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"Petrows Grippe"

Film mit schwulem Kuss: Regisseur Serebrennikow feiert umjubelte Premiere in Moskau

Der vom russischen Regime drangsalierte Regisseur feiert die Russland-Premiere seines ungewöhnlichen Spielfilms "Petrows Grippe".


"Petrows Grippe" wurde beim Filmfestival von Cannes erstmals vorgestellt (Bild: Sony Pictures)
  • 8. September 2021, 12:19h, noch kein Kommentar

Der russische LGBTI-Aktivist und Regisseur Kirill Serebrennikow hat nach der Weltpremiere beim Filmfestival in Cannes nun in Moskau den Kinostart von "Petrowy w grippe" ("Petrows Grippe", internationaler Titel: "Petrov's Flu") gefeiert. "Der Film beginnt nun seine Reise zu einer unglaublichen Zahl an Leinwänden in der Welt", sagte der Kino- und Theatermacher bei der Premiere der deutschen Co-Produktion. An diesem Donnerstag läuft der in mehr als 30 Länder verkaufte Film um die an Grippe erkrankte und vom Fieberwahn geplagte Familie Petrow in rund 500 russischen Kinos an.

Serebrennikows teils in Schwarz-Weiß produzierter zweieinhalbstündige Film ist ein vielschichtiger Mix aus Drama, Fantasy und schwarzer Komödie. Weil es unter anderem auch nackte Männer und einen schwulen Kuss zu sehen gibt, ist der Streifen in Russland erst ab 18 Jahre freigegeben.

Der Streifen ist ein bewusst grotesk überdrehtes und zeitloses Kaleidoskop der russischen Gesellschaft. Er sei froh, dass er der Welt einen Film über das Leben in Russland und über die Fantasien der Menschen zeigen könne, sagte der 52-Jährige im Moskauer Künstler-Kino Chudoschewestwenny bei einer Gala mit russischen Filmstars, wo er zeitgleich seinen Geburtstag feierte.

Politisch motivierte Gerichtsverfahren

Bei dem öffentlichen Auftritt am Dienstagabend umjubelten die Premierengäste Serebrennikow, der im vergangenen Jahr in einem umstrittenen und wohl politisch motivierten Gerichtsverfahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war (queer.de berichtete). Auch der Film sei unter nicht einfachen Bedingungen entstanden – meist nachts, weil der Regisseur tagsüber oft vor Gericht stand wegen angeblicher Veruntreuung öffentlicher Gelder für Theaterprojekte, hieß es.

Serebrennikow, der lange Zeit im Hausarrest samt Arbeitsverbot gesessen hatte, bestritt die Anklage und beklagte fehlende Beweise. Weil er die Wirklichkeit oft schonungslos zeigt, macht sich der Oper- und Theatermacher immer wieder Feinde in der russischen Gesellschaft. Er wurde auch als Direktor des Avantgarde-Theaters Gogol-Zentrum entlassen. Inzwischen arbeite er an einer Vielzahl an Projekten, darunter auch neue Filme, sagte Serebrennikow.

Im Frühjahr hatte er an der Staatsoper Wien Richard Wagners Musikdrama "Parsifal" inszeniert – wegen Reisebeschränkungen via Zoom. In Moskau im Gogol-Zentrum ist gerade sein für das Deutsche Theater in Berlin inszeniertes Stück "Decamerone" zu sehen. Das Theaterstück, das sich um die Pest dreht, gewinnt wie auch "Petrows Grippe" durch die Pandemie unerwartet an Aktualität. Er rief auf der Bühne dazu auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. (dpa/cw)

Twitter / France24_en | Serebrennikow spricht während der Filmfestspiele in Cannes über seine Produktion
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