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"Niemand hat gefordert, die Homosexuellen zu diskriminieren"

Schweiz: Homofeindlicher Abgeordneter irritiert mit schrägem Covid-19/Aids-Vergleich

Während der Aids-Krise in den Achtzigern hätten alle Menschen Schwule unterstützt, jetzt solle man das doch auch mit Ungeimpften tun. Das ist die bizarre Forderung eines einflussreichen Verlegers und Politikers aus der Schweiz.


Roger Köppel ist seit 2015 Mitglied des Nationalrats, des 200 Abgeordnete zählenden schweizerischen Parlaments (Bild: Parlamentsdienste 3003 Bern)

Der schweizerische Nationalratsabgeordnete Roger Köppel hat am Sonntag mit einem Vergleich von Aids und Covid-19 für Irritationen gesorgt. Der Politiker der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) erklärte auf Twitter:

[Die schweizerische Regierung] will Ungeimpfte vom sozialen Leben [ausschließen]. Das ist falsch. Als damals Aids unter Homosexuellen ausbrach, hat niemand gefordert, die Homosexuellen zu diskriminieren und zu isolieren. Im Gegenteil, man hat alles gemacht, um zu helfen. Das war richtig.



Hintergrund des Tweets ist die nationale Debatte, inwieweit bei steigenden Corona-Infektionszahlen beim Eintritt in Restaurants oder anderen Einrichtungen ein Zertifikat vorgelegt werden muss, das eine Person als geimpft, genesen oder getestet ausweist.

Der Vergleich Köppels ist auf mehreren Ebenen eigenartig, wie auch andere Twitter-Nutzer*innen irritiert feststellten. So schreiben einige, dass bis heute keine Impfung für HIV vorliege, außerdem könne man seinen Sitznachbarn im Restaurant nicht mit HIV anstecken.

Auch weitere Punkte passen einfach nicht zusammen: Der Ungeimpften-Status ist etwa etwas anderes als eine sexuelle Orientierung – und übrigens können Heterosexuelle ebenfalls HIV kriegen. Die Behauptung, dass "niemand" die Diskriminierung von Homosexuellen gefordert habe, scheint zudem etwas geschichtsvergessen – insbesondere in einem Land, in dem man in den Achtzigerjahren 20 Jahre alt sein musste, um schwulen Sex zu haben, aber sich schon mit 16 Jahren heterosexuell vergnügen durfte. Das Schutzalter wurde erst 1990 angeglichen.

Zudem gehört Köppel selbst zu jenen, die gerne an der Diskriminierung sexueller Minderheiten festhalten wollen: So kämpft er etwa dafür, dass das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in seinem Heimatland aufrecht erhalten bleibt. Das Wahlvolk wird darüber am 26. September in einem Volksentscheid abstimmen (queer.de berichtete).

Auf Twitter hatte Köppel im Juli etwa euphemistisch erklärt: "Gleichberechtigung ja, aber nein zur Ehe für alle." Außerdem griff er rhetorisch zu einem ganz großen Kaliber, als er heiratswilligen Schwulen und Lesben vorwarf, die Schweiz in eine Willkürherrschaft zu verwandeln: "Ein Tisch [heißt] Tisch. Ein Stuhl ist ein Stuhl. Eine Ehe ist die Verbindung zwischen Mann und Frau. Das soll so bleiben. Wo Worte ihre Bedeutung verlieren, beginnt die Despotie."





Köppel arbeitete unter anderem in Deutschland als Journalist: So war er zwischen 2004 und 2006 Chefredakteur der Tageszeitung "Die Welt". Bis heute ist der 56-Jährige – trotz seines Parlamentsmandats – Herausgeber und Chefredakteur der schweizerischen Wochenzeitung "Die Weltwoche", einem populären Sprachrohr von Rechtsaußen.

Es geht looos! ??????

