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Karin Prien

Laschets Bildungsexpertin gegen Gendern in Schleswig-Holstein

Nach den Wahlen könnte sie Bildungsministerin im Bund werden. Nun untersagte Karin Prien (CDU) in Schleswig-Holstein das Gendern – nicht als Anordnung ihres Hauses, sondern via Zeitungsstatement.


Karin Prien ist seit 2017 Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein. Am Freitag wurde sie von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in sein "Zukunftsteam" berufen (Bild: Frank Peter)

Im Mai noch gegen "staatlich verordneten Zwang", jetzt schon im Team "Gendern verbieten": Karin Prien (CDU), Schatten-Bildungsministerin in Armin Laschets Wahlkampfteam, hat geschlechtergerechte Sprache an Schulen in Schleswig-Holstein untersagt. Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des nördlichen Bundeslandes sagte gegenüber den "Lübecker Nachrichten", "Gendersternchen, Binnen-I und Unterstrich" seien "in der Schule grundsätzlich nicht gestattet".

Anordnung oder Wahlkampfgetöse?

Unklar ist, wie bindend ihre Äußerungen nun für Lehrkräfte und Schüler*innen von Flensburg bis Lübeck sind. Das "Hamburger Abendblatt" etwa wertete die Wortmeldung als erfolgtes Verbot, während das Redaktionsnetzwerk Deutschland in dem Statement gegenüber den "Lübecker Nachrichten" eine Absichtserklärung erkannt haben will. Immerhin erfolgte das "Verbot" nicht, wie jüngst in Sachsen, durch ein ministerielles Rundschreiben (queer.de berichtete).

Die Wortmeldung könnte womöglich eher wahlkämpferische Absichten haben. Schließlich wurde Prien erst am vergangenen Freitag als Teil von Kanzlerkandidat Armin Laschets "Zukunftsteam" vorgestellt. In ihrer Vorstellungsrede im Berliner Konrad-Adenauer-Haus betonte sie noch den Aspekt der Bildungsgerechtigkeit als Vorhaben für ein eventuelles Amt als Bildungsministerin in Bonn, dem Sitz des Ministeriums. Nun profilierte sie sich als erstes als Kandidatin, mit der es nach der Wahl ein bundesweites Verbot geschlechtergerechter Sprache geben könnte. Das Thema hatte mit dem Wahlkampf an Fahrt aufgenommen.

Früher war Prien gegen "Zwang" und "Verbote"

Im Mai hatte Prien sich noch gegen Verbote ausgesprochen und getwittert: "Sprache verändert sich mit der Gesellschaft, aber bitte ohne staatlich verordneten Zwang." In Abgrenzung zu einem weit verbreiteten Negativ-Image der Grünen schrieb sie zudem, Verbote passten nicht zur CDU. Das war eine Reaktion auf auf den publik gemachten Fall einer Kieler Lehrerin, die ein Binnen-I in eine Klassenarbeit hinein korrigiert haben soll.

Twitter / PrienKarin
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Gegenüber den "Kieler Nachrichten" hatte Prien zum selben Anlass gesagt: "Ich trage dafür Sorge, dass in meinem Bereich eine zwangsweise Veränderung der Sprache nicht stattfindet." Das Thema "Gendersprache" entwickle sich zu einem Kulturkampf, bei dem sie den Eindruck habe, die Verfechter*innen wollten eher ihre politischen Auffassungen durchsetzen. Schon damals hatte sie außerdem darauf hingewiesen, dass geschlechtergerechte Sprache nicht den Regeln des Rates für deutsche Rechtschreibung entspreche.

Nutzer*innen machen sich lustig über Prien

In einem Tweet verbreitete Prien am Sonntag selber einen Zeitungsbericht, wonach sie geschlechtergerechte Sprache verboten habe. Dazu kommentierte sie: "Gendersternchen. Wenn die versammelte Linke sich empört, dass an deutschen Schulen nach anerkannten Rechtschreiberegeln gelehrt und benotet wird. Wer Zusammenhalt will muss Regeln beachten und die Einhaltung einfordern!" Unter dem Tweet sammelten sich Widerspruch und Hohn. Der Journalist Robert Meyer stellte die beim Gendern übliche "Haben wir keine anderen Probleme"-Frage unter umgekehrten Vorzeichen.

Twitter / robert_mey | Der Journalist Robert Meyer: "Haben wir keine anderen Probleme?"
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Andere User*innen machten auf die falsche Rechtschreibung des Tweets der Ministerin aufmerksam, in dem die Einhaltung von Regeln als Grundlage des Zusammenlebens betont worden war. So fehle ein Komma, außerdem befinde sich in "Rechtschreiberegeln" ein falsches Fugen-E.

