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US-Studie
Christliche Konservative sehen Gleichbehandlung queerer Menschen als Attacke auf sich
Wenn Homosexuelle mehr Rechte kriegen, verlieren Gläubige Rechte – diese Einstellung ist laut einer neuen Studie unter konservativen amerikanischen Christinnen und Christen Konsens.

Viele Christinnen und Christen stehen queeren Menschen aus religiösen Gründen feindschaftlich entgegen (Bild: fairytaleweaver / flickr)
- 30. August 2021, 15:02h 3 Min.
Eine große Zahl konservativer Christ*innen aus den USA glaubt, dass ein Zuwachs an LGBTI-Rechten zur Abnahme religiöser Freiheiten für sie persönlich führe. Das geht aus einer Studie hervor, die kürzlich im "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlicht wurde. Streng gläubige Menschen würden diese Frage als Nullsummenspiel betrachten – dieser aus der Spieltheorie stammende Begriff umschreibt, dass die Verbesserung einer Seite automatisch zur Verschlechterung der anderen Seite führt, Gewinne und Verluste ergäben als immer null.
"Viele Christen sehen sich auf der Verliererseite in den Kulturkämpfen", so Hauptautorin Clara L. Wilkins, eine Psychologieprofessorin der Washington University in St. Louis. Als "culture wars" bezeichnen amerikanische Rechtsaußen-Aktivist*innen martialisch nicht nur den Kampf gegen LGBTI-Rechte, sondern auch gegen Pornografie, Abtreibung oder Einwanderung. Besonders konservative Christ*innen würden daher "das Amerika, in dem gleichgeschlechtliche Eheschließungen möglich sind, als ein Land wahrnehmen, in dem sie weniger zu sagen haben und jetzt schikaniert werden."
Die Wissenschaftler*innen führten für diese Studie zwischen 2016 und 2019 fünf unterschiedliche Befragungen von Christ*innen durch. Dafür wurden insgesamt rund 2.000 hauptsächlich weiße Gläubige befragt, die sich als heterosexuell und cisgender ansehen. In einer Befragung wurden ihnen etwa Bibelstellen vorgelegt, in der es um die Akzeptanz geht. Während dies Eindruck auf gemäßigte Gläubige machte, blieben konservative Gläubige unbeeindruckt in ihrer Ablehnung queerer Rechte.
Homophobe Kirche macht Gläubige homophober
Außerdem befragten die Forschenden Mitglieder der Methodistenkirche zu der Zeit, als die Glaubensgemeinschaft 2019 das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben bekräftigte (queer.de berichtete). Im Anschluss hätten die Kirchenmitglieder eher an das gegen LGBTI gerichtete Nullsummenspiel geglaubt als vor der Entscheidung. Der Grund: "Die Kirche ist eine starke moralische Autorität mit dem Potenzial, Normen und Einstellungen gegenüber sexuellen Minderheiten zu formen", heißt es in der Studie.
Zwar nehme derzeit die Zahl der weißen evangelikalen Christ*innen in den USA ab – also jener Gruppe, die die Bibel wörtlich nimmt und sich besonders ablehnend gegenüber queeren Menschen zeigt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung reduzierte sich zwischen 2006 und 2020 von 23 auf 14 Prozent. Mitautor Lerone A. Martin erklärte jedoch, dass der Einfluss dieser Gruppe aus verschiedenen Gründen besonders groß sei: "Der politische Einfluss weißer Evangelikaler geht über ihren wirklichen Anteil an der Bevölkerung hinaus, zum Teil weil sie das Christentum durch Massenmedien, Laissez-Faire-Kapitalismus und pragmatische politische Partnerschaften amerikanisiert haben." Diese Einstellung sei also in der US-Seele tief verankert. Besonders wegen der lange eingeübten Nutzung von Massenmedien hätte Evangelikale besonders viel Einfluss auf die Gesamtgesellschaft. So habe Ex-Präsident Donald Trump die Unterstützung dieser Gruppe direkt gesucht und damit LGBTI-feindlicher Politik, etwa dem Verbot von trans Menschen im US-Militär, zum Siegeszug verholfen. (dk)










