Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39808

CSU-Urgestein

Theo Waigel bedauert ablehnende Haltung gegenüber Schwulen und Lesben

In einer ZDF-Wahlsendung erklärt "Mister Euro", dass er in der Vergangenheit Positionen vertreten habe, die er heute nicht mehr vertritt.


Theo Waigel bestimmte jahrzehntelang die deutsche Politik mit (Bild: Screenshot ZDF)

Der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) hat in der am Dienstagabend ausgestrahlten Dokumentation "ZDFzeit: Volksparteien ohne Volk?" seine frühere Haltung zu Homosexuellenrechten bedauert, weil sie falsch gewesen sei.

In der knapp 45-minütigen Sendung, in der es um den Niedergang der großen Volksparteien ging, war auch kurz die Ehe für alle Thema, die laut der ZDF-Sprecherin "für manchen eine Grenzüberschreitung – für andere ein Zeichen des gesellschaftlichen Wandels" darstelle. Waigel erklärte zu diesem Thema wörtlich: "Ich würde manches, was ich in den Siebzigerjahren zu dem Thema Ehe, Familie, gleichgeschlechtliche Gemeinschaft und anderem mehr gesagt habe, heute nicht mehr wiederholen. Und zwar nicht, weil sich der Zeitgeist geändert hat, sondern weil ich überzeugt bin, dass die heutige Auffassung richtiger ist als die damalige."

Jahrzentenlange CSU-Karriere

Der heute 82-jährige Waigel ist ein CSU-Gewächs: 1960 trat er der Partei bei – also in einer Zeit, in der noch der schwulenfeindliche Paragraf 175 in seiner Nazi-Version in der Bundesrepublik Gültigkeit hatte. Von 1971 bis 1975 war Waigel Landesvorsitzender der Jungen Union in Bayern. Von 1988 bis 1999 war er CSU-Vorsitzender. Bis heute ist Waigel neben Edmund Stoiber und Horst Seehofer CSU-Ehrenvorsitzender.

Dem Bundestag gehörte der gebürtige Schwabe außerdem von 1972 bis 2002 an. Besonderen Einfluss auf die politische Entwicklung übte er als Bundesfinanzminister von 1989 bis 1998 aus. So hatte er einen großen Anteil daran, die europäische Gemeinschaftswährung zu etablieren. Die Bezeichnung Euro geht auf einen von Waigel im Dezember 1995 im Europäischen Rat eingebrachten Vorschlag zurück. Er äußerte sich während seiner politischen Karriere hauptsächlich zu Finanzthemen. Zu den Makeln in seiner Wahlverhalten gehört, dass er 1997 als einer von 138 Abgeordneten gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte – neben noch immer aktiven politischen Figuren wie Friedrich Merz, Horst Seehofer und Erika Steinbach.

Die Sendung "ZDFzeit: Volksparteien ohne Volk?" ist noch bis August 2022 in der ZDF-Mediathek abrufbar. Die Äußerung Waigels zu Homosexuellenrechten ist ab 18:45 Minuten zu sehen. (dk)



#1 niggoniggoAnonym
  • 25.08.2021, 11:51h
  • Ich weiß auch nicht aber irgendwie kaufe ich es ihm sogar ab, dass er jetzt so denkt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 TuggerAnonym
  • 25.08.2021, 12:14h
  • Antwort auf #1 von niggoniggo
  • Kann aber auch sein dass seine späte "Reue" - wie beim Gauweiler - damit zusammen hängt das deren Lebenszeit zuende geht und sie jetzt Angst haben wegen deren abscheuliche Ansichten damals nicht in den Himmel zu kommen. ;-)

    Ich haltte es für Lippenbekenntnisse.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 stephan
  • 25.08.2021, 12:20h
  • Ich freue mich sehr, wenn selbst die Menschen, die uns in den 70igern, 80igern und 90igern angefeindet haben, sich als lernfähig erweisen! Besser spät als nie! Es fehlt mir in dem Statement noch ein Satz dazu, dass die 'Konservativen' manchen Minderheiten da Leben unnötig schwer gemacht haben und es ihnen heute leid tut!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 ewfgdbgsfAnonym
  • 25.08.2021, 12:29h
  • Hält Theo Weigel eigentlich den Weltrekord für die buschigsten Augenbrauen der Welt?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Paul8888
#6 TrekieAnonym
  • 25.08.2021, 12:42h
  • Ist ja schön und gut, dass es ihm jetz Leid tut. Aber wenn das erst nach der politischen Karriere kommt, bringt das all denen die unter den Ergebnissen seiner aktiven zeit leiden mussten herzlich wenig. Davon ab, sind ja seine noch aktiven koleg*innen aus der selben Partei leider Großteils selbst noch in den 70gern und 80gern stehen geblieben, seine Reue jetzt, und deren in der Zukunft, ist also genau so viel wert wie die ganzen "kprruption nur in Einzelfällen" Aussagen die di so vor sich hin lügen...
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LegatProfil
  • 25.08.2021, 12:58hFrankfurt am Main
  • Ich kann mich dieser geradezu überschwänglich positiven Interpretation der Worte von Herrn Weigel nicht anschließen.