Twitter / fandorinmusic | Rechtschreibnachhilfe von Twitter-User*innen

Streit ums Gendern seit August wieder hitziger

Ende August hatte das sächsische Bildungsministerium in einem Rundschreiben bekannt gemacht, geschlechtergerechte Sprache erfülle "weder die Kriterien für eine gendergerechte Schreibung noch entspricht sie den aktuellen Festlegungen des Amtlichen Regelwerks, welches die Grundlage für die deutsche Rechtschreibung bildet und somit auch für die Schulen gilt". Daher seien Gendersternchen und Co. "im Bereich der Schule und in offiziellen Schreiben von Schulen nicht zu verwenden" (queer.de berichtete). Beim Triell der Kanzlerkandidat*innen am 30. August hatte Armin Laschet, angesprochen auf das Thema, gesagt: "Aber wenn wir beginnen, eine Sprache zu erfinden, die ganz normale Leute nicht verstehen – und nicht mehr wissen: 'Darf ich das noch sagen?" Er sage das, was er sagen wolle und lasse sich "nicht einschüchtern". Trotzdem müsse man "Männer und Frauen" sichtbar machen (queer.de berichtete).

Seit Monaten melden sich außerdem immer wieder Prominente mit teils drastischem Vokabular zum Thema zu Wort. Einige Tage vor der sächsischen Anmahnung korrekter Rechtschreibung hatte etwa der Komiker Dieter Hallervorden von einer "Vergewaltigung der Sprache" gesprochen (queer.de berichtete). Anfang August hatte bereits der Bayerische Rundfunk seinen Mitarbeiter*innen das Gender-Sternchen sowohl in gesprochener als auch in geschriebener Sprache untersagt (queer.de berichtete).



#1 SakanaAnonym
  • 06.09.2021, 11:07h
  • Das Gendern entwickelt sich immer mehr zu dem im hiesigen Wahlkampf, was man im amerikanischen Wahlkampf eine "wedge issue" nennen würde. Der Begriff beschreibt ungefähr eine Thematik, die von allen entweder schwarz oder weiß gesehen wird und eine ad-hoc-Positionierung verlangt und die sprechende Person gleich in einem politischen Lager verortet. Man muss da nur höllisch aufpassen, dass sich da kein Tribalismus wie in den USA zwischen Demokratischer und Republikanischer Realität herausbildet, ob man jetzt gendert oder nicht.
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#2 Girlygirl
#3 trans naysayerAnonym
  • 06.09.2021, 11:54h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • "Das Gendern entwickelt sich immer mehr zu dem im hiesigen Wahlkampf, was man im amerikanischen Wahlkampf eine "wedge issue" nennen würde."

    The use of wedge issues gives rise to wedge politics. It's dog whistle politics. Divide and rule.

    Ich bin optimistisch, dass man in Deutschland ahnungslos in diese Falle laufen wird.
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#4 SakanaAnonym
  • 06.09.2021, 12:03h
  • Antwort auf #3 von trans naysayer
  • Exactly. Tell me how who talk and I tell you to which tribe you (have to) belong.

    Merkt man hier übrigens schon massiv in den sprachlichen Abgrenzungen, die im Wahlprogramm der Union und in ihrem Aufreten gegen andere Parteien gezogen wird (e.g. "Experten statt Experimente").

    Naja, linguistisch ist es im Englischen etwas schwieriger, ein Gendern einzuführen, weil es nur sehr wenige female identifiers wie -ess bei den Wörtern gibt, allenfalls präfingierte Adjektive wie female oder Wörter wie girl- und boy....den Rest kann man ja gut mit -person und den Pronomen they abdenken. Man könnte die englische Sprache eigentlich sogar komplett sprachlich "neutralisieren" und nur noch they verwenden.
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#5 Dr AcheAnonym
  • 06.09.2021, 12:44h
  • Antwort auf #4 von Sakana
  • Das ist doch Quark. Es ist ja jetzt nicht so, dass es das allumfassende Thema ist, über das jeder redet, sondern eher eines, das hohe Wellen schlägt, aber letzten Endes auch nur eine Diskussion im Elfenbeinturm ist zwischen Befürwortern und Gegnern aus Medien, Politik und Kultur. Ich bin mir sehr sicher, dass es 95% der Menschen in diesem Land eher am Rande interessiert ob und wie gegendert wird.
    Die Kassiererin bei Lidl interessiert es nicht, für welches Gechlecht jetzt welches Zeichen gesetzt wird, sondern sie überlegt: Ist mein Arbeistplatz gefährdet? Kann ich meine Miete weiterhin zahlen? Steigen die Preise im Supermarkt usw.?
    Und da wählt sie die Partei, die ihr aus ihrer Sicht besten Antworten geben kann
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#6 LegatProfil
#7 SakanaaAnonym
  • 06.09.2021, 12:49h
  • Antwort auf #5 von Dr Ache
  • Glücklicherweise ist es nicht das wahlentscheidende Thema für viele, aber für die Kulturkrieger:innen in der Gesellschaft (Christopher Ploß, CDU *husthust*) ist es so wichtig, dass sie das Gendern doch tatsächlich verbieten lassen wollen per Gesetz und dabei schauerliche Vergewaltigungsmetaphern anwenden.

