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Sport

Wie steht es 2021 um die Gleichberechtigung im Fußball?

Trotz einiger Fortschritte werden weiterhin Mut und Standhaftigkeit benötigt, um die sogenannte Gender Pay Gap im Profifußball zu schließen.


Frauenfußball wird längst nicht als ebenbürtig behandelt. (Bild: c w / flickr)
  • 31. August 2021, 11:55h, noch kein Kommentar

In den letzten Jahren haben sich die Diskussionen um Gleichbehandlung der Geschlechter und die sogenannte Gender Pay Gap immer mehr ausgeweitet. Mittlerweile wird an vielen Fronten versucht, niemanden zu benachteiligen. Auch in der Welt des Sports hat sich bereits einiges geändert. Doch wie sieht das Ganze eigentlich im Fußball aus?

Frauenliga vs. Männerliga

Die Debatte um Gleichberechtigung im Fußball gibt es schon sehr lange. In den letzten beiden Jahren hat sie allerdings an Intensität verstärkt zugenommen. Im März 2019 beispielsweise haben sich die Spielerinnen des amerikanischen Nationalteams zu einer Sammelklage gegen die USSF, den amerikanischen Fußballverband, zusammengetan. Die Weltmeisterinnen forderten Prämien in derselben Höhe wie die männlichen Profis und somit eine Rückvergütung über 67 Millionen Dollar. Kritisiert wurde zudem, dass die Männerteams bessere medizinische Spiel- und Reisebedingungen hätten – obwohl die weiblichen Spielerinnen zuvor deutlich erfolgreichere Resultate erzielten als die Männermannschaft, sowohl bezüglich des Ticketverkaufs als auch der Spielausgänge. Wenn es also irgendwo auf der Welt möglich sein sollte, die Gender Pay Gap beim Fußball zu schließen, dann wohl in den USA. Dennoch wurde die Klage zur Enttäuschung vieler schon abgewiesen, bevor sie überhaupt vor eine Jury kommen konnte. Trotzdem hat die Niederlage der amerikanischen Spielerinnen eine Protestwelle in der ganzen Welt losgetreten. Immer mehr Stimmen werden laut, die bessere Konditionen für Spielerinnen fordern – und nicht nur im Fußball. Auch im Golf, Basketball und Radsport liegen Frauen bei der Bezahlung schließlich immer noch weit hinter den männlichen Sportlern.

Analysen der Gehälter in den letzten Jahren zeigen einiges sehr deutlich: In vielen Sportarten gibt es Equal Pay schon sehr lange – im Dressurreiten seit 1952, bei der Leichtathletik-WM seit 1997 und seit 2006 auch beim Ski-Weltcup. In vielen weiteren Disziplinen des Spitzensports haben sich die Löhne in den letzten Jahren immer weiter angenähert. Tatsächlich ist die Lücke zwischen den Gehältern im Fußball aber ungeschlagen und eindeutig am größten – hier erhalten Männer erheblich mehr Geld als Frauen. Ein Vergleich der Löhne der amerikanischen Weltmeisterinnen von 2019 und der französischen Weltmeister 2018 zeigt deutlich, dass das Gehalt der Männer 837 Prozent über dem der Frauen lag. Auch in der FIFA gibt es deutliche Unterschiede. Begründet wird dies mit höheren Einnahmen bei den männlichen Spielern durch Sponsoring und TV-Rechte. Es gibt zwar mittlerweile einige Verbände, die Männer und Frauen den gleichen Lohn zahlen – leider sind dies aber nicht einmal 10 von 159.

Frauenfußball immer bedeutender und erfolgreicher<


Die Anstrengungen der Fußballerinnen zeichnen sich langsam aus (Bild: 134213 / pixabay)

Einigen Stimmen zufolge hat die Feminismus-Welle jedoch langsam auch den Fußball erreicht. In den letzten Jahren gab es einige Länder, die an ihre männlichen und weiblichen Spieler des Nationalteams gleich hohe Prämien vergaben. Beispiele dafür sind Brasilien, Südafrika, Norwegen und Australien. In Norwegen war dies nicht zuletzt deshalb möglich, weil die männlichen Fußballer zustimmten, einen Teil ihrer Bezahlung an die Frauen abzutreten. Das Problem dabei ist aber: Diese Gesetze betreffen nur die Nationalteams, also die wenigen Topverdienerinnen des Fußballs, während alle weiteren so gut wie leer ausgehen. Weltweit gibt es deshalb Forderungen nach einem Grundgehalt für Fußballerinnen sowie dem Einsatz von mehr Lohnspielerinnen. Ersteres ist in Spanien vor geraumer Zeit gelungen. Auch die europäischen Föderationen, beispielsweise die Niederlande, planen eine Angleichung der Löhne für Spieler und Spielerinnen. Bei der Professionalisierung von Frauenligen tut sich ebenfalls langsam etwas. Da Frauenfußball auch immer bedeutender und erfolgreicher wird, wurde zudem beschlossen, die Frauenteams bei der WM 2023 aufstocken. Statt 24 werden 32 Teams antreten.

Man versucht also weltweit, das Problem zu bekämpfen. Ende April dieses Jahres riefen beispielsweise die Frauenprofiteams und viele weitere Verbände und Clubs in England zu einem Social-Media-Boykott auf, an den sich sogar Prinz William als Präsident der Football Association anschloss, um ein Zeichen gegen Sexismus, Diskriminierungen und Rassismus im Netz zu setzen und die Online-Plattformen zu härterem Vorgehen zu bewegen.

