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US-Studie

Christliche Konservative sehen Gleichbehandlung queerer Menschen als Attacke auf sich

Wenn Homosexuelle mehr Rechte kriegen, verlieren Gläubige Rechte – diese Einstellung ist laut einer neuen Studie unter konservativen amerikanischen Christinnen und Christen Konsens.


Viele Christinnen und Christen stehen queeren Menschen aus religiösen Gründen feindschaftlich entgegen (Bild: fairytaleweaver / flickr)

Eine große Zahl konservativer Christ*innen aus den USA glaubt, dass ein Zuwachs an LGBTI-Rechten zur Abnahme religiöser Freiheiten für sie persönlich führe. Das geht aus einer Studie hervor, die kürzlich im "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlicht wurde. Streng gläubige Menschen würden diese Frage als Nullsummenspiel betrachten – dieser aus der Spieltheorie stammende Begriff umschreibt, dass die Verbesserung einer Seite automatisch zur Verschlechterung der anderen Seite führt, Gewinne und Verluste ergäben als immer null.

"Viele Christen sehen sich auf der Verliererseite in den Kulturkämpfen", so Hauptautorin Clara L. Wilkins, eine Psychologieprofessorin der Washington University in St. Louis. Als "culture wars" bezeichnen amerikanische Rechtsaußen-Aktivist*innen martialisch nicht nur den Kampf gegen LGBTI-Rechte, sondern auch gegen Pornografie, Abtreibung oder Einwanderung. Besonders konservative Christ*innen würden daher "das Amerika, in dem gleichgeschlechtliche Eheschließungen möglich sind, als ein Land wahrnehmen, in dem sie weniger zu sagen haben und jetzt schikaniert werden."

Die Wissenschaftler*innen führten für diese Studie zwischen 2016 und 2019 fünf unterschiedliche Befragungen von Christ*innen durch. Dafür wurden insgesamt rund 2.000 hauptsächlich weiße Gläubige befragt, die sich als heterosexuell und cisgender ansehen. In einer Befragung wurden ihnen etwa Bibelstellen vorgelegt, in der es um die Akzeptanz geht. Während dies Eindruck auf gemäßigte Gläubige machte, blieben konservative Gläubige unbeeindruckt in ihrer Ablehnung queerer Rechte.

Homophobe Kirche macht Gläubige homophober

Außerdem befragten die Forschenden Mitglieder der Methodistenkirche zu der Zeit, als die Glaubensgemeinschaft 2019 das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben bekräftigte (queer.de berichtete). Im Anschluss hätten die Kirchenmitglieder eher an das gegen LGBTI gerichtete Nullsummenspiel geglaubt als vor der Entscheidung. Der Grund: "Die Kirche ist eine starke moralische Autorität mit dem Potenzial, Normen und Einstellungen gegenüber sexuellen Minderheiten zu formen", heißt es in der Studie.

Zwar nehme derzeit die Zahl der weißen evangelikalen Christ*innen in den USA ab – also jener Gruppe, die die Bibel wörtlich nimmt und sich besonders ablehnend gegenüber queeren Menschen zeigt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung reduzierte sich zwischen 2006 und 2020 von 23 auf 14 Prozent. Mitautor Lerone A. Martin erklärte jedoch, dass der Einfluss dieser Gruppe aus verschiedenen Gründen besonders groß sei: "Der politische Einfluss weißer Evangelikaler geht über ihren wirklichen Anteil an der Bevölkerung hinaus, zum Teil weil sie das Christentum durch Massenmedien, Laissez-Faire-Kapitalismus und pragmatische politische Partnerschaften amerikanisiert haben." Diese Einstellung sei also in der US-Seele tief verankert. Besonders wegen der lange eingeübten Nutzung von Massenmedien hätte Evangelikale besonders viel Einfluss auf die Gesamtgesellschaft. So habe Ex-Präsident Donald Trump die Unterstützung dieser Gruppe direkt gesucht und damit LGBTI-feindlicher Politik, etwa dem Verbot von trans Menschen im US-Militär, zum Siegeszug verholfen. (dk)



#1 swimniAnonym
  • 30.08.2021, 18:34h
  • wieso nennt man die christliche konservative? es sind abergläubige hasspopulisten
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#2 lindener1966Profil
  • 30.08.2021, 18:57hHannover
  • Evangelikalismus ist eine hochkapitalistische und politische Ideologie die Milliarden an Geld einsammelt und somit überall auf der Welt Einfluss nehmen kann. Sie haben eigene Bildungseinrichtungen und versuchen an allen Schaltstellen (Gerichte und Polizei / Militär) ihre Leute zu platzieren. Der hohe Grad an Fanatismus bedingt einen höheren Organisierungsgrad als z.B. Atheisten, die es in etwa auf den gleichen Prozentanteil in den USA bringt.

