innen vorbeiziehen. Der ältere Mann und der jüngere Mann lernen sich besser kennen: beim Straßenhändler mit frisch gepresstem Granatapfelsaft, am schwulen Strand auf Höhe des Hilton-Hotels oder beim palästinensischen Hehler mit Tomers gestohlenem Fahrrad, den der junge Israeli nicht anzeigen will, weil er die Polizei für rassistisch hält. Die schönsten Szenen hält der Film bereit, wenn die beiden versuchen, trotz des Altersunterschieds einen gemeinsamen Erfahrungsraum zu finden und es ihnen auch gelingt.

Aber ist auch Erotik im Spiel? Während Michael sich als schwul identifiziert und abends frostige Zoom-Calls mit seinem Ehemann in New York wie eine Pflichtübung absolviert, scheint Tomer frei mit seiner Sexualität umzugehen. Ob Tomer überhaupt auf Männer steht, bleibt lange unklar. Bis er eines Abends am Sofa Michael die App Atraf erklärt, eine schwule Dating-App für Tel Aviv. Zwei, drei Klicks und wenige Messages später, lädt er einen Mann zum Sexdate in die Wohnung ein.

Steile Wendungen und ein emotionales Ende

Nach diesem Vorspiel nimmt "Sublet" ein paar steile Wendungen, bis der leichte Sommerfilm mit einer kleinen Überraschung und berührend emotional endet. Erst im Abgang offenbart das Drehbuch, welches Gewicht "Sublet" schon von Anfang an mit sich herumgetragen hat. Mit einem Mal ist klar, in welchem Zustand die beiden Männer sich begegneten und wie sehr sie diese zufällige Begegnung mit dem anderen brauchten, um sich mit Angelegenheiten in ihrem jeweiligen Leben auseinanderzusetzen. Das lässt sich melodramatisch lesen, auch ein wenig sentimental, aber es fügt sich liebevoll und harmonisch in ein größeres Ganzes.

John Benjamin Hickey gibt den Michael zu Beginn passend jetlag-geplagt und leicht desorientiert, bis er Szene für Szene wieder Tritt fasst in seinem Leben. Mit Niv Nissim fand Eyton Fox die ideale Besetzung für Tomer neben dem etablierten Film- und TV-Star Hickey. Der Theaterschauspieler wirkt in seiner ersten Filmrolle, als hätte er mit seinen 28 Jahren bisher nichts anderes gemacht. Die Kamera liebt ihn, und er liebt die Kamera. Weil beides zusammentrifft, sieht es so aus, als würde er gar nicht spielen, sondern Tomer sein. Ein Effekt, an dem man sich nicht sattsehen kann.

Direktlink | Englischer Original-Trailer zum Film
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Infos zum Film

Sublet. Dramödie. Israel, USA 2020. Regie: Eytan Fox. Darsteller*innen: John Benjamin Hickey, Niv Nissim, Lihi Kornowski, Miki Kam, Peter Spears, Tamir Ginsburg. Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: englisch-hebräische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Im Rahmen des Seret International Israeli Film Festivals läuft "Sublet" am 24. und 26.08.21 im Babylon Berlin (jeweils 19.30 Uhr) sowie am 01.09. in der Kölner FilmPalette (20 Uhr). Das Festival bietet den Film für kurze Zeit auch als Video on Demand an.