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Heimkino

Ein queerer Mann möchte Miss France werden

Schon als kleiner Junge wollte Alex Miss France werden. Nun will er sich den Traum erfüllen, seine Wahlfamilie hilft ihm dabei. "Miss Beautiful" ist eine eher vorhersehbare, aber opulent ausgestattete Komödie – mit leider transfeindlichen Untertönen.


Der 24-jährige Alex, der sich als Mann definiert, gibt sich als Frau aus, um an der Wahl zur Miss France teilnehmen zu können (Bild: SquareOne Entertainment)

"Man muss doch träumen dürfen", sagt Alex, und mehr Argumente braucht er nicht, um seine Wahlfamilie zu überzeugen. Sein Traum, seit er ein kleiner Junge war: Er möchte Miss France werden, Krönchen und Scherpe tragen. Seine Wahlfamilie, das sind Yolande, eine ältere Frau, die eine Art Pension führt, zwei junge Männer, die an den großen Durchbruch glauben, und Lola, eine trans Frau und Sexarbeiterin, die ihre besten Jahre hinter sich hat. Sie alle unterstützen Alex auf seinem Weg.

Die Mitbewohner*innen besorgen ihm einen falschen Pass und füllen seinen Instagram-Account, und relativ schnell wird der androgyne Alex zur Miss Île-de-France. Doch als er auf die Kandidat*innen der anderen Landesteile trifft, holt ihn seine Unsicherheit wieder ein.

Der Film hätte ein Plädoyer für Vielfalt sein können


"Miss Beautiful" ist am 27. August 2021 in deutscher Sychronfassung als DVD, Blu-ray und Video on Demand erschienen

"Miss Beautiful" erzählt eine bekannte Geschichte: Außenseiter*in hat einen großen Traum und kämpft darum, ihn zu erfüllen, auch wenn auf dem Weg dahin Rückschläge und Erinnerungen an die Vergangenheit auftauchen. Die französische Komödie folgt diesem Schema treu, verzichtet nicht einmal auf die obligatorische Mutmach-Rede in letzter Minute – und hat daher kaum narrative Überraschungen zu bieten. Die ganze Geschichte ist ziemlich erwartbar und schafft es daher nicht zu fesseln.

Aber sie macht immerhin Spaß anzusehen: "Miss Beautiful" ist in jeder Szene opulent, fast großkotzig ausgestattet, die unzähligen Outfits der Kandidatinnen kreativ und hochwertig (Kostümdesign: Isabelle Mathieu). Die Kamera von Renaud Chassaing fängt die Bilder toll und sehr dynamisch ein. Der großzügig daruntergelegte Pop ist zwar passend gewählt, aber manchmal etwas zu stumpf. Die ganze Kinematografie ist wie die Misswahl selbst: Es geht ums Äußere, und das funktioniert als Unterhaltung sehr gut. Unter der Oberfläche verbirgt sich aber wenig.

Die Komödie hätte ein lautes Plädoyer für Vielfalt sein können. Doch es scheint, als würde Regisseur und Drehbuchautor Ruben Alvès selbst nicht wissen, worum es überhaupt geht. Die Frage eines alten Freundes, ob Alex jetzt als Frau leben wolle, verneint er. "Ich lebe nur meine Weiblichkeit aus. Ich fühle mich stärker als Frau." Ein androgyner 24-Jähriger, der früher als Schwuchtel beschimpft wurde, der seine weibliche Seite entdecken und leben will, sich in High Heels und Glitzerkleidern wohlfühlt.

Stereotyper, massentauglicher Feel-Good-Humor

Alles wunderbar, und das Model Alexandre Wetter ist dafür eine super Besetzung. Doch warum muss die Komödie auf Kosten anderer Gruppen gehen? Die südasiatischen Mitbewohnerinnen von Alex werden zu Tag und Nacht nähenden, ansonsten persönlichkeitslosen Schablonen, die zwei Mitbewohner Ahmed und Randy fälschen Pässe und bauen Gras an – sie sind ja als Ausländer.

Von der Sexarbeit rund um Lola zeichnet Regisseur Ruben Alvès ein karikaturhaftes, fast schon lächerliches Bild voller Plüsch und Rotlicht. Von ihrer Zuhälterin möchte Lola für Alex Tipps haben, wie er möglichst weiblich rüberkommt. Die "Hoheit", wie Lola sie ehrfürchtig nennt, gibt ein paar Tipps im Wohnwagen, doch das Ganze werde nicht leicht, prophezeit sie. "Du bist keine echte Frau, und du wirst nie eine werden", sagt sie zum Schluss.

Nicht nur, aber vor allem so eine transfeindliche Aussage zeigt, dass "Miss Beautiful" es nicht ganz aufrichtig meinen kann mit dem Ruf nach Vielfalt, Akzeptanz und Selbstverwirklichung. Stattdessen setzt der Film auf einen massentauglichen, stereotypen Feel-Good-Humor.

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Infos zum Film

Miss Beautiful. Dramödie. Frankreich 2020. Regie: Ruben Alves. Darsteller*innen: Alexandre Wetter, Pascale Arbillot, Isabelle Nanty, Thibault de Montalembert, Stefi Celma. Laufzeit: 103 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung, französische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. SquareOne Entertainment. Ab 27. August 2021 auf DVD und Blu-ray sowie als Video on Demand


#1 Ith_Anonym
  • 29.08.2021, 11:35h
  • Danke für die kritische Betrachtung.

    Bisschen schade, sowas Oberflächlich-Lustiges wäre noch am ehesten mal ein Kandidat an nicht reinem cis-het-Kino, den man mal der Verwandtschaft unterjubeln könnte (Hauptsache schöne Kostüme!). Aber Sprüche wie das mit der Nicht-Echtheit von Leuten wären da für mich persönlich doch eher kontraproduktiv :/
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#2 Svenja LAnonym
  • 31.08.2021, 12:39h
  • Mal wieder ein Film, der die mediale Dominanz von Drag, Travestie und anderen Männern in Frauenkleidern fördert und das Unverständnis der Menschen gegenüber Transgeschlechtlichkeit verstärkt.
    Und welchen Beruf die "wirkliche" trans Frau in diesem Film ausübt, ist sowieso klar. Wir können ja nicht anderes, oder? Sage ich als Rechtsanwältin mit Transhintergrund.
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