Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39916

"The Power of The Dog"

Erneut schwule Rolle: Benedict Cumberbatch verteidigt sich

Der britische Schauspieler findet nichts dabei, wenn Heteros schwule Figuren darstellen – und wehrt sich gegen entsprechende Kritik.


Benedict Cumberbatch hat bereits für seine Darstellung von Alan Turing eine Oscar-Nominierung erhalten (Bild: Gage Skidmore / flickr)

Der 45-jährige Schauspieler Benedict Cumberbatch laut der Filmindustrie-Seite "IndieWire" verteidigt, dass er im neuen Film "The Power of The Dog" erneut eine schwule Figur spielt. "Das wurde nicht gemacht, ohne sich Gedanken zu machen", so der "Sherlock"-Darsteller. "Ich denke auch ein bisschen: Müssen wir wirklich unsere Tanzkarten öffentlichen tragen? Müssen wir alle privaten Momente unseres sexuellen Werdegangs erklären? Ich denke nicht." Er vertraue hier Regisseurin Jane Campion. "Jane hat uns ausgewählt, damit wir diese Rollen spielen." Die Regisseurin müsse also Fragen nach der Rollenwahl beantworten.


Benedict Cumberbatch (re.) mit Kodi Smit-McPhee in "The Power of The Dog" (Bild: Netflix)

Der mit einer Frau verheiratete Cumberbatch spielt in dem in Neuseeland gedrehten Film "The Power of the Dog" den sadistischen Rancher Phil Burbank aus dem Montana der 1920er Jahre. Er entwickelt eine enge Beziehung mit dem jüngeren Peter (dargestellt vom australischen Schauspieler Kodi Smit-McPhee). Peter zieht auf Phils Hof, nachdem dessen Mutter (Kirsten Dunst) Phils Bruder heiratet. Der Film basiert auf einem Roman von Thomas Savage (1915-2003).

Auch Partner wird von heterosexuellem Darsteller gespielt

Auch Peter-Darsteller Smit-McPhee ist heterosexuell. Peter ist in dem Film eine äußerst extrovertierte Figur. Der 25-Jährige erklärte, er könne sich gut in die Rolle hineinversetzen: "Klar, ich bin ein heterosexueller Mann, aber ich stehe sehr in Kontakt mit meiner femininen Seite. Natürlich hatte mein Vater einen großen maskulinen Einfluss auf mein Leben, aber er konnte mich nie von meiner femininen Seite entfernen, die in mir drin ist. Ich muss sie nur rauslassen." Die Rolle sei "sehr experimentell gewesen, aber etwas sehr Schönes".

Der Film hatte kürzlich seine Premiere im Filmfestival von Venedig. Dort erhielt er minutenlange Standing Ovations. Er wird Mitte November in ausgewählten Kinos in den USA anlaufen und ist ab dem 1. Dezember auf Netflix verfügbar.

International gibt es in den letzten Jahren Debatten darüber, ob nur queere Schauspieler*innen queere Rollen spielen sollen. Russell T. Davies, der offen schwule Erfinder von "Queer as Folk", hatte zuletzt für seine Serie "It's a Sin" nur schwule Schauspieler für schwule Rollen engagiert. Er begründete das mit den Worten: "Ich denke, dadurch bekommt man nicht nur Authentizität. Man rächt sich auch für 100 Jahre Straightwashing." Der schwule deutsche Regisseur Marco Kreuzpaintner beschrieb in einem Interview vom Februar, dass es insbesondere in der Vergangenheit wenig Platz für schwule Darsteller zu tun gegeben habe: "Wenn's mal eine schwule Rolle gab, war das eine besondere – und dafür wurde dann ein heterosexueller, etablierter Schauspieler genommen. Weil es ja offen schwule Stars auch gar nicht gab. Das war ein Teufelskreis" (queer.de berichtete).

Immer wieder wurde die Darstellung Schwuler durch heterosexuelle Schauspieler auch als "Gay-for-Pay Oscar bait" (Oscar-Köder) bezeichnet. Die Schauspieler wurden für ihren "Mut" gelobt, diese Rolle zu spielen und oft mit Nominierungen oder Preisen überschüttet. Beispiele sind Filme wie "Brokeback Mountain" oder "Call Me By Your Name", in denen ausschließlich heterosexuelle Hauptdarsteller mitspielten. Auch Benedict Cumberbatch hat bislang seine einzige Oscar-Nominierung für die Darstellung des schwulen Mathematikers Alan Turing erhalten (queer.de berichtete).

