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Cancel Culture

China verbannt "verweichlichte" Männer aus TV

Die Volksrepublik verbietet bereits die Darstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen im Fernsehen. Jetzt will das Regime allen nicht-traditionellen Männlichkeitsvorstellungen einen Riegel vorschieben.


Boybands wie Uniq sind den Machthabern in Peking nicht männlich genug

Die Nationale Radio- und Fernsehbehörde Chinas (NRTA) hat die TV-Zensur verschärft: Künftig sollen nach dem Willen der Regierenden nur noch Männer mit eindeutig maskuliner Ausstrahlung im Fernsehen zu sehen sein. Die Sender müssten laut einer neuen Anordnung "verweichlichten Männern und anderer abnormer Ästhetik entschlossen ein Ende bereiten". In dem Text wurde das Schimpfwort "Niang Pao" verwendet, das wörtlich "Mädchenpistolen" bedeutet und mit dem deutschen Wort Weichei übersetzt werden kann.

"Patriotisches, tugendhaftes und künstlerisches Ethos" sei künftig Pflicht im TV. Insbesondere in Kulturprogrammen müsse auf die Auswahl der Gäste geachtet werden.

Anlass ist, dass insbesondere südkoreanische und japanische Boybands die Ästhetik von chinesischen Sängern und Schauspielern beeinflusst. In den letzten Jahren feierten mehrere chinesische Musikgruppen große Erfolge, die sich an den ausländischen Vorbildern orientieren. Dazu zählen Bands wie TFBoys, Uniq, Super Junior-M and Exo-M.

Politik will "männliche" Vorbilder, um Geburtenrate zu steigern

Ein weiterer Anlass für diese Zensur sind offenbar sinkende Geburtenraten in der Volksrepublik. Die Behörden erklärten, dass "männliche" Vorbilder die Chinesen dazu animieren könnten, Kinder zu zeugen. Immer wieder kritisierten Politiker in den letzten Jahren männliche Stars, die sich schminken und nicht den traditionellen Geschlechterklischees entsprechen.

Bereits 2016 hatten die Behörden die Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe im Fernsehen verboten (queer.de berichtete). Dies führt dazu, dass aus westlichen Sendungen offen schwule Männer herausgeschnitten werden. Im Mai entfernte ein chinesischer Fernsehsender etwa eine Szene mit dem deutschen Entertainer Riccardo Simonetti aus dem amerikanischen TV-Special "Friends: The Reunion". Simonetti hatte gesagt, dass er als schwuler Mann in seiner Jugend gerne Haare wie "Friends"-Schauspielerin Jennifer Anniston gehabt hätte (queer.de berichtete).

Auch Castingshows und "böse Werte" verboten

Die neuen TV-Regeln schränkt auch in anderen Bereichen die Freiheit der Fernsehsender ein. So dürften diese keine Realityshows – etwa wie die populären Gesangscastings – mehr zeigen. Stars müssten außerdem künftig "die korrekten politischen Werte vertreten" und "böse Werte" kritisieren.

Hintergrund der Aktion ist die von Staats- und Parteichef Xi Jinping betriebene "nationale Erneuerung". Ziel ist es, die moderne Unterhaltungsindustrie zurückzudrängen und stattdessen "die chinesische traditionelle Kultur, die revolutionäre Kultur und die fortgeschrittene sozialistische Kultur zu fördern". (dk)



#1 KopfschüttelAnonym
  • 03.09.2021, 11:34h
  • "Ein weiterer Anlass für diese Zensur sind offenbar sinkende Geburtenraten in der Volksrepublik. Die Behörden erklärten, dass "männliche" Vorbilder die Chinesen dazu animieren könnten, Kinder zu zeugen. Immer wieder kritisierten Politiker in den letzten Jahren männliche Stars, die sich schminken und nicht den traditionellen Geschlechterklischees entsprechen."

    Da kann man nur noch den Kopf schütteln.
    Erst die Ein-Kind-Politik, die dazu geführt hat, dass Mädchen abgetrieben werden, da man sich lieber einen Sohn wünscht, was zu einem Mangel an Frauen geführt hat.
    Viele Männer gehen leer aus und finden keine Frau, haben aber gefälligst heterosexuell zu sein.
    Jetzt das und wahrscheinlich die Panik, dass man ausstirbt. Als ob die Geburtenrate sinkt, wenn frau nun 2 Kinder haben darf, aber nicht jeder heterosexuell ist.
    Die spinnen...
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#2 SakanaAnonym
  • 03.09.2021, 11:50h
  • Antwort auf #1 von Kopfschüttel
  • Der Staatsrat hat unlängst ein Gesetz eingebracht, dass die chinesische Familie in Zukunft bitte doch drei Kinder haben sollte. Parallel dazu wird eine Mietendeckelung in den Großstädten eingeführt (max 5% Mietsteigerung in einem Jahr, nur noch eine Kaltmiete statt drei als Kaution), um die Leute irgendwie zur Bevölkerungssteigerung zu ermutigen, weil China zunehmend vergreist ob der fehlgeschlagenen Ein-Kind-Politik.

    Das Verbot an sich ist ziemlich dämlich und homophob, weil sich das Männlichkeitsbild der Idols eher an dem traditioneller chinesischer Männer der vergangenen Dynastien orientiert als an dem KP-Einheitsgrau, was den rußverschmierten heterosexuellen Cis-Mann in das Zentrum des ideologischen Interesses stellt. Zudem gibt es sehr stilvolle Ausdrücke im Chinesischen, um mann-männliche Liebe zu beschreiben wie "duan xiu zhi pi" (Die Leute des abgeschnittenen Ärmels) oder "ban tao zhi pi" (Die Leute des halben Pfirsichs), die auf Erzählungen von Kaisern und ihren männlichen Liebhabern zurückgehen.

