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Berlin

"Kannibalen"-Mordprozess: "Ich will schnell raus aus der Welt"

Am sechsten Verhandlungstag gegen einen Berliner Lehrer sagen eine Gerichtsmedizinerin und ein Sexpartner aus.


Die Statue der Justitia am Berliner Landgericht (Bild: Genealogist / wikipedia)

  • 1. September 2021, 08:36h 6 3 Min.

Vor dem Berliner Landgericht ist am Dienstag der Mordprozess gegen den Mathematik- und Chemielehrer Stefan R. aus Pankow weitergegangen. Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft am 6. September 2020 einen 43-jährigen bisexuellen Monteur zur geschlechtlichen Befriedigung getötet und Teile der Körpers verspeist haben. Die Polizei konnte später verstreute Leichenteile sicherstellen, die in einem Berliner Park vergraben worden waren. In der Wohnung des Angeklagten konnten Beamt*innen Knochensäge und Schlachtermesser sicherstellen. Der Beschuldigte schweigt bislang zu den Vorwürfen (queer.de berichtete).

Als Zeuge trat ein 41-Jähriger aus Bremen auf, der wie der Angeklagte als Chemielehrer arbeitet und ihn 2013 in einem Datingportal kennengelernt hatte. Laut "Spiegel" (Bezahlartikel) war dem Zeugen der Auftritt vor Gericht "furchtbar unangenehm". Er gab an, traumatisiert zu sein. Der Richter erklärte jedoch: "Ich kann Ihnen das leider nicht ersparen".

Zeuge betrachtete Tötungsfantasien als "Spiel"

Der Zeuge berichtete, dass er von Anfang an mit dem Angeklagten Tötungsfantasien ausgetauscht habe, betonte aber, dass dies nur "ein Spiel" gewesen sei. Er soll dem Angeklagten unter anderem "Ich will schnell raus aus der Welt" geschrieben haben. Er habe den Angeklagten auch mehrfach getroffen und sich von ihm freiwillig mit K.o.-Tropfen betäuben lassen. Stefan R. habe dann Fotos gemacht, wie er etwa die Genitalien des Betäubten abgebunden habe. Auch das Abschneiden des Penis habe der Angeklagte simuliert. In Chats habe der Angeklagte konkrete Tötungsfantasien erläutert – etwa, dass er dem Gegenüber die Kehle durchschneiden, ihn ausbluten lassen und dann Leichenteile vergraben wolle.

Ein geplantes Treffen am 11. September 2020 habe der Zeuge abgesagt, weil er kalte Füße bekommen habe. Fünf Tage vorher soll der Angeklagte die Tat an dem bisexuellen Monteur verübt haben. Im Oktober habe der Zeuge den Angeklagten jedoch erneut getroffen. Laut "Spiegel" habe der Zeuge vor dem Prozess bei der Polizei ausgesagt, dass er nicht damit klarkomme, mit einem Mann intim geworden zu sein, der wenige Wochen zuvor einen anderen Menschen umgebracht habe. Der Ehemann des Zeugen habe von diesen Treffen nichts gewusst.

Körperteile nach Tod "scharfkantig abgetrennt"

Außerdem sagte laut B.Z. eine Gerichtsmedizinerin im Prozess aus. Sie habe nach der Untersuchung des Torsos des Getöteten nicht feststellen können, wie der Mann gestorben sei – sie habe weder Spuren von Gewalt noch von Abwehrverletzungen gefunden. Beine, Kopf und Penis seien nach dem Tod "scharfkantig abgetrennt" worden. Der Penis wurde bis heute nicht gefunden – die Expertin schloss aus, dass sich ein Tier an dem Genital des Opfers zu schaffen gemacht hatte. Das deute laut Staatsanwaltschaft auf Kannibalismus hin.

Für den Prozess sind insgesamt 18 Verhandlungstage bis Mitte Oktober geplant. Das Berliner Mordverfahren erinnert an ein spektakuläres Verbrechen in Hessen aus dem Jahr 2001, das als Fall des "Kannibalen von Rotenburg" bekannt geworden ist – damals hatte ein Computertechniker einen Ingenieur auf dessen ausdrückliches Verlangen zunächst den Penis abgeschnitten, ihn dann erstochen und Teile der Leiche aufgegessen. Der 1961 geborene Angeklagte wurde wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. (cw)

#1 LotiAnonym
  • 01.09.2021, 11:32h
  • Die Verfilmung vom Kannibal von Rotenburg liegt bei mir zuhause nur rum. Ich mag es mir nicht mitansehen. Es geht einfach über die Gefühlsgrenze hinaus.
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#2 StaffelbergblickAnonym
#3 AgnostikerbaerAnonym
  • 01.09.2021, 14:14h
  • Ein Beispiel dafür, dass es ganz offensichtlich auch "dunkle Seiten" von Sexualität gibt. Als "weißer, alter Mann" (Jahrgang 1956, weißer Bart) kann ich mich noch gut an die Aufbruchzeit Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre erinnern. Damals herrschte eine völlig andere gesellschaftliche Situation, und meine Generation zog (zunächst einmal zu Recht!) gegen die "Sexualunterdrückung" zu Felde. Heute - nach einigen Jahrzehnten "repressiver Entsublimierung" und Verwarenförmigung von Sexualität - fällt es mir hier mitunter auf, wie problematische Seiten von Sexualität nach wie vor abgefeiert werden. Glücklicherweise ist das in diesem Fall nicht so.
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