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Schweiz
Weinende Kinder, Zombies und Sklaverei: Homophobe Kampagne gegen Ehe für alle
Mit einer absurden Angstkampagne wollen Gleichstellungs-Gegner*innen in der Schweiz verhindern, dass schwule und lesbische Paare heiraten dürfen.

Solche Hass-Poster bringt die direkte Demokratie in der Schweiz hervor (Bild: Twitter / Alexander Wenger)
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8. September 2021, 12:19h 3 Min.
Die schweizerischen Wähler*innen werden am 26. September – parallel zur Bundestagswahl – entscheiden, ob sie wie die Nachbarländer Österreich und Deutschland das Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare abschaffen. Laut einer aktuellen Umfrage des Senders SRG sprechen sich 69 Prozent der Bevölkerung für die Reform aus, 29 Prozent sind dagegen. "Ein Meinungsumschwung ist unwahrscheinlich", attestiert der Sender.
Dennoch versuchen Gleichbehandlungs-Gegner*innen zunehmend verzweifelt, das Wahlvolk doch noch von ihrer homosexuellenfeindlichen Haltung zu überzeugen. Ein neues Plakat, das in mehreren Teilen der Schweiz insbesondere an Bahnhöfen plakatiert wurde, zeigt etwa einen Zombie und die Aufschrift: "Kinder mit einem Toten – Ehe für alle Nein." Online machte sich zunächst nur Verwirrung breit, was mit dem Plakat gemeint war. Sind Eltern in Regenbogenfamilien wie Zombies oder ist der Homosexuelle an sich untot?
Die Initiative "Das Kind ist keine Ware" erklärte schließlich gegenüber der nationalen Presse, es gehe in dieser Werbekampagne darum, dass es mit der Ehe-Öffnung einen zunehmenden Mangel an Samenspendern geben würde. Dadurch stiege die Gefahr, dass Sperma von toten Spendern verwendet würde. Ein derartiger Zusammenhang sei aber völlig aus der Luft gegriffen, sind sich Expert*innen einig.
"Ganz üble politische Propaganda"

Postkartenmotiv zum Volksentscheid
Der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Marko Ković sieht in der Kampagne eine Amerikanisierung des schweizerischen Wahlkampfs: "Die Menschen sehen so ein Plakat und wissen, dass es ein Blödsinn ist. Trotzdem bleibt es hängen, dadurch entsteht eine Konnotation zwischen dem Zombie und der Ehe für alle", so Ković gegenüber "20 Minuten". "Das ist wirklich ganz üble politische Propaganda, die wir in der Schweizer Demokratie eigentlich nicht kennen, sondern eher aus den USA."
Auch weitere Plakate dämonisieren Homosexuelle – beispielsweise als Sklavenhalter. Vor gut einer Woche tauchte etwa ein Plakat auf, das den Bauch von drei schwangeren People of Color zeigt, darunter prangt die Aufschrift: "Sklavinnen – Ehe für alle Nein." Damit soll auf die Leihmutterschaft angespielt werden, die neues Sklaventum sei. Diese Plakat-Kampagne wurde nicht nur als Verharmlosung der jahrhundertelangen echten Sklaverei kritisiert, sondern ist auch für völlig irreführend. Schließlich, so LGBTI-Organisationen, sei Leihmutterschaft in der Schweiz gesetzlich verboten, egal, ob gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen oder nicht. In Österreich und Deutschland habe die Öffnung der Ehe auch nicht zu einer Legalisierung der Leihmutterschaft geführt.
/ PhilippSchnbch1Wer auch immer hinter diesem Plakat steckt:
Philipp Schönbächler (@PhilippSchnbch1) August 31, 2021
A) hat jegliche Pietät & Anstand komplett verloren.
B) versteht offensichtl. nicht, worum es in der #Ehefueralle-Vorlage geht.@MFrauchigerSVP, ich sagte gestern ja noch, dass auch der Homoheiler nicht den Tiefpunkt markieren wird pic.twitter.com/l2qXI0bOaV
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Die homophoben Initiativen werben ansonsten insbesondere mit weinenden Kinder. Dabei spielen sie auf das altbekannte und insbesondere im letzten Jahrhundert gern verwendete Klischee vom schwulen Kinderschänder an, das heute insbesondere unter katholischen Homo-Gegner*innen populär ist. Dabei gehen die homofeindlichen Initiativen eher indirekt vor: So werfen sie gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kinderwunsch etwa vor, wegen des angeblich unter Homosexuellen weit verbreiteten Egoismus das Wohl der Kinder zu gefährden. Die Initiative "Nein zur Ehe für alle", die größte Wahlkampftruppe im Nein-Camp, veröffentlichte erst am Dienstag ein entsprechendes Motiv auf ihrer Facebook-Seite.

Die Botschaft ist klar: Wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, geht es Kindern schlecht
LGBTI-Organisationen wollen der Hasskampagne positive Bilder entgegenstellen. Mit dem Motto "Ja, ich will", Bilder von gleichgeschlechtlichen Paaren und einem Song zum Referendum hoffen sie, genug Menschen an die Wahlurne zu locken, um endlich der Gleichberechtigung mit Heterosexuellen näher zu kommen.
Mehr zum Thema:
» Das Ehebett für alle (08.09.2021)















Und wieder mal instrumentalisieren sie Kinder für ihre Zwecke, weil sie genau wissen, dass man so Emotionen weckt und das die einzige Chance ist, überhaupt noch irgendwen zum Zweifeln zu bringen.
Aber Fakt ist:
Das dient gerade dem Kindeswohl. Denn dass Kinder (aus ganz vielen verschiedenen Gründen: Kinder aus früheren Beziehungen, Adoptionen, Pflegekinder, etc.) in gleichgeschlechtlichen Familien aufwachsen, ist Fakt.
Jetzt geht es darum, diese Kinder auch offiziell anzuerkennen und sie rechtlich abzusichern, z.B. damit sie bei Tod eines Elternteils nicht auch noch das andere Elternteil und ihre vertraute Umgebung verlieren.
Dass diese Leute immer wieder die Fakten verdrehen und damit sogar Kindern schaden (und gleichzeitig behaupten sie, Kinder schützen zu wollen), zeigt, dass denen nichts heilig ist und dass die für ihren Hass über Leichen gehen.