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Synodaler Weg
Die katholische Kirche in Deutschland will queerfreundlicher werden
Ein neues Papier der katholischen Kirche in Deutschland erklärt, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht mehr per se inakzeptabel seien. Konservative laufen Sturm gegen die Reform.

In Deutschland setzen sich viele in der katholischen Kirche dafür ein, auf queere Menschen zuzugehen
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3. September 2021, 14:06h 4 Min.
Die deutsche katholische Kirche hat sich auf Vorschläge für die neue Sexualmoral geeinigt, in der sexuell aktive Schwule und Lesben oder trans Personen nicht mehr grundsätzlich wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verurteilt werden. Das Papier (PDF) ist im Rahmen des Synodalen Weges entstanden, eines seit 2019 vom der Deutsche Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisierten Gesprächsformats. Über den Entwurf soll bei einer Ende September starteten Synodalversammlung in Frankfurt am Main diskutiert und abgestimmt werden.
Insgesamt enthält "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" zehn Beschlussvorlagen (sogenannte Voten). Laut der "Katholischen Nachrichtenagentur" wird erwartet, dass es dafür eine Mehrheit gibt. Das würde einen "Meilenstein in der Entwicklung der katholischen Moraltheologie" darstellen.
"Verantwortlich gelebte Sexualität" auf für Schwule und Lesben okay
In dem Text wird gleichgeschlechtliche Liebe nicht mehr grundsätzlich als negativ dargestellt, wie es bislang in der katholischen Doktrin üblich ist. Vielmehr heißt es: "Die Grundsätze und Kriterien einer christlich gelebten Sexualität – Achtung der Selbstbestimmung und verantwortlich gelebte Sexualität sowie Treue, Dauerhaftigkeit, Ausschließlichkeit und Verantwortung füreinander in Beziehungen – gelten auch für homosexuelle Menschen." Ferner dürften gleichgeschlechtliche Paare, die sich "auf das Wagnis eines unzerbrüchlich gemeinsamen Lebensweges einlassen wollen", auf den Segen der Kirche hoffen.
Freilich scheint dies schwierig, da Papst Franziskus erst im März dieses Jahres das Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare bekräftigt hatte (queer.de berichtete). Und gegen den Willen des Vatikans darf die deutsche Kirche keine Veränderung der katholischen Praxis umsetzen. Das trifft übrigens auch für weitere Forderungen des Synodalen Wegs zu – beispielsweise, dass schwule Männer Priester werden dürfen ("Homosexualität ist kein Ausschlusskriterium für den Zugang zu Weiheämtern"). Dieses Verbot ist aber ebenfalls von Papst Franziskus bekräftigt worden (queer.de berichtete). Auch die Forderung nach Anerkennung von trans Menschen widerspricht Franziskus' Ansichten, wonach Geschlechtsanpassungen grundsätzlich eine gefährliche "Manipulation" seien (queer.de berichtete). Zudem hat sich der Papst laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" erst diese Woche in einem spanischen Radiosender skeptisch über den deutschen Reformprozess geäußert.
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Widerstand von Homo-Gegnern wie Bischof Voderholzer
Zudem machen derzeit homosexuellenfeindliche Führungspersönlichkeiten in der deutschen Kirche Stimmung gegen die Reformbemühungen: So startete der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, ein erbitterter Gegner der Anerkennung Schwuler und Lesben durch die Kirche, am Freitag die Internetseite synodale-beitraege.de, die unter anderem die Minderwertigkeit homosexueller Beziehungen betont. Dort heißt es etwa in einer "Argumentationshilfe", dass "praktizierte Homosexualität" laut der Bibel immer eine "Sünde" sei – und gleichgeschlechtliche Paare damit einer Segnung nicht würdig seien.
Auch das Reformpapier des Synodalen Wegs geht nur einen mittelgroßen Schritt auf gleichgeschlechtliche Paare zu. So wird darin etwa betont, dass die katholische Kirche weiterhin keine gleichgeschlechtlichen Eheschließungen zulassen werde – anders als die evangelische Kirche in Deutschland, in der dies inzwischen in den meisten Landeskirchen möglich ist.
Trotzdem enthält das Papier viele Punkte, die zwar gesellschaftlich schon weitgehend akzeptiert sind, aber in der katholischen Kirche bislang verteufelt oder tabuisiert worden sind. So wird die Selbstbefriedigung positiv bewertet ("Für alle Menschen kann die selbststimulierte lustvolle Erfahrung des eigenen Körpers ein wichtiger Baustein der Annahme ihrer selbst sein"). Zudem billigt der Entwurf gleichgeschlechtlichen Paaren die Befähigung zur Erziehung von Nachwuchs zu ("Zweifellos besitzen auch gleichgeschlechtliche und weitere Paare, die zwar kein neues Leben zeugen können, aber Kinder aufziehen, das Potenzial für ein Leben, das auch in dieser Hinsicht fruchtbar ist").
Sollte das Papier wirklich beschlossen werden, würde die deutsche Kirche den Papst bitten, die Neubewertung "zu prüfen und aufzugreifen". Dann müsste Franziskus Farbe bekennen: Will der Vatikan weiter daran festhalten, dass gleichgeschlechtliche Liebe grundsätzlich schlecht ist und schwuler Männer als Priester grundsätzlich nicht vertrauenswürdig? Oder will er entscheiden, dass Homosexuelle gleichwertig wie Heterosexuelle sind?
Für Franziskus könnte ein entscheidendes (weltliches) Argument gegen eine offene Haltung gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten sprechen: Die katholische Kirche schrumpft in LGBTI-freundlichen Ländern Europas, in homophoben Staaten Afrikas und Asiens wächst sie jedoch teilweise rasant – und dort gehört Hass gegen queere Menschen sowohl in großen Teilen der Bevölkerung als auch bei katholischen Bischöfen oft zum guten Ton. Beispielsweise protestierte die katholische Bischofskonferenz im zentralafrikanischen Gabun erst letztes Jahr dagegen, dass das Parlament Homosexualität nicht mehr mit Gefängnis bestrafen wollte (queer.de berichtete). Sollte Franziskus queerfreundlich werden, könnte die Kirche in diesen Ländern mehr Anhänger*innen verlieren, als sie in Europa gewinnen könnte.
