Inzwischen hat die Oscar-Akademie aber Diversitätsregeln angekündigt, mit denen ab 2024 unter anderem queere Darsteller*innen gefördert werden sollen (queer.de berichtete). (dk)



#1 gingerfoxAnonym
  • 07.09.2021, 15:21h
  • > "Klar, ich bin ein heterosexueller Mann, aber ich stehe sehr in Kontakt mit meiner femininen Seite."

    Ist es nicht so, dass man als schwuler Mann nicht unbedingt stereotypisch feminin ist? Das klingt jetzt nicht gerade richtig, wenn ich mich nicht irre.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Birthe KaralusAnonym
#3 Alexander_FAnonym
  • 07.09.2021, 16:27h
  • Meine Güte, wenn unsereiner es jahrhundertelang schaffte, 24/7 die Hetenrolle zu spielen, ist ja wohl nichts dabei, wenn es mal für den Zeitraum von Dreharbeiten umgekehrt läuft.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 AtreusProfil
  • 07.09.2021, 16:51hSÜW
  • Das Maß an Heuchelei ist schon erschreckend, wenn der Regisseur von Sommersturm über Rollenvergabe sinniert. Da würde ein kurzer Blick auf den Cast seines eigenen Coming-Out-Films vll. helfen, sich nicht gänzlich und in aller Öffentlichkeit zum Narren zu machen.

    Cumberbatch vorzuwerfen, er würde jemanden spielen, der er gar nicht ist, ist angesichts seines Berufs und nach meinem Verständnis von Schauspiel auch abenteuerlich bis dümmlich. Einzig "seine feminine Seite" gäbe ein Gramm Kritikwürdigkeit her, wenn man sich der Realität verweigert, dass feminine Schwule existieren und nicht zuletzt, wenn auch verzerrt, in Form unzähliger Dragshows und Serien wie Pose und Schitts Creek gerade in der jüngeren Vergangenheit die Endgeräte dominieren und vom Publikum frenetisch gefeiert werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TamiAnonym
  • 07.09.2021, 17:38h
  • Schauspieler sind Schauspieler. Ihr Job ist es, andere Figuren zu spielen. Nicht sich selbst. Außerdem: Wenn Heteros nur Heteros spielen dürften, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass Nicht-Heteros auch nur Nicht-Heteros spielen dürften. Damit schränkt man sich doch selbst total ein.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 GachAnonym
#7 Bärbel SchäferAnonym
  • 07.09.2021, 18:59h
  • Antwort auf #6 von Gach
  • Och, Liebchen. Du bist ja echt ein gutgläubige Herzchen.
    Es geht eben darum, dass schwule Schauspieler ganz oft von tollen Rollen ausgeschlossen sind.
    Frag mal Pierre Sanoussi-Bliss.
    Klar wäre diese kleine einfache Gleichung schön und wünschenswert. So läuft die Sache aber gerade nicht..
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Schärbel BäferAnonym
#9 Helga BauerAnonym
#10 Ith_Anonym
  • 07.09.2021, 20:41h
  • Na, aber er hat doch definitiv einen Punkt. Ich mein, heterosexuelle Schauspieler*innen sind die Norm. Sie können ihren Job noch ausüben, wenn ihre sexuelle Orientierung bekannt wurde. Deswegen gibt es naturgemäß mehr von ihnen. Und sie haben auch sehr viel mehr Macht und Einfluss. Deswegen können sie sich ihre Rollen aussuchen. Und auch das Publikum ist in erster Linie hetero, und Fan der Hetero-Schauspieler*innen. Ergo wollen die die Heten auch alle viel lieber sehen.

    Die Welt wäre einfach besser ohne Minderheiten. Es sollte wirklich reichen, wenn Schwule als Figuren im Film vorkommen. Minderheiten im realen Leben sind per Definitionem eine Belastung und nerven bloß rum. Sollte man weder den Hetero-Filmschaffenden noch dem Hetero-Publikum zumuten.
    Am Ende müssen die Zuschauer*innen dann irgendwelche Schauspieler ertragen, die sie gar nicht kennen, weil sie wegen ihres Outings auf dem Markt praktisch keine Chance haben. Da hätte dann auch niemand was von. Also, finanziell jetzt. Und darauf kommt's doch schließlich an.
  • Antworten » | Direktlink »