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Große Veränderungen zu 2017
Queere Wahlstudie: Absolute Mehrheit für die Grünen, Union unter fünf Prozent
Würden nur queere Menschen in Deutschland wählen, könnten die Grünen alleine regieren – und Union und AfD wären nicht im Bundestag vertreten. Zwischen Schwulen und Lesben gibt es jedoch Unterschiede.

Viele lange von den Grünen geforderte LGBTI-Projekte, etwa die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben, wurden später auch von anderen Parteien unterstützt (Bild: Twitter / Sven Lehmann)
- 31. August 2021, 09:00h 3 Min.
Politikwissenschaftler*innen der Universitäten in Gießen, Wien und Krems haben am Dienstag eine umfassende LGBTIQ*-Wahlstudie zur Bundestagswahl am 26. September vorgestellt. Dabei handelt es sich um die zweite derartige Umfrage nach 2017 (queer.de berichtete). Wie schon vor vier Jahren waren die Daten von mehr als 5.000 deutschen Wahlberechtigten ausgewertet worden, die einen Online-Fragebogen beantwortet hatten. Die Befragung unter Leitung von Professorin Dorothée de Nève und Niklas Ferch wurde in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) durchgeführt.
Das Ergebnis: Die Grünen können ihre Führungsposition kräftig ausbauen, alle anderen derzeit im Bundestag vertretenen Parteien verlieren Unterstützung. Demnach haben 52,6 Prozent der Befragten eine Präferenz für die Ökopartei. Das entspricht einem Anstieg um 23,6 Prozent gegenüber 2017. An zweiter Stelle landet Die Linke mit 17,4 Prozent (minus 5,2 Prozent), an dritter die SPD mit 9,1 Prozent (minus 12,1 Prozent), gefolgt von der FDP mit 7,1 Prozent (minus 2,4 Prozent). Die Union würde mit 3,2 Prozent unter die Fünf-Prozent-Hürde rutschen (minus 3,7 Prozent). Die AfD unterstützen 2,6 Prozent der queeren Menschen (minus 0,1 Prozent). Alle anderen Parteien kommen auf rund sechs Prozent.

Die Wissenschaftler*innen erklärten jedoch, dass es sich dabei nicht um eine repräsentative Umfrage handele, weil die queere Bevölkerung eine sogenannte Spezialpopulation sei. Das bedeutet, dass schlicht nicht bekannt sei, wie viele queere Menschen es gibt. Beispielsweise können keine ungeouteten Personen gezählt werden, ebensowenig Männer, die zwar an Wochenenden hin und wieder Sex mit Männern haben, sich aber selbst als heterosexuell ansehen. Die Forschenden schätzen die Zahl der queeren Wahlberechtigten in Deutschland auf 1,8 bis drei Millionen Personen.
Viele Unterschiede innerhalb der queeren Community
Im queeren Wahlverhalten gibt es regionale Unterschiede sowie Unterschiede zwischen verschiedenen sexuellen Orientierungen. Konkret sind etwa im Osten die Grünen schwächer (45 Prozent) als im Westen (55 Prozent). Umgekehrt verhält es sich mit den Linken (Ost: 25 Prozent, West: 15 Prozent).
Große Unterschiede gibt es zwischen Schwulen und Lesben: So ist die FDP unter homosexuellen Frauen weit unbeliebter (2 Prozent) als unter Schwulen (11 Prozent). Lesben sind dagegen größere Fans der Grünen (63 Prozent), als es Schwule sind (48 Prozent). Auch Asexuelle, Pansexuelle oder jene, die ihre sexuelle Orientierung anderweitig als queer bezeichnen, haben eine größere Präferenz für die Ökopartei, Bisexuelle sind dagegen etwas größere Anhänger*innen der FDP als der Schnitt. Da sich nur 58 trans Personen an der Umfrage beteiligten, könnten für diese Gruppe "keine tiefergehenden Analysen" vorgelegt werden.

Grund für die Befragung ist, dass die queere Bevölkerung bei konventionellen Wahlstudien nicht berücksichtigt würde. Die LGBTIQ*-Wahlstudie solle "neue Impulse für politische Debatten und natürlich auch für die Politikwissenschaft" geben.
Grüne: "Umfragen sind noch keine Wahlen"
Die Grünen freuten sich über das Ergebnis der Studie. "Den queeren Menschen ist offensichtlich klar, dass Deutschland nach jahrelangem Stillstand einen queerpolitischen Aufbruch braucht", erklärte Sven Lehmann, der queerpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, gegenüber queer.de. "Gerade in den letzten Jahren ist Deutschland in Sachen Gleichberechtigung im internationalen Vergleich zurückgefallen. Dabei gibt es noch so viel zu tun, damit LSBTIQ* sicher, frei und gleichberechtigt leben können."

Sven Lehmann, queerpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
Als "wichtigste Projekte" nannte der Kölner Abgeordnete eine Reform des Transsexuellenrechts, die Abschaffung der Diskriminierung von Regenbogenfamilien, einen nationalen Aktionsplan für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt mit einer Strategie gegen queerfeindliche Hasskriminalität sowie die Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes.
"Wir haben dazu zahlreiche, zusammen mit der Community erarbeitete, Konzepte und sind fest entschlossen, sie endlich umzusetzen", sagte Lehmann. "Umfragen sind aber noch keine Wahlen, deswegen hoffen wir auf eine hohe Wahlbeteiligung der Community. Nur mit starken Grünen in der Bundesregierung wird der queerpolitische Aufbruch gelingen." (dk)
Links zum Thema:
» Weitere Informationen zur LGBTIQ+-Wahlstudie















Hoffentlich geben sich die Grünen einen Ruck und stellen Robert Habeck auf.