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Synodaler Weg

Die katholische Kirche in Deutschland will queerfreundlicher werden

Ein neues Papier der katholischen Kirche in Deutschland erklärt, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht mehr per se inakzeptabel seien. Konservative laufen Sturm gegen die Reform.


In Deutschland setzen sich viele in der katholischen Kirche dafür ein, auf queere Menschen zuzugehen

Die deutsche katholische Kirche hat sich auf Vorschläge für die neue Sexualmoral geeinigt, in der sexuell aktive Schwule und Lesben oder trans Personen nicht mehr grundsätzlich wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verurteilt werden. Das Papier (PDF) ist im Rahmen des Synodalen Weges entstanden, eines seit 2019 vom der Deutsche Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisierten Gesprächsformats. Über den Entwurf soll bei einer Ende September starteten Synodalversammlung in Frankfurt am Main diskutiert und abgestimmt werden.

Insgesamt enthält "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" zehn Beschlussvorlagen (sogenannte Voten). Laut der "Katholischen Nachrichtenagentur" wird erwartet, dass es dafür eine Mehrheit gibt. Das würde einen "Meilenstein in der Entwicklung der katholischen Moraltheologie" darstellen.

"Verantwortlich gelebte Sexualität" auf für Schwule und Lesben okay

In dem Text wird gleichgeschlechtliche Liebe nicht mehr grundsätzlich als negativ dargestellt, wie es bislang in der katholischen Doktrin üblich ist. Vielmehr heißt es: "Die Grundsätze und Kriterien einer christlich gelebten Sexualität – Achtung der Selbstbestimmung und verantwortlich gelebte Sexualität sowie Treue, Dauerhaftigkeit, Ausschließlichkeit und Verantwortung füreinander in Beziehungen – gelten auch für homosexuelle Menschen." Ferner dürften gleichgeschlechtliche Paare, die sich "auf das Wagnis eines unzerbrüchlich gemeinsamen Lebensweges einlassen wollen", auf den Segen der Kirche hoffen.

Freilich scheint dies schwierig, da Papst Franziskus erst im März diesen Jahres das Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare bekräftigt hatte (queer.de berichtete). Und gegen den Willen des Vatikans darf die deutsche Kirche keine Veränderung der katholischen Praxis umsetzen. Das trifft übrigens auch für weitere Forderungen des Synodalen Wegs zu – beispielsweise, dass schwule Männer Priester werden dürfen ("Homosexualität ist kein Ausschlusskriterium für den Zugang zu Weiheämtern"). Dieses Verbot ist aber ebenfalls von Papst Franziskus bekräftigt worden (queer.de berichtete). Auch die Forderung nach Anerkennung von trans Menschen widerspricht Franziskus' Ansichten, wonach Geschlechtsanpassungen grundsätzlich eine gefährliche "Manipulation" seien (queer.de berichtete). Zudem hat sich der Papst laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" erst diese Woche in einem spanischen Radiosender skeptisch über den deutschen Reformprozess geäußert.

Widerstand von Homo-Gegnern wie Bischof Voderholzer

Zudem machen derzeit homosexuellenfeindliche Führungspersönlichkeiten in der deutschen Kirche Stimmung gegen die Reformbemühungen: So startete der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, ein erbitterter Gegner der Anerkennung Schwuler und Lesben durch die Kirche, am Freitag die Internetseite synodale-beitraege.de, die unter anderem die Minderwertigkeit homosexueller Beziehungen betont. Dort heißt es etwa in einer "Argumentationshilfe", dass "praktizierte Homosexualität" laut der Bibel immer eine "Sünde" sei – und gleichgeschlechtliche Paare damit einer Segnung nicht würdig seien.

Auch das Reformpapier des Synodalen Wegs geht nur einen mittelgroßen Schritt auf gleichgeschlechtliche Paare zu. So wird darin etwa betont, dass die katholische Kirche weiterhin keine gleichgeschlechtlichen Eheschließungen zulassen werde – anders als die evangelische Kirche in Deutschland, in der dies inzwischen in den meisten Landeskirchen möglich ist.

Trotzdem enthält das Papier viele Punkte, die zwar gesellschaftlich schon weitgehend akzeptiert sind, aber in der katholischen Kirche bislang verteufelt oder tabuisiert worden sind. So wird die Selbstbefriedigung positiv bewertet ("Für alle Menschen kann die selbststimulierte lustvolle Erfahrung des eigenen Körpers ein wichtiger Baustein der Annahme ihrer selbst sein"). Zudem billigt der Entwurf gleichgeschlechtlichen Paaren die Befähigung zur Erziehung von Nachwuchs zu ("Zweifellos besitzen auch gleichgeschlechtliche und weitere Paare, die zwar kein neues Leben zeugen können, aber Kinder aufziehen, das Potenzial für ein Leben, das auch in dieser Hinsicht fruchtbar ist").

