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Studie

Jugendliche sind im Internet häufig mit homosexuellenfeindlicher Hassrede konfrontiert

Laut einer schweizerischen Studie nehmen viele Jugendliche Hasskommentare gegen bestimmte Gruppen im Internet wahr – am zweithäufigsten mit dem Merkmal sexuelle Orientierung.


Jugendliche wachsen heutzutage mit Internet-Hassbotschaften auf (Bild: K-Screen Shots / flickr)

  • 25. August 2021, 16:37h, noch kein Kommentar

Rund die Hälfte der 13- bis 19-Jährigen in der Schweiz trifft laut einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften mehrmals pro Woche auf Hasskommentare im Internet. Wie aus "James-Focus: Hassrede im Internet" (PDF) hervorgeht, gibt es größere Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen den Altersklassen und zwischen Mädchen und Jungen.

Mehr als zwei Drittel der jungen Menschen, die Hassrede wahrgenommen haben, geben an, dass Personen online vor allem aufgrund ihres Aussehens beleidigt werden. Mehr als die Hälfte hält zudem fest, dass sie auch Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung beobachteten – etwas mehr als Hassrede wegen Herkunft oder Hautfarbe. Danach folgen die Merkmale Nationalität sowie Geschlecht/Geschlechtsidentität.


Bild: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Betroffen sind laut der Studie besonders die ältere Gruppe der 16- bis 19-Jährigen. Auch geschlechtspezifische Unterschiede sind deutlich: So treffen 53 Prozent der Mädchen regelmäßig auf Hassrede im Internet, während dies nur bei 41 Prozent der Jungen der Fall ist. Dieser Geschlechterunterschied ist noch ausgeprägter beim Merkmal der sexuellen Orientierung: 59 Prozent der Mädchen, die auf Hassrede im Internet stoßen, bemerken homo- oder bisexuellenfeindliche Einträge – demgegenüber sind es nur 42 Prozent bei den Jungs. Laut Mitautorin und Medienpsychologin Céline Külling sei es aber schwierig zu beurteilen,ob Mädchen sich tatsächlich häufiger mit solchen Meldungen konfrontiert sehen "oder ob es unterschiedliche Wahrnehmungen darüber gibt, was überhaupt als Hassrede empfunden wird".

Fast alle Jugendlichen halten Hasskommentare für feige

Fast alle Jugendlichen (94 Prozent) empfinden laut der Studie anonyme Hasskommentare als feige. Zudem betrachtet ein Großteil die Beschäftigung mit ihnen als Zeitverschwendung. Allerdings gibt ein Drittel der Jungs an, Hasskommentare interessant oder unterhaltsam zu finden, während nur jedes zehnte Mädchen dieser Haltung zustimmt. Zudem bringt fast die Hälfte der männlichen Befragten Verständnis für manche Hasskommentare auf.

Külling spekuliert, dass es für diese Diskrepanz einen archaischen Grund gibt: "Zum einen könnte es sein, dass sich Knaben an der Rolle des starken, dominanten Mannes orientieren, der auch mal einstecken können muss und dem solche Kommentare nichts anhaben können, sondern ihn sogar noch belustigen. Zum anderen zeigen Studien, dass Männer eher zur Täterschaft von Hasskommentaren zählen, was auch das Verständnis für solche Kommentare erhöhen könnte."

Die Studie zeigt auch auf, dass Mädchen offenbar geschockter auf Hasskommentare reagieren. Drei Viertel von ihnen geben an, dass Hasskommentare sie entsetzen oder traurig machen. Bei den Jungen sind es nur zwei Fünftel.

Junge Menschen sind für Thema sensibilisiert

Ein weiteres Ergebnis: Es erscheint laut der Studie, dass die befragten Jugendlichen eine "gewisse Sensibilisierung" für das Thema zeigten und Hasskommentare im Vergleich zu anderen Phänomenen wie Fake News eher als solche wahrgenommen werden würden.

Für die Studie werteten die Forscher*innen Daten der James-Studie 2020 aus – insgesamt wurden die Antworten von 953 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 13 bis 19 Jahren aus allen Landesteilen der Schweiz zu diesem Themenfeld ausgewertet. (dk)