    Chris Hedges: "American Faschists-The Christian Right And The War On America" von 2006
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#3 mandy potemkinAnonym
  • 30.08.2021, 20:12h
  • bitte in bezug auf die usa auf den begriff "rechtsaussen" verzichten: die amerikanische rechte hat seit den 90ern, und dann nochmal extremer seit 2016, eine derartige radikalisierung durchlaufen, dass heute der hauptteil der rechts stehenden / republikanisch wählenden amerikaner*innen dem rechtradikalen spektrum zuzuordnen ist.

    ein beispiel: während die rechte idolisierung und unterstützung des jugendlichen todesschützen von kenosha schon beängstigend ist, ist es das völlige fehlen von widerspruch von rechten wenn der doppelmörder in memes gefeiert und als vorbild bezeichnet wird, das klar aufzeigt wie faschistisch verfasst die US rechte mittlerweile ist.
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#4 TabaerAnonym
#5 DQ25Anonym
  • 31.08.2021, 07:02h
  • Wundert mich nicht! Wer Scheuklappen aufhat, und nur alternative Fakten hört, liest oder sieht, sieht alles als Bedrohung der eigenen "Wirklichkeit" an.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 31.08.2021, 10:49h
  • Antwort auf #4 von Tabaer
  • Na ja, wie wissenschaftlich der Begriff 'weiß' ist, weiß ich nicht.

    Gerade die Erfolge der Evangelikalen in Brasilien, die ja aus unerfindlichen Gründen als 'nicht-weiß' eingestuft werden, sollten bei solchen Rassifizierungen Vorsicht walten lassen.

    Zumal dort massenhaft legere Katholen zu fanatischen Evangelikalen mutierten, was v.a. mit sozialer Not zu tun hat.

    Ansonsten ist hier die bekannte Täter-Opfer-Umkehr zu beobachten.
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#7 KMBonnProfil
  • 31.08.2021, 11:04hBonn
  • Es ist ja schon mal ein ermutigendes Zeichen, dass die Zahl der evangelikalen Gläubigen abnimmt, dennnoch gilt weiterhin, dass sie gefährlich sind - und das nicht nur für LGBTIQs.
    Ihre Bereitschaft, um "des Glaubens willen" auch mit demokratiefeinden, Dikatoren und Populisten zu paktieren und sich hofieren zu lassen, ist für jedes demokratische Land gefährlich.
    Man muß diesem "Evangelikalen Emirat" daher entgegentreten und mit aller Deutlichkeit dafür sorgen, dass Religion ins Private zurückgedrängt wird. Kirche & Glaube haben keinen Mehrwert mehr für die Gesellschaft, sondern entpuppen sich eher als Last und Klotz am Bein, mehr noch - sie sind für nicht wenige Personen eine Gefahr für Leib und Leben.
    Man erinnere sich an die Meldungen während der Coronapandemie, wo immer wieder Evangelikale, Pfingstler etc. damit auffallen, dass sie sich zu ihren Gottesdiensten treffen und jedwede Hygieneschutzbestimmungen ignorieren.
    Und auch jetzt noch ist es so, dass für Gottesdienste nicht die gleichen Regeln gelten wie für den Besuch eines Fitneßcenters oder Kinos. Das sollte nicht sein, insofern ist jeder gefordert, dem "Evangelikalen Emirat" und dem "Katholischen Staat" Paroli zu bieten.
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#8 snafuAnonym
  • 31.08.2021, 11:29h
  • Weiße evangelikale Christen nehmen nicht die BIbel wörtlich: prüft alles, das gute behaltet, Thessalonicher 5:21, von Zank und Streit über das Gesetz halte dich fern, Titus 3:9, David und Jonathan, die schwören, eine Frau ganz bestimmt nicht angefasst zu haben und vor allem das Doppelgebot der Liebe Matthäus 22. Am wenigsten verstehe ich, dass diese sich als unterlegene im Kulturkampf sehen, dabei aber ähnlich patriarchale Werte verterten wie die von ihnen bekämpften anderen. Zumal es für Jesus keine unreinen Frauen gab.
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#9 TabaerAnonym
  • 31.08.2021, 18:05h
  • Antwort auf #6 von goddamn liberal
  • Wie nun genau der Terminus technicus ist, weiß ich nicht, ich bin kein Soziologe. Ich glaube auch eher, dass diese Homophobie eher eine Frage der Religion als denn der Hautfarbe ist, siehe auch Ostafrika.
    An sich ging es mir darum, dass in wissenschaftlichen Publikationen die Studiengruppen neutral - und eben nicht populistisch bzw reisserisch - beschrieben werden.
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