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Studie

Wissen über sexuelle Orientierungen macht Heteros sexuell experimentierfreudiger

Wenn selbsterklärte Heterosexuelle mit Wissen über sexuelle Orientierungen konfrontiert werden, hinterfragen viele ihre eigene Identität – und werden offener für gleichgeschlechtliche Erfahrungen.


Die sexuelle Orientierung ist etwas, was die Forschung wohl noch länger beschäftigen wird (Bild: Igor Zeiger / flickr)

Bekanntlich sollen heterosexuelle Männer laut schwuler Folklore nach sechs Dosen Bier zu gleichgeschlechtlichen Abenteuern bereit sein (queer.de berichtete). Laut australischen Forscher gibt es aber ein mächtigeres Homo-Elixier für den gemeinen Hetero: Wissen über sexuelle Orientierungen!

Laut einer im Peer-Review-Journal "Scientific Reports" veröffentlichten Studie von Psychologen der Universität Sydney (PDF) zeigten sich Männer und Frauen, die sich als ausschließlich heterosexuell definierten, offener gegenüber Zärtlichkeiten mit dem gleichen Geschlecht, nachdem sie eine einseitige Info-Broschüre über die Vielfältigkeit sexueller Orientierungen gelesen hatten.

Insgesamt hatten die Wissenschaftler 460 repräsentativ ausgewählte Personen befragt, die sich als heterosexuell definierten – je zur Hälfte Frauen und Männer. Ihnen wurde ein Aufsatz vorgelegt, in dem unter anderem erklärt wird, dass es nicht nur Homo-, Bi- und Heterosexualität gebe, sondern viele weitere Abstufungen. Außerdem führt der Artikel aus, dass die meisten Menschen zu einem gewissen Grad sowohl Männer als auch Frauen anziehend fänden.

Das Ergebnis: Nach dem Durchlesen des Artikels identifizierten sich die Beteiligten mit 28 Prozent größerer Wahrscheinlichkeit als nicht ausschließlich heterosexuell im Vergleich mit einer Kontrollgruppe. 19 Prozent gaben an, es sei jetzt wahrscheinlicher, dass sie gleichgeschlechtliche Aktivitäten ausprobierten.

Proband*innen interpretieren ihre sexuelle Orientierung anders

Hauptautor Dr. James Morandini betonte, dass die Forscher damit nicht die Heterosexuellen umgedreht hätten. "Haben wir mit unserer Intervention die sexuelle Orientierung von den Beteiligten verändert? Sicherlich nicht", so Morandini. "Ich denke, unsere Studie hat verändert, wie Menschen ihre sexuellen Gefühle interpretieren. Das bedeute, dass zwei Menschen mit identischen sexuellen Orientierungen ihre Orientierung unterschiedlich beschreiben, wenn einer von ihnen dem Gedanken der "fluiden" Sexualität ausgesetzt worden sei – und ein anderer nicht.

Mitautor Ilan Dar-Nimrod erklärte, dass wahrscheinlich "nicht-exklusive Heterosexuelle" – also Menschen, die sich als heterosexuell identifizierten, aber trotzdem sexuelle Anziehung mit gleichgeschlechtlichen Partner*innen empfinden – eine größere Gruppe darstellten als Personen, die sich als schwul, bisexuell oder lesbisch identifizierten. Diese Gruppe sei aber in der Gesellschaft nicht sichtbar. Dar-Nimrod weiter: "Wenn man anschaut, welch großen Wert die Gesellschaft auf Etiketten [wie schwul oder lesbisch] legt, kann diese Erkenntnis eine große Bedeutung haben: Gleichgeschlechtliche sexuelle Anziehung könnte viel häufiger vorkommen als bisher gedacht." (dk)



#1 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 24.08.2021, 17:00h
  • Müsste die Studie nicht auch noch mal mit homosexuellen Menschen durchgeführt werden?
    Was würde dann rauskommen?
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#2 lindener1966Profil
  • 24.08.2021, 17:52hHannover
  • Ich höre schon die Beverförde, Kelle und die AFD Mischpoke aufheulen....Homosexualität ist also DOCH ansteckend.

    Satire Ende
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#3 ChrisNAnonym
  • 24.08.2021, 18:26h
  • Die Studie liefert "leider" die Bestätigung, dass ein entspannter Umgang mit sexueller Vielfalt die Abkehr von traditionellen Mustern fördert und
    ist daher Wasser auf die Mühlen aller deren, die fordern, dass wir uns unsichtbar machen sollen.
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#4 LegatProfil
#5 SchonAnonym
  • 24.08.2021, 19:13h
  • Jede*r sollte sich seine*ihre Sexualität und oder Identität selbst raus suchen können. Missionieren, von welcher Seite auch immer ist schlecht. Dümmliche "Geschichten" wie die mit den 6 Dosen Bier ist in meinen Augen der gleiche Mist wie Koversionstherapien oder Vergewaltigungen mit KO-Tropfen. In allen Fällen fehlt der Respekt vor dem Mitmenschen.
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#6 LegatProfil
#7 OnlinekundeAnonym
  • 24.08.2021, 19:39h
  • Antwort auf #5 von Schon
  • "Jede*r sollte sich seine*ihre Sexualität und oder Identität selbst raus suchen können."

