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Staatshomophobie

Russland: Theateraufführung simuliert Ermordung von "Schwuchtel"

Bereits als Schüler werden russische Jungs auf Militarismus und Nationalismus eingeschworen: Die homophobe Theater-Vorführung eines derartigen Militärsportvereins führt nun zu Diskussionen.


Homo-Hass wird in Russland bereits in der militärischen Erziehung groß geschrieben (Bild: Facebook / yarbibika)

In der Theater-Aufführung eines lokalen Militärsportvereins für Jugendliche in Jaroslawl, einer rund 300 Kilometer nordöstlich von Moskau gelegenen Großstadt, haben junge Männer am Sonntag die Ermordung eines schwulen Mannes simuliert. Wie 76.ru berichtet, hätten die Theater-Darsteller in militärischen Uniformen einen oberkörperfreien Darsteller in die Höhe gehoben, eine Betonblock-Requisite auf seinen Bauch gelegt und diese dann mit einem Vorschlaghammer zertrümmert. Der Block enthielt die russischsprachige Aufschrift "Tod den Schwuchteln".

Vereinschef Andrej Palatschjow erklärte, er finde nichts Negatives an dieser Darstellung: "Wo ist das Problem? Die mögen einfach keine Schwuchteln. Und ich auch nicht." Igor Derbin, der Chef des "Kulturpalastes", in dem die Aufführung stattfand, zeigte sich aber außer sich: "Das sollte eigentlich eine schöne und fröhliche Veranstaltung werden." Hätte das Veranstaltungshaus zuvor von dieser Darstellung gewusst, hätte es diese nicht erlaubt.

Auch aus der Politik kommen Reaktionen. So erklärte der russische Duma-Abgeordnete Witali Milonow, ein extrem homophober Politiker der Putin-Partei "Einiges Russland": "Ich bin dagegen, wenn Kinder in solche radikale Polemik gezogen werden." Der 47-Jährige aus Sankt Petersburg fuhr fort: "Aber was man wissen muss, ist, dass Sodomiten die Gesellschaft moralisch deformieren."

"Beste militärische Traditionen"

Olga Chitrowa, eine putintreue Abgeordnete des Regionalparlaments, veröffentlichte auf Facebook Bilder der Theatervorführung und dankte Vereinschef Palatschjow "für seine jahrelange Arbeit mit Jugendlichen" und für seine "Loyalität gegenüber den besten militärischen Traditionen sowie für die Liebe zum Mutterland".

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Posted by ????? ??????? on Sunday, August 29, 2021
Facebook / olgaborod
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In Russland ist Homosexuellenfeindlichkeit praktisch Staatsdoktrin, obwohl das Land nach 1992 die Strafbarkeit von gleichgeschlechtlicher Liebe abschaffte. Seit 2013 gibt es aber das Gesetz gegen "Homo-Propaganda", das die Sichtbarkeit von LGBTI unter Strafe stellt. Die Auswirkungen des Gesetzes sind tagtäglich spürbar: So wurde etwa fast zeitgleich zur homophoben Aufführung in Jaroslaw ein Literaturfestival im südlich von Moskau gelegenen Verwaltungsbezirk Tula abgesagt, offenbar weil mit Oksana Wasjakina eine lesbische Poetin teilnehmen sollte. Laut Feministin Daria Serenko hätten "orthodoxe Aktivist*innen" versucht, die Ausladung Wasjakinas zu erwirken: "Als dies nicht geklappt hat, haben sie halt das gesamte Festival abgesagt".

Hass auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten darf dagegen frei verbreitet werden. So hatte das staatlich kontrollierte russische Fernsehen etwa Stimmung gegen queere Sportler*innen bei den Olympischen Spielen in Tokio gemacht. Sogar das sonst wenig politische IOC verurteilte die Hass-Attacken (queer.de berichtete).

In Deutschland wird die LGBTI-Feindlichkeit des russischen Regimes von radikalen Linken und Rechten immer wieder geleugnet. So behauptete der Bundestagsabgeordnete Alexander Neu (Die Linke) vergangenes Jahr, dass die "deutsche Provinz" praktisch genau so homophob sei wie Russland (queer.de berichtete). (dk)



#1 Ralph-EliAnonym
  • 02.09.2021, 13:19h
  • Also habe ich das richtig verstanden.
    Wenn man in Russland eine bestimmte Gruppe nicht mag, darf man diese töten und niemand darf sich darüber beschweren.

    Man stelle sich mal vor:
    Die Deutschen würden die Russen hassen und umbringen und diskriminieren. Da würde doch Russland und der" ach so tolle Putin der ja Russland zur Welt und Wirtschafsmacht gemacht hat" gleich wieder Deutschland beleidigen. Russland bzw. die Politik dort sagt schon alles aus. Aber wenn die wieder Gekd von Deutschland oder der EU brauchen dann kann man eine Woche mal nett sein.
    Die EU sollte endlich Russland links liegen lassen wir brauchen die nicht aber die uns.
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#2 michael008Profil
  • 02.09.2021, 13:24hDüsseldorf
  • Ekelhaft. Da soll man Verständnis für russische Befindlichkeiten haben.
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#3 SakanaAnonym
  • 02.09.2021, 13:40h
  • Antwort auf #1 von Ralph-Eli
  • Russland links liegen zu lassen, bedeutete aber auch, dass es keine humanitären Visa und Asylverfahren für verfolgte russische Queers* mehr gäbe und die Queers* dort in noch größere Verzweiflung durch den Staat getrieben würden....