    Aber es stimmt, andere Themen sind den Leuten tatsächlich wichtiger, wie zb soziale Sicherheit laut des letzten ZDFPolitbarometers.
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#8 userer
  • 06.09.2021, 13:12h
  • Antwort auf #5 von Dr Ache
  • "Die Kassiererin bei Lidl ..."

    Typischer (vor)faschistischer Sprachgebrauch, Instrumentalisierung ohne beweisbare Substanz, Sprachhülsen zum Ziehen von Grenzen, wo keine sind.

    Also nichts Neues von dir, sondern immer wieder dieselbe alte Leier quer durch die Threads, sogar mit denselbsen alten ausgelutschten Worten. Dir geht offenbar die Energie aus.
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#9 KratzbürsteAnonym
  • 06.09.2021, 13:43h
  • Antwort auf #4 von Sakana
  • Rein linguistisch betrachtet ist Gendern in der englischen Sprache gar nicht nötig. Der Sinn dieser Art des Genderns ist es ja, Menschen aller Geschlechter sprachlich gleich sichtbar zu machen. Das Problem im Deutschen ist das generische Maskulinum. Hier die Krux: im Englischen haben Nomen kein grammatisches Geschlecht! Mit "the" hat man keinen Indikator dafür, entgegen den deutschen "der, die, das". In der Hinsicht ist Englisch geradezu himmlisch geschlechtsneutral, da auch Begriffe wie "policeman" durch das neutrale "police officer" ersetzt wurde. Da gab es also auch durchaus das Bewusstsein, dass das nicht inklusive Sprache war und es wurde angepasst, übrigens auch erst im Lauf der letzten 50 Jahre. Man muss nicht groß über "actors and actresses" sprechen, weil auch Frauen und non-binäre Menschen in dem Wort "actor" eingeschlossen sind - weil es dort eben keine grundsätzlich männliche Form ist. Das ist auf die deutsche Sprache leider (noch?) nicht anwendbar, weil es das grammatikalische Geschlecht für Nomen hier leider immer noch gibt...
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#10 SakanaAnonym
  • 06.09.2021, 14:05h
  • Antwort auf #9 von Kratzbürste
  • Das Altenglische war zb noch eine hochflektierende Kasussprache mit drei verschiedenen Geschlechtern, die auch grammatikalisch so reflektiert wurden
    en.wikipedia.org/wiki/Old_English_grammar
    , allerdings hat die englische Sprache sich in den Jahrhunderten danach auch durch skandinavischen Einfluss stark verändert und das Kasus- und Gendersystem aufgegeben, weshalb man allenfalls von einer geschlechtsneutralen Sprache wie beim Chinesischen, Japanischen oder Koreanischen sprechen könnte, wobei diese wiederum eigene Systeme zur binären Geschlechtermarkierung entwickelt haben
    en.wikipedia.org/wiki/Gender_differences_in_Japanese
    .

    Es ist deshalb müssig zu behaupten, dass genderneutrale Sprachen keine Möglichkeiten hätten, um binäre Geschlechtermarker zu verwenden bzw zu entwickeln. Bei vielen englischsprachigen Texten gehts mir auch übrigens so, dass sich erst im Laufe des Lesens herauskristallisiert, wer jetzt eigentlich mit "friend" genau gemeint sein könnte, e.g. I've met my friend yesterday. They/she/he has told me that....

    Da ist das Deutsche tatsächlich in seiner Geschlechtermarkierung auch eindeutiger, aber nicht so eindeutig wie das Isländische, was noch die drei grammatikalischen Geschlechter mit Endungen markiert (vertu blessöd (f), vertu blessadur (m), vertu blessid (n)).

    Aber man sollte das Gendern im Deutschen nicht verbieten oder einschränken. Nur generisches Maskulinum wie im CDU/CSU-Fall ist defintiv kontraproduktiv (zB "Experten statt Experimente" und dann vier Frauen* von acht Mitgliedern....echt hirnrissig)
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