    So gesehen ist das Verbot der Homosexualität und der Idols im chinesischen Fernsehen sehr kontraproduktiv.
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#3 thorium222Profil
  • 03.09.2021, 11:59hMr
  • Meine Fresse, wie strunzdumm kann man sein. Als ob "verweichlichte Männer" im Fernsehen irgendeinen Einfluss auf die Geburtenrate hätten. Da spielen offensichtlich ganz andere Dinge eine Rolle! Das kommt halt dabei raus, wenn einer allein das Sagen hat. Da kann der Diktator halt auch absolute Idiotie druchdrücken, wenn er vollkommen auf dem falschen Dampfer ist.
    Tragisch-dumm.
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#4 _hh_Anonym
  • 03.09.2021, 12:02h
  • Das mit der Förderung der "chinesischen traditionellen Kultur" wäre sehr komisch, wenn das Ganze nicht so scheußlich wäre. Ein fester Bestandteil der traditionellen Kultur Chinas sind schließlich männliche Schauspieler, die Frauenrollen spielten und daneben früher, vor Gründung der "Volksrepublik", auch als eine Art männliche Kurtisanen für Kunden aus der Oberschicht tätig waren. Wenn die chinesische Regierung das konsequent durchzieht, dürften im Fernsehen keine Peking-Opern mehr gezeigt werden oder nur in gendermäßig "bereinigter" Besetzung. Der Film "Lebewohl, meine Konkubine" ist ja wohl in dem Land, in dem er spielt, sowieso längst verboten.
    Gruselig, wohin sich das Land entwickelt, samt digitaler Totalüberwachung des Alltags. Mit Sozialismus hat das selbstverständlich nichts zu tun. China ist vielmehr ein Musterbeispiel, dass ein knallhart kapitalistisches Land sehr gut ohne demokratische Freiheiten existieren kann (anders als Neoliberale uns weismachen wollen).
    Interessant wäre, was das chinesische Regime von "maskulinen" Frauen hält, auch da gibts kulturelle Traditionen, vor und nach der Revolution von 1949. Gibts da nun auch eine Renaissance der traditionellen Mutterrolle?
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#5 antosProfil
#6 GirlygirlEhemaliges Profil
  • 03.09.2021, 13:13h
  • Antwort auf #4 von _hh_
  • Genau wie das antike Griechenland, Rom, Persien und auch Osmanisches Reich, war das antike China sehr frauenfeindlich. Das was du beschreibst ist kein Beispiel für Toleranz gegenüber Schwulen, sondern eine tiefe Verachtung gegenüber Frauen. Eine Gesellschaft die Frauen verachtet kann bestenfalls eine Minderheit von reichen privilegierten Schwulen tolerieren.
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#7 EnstsetzenAnonym
  • 03.09.2021, 13:42h
  • China ist ist unter diesem Regime ein äußerst gefährliches Land.
    Gefährlich für uns Alle, nicht nur für LBGTIQ*.
    Dieses Regime, dem wir im Westen durch unsere Geldgier und eingebildete Überlegenheit den Aufstieg erst ermöglicht haben, wird in sehr kurzer Zeit nicht nur wirtschaftlich und militärisch sondern auch kulturell das Heft in der Welt in der Hand halten.
    Von den Menschen dort ist kein Widerstand zu erwarten.
    Zu groß ist deren Zufriedenheit mit dem erreichten Wohlstand. Da interessiert die Wenigsten die Freiheit.
    Die Wenigen, die es interessiert, werden konsequent eingesperrt.
    Unsere Politiker zucken allesamt nur mit den Achseln.
    Zu spät ist es eh für die Möglichkeit der ernsthaften Intervention
    China ist, gesamt gehen, noch deutlich gefährlicher als Russland. Einer der ganz wenigen Situationen wo Donald Trump zumindest den richtigen Gegner ausgemacht hat.
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#8 Sukram712Anonym
  • 03.09.2021, 13:55h
  • Bei der Töchter der Freundin meines Mannes hängen immer Poster von asiatischen bzw koreanischen Boygroups an der Wand, wo ich immer fragen muss, ob das Männlein oder Weiblein sind... :)
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#9 StaffelbergblickAnonym
  • 03.09.2021, 14:05h
  • na das wird höchst interessant ... wenn China pro Familie 3 Kinder in die Welt setzen soll. Dann steigt aber der Ressourcenverbrauch gewaltig. Und China ist momentan CO2 mässig immer noch eine gewaltige Dreckschleuder.
    Aber möglicherweise braucht China einfach mehr "richtige Kerl" zum Ausbau seiner neuen Seidenstrasse??? Afghanistan und Taliban haben schon Kontakte aufgenommen, China sich bereits eingekauft.
    Und diese neuerliche Attacke gegen "verweichlichte" Männer ist alles andere als neu: Während der Hochphase von Disco kam aus Peking die Verordnung im Lande Discomusik zu verbieten, weil die schwul macht.
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#10 StaffelbergblickAnonym
  • 03.09.2021, 14:14h
  • Antwort auf #7 von Enstsetzen
  • Stimmt ... an vielem sind wir selbst schuld. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Siemens ICE-Züge nach China verkaufte. Die Chinesen war erst verhandlungsbereit, als Siemens sämtliche Forschungsgrundlagen offenbarte. Interessant in diesem Zusammenhang Huawei als Weltmarktunternehmen bei der Telekommunikationstechnologie. Während bei uns noch über G4 mit Netzlöchern diskutiert wird, AFD gegen den Ausbau von G5 ist (zumindest in meiner Region) wird dort bereits G6 beforscht und ausgebaut ...
    Wir bekommen einfach unseren Arsch nicht hoch ... (aber nichts gegen einen gepflegten Analverkehr ;-) )
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