Sollte das Papier wirklich beschlossen werden, würde die deutsche Kirche den Papst bitten, die Neubewertung "zu prüfen und aufzugreifen". Dann müsste Franziskus Farbe bekennen: Will der Vatikan weiter daran festhalten, dass gleichgeschlechtliche Liebe grundsätzlich schlecht ist und schwuler Männer als Priester grundsätzlich nicht vertrauenswürdig? Oder will er entscheiden, dass Homosexuelle gleichwertig wie Heterosexuelle sind?


Gegen Papst Franziskus läuft in der katholischen Kirche nichts (Bild: Long Thiên / flickr)

Für Franziskus könnte ein entscheidendes (weltliches) Argument gegen eine offene Haltung gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten sprechen: Die katholische Kirche schrumpft in LGBTI-freundlichen Ländern Europas, in homophoben Staaten Afrikas und Asiens wächst sie jedoch teilweise rasant – und dort gehört Hass gegen queere Menschen sowohl in großen Teilen der Bevölkerung als auch bei katholischen Bischöfen oft zum guten Ton. Beispielsweise protestierte die katholische Bischofskonferenz im zentralafrikanischen Gabun erst letztes Jahr dagegen, dass das Parlament Homosexualität nicht mehr mit Gefängnis bestrafen wollte (queer.de berichtete). Sollte Franziskus queerfreundlich werden, könnte die Kirche in diesen Ländern mehr Anhänger*innen verlieren, als sie in Europa gewinnen könnte.

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#1 MagsAnonym
  • 03.09.2021, 17:03h
  • Also mir persönlich ist ja ziemlich egal ob der Papst mich toll findet oder nicht. Für gläubige queers wäre es natürlich gut wenn sich endlich etwas ändern würde, alleine mir fehlt der Glaube. Und die radikalen Christen wird es immer geben, ob das jetzt von oben gut geheißen wird oder eben nicht. Vielleicht hilft ja ein Gutachter weiter...
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#2 KaiJAnonym
  • 03.09.2021, 17:37h
  • "Und gegen den Willen des Vatikans darf die deutsche Kirche keine Veränderung der katholischen Praxis umsetzen".

    Ein Beleg für diese Behauptung ist wohl nicht beizubringen. Auch wenn irgendetwas alles in einem Staatvertrag zwischen Deutschland und dem Vatikan belegen soll. Da müsste trotzdem das GG höher stehen, das die Sexualität als Menschenrecht über den Glauben stellt und die deutsche Kirche sich auch nur so verhalten dürfen müsste.
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#3 Sven100Anonym
  • 03.09.2021, 17:43h
  • -Die deutschen Bischöfe werden mehrheitlich dem Entwurf zustimmen.
    - Dann wird der Vatikan alles wieder verbieten.
    - Die deutschen Bischöfe werden sagen können: "Wir wollten es ja, aber gegen Rom kommen auch wir nicht an."

    - Also bleibt alles beim Alten.
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#4 PetterAnonym
  • 03.09.2021, 17:44h
  • 1.
    Wenn man jahrelang, jahrzehntelang, jahrhundertelang aufs Übelste hetzt, verleumdet, herabwürdigt, diskriminiert und runtermacht, dann ist es absolut unglaubwürdig, wenn man dann erst seine Meinung ändert, nachdem einem die Schäfchen in Scharen wegrennen.

    Die fressen Kreide, um den Schaden zu begrenzen und ihre Macht und ihr Einkommen zu retten.

    2.
    Solange das nur regional ist und nicht überall auf der Welt, ist das eh unglaubwürdig. Es ist keine Kunst, sich für etwas "einzusetzen", womit man eh offene Türen einrennt. Erst wenn die sich auch dort für LGBTI einsetzen, wo sie damit auch mal auf Widerstände treffen (z.B. Polen, Afrika, Asien) ist das glaubwürdig.

    3.
    Solange sie nicht die Ehe öffnen, ist das keine Gleichstellung. Nur etwas weniger zu diskriminieren ist weiterhin Diskriminierung. Denn alles, was nicht 100% Gleichstellung ist, ist per definition Diskriminierung.

    4.
    Selbst wenn sie das alles tun würde, würde das niemals das Leid und Elend ungeschehen machen, dass sie jahrhundertelang über die Welt gebracht haben. Dafür werden sie sich zu verantworten haben und dafür werden sie auch Wiedergutmachung leisten müssen.

    Fazit:
    Solange das reines Marketing zur Schadensbegrenzung ist, was nicht ernst gemeint ist und nach wie vor nicht 100% Gleichstellung (und das weltweit) bringt, können die sich ihr Marketing-Geschwurbel behalten.
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#5 KölnfischAnonym
  • 03.09.2021, 18:53h
  • Die katholische Kirche hat Herrn Voderholzer
    und die evangelische Kirche Herrn Latzel...
    Prachtexemplare des christlichen Glaubens...
    Seslbtsdarsteller und Wichtigtuer, deren dummes Geschwafel bei mir zum selben Ohr wieder rausgeht. Mein Hirn ist mir heilig!
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#6 DQ24Anonym
  • 03.09.2021, 19:00h
  • Ihnen laufen wegen der vielen Skandale und ihrem rückständigen Ansichten die Schafe davon. Nun versuchen sie, wie der Wolf bei dem Märchen von den sieben Geißlein, durch Fressen von Kreide sich anzupassen. Im Kern bleiben sie aber genauso homophob und transphob wie bisher.
    Prompt schlagen die Ultras bei ihnen Alarm, wittern den Untergang des Abendlandes.
    So lange sich nichts Grundlegendes ändert, werde ich denen nur insofern trauen, wie weit ich sie werfen kann.
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#7 TimonAnonym
  • 03.09.2021, 19:24h
  • Antwort auf #5 von Kölnfisch
  • Und solange solche Leute nicht ausgeschlossen werden, ist es scheinheilig, Wandel vorzugaukeln.