    Wenn ein absoluter Politprofi wie Herr Weigel sagt "Ich würde manches, was ich in den Siebzigerjahren zu dem Thema Ehe, Familie, gleichgeschlechtliche Gemeinschaft und anderem mehr gesagt habe, heute nicht mehr wiederholen. Und zwar nicht, weil sich der Zeitgeist geändert hat, sondern weil ich überzeugt bin, dass die heutige Auffassung richtiger ist als die damalige." dann meint er es auch genau so. Politiker dieses Kalibers sind es gewohnt, ihre Aussagen zu "brisanten" Themen genau abzuwägen, sodass jeder hört, war er hören soll.

    Ich kann daher hier kein "Bedauern" von Herrn Weigel erkennen. Das stütze ich auf seine Wortwahl, dass er zunächst "Ehe, Familie, gleichgeschlechtliche Gemeinschaft" separat benennt und dabei nicht mal die Minimalbezeichnung gleichgeschlechtliche Ehe (!) oder (noch minimaler) "Homo-Ehe" wählt, sondern "Gemeinschaft". Eine Gemeinschaft kann natürlich vom Fußballverein angefangen alles mögliche sein. Wichtig ist ihm hier offensichtlich, dass dies auch als bewusste Unterscheidung zur Ehe zwischen Mann und Frau gelesen werden kann, um ja keine Konservativen zu verschrecken. Er macht hier ebenso einen "Unterschied" wie Frau Merkel.

    Zudem sagt er NICHT, dass seine frühere Haltung zu Homosexuellenrechten falsch gewesen sei. Stattdessen sei die heutige Auffassung "richtiger" als die damalige. "Richtiger" ist eine rethorische Wortschöpfung, die eigentlich gar nicht existert, denn das Gegenteil von "falsch" ist schlichtweg "richtig". Dass er bewusst diese klaren Bezeichner nicht verwendet, soll in der Interpretation einen Spielraum ermöglichen, etwa dass eben damals doch nicht alles falsch und heute auch nicht alles richtig sei. Was genau er darunter versteht, verschweigt Herr Weigel, spielt aber auch keine Rolle, denn so können sich ja wie in Deutschland üblich "beide Seiten der Debatte" irgendwie darüber freuen. Ich nicht. Dies ist KEINE Entschuldigung für die eindeutig antidemokratischen FEHLER der Vergangenheit, sondern die übliche konservative Rethorik.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Dont_talk_aboutProfil
  • 25.08.2021, 13:25hFrankfurt
  • Waigel hat schon immer zum liberalen Flügel der CSU gehört (in Abgrenzung zu Stoiber). Seine Worte halte ich für aufrichtig.

    Das jetzt an einem Abstimmungsverhalten festzumachen ist doch albern. Regierungs- und Oppositionsfraktionen stimmen nach bestimmten Regeln ab. Frau Wagenknecht z.B. ist homophob, da kann sie bei allen Abstimmungen für die Ehe für alle etc. gestimmt haben, sie bleibt durch und durch homophob.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 LegatProfil
  • 25.08.2021, 14:31hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #8 von Dont_talk_about
  • "Das jetzt an einem Abstimmungsverhalten festzumachen ist doch albern."

    Genau, völlig albern ihm vorzuwerfen, dass er für die Beibehaltung der Straffreiheit bei Vergewaltigung in der Ehe gestimmt hat. Darüber lacht auch heut noch jeder Jeck! Aber Waigel war ja schon immer "zum liberalen Flügel gehörend" und Liberale sind ja schon per Definition urkomisch!

    /Sarksmus aus
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Alexander_FAnonym
  • 25.08.2021, 14:57h
  • Man sieht: jede*r kann sich ändern. Ich muss zugeben, ich habe selten aufrichtigere Worte von einem CSU-Mitglied gehört. Man mag einwenden, dass die Messlatte bei dieser Partei nicht hoch liegt, aber man muss auch kleine Fortschritte und Besserungen zur Kenntnis nehmen.
  • Antworten » | Direktlink »