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Nadja Moster

Trans Radsportlerin von "Kameltreiber"-Entgleisung ihres Bruders nicht überrascht

Der Bruder von Nadja Moster beleidigte afrikanische Radfahrer bei den Olympischen Spielen mit einem rassistischen Ausdruck. Nadja Moster wundert sich nicht darüber: Auch auf ihre Transsexualität hatte der Radsporttrainer abweisend reagiert.


Nadja Moster erlebte nach ihrem Coming-out als trans Ablehnung durch ihren Bruder (Bild: Facebook / Nadja Moster)

Nadja Moster, die Schwester des deutschen Radsporttrainers Patrick Moster, hat sich in einem am Donnerstag veröffentlichten "Spiegel"-Interview (Bezahlartikel) wenig überrascht über einen rassistischen Ausbruch ihres Bruders bei den Olympischen Spielen in Tokio gezeigt. "Ich finde, Patrick hat sein wahres Gesicht gezeigt. Es fällt ihm leicht, abzuwerten und zu diskriminieren", so die 51-jährige Radsportlerin.

Der Zwischenfall hatte Ende Juli international für Schlagzeilen gesorgt: Patrick Moster hatte beim Zeitfahren der Männer den Radfahrer Nikias Arndt mit den Worten "Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber! Komm!" angefeuert. Damit sollte Arndt angespornt werden, die vor ihm liegenden Fahrer aus Eritrea und Algerien einzuholen. Der rassistische Ausbruch war in der TV-Übertragung zu hören – und wurde zum Skandal. Der Deutsche Olympische Sportbund schickte den Trainer einen Tag nach dem Vorfall nach Hause. Später sperrte ihn der Radsport-Weltverband UCI bis Ende des Jahres.

Twitter / DLF_Sport | In aller Welt berichteten Zeitungen über den rassistischen Ausbruch. Der Zwischenfall beschädigte international das Image des deutschen Sports

Im Interview erklärte Nadja Moster, dass sich ihr Bruder "mit meiner Vergangenheit schwertut". Konkret sagte sie: "Patrick und meine Eltern haben mich für verrückt erklärt. Ich war ja auch verheiratet und habe drei Kinder. Das war alles nicht einfach. Nachdem ich mich 2010 geoutet habe, hatte ich fünf Jahre keinen Kontakt mit meinen Eltern." Erst 2015 habe sie auf Vermittlung ihres Bruders wieder Weihnachten mit ihrer Familie gefeiert.

"Wie kann man so etwas sagen?"

"Wirklich Verständnis" für ihre Lage habe er aber nicht aufgebracht: "Ich habe zum Beispiel mehrere Selbstmordversuche unternommen. Da sagte er zu mir, ich hätte einfach nicht den Mut, mich umzubringen. Wie kann man so etwas sagen? Ich war vorher in der Klinik. Da haben Sie mir beigebracht, ich sei mutig, weil ich meinen Weg trotz Widerständen gehe."

Ihre Sportkollegen seien toleranter gewesen: "Die meisten Radsportler sind sehr positiv damit umgegangen. Das hat mich überrascht." Vereinzelt habe es aber auch in diesem Umfeld Ablehnung wegen ihrer Geschlechtsidentität gegeben.

Nach einer langen sportlichen Pause fährt Nadja Moster seit 2019 in der Frauen-Bundesliga. Sie weist Vorwürfe zurück, dass ihre Teilnahme unfair sei: "In Wirklichkeit muss ich noch mehr trainieren, weil ich keine Testosteronquelle mehr habe. Ich kann aber vieles ausgleichen durch Können und Erfahrung." (dk)

Hilfsangebote bei Suizidgedanken

Eine generelle Notfall-Seelsorge für Menschen mit Suizidgedanken ist unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 zu erreichen (für Kinder und Jugendliche gibt es auch die kostenlose "Nummer gegen Kummer" unter 116 111).

Für Kinder und Jugendliche, die in Deutschland Schwierigkeiten rund um ihr Coming-out haben, gibt es zahlreiche LGBTI-Jugendgruppen und -zentren, die ebenso Beratung bieten wie Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten. Auch mehrere Webseiten, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda, richten sich gezielt an junge Schwule und Lesben.