    So funktioniert das aber halt nicht. Wenn doch, wie Du glaubst: wo ist das Online-Bestellformular? Oder gibt es einen Katalog? Ein Sortiment, aus dem man das einfach "raus suchen" kann? Ich bin gespannt auf eine bunte Auswahl, aus der ich einfach rauspicken kann, worauf ich grad Bock hab! Gibt es wöchentliche Sonderangebote? Wie oft kann man wechseln? Gibt es Mengenrabatte für Vielwechsler?

    Ich möchte bitte JETZT bestellen!
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#8 Vater2Anonym
  • 24.08.2021, 20:38h
  • Antwort auf #1 von PhoebeEulenbaer
  • Umgekehrt dürfte das nicht funktionieren und das hat auch einen Grund:

    Die selbst erklärten "Heterosexuellen" haben keinen Coming-out Prozess hinter sich und dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit einfach nur glauben heterosexuell zu sein weil man das eben so ist...
    Erst das Maß an Selbstreflektion, welches homosexuelle Menschen im coming out Prozess durchlaufen lässt einen erkennen wie die eigene sexuelle Orientierung aussieht und wie sie auf keinen Fall aussieht.
    Schwule Männer sind also schon durch den Analyseprozess durchgegangen und haben währenddessen erkannt, dass sie eben nicht heterosexuell sind. Vor dem Coming-out hielten sie sich möglicherweise für Heteros, danach jedoch nicht mehr. Erst das Coming-out hat sie zu dem Punkt gebracht wo sie spürten, dass sie anders sind und nicht heterosexuell.

    Die "Heteros" von denen hier die Rede ist lassen sich im Grunde mit schwulen Männern vor ihrem Coming-out vergleichen. Das durchlesen der Broschüren regt die Art von Selbsterkenntnis Prozess an, die auch Schwule innerhalb ihres Coming-outs erleben.
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#9 Vater2Anonym
  • 24.08.2021, 20:48h
  • Antwort auf #6 von Legat
  • Eben!

    Oder wie sagte Schopenhauer so schön?:

    "Der Mensch kann zwar tun was er will aber er kann nicht wollen was er will. "

    Ich komme selber immer mehr zu dem Schluss, das die sexuelle Orientierung einfach eine Frage des Geschmackes ist. Klingt blöd, trifft es aber.
    Möglicherweise komme ich zu dem Schluss, dass die Mehrheit gerne Erdbeeren ist, ich aber im Gegensatz dazu Himbeeren bevorzuge. Vielleicht schmecken mir Erdbeeren überhaupt nicht, Himbeeren aber sehr gut. Ich kann mich dann zwingen Erdbeeren zu essen, empfinde dabei aber kein Vergnügen.

    Ein Schwuler, der gerne heterosexuell sein möchte ist demzufolge wie einer, der unbedingt Erdbeeren lieben möchte obwohl er sie hasst. Er kann sich sein ganzes Leben lang zwingen welche zu essen und alle Dinge die er gerne isst zu vermeiden. Äußerlich tut er dann das gleiche wie die Mehrheit. Der Unterschied jedoch ist ganz einfach der, dass die Mehrheit Spaß am Essen der Erdbeeren hat. Für ihn jedoch ist das ganze eine bescheuerte Pflichtübung. Man hat zwar die Freiheit heterosexuell zu leben; die Freiheit heterosexuell zu sein hat man jedoch nicht.
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#10 Dont_talk_aboutProfil
  • 25.08.2021, 04:07hFrankfurt
  • Antwort auf #3 von ChrisN
  • Ja. Problem erkannt. Es ist die alte These der Konservativen (nach heutigen Maßstäben Ultrakonservativen): "es gibt den 90-100 % Schwulen, ok der muss/soll halt so leben, der 70 % Schwule kann aber in der Hetero-normalen Welt gehalten werden und soll nicht durch Aufklärung ans falsche Ufer gebracht werden."

    Trotzdem: auch wenn dem so ist, muss unsere Community wissenschaftsbasiert argumentieren und den Ansatz der Aufklärung verteidigen. Wir haben da ja viel bessere Karten als noch zu meiner Jugend.
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