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Heimkino

Queere Frauen im Film? Zurück in die Vergangenheit!

Mit "Vita & Virginia – Eine extravagante Liebe" können wir uns nun ein weiteres lesbisches Historiendrama angucken: Elizabeth Debicki brilliert als Schriftstellerin Virginia Woolf, die sich in ihre Kollegin Vita Sackville-West (Gemma Arterton) verliebt.


Vita Sackville-West (Gemma Arterton, l.) und Virginia Woolf (Elizabeth Debicki) haben über zehn Jahre eine Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen (Bild: IFC Films)
  • Von Patrick Heidmann
    4. September 2021, 07:14h, noch kein Kommentar

Wenn im Kino von lesbischer (oder bisexueller) Liebe und Leidenschaft erzählt wird, dann geht's dafür nicht selten zurück in die Vergangenheit. Warum das so ist, könnte man bei Gelegenheit mal ausführlicher unter die Lupe nehmen.

Doch für den Moment gilt auf jeden Fall festzuhalten: Der Trend, über queere Frauen mittels Historien- und Kostümdramen zu erzählen, ist ungebrochen. Nach "Carol" oder "Porträt einer jungen Frau in Flammen", "Colette" oder "The Favourite" startet am 4. November endlich "Ammonite" mit Kate Winslet und Saoirse Ronan in den deutschen Kinos (in diesem Monat bereits in der queerfilmnacht). Und in der Zwischenzeit startet – nach eher bescheidenem Erfolg im englischsprachigen Raum sowie der Pleite des deutschen Filmverleihs – "Vita & Virginia" nun exklusiv auf DVD, Blu-ray und VoD.

Liebesbriefe dienten als Inspiration für den Film


"Vita und Virginia – Eine extravagante Liebe" ist auf DVD, Blu-ray und digital erhältlich

Die beiden Titelheldinnen des von Chanya Button inszenierten Films sind dabei keine Unbekannten: Virginia Woolf (Elizabeth Debicki), eine der größten Autorinnen aller Zeiten, und Vita Sackville-West (Gemma Arterton), die ebenfalls erfolgreiche Schriftstellerin, wenn auch literarisch eher unbedeutend war, hatten in den 1920er Jahren tatsächlich eine Liebesbeziehung. Zahlreiche Liebesbriefe der beiden dienten "Vita & Virginia" als Inspiration, um von den Aufs und Abs dieser amourösen Freundschaft zu erzählen.

Ihren Anfang nimmt sie, als die abenteuerlustige und liebesdurstige Vita bei einer Party auf die geheimnisvoll-verkopfte Virginia aufmerksam wird und sie um jeden Preis erobern. Die offenen Ehen, die beide mit ihren Männern führen, stehen ihrem Glück weniger im Weg als ihre sehr unterschiedliche Herkunft und künstlerischen Ambitionen. Am Ende hinterlässt die rund zehn Jahre andauernden Affäre aber zumindest Spuren in der Literaturgeschichte, inspirierte Sackville-West, die sich auch gerne mal als Mann kleidete, Woolf zu ihrem Roman "Orlando".

Nicht altmodisch-piefig, aber oberflächlich-glatt

So real die zugrunde liegende Geschichte sein mag, so sehr bemüht sich Button, ihren Film vom altmodisch-steifer Piefigkeit fernzuhalten. Manche ihrer Entscheidungen funktionieren dabei ganz gut beziehungsweise sind – wie der anachronistisch elektronische Score von Komponistin Isobel Waller-Bridge (der Schwester von "Fleabag"-Star Phoebe Waller-Bridge) – auf unerwartete Weise reizvoll. Andere überzeugen dagegen weniger, wie etwa der Einfall, Virginias Gefühls- und Gedankenchaos mittels computeranimiert wucherndem Efeu zu illustrieren.

Größtes Problem von "Vita & Virginia" ist allerdings seine oberflächliche Glätte. Nicht nur stehen die Dialoge (das Drehbuch schrieb Button gemeinsam mit der legendären britischen Schauspielerin Eileen Atkins, basierend auf deren gleichnamigen Theaterstück) oft in augenfälligem Gegensatz zu den literarischen Fähigkeiten der Protagonistinnen. Sondern auch emotional und psychologisch bleibt der Film immer ein wenig zu gediegen und zahm. Wild, leidenschaftlich oder unkonventionell geht es hier jedenfalls eher selten zu, und man fragt sich schon, wie viel mehr queere Wahrhaftigkeit die Produktion atmen würde, wären nicht als Schlüsselstellen mit (dem Vernehmen nach) Heterosexuellen besetzt.

Was übrigens nicht heißt, dass die Heteros ihre Sache schlecht machen würden, im Gegenteil. Das gesamte Ensemble (zu dem auch Isabella Rossellini, Oscar-Gewinnerin Emerald Fennell und in einer kleiner Rolle der schwule "Candyman"-Schauspieler Nathan Stewart-Jarrett gehören) ist keinen Deut weniger sehenswert als die prächtigen Kostüme und Kulissen. Und vor allem Elizabeth Debicki, die in den kommenden Staffeln von "The Crown" als Lady Di mit von der Partie ist, spielt Virginia Woolf und ihren Schmerz so einfühlsam und fesselnd, dass sie "Vita & Virginia" im Alleingang zu einem besseren Film macht.

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Infos zum Film

Vita und Virginia – Eine extravagante Liebe. Originaltitel: Vita & Virginia. Liebesdrama. Irland/Großbritannien 2018. Regie: Chanya Button. Darsteller*innen: Gemma Arterton, Elizabeth Debicki, Isabella Rossellini, Emerald Fennell, Rupert Penry-Jones, Peter Ferdinando, Gethin Anthony. Laufzeit: 110 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 6. Verleih: Koch Films