    Zumal ja selbst die progressiven Kräfte keine echte Gleichstellung wollen, sondern uns gerade mit so viel Almosen abspeisen wollen, um nicht noch mehr Mitglieder zu verlieren.
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#8 OutAndProud
  • 03.09.2021, 19:30h
  • Und im Nachbarland Polen geht es in die genau andere Richtung.

    In der Summe nichts neues.
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#9 Gnurfel42Anonym
  • 03.09.2021, 19:47h
  • »Die Grundsätze und Kriterien einer christlich gelebten Sexualität Achtung der Selbstbestimmung und verantwortlich gelebte Sexualität sowie Treue, Dauerhaftigkeit, Ausschließlichkeit und Verantwortung füreinander in Beziehungen gelten auch für homosexuelle Menschen.«

    Ja, es ist natürlich gut und sehr zu begrüßen, dass Homosexualität nicht mehr sinnlos abgewatscht wird. Ich freue mich darüber sehr. Es geschehen wahrlich noch Zeiten und Wunder. Auch wenn das nur eine kleine Gruppe innerhalb der katholischen Kirche ist.

    Doch das war es auch schon mit meinen lobenden Worten. Selbst, wenn sie sich durchsetzen sollten, sind das nämlich alles nur Babyschritte. Winzig kleine Babyschritte.
    Denn die katholische Kirche hielte weiterhin an der Monogamie und Monoamorie als etwas Überlegenes, oder noch schlimmer, als das einzig denkbare, fest. Polyamore Beziehungen seien weiterhin bäh.
    Auch Menschen, die ihre Sexualpartner schnell und häufig wechseln bzw. keine langen Beziehungen haben wollen oder können, seien ebenfalls pfui bäh, denn die sind weder »treu« noch »dauerhaftig«. Gerne fällt der Begriff der »Perversion« schnell.
    Auch die Amatonormativität wird ebenfalls stillschweigend aufrecht erhalten. Vergessen wir nicht die Asexuellen und Aromantischen, die auch nicht so richtig kompatibel mit den traditionellen Wertevorstellungen sind. Eine Ehe mit Liebe, aber ohne Sex? Das ist für viele unbegreiflich, ja, fast schon ein Verrat, aber auch das ist queere Realität.
    Es gelte weiterhin das Dogma vom »heiligen Bund der Ehe«. Die Ehe wird immer und immer wieder als der ultimative Lebensentwurf für alle hochgelobt, während die queere Realität dieses Dogma glasklar widerlegt. Auch die Art und Weise, wie die ideale Ehe auszusehen hat, unterliegt vielen Moralvorstellungen, die eben nicht nur Homosexuelle betreffen. Und vergessen wir nicht, dass auch die Ehe an sich nur ein Teilgebiet möglicher Lebensentwürfe ist. Manche Menschen leben lieber allein. Manche Menschen halten nichts von der Ehe als Konzept, haben aber auch ohne sie eine tiefe und innige Beziehung. Manche Menschen haben viele glückliche Beziehungen gleichzeitig. Das alles ist legitim, aber inkompatibel mit der Ehe. Jedoch ist die Ehe priviligiert (auch staatlich) und das ist somit eine De-Facto-Diskriminerung.
    Überhaupt gibt es noch viele weitere schädliche »Sexualnormen« der Kirche, die endlich auf den Müllhaufen gehören.

    Die Autoren des Textes machen es sich viel zu einfach. Sie reden hauptsächlich von Homosexuellen, dann vielliecht noch ein paar Sätze über Gender und dann ist Schluss. Sorry, aber das ist ungenügend. Würden die Autoren die queere Realität ernstnehmen, müsste sehr schnell klar sein, dass auch bei vollständiger Berücksichtigung und Akzeptanz von Homosexualität immer noch sehr viele Probleme übrigblieben. Die einzig logische Schlussfolgerung ist, diese »Sexualmoral« an sich abzulehnen, denn sie ist von Grund auf verdorben, da gibt es absolut nichts zu retten.
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#10 PapierkatzeAnonym
  • 04.09.2021, 09:18h
  • "Ein neues Papier"...

    da hab' ich aufgehört zu lesen.

    Ein kurzes googeln brachte zu tage:

    "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! (1. Johannes 2,1-6)"

    So liebe Katholiban. Jetzt Ihr wieder.
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