Posted by Zurich Pride on Saturday, September 4, 2021
Facebook / Zurich Pride | Am Wochenende demonstrierte die Zürcher Community beim CSD für die Öffnung der Ehe
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#1 AtreusProfil
  • 06.09.2021, 14:15hSÜW
  • Kommt ja wirklich nicht überraschend. Die nicht unproblematische FAZ hat vor längerer Zeit schon eine überraschend kritische Einordnung zu Köppel gebracht, derselbe hat erst vor zwei Wochen, bei Bild live, Christian Lindner als deutschen Erdogan bezeichnet. Populismus, Grenzüberschreitung und Spaltung ist sein täglich Brot, das Geschäftsmodell. Da wären sinnhafte Vergleiche vollkommen fehl am Platz und Gift in Augen und Ohren der Außenrechts-Leserschaft. In der Schweiz auch nichts wirklich besonderes, wird sie doch seit Jahren von Rechtspopulisten dominiert: die SVP ist stärkste Kraft und steht der AfD in vielen Belangen in nichts nach.
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#2 stephan
  • 06.09.2021, 14:36h
  • Dieser schräge Vogel war schon immer besonders schräg, ist es schon immer gewesen und wird voraussichtlich in diesem Leben auch nicht mehr schlauer werden ... Unnötig das weiter zu kommentieren!
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#3 YannickAnonym
  • 06.09.2021, 16:58h
  • Mal ganz abgesehen davon, dass es immer noch keinen Impfstoff gegen HIV gibt und dass das HI-Virus nicht durch die Luft übertragen wird.

    Aber wo haben denn in den 1980ern "alle Menschen Schwule unterstützt"? Die wurden doch damals noch mehr ausgegrenzt als heute noch.

    Ansonsten hat Nikolaus Blome das ganz gut im Spiegel kommentiert, dass man nicht einerseits auf Impfungen verzichten kann und dann rummosern kann, dass man nicht alles darf, was Geimpfte dürfen:
    Können diejenigen, die so stolz darauf sind, gegen den Strom zu schwimmen, dann auch akzeptieren, dass sie gegen den Strom schwimmen?!

    Quelle:

    www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-impfung-ungeimpft-
    selber-schuld-kolumne-a-eb8ff649-d3e8-4a7c-b875-a4b4c52906bc


    Wer sich nicht gegen Corona impfen lassen möchte, soll es halt bleiben lassen. Dann können die aber auch nicht erwarten, dass andere sich dann von ihnen gefährden lassen, nur weil die irgendwelchen Verschwörungsphantasien nachhängen.

    Übrigens:
    es sollten doch alle Geimpfen angeblich im September sterben. Ich erfreue mich mit beiden Corona-Impfungen bester Gesundheit. Aber der September hat ja noch ein paar Tage. Mal sehen, wer bis Ende des Monats Recht behält... :)
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#4 ApplePearAnonym
  • 06.09.2021, 17:07h
  • Ja klar... vollkommen unterstützt hat man Schwule damals und heute natürlich erst recht.

    Sieht man ja auch daran, dass Blutspenden nach kurzer Zeit wieder vollkommen diskriminierungsfrei möglich wurde.

    Ach? Nicht? Sowas aber auch. Hat Herr K. wohl das Memo nicht bekommen...
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#5 LächerlichAnonym
  • 06.09.2021, 17:08h
  • Wer ernsthaft vor "Despotie" warnt, nur weil der demokratische Gleichheitsgrundsatz umgesetzt wird und alle einvernehmlich Liebenden die gleichen Rechte und Pflichten haben, ist entweder ein Feind der Demokratie und ihrer Prinzipien oder hat sie nicht verstanden.
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#6 PetterAnonym
  • 06.09.2021, 18:38h
  • Nee, schon klar: Schwule und insbesondere HIV-Positive wurden ja damals in den 80ern so toll von allen unterstützt. Es gab ja eine Welle der Solidarität.

    Manche Politiker hatten sogar die Idee, HIV-positive in Lager zu stecken, damit sich niemand anstecken konnte. So fürsorglich waren die, dass die extra Lager bauen wollten.

    Und dann erst diese Milliarden, die in die Forschung und Bekämpfung gesteckt wurden.

    Moment, da klingelt gerade das Telefon:
    Ach, hatte mich vertan. War doch alles nicht so. Und bis heute werden Schwule diskriminiert und HIV-positive stigmatisiert. Ach schade. Muss ich gleich mal Herrn Köppel anrufen, der hat das sicher auch noch nicht mitbekommen.
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#7 Nicht namenlosAnonym
#8 HenrrAnonym
  • 06.09.2021, 20:48h
  • Dieser gefährliche rechte Herr hat nun auch im latent rassistischen Bildtv eine Bühne bekommen
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#9 lindener1966Profil
  • 06.09.2021, 22:08hHannover
  • Dass es in den 80ern eine allgemeine Unterstützung für HIV-Positive und AIDS-Erkrankte gegeben hätte, wäre mir neu. Scheint mir hier eher ein Fall von "alternativen Fakten" zu sein.
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#10 zürichAnonym
  • 06.09.2021, 22:16h
  • der mann hat aber auch einen vorteil - er ist derjenige, der am meisten parlamentssitzungen schwänzt
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