Benachteiligung von weiblichen Spielern

Beim Gehalt geht es langsam in die richtige Richtung – so weit, so gut. Leider gibt es genügend Bereiche, in denen sich noch nicht viel getan hat. Generell berichten viele Fußballerinnen über Diskriminierungen und Vorurteile, mit denen sie vielfach zu kämpfen hatten. Bereits in ihrer Jugend waren Sprüche, dass Frauen nicht auf einen Fußballplatz gehören, dies sei schließlich Männersache, immer mit von der Partie.


Besonders im jungen Alter müssen sich Spielerinnen harten Vorurteilen stellen (Bild: finelightarts / pixabay)

Aktivistinnen auf der ganzen Welt machen sich seit Jahren zudem für diverse weitere Themen stark, darunter Mutterschutz und mangelnde Vermarktung. Während männliche Profi-Fußballer Millionen mit Werbeverträgen verdienen, sieht man weibliche Fußballerinnen selten bis nie in der Werbung. Bezüglich Mutterschutz wurde Ende des vergangenen Jahres tatsächlich eine neue Regelung von der FIFA vorgestellt, die weltweit in allen Ligen seit Beginn des Jahres 2021 gilt. Darin wird verfügt, dass Fußballerinnen vierzehn Wochen Mutterschaftsurlaub erhalten sollen. Während dieses Zeitraumes sollen sie weiterhin mindestens zwei Drittel ihres Gehaltes bekommen. Acht dieser vierzehn Wochen müssen nach der Geburt liegen. Nach der Rückkehr sind die Clubs verpflichtet, die Spielerinnen wieder einzugliedern und medizinisch zu versorgen. Auch die Diskriminierung von Fußballerinnen aufgrund einer Schwangerschaft ist verboten. Somit darf den Spielerinnen wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr gekündigt werden. Mit diesen Regelungen soll das Problem gelöst werden, dass viele Frauen ihre Fußballkarriere vorzeitig beenden, um eine Familie zu gründen. Die Message der FIFA lautet, Frauen können sowohl professionelle Spieler sein als auch eine Familie haben. Die wenigen Frauen, die sowohl Mütter als auch Profi-Fußballerinnen sind, sehen dies als wichtigen Schritt und als Zeichen an, dass die FIFA sie ernst nimmt und an den Missständen arbeiten will. Jedoch sind damit noch nicht alle Probleme gelöst. Die Nationaltorhüterin Almuth Schulz beispielsweise ist Mutter von Zwillingen und beklagt, dass die Vereine keinerlei Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder von Fußballerinnen anbieten. Sie ist somit stark auf die Mithilfe von Familie und Freunden bei der Unterbringung während ihrer Spiel- und Trainingszeit angewiesen. Des Weiteren warf sie die Frage auf, ob weibliche Profi-Fußballer überhaupt genügend Geld verdienen, um neben ihrer Karriere ein Kind großziehen zu können.

Ein weiterer Aspekt, in dem die Ungleichheit zwischen weiblichen und männlichen Spielern deutlich wird, ist die öffentliche Thematisierung der Gehälter. Während die Löhne von Männern öffentlich bekannt gemacht und diskutiert werden, ist dies bei Fußballerinnen kaum der Fall. Worüber auch nicht gesprochen wird: Die wenigsten Profi-Fußballerinnen können von ihren Einkünften leben. Viele sind auf Nebeneinkünfte angewiesen, um sich selbst versorgen zu können. Fußballerinnen sind deshalb vermehrt auf Sponsoren angewiesen, jedoch sind die Sponsorengelder für Frauen auch weit hinter denen der männlichen Fußballkollegen anzusiedeln.

Natürlich gibt es zwischen all dem auch im Fußball vereinzelte Bereiche, in denen irrelevante Unterschiede zwischen den Spielern genau das sind: irrelevant. So beispielsweise im Bereich der Sportwetten. Wenn es um Geld geht und um die Möglichkeit dieses zu vermehren, verschwinden alle unbedeutenden Aspekte im Hintergrund. Wer in der Bundesliga wetten möchte, schaut sich überwiegend die tatsächlichen Leistungen an: Wer ist der torgefährlichste Spieler, wer ist der schnellste und so weiter. Geschlechteridentitäten spielen hier keine Rolle. Vielleicht sollten sich andere Bereiche des Sports hier mal eine Scheibe abschneiden.

Fazit

Es geht langsam in die richtige Richtung. Beispielsweise in Bezug auf Gehalt und Mutterschutz hat sich in den letzten Jahren einiges getan und die Bemühungen der Aktivistinnen und Fußballerinnen zahlen sich langsam, aber stetig aus. Dennoch zeigt das Beispiel der amerikanischen Fußballerinnen, dass wir noch längst nicht am Ziel sind. Vor allem die Rufe nach einem allgemeingültigen Gesamtkonzept für Equal Pay werden immer lauter, was sich nicht nur auf den Fußball, sondern sämtliche Sport- und Wirtschaftszweige beziehen würde. Dies ist letztes Jahr in Australien bereits geschehen und zeichnet sich auch langsam in weiteren Ländern ab. Man sieht von daher, dass sich an vielen Fronten schon Fortschritte finden lassen. Viel Mut und Standhaftigkeit werden aber noch benötigt, bis eines Tages die Gender Pay Gap im Fußball geschlossen werden kann und Gleichberechtigung als etwas Selbstverständliches gilt. (ak)