    Selbiges gilt für die Queers* in Afghanistan...manchmal muss man mit den schlimmsten Schlächtern kooperieren, um verfolgten Menschen einen Fluchtweg zu ermöglichen.
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#4 Gemeiner_HaiProfil
  • 02.09.2021, 13:59h
  • Wobei ich einen Alexander Neu jetzt nicht unbedingt als radikalen Linken bezeichnen würde - da fielen mir etwas andere Namen ein. Und für seine Partei gilt das noch viel weniger - allein schon deshalb, weil von einer einheitlichen Partei schwerlich die Rede sein kann.

    Was mich betrifft - der ich definitiv ein radikaler Linker bin: Dass es in Russland staatlich geduldete und geförderte Schwulenfeindlichkeit gibt, kann man kaum leugnen. Phänomene wie die im Artikel geschilderten sind skandalös, noch schlimmer sind die positiven Stellungnahmen dazu. Das Einzige, das mich dabei etwas stört, ist diese massenmediale Beschränkung auf Russland. In weiten Teilen Osteuropas herrschen sehr ähnliche Verhältnisse, die Politik und Massenmedien aber nirgends so interessieren wie in Russland. Ungarn erfährt gerade noch etwas kritische Aufmerksamkeit, aber schon über klerikale Hassprediger und marodierende Rechtsradikale in Polen oder der Ukraine hört man weitaus weniger. Aber aus westlicher Perspektive sind das ja frei nach Roosevelt "unsere Hurensöhne".

    LGBTQ-Feindlichkeit ist ein Skandal und muss bekämpft werden. Aber eben nicht nur in Russland oder jenen Staaten, die auf der Feindesliste des Westens stehen, sondern grundsätzlich und überall. Man wird der Problematik nicht gerecht, wenn man sie für geopolitische Rivalitäten instrumentalisiert.
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#5 LegatEhemaliges Profil
#6 michael008Profil
  • 02.09.2021, 14:47hDüsseldorf
  • Antwort auf #4 von Gemeiner_Hai
  • Dass man nicht einseitig nach Russland schauen sollte, da gebe ich Dir durchaus Recht.
    Russland war allerdings der Vorreiter für Brechreiz erzeugende Gesetze wie das Homo-Propaganda-Gesetz und daher auch großes Vorbild für die von Dir genannten Kandidaten innerhalb der EU.
    Darüber hinaus habe ich nicht den Eindruck dass in den Medien und in der öffentlichen Diskussion die LGBTI*-Feindlichkeit Russlands mehr thematisiert wird, als die Selbige Ungarns und Polens.
    Nebenbei is LGBTI*-Feindlichkeit beileibe nicht das einzige Problem, das einem die Freude an Russland vergällt.
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#7 Gemeiner_HaiProfil
  • 02.09.2021, 15:10h
  • Antwort auf #6 von michael008
  • Ja, keine Frage. Putins Russland ist ein konservativ-reaktionärer, nationalistischer und nicht zuletzt wirtschaftsliberaler Staat. Das Einzige, das ich Putin innenpolitisch zugutehalte, ist, dass das Erbe der Sowjetunion anders als im übrigen Osteuropa nicht entsorgt oder gar kriminalisiert wurde. Wobei das auch weniger eine politische Aussage ist, sondern wiederum mehr im Einklang mit nationalistischem Denken steht. Aus Putins Perspektive war die Sowjetunion einfach ein weiteres russisches Großreich. Es hat schon seinen Grund, dass die politische Linke Russlands - in Teilen und zunehmend sogar die KPRF - das System Putin überwinden möchte. Es gibt wenig, das man Putin zugutehalten könnte. Es ist halt nur eine bisweilen festzustellende Einseitigkeit, die mich dabei stört (wobei ich damit niemanden hier meine).

    Vielleicht ist es auch nur mein subjektives Empfinden - aber ich habe schon den Eindruck, dass über Polen und vor allem die Ukraine kaum gesprochen wird in dieser Hinsicht. Ukrainische Nationalisten hören das nicht gerne, aber die Ukraine und Russland sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich - so auch in dieser. Oder wenn wir in andere Weltregionen schauen: Was den Iran betrifft, werden die "Schwulen an Baukränen", auf die die Berichterstattung gerne verengt wird, immer mal wieder skandalisiert - je nachdem, wie die geopolitische Wetterlage gerade aussieht. Die Zustände in Katar hingegen werden von (sport-)politischer Seite gerne mal mit Verweis auf angebliche "Bemühungen" und "Fortschritte" abgebügelt - sofern sie nicht rundheraus geleugnet werden. Ich stelle da schon eine gewisse Doppelmoral entlang des Freund-Feind-Schemas fest.
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#8 SakanaAnonym
  • 02.09.2021, 15:26h
  • Hab das ganze nochmal transkribiert.

    Smert' pidorami, also "Tod den Schwuchteln" steht da wohl in Gänze auf dem Photo. Das ist ne ziemlich üble homophobe Message und ist die erste Stufe zur Entmenschlichung und Vernichtung einer nicht genehmen gesellschaftlichen Gruppe (genauso wie das Framing der "nicht-traditionellen Beziehungen").

    Wenn so eine Denke schon im Militär verankert ist, siehts für die anderen Teile der Gesellschaft noch übler aus. In dem Zusammenhang kann ich das Video des Channels "1420" zur Position russischer Jugendlicher zu LSBTTIQ* empfehlen.

    www.youtube.com/watch?v=qiTshh0KhPk

    Viel Schatten, aber auch manchmal etwas Licht.
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#9 LotiAnonym
#10 LegatEhemaliges Profil