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ZDF-Sendung "Klartext"

"Ich hätte dafür gestimmt": Laschets große Lüge zur Ehe für alle

Im ZDF behauptete CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet am Donnerstagabend, er hätte 2017 die Ehe für alle unterstützt – das Gegenteil war der Fall. Er hielt die Gleichstellung sogar für verfassungswidrig.


Armin Laschet am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Klartext" (Bild: Screenshot ZDF)

In der ZDF-Wahlsendung "Klartext" (in der Mediathek ab 37:20) hat sich Armin Laschet, ein langjähriger Gegner der rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen, am Donnerstagabend überraschend als Unterstützer der Ehe für alle ausgegeben.

"Ich hätte dafür gestimmt", behauptete der Kanzlerkandidat der Union zur Abstimmung am 30. Juni 2017 im Deutschen Bundestag, an der er als Landespolitiker nicht teilnehmen konnte. Es sei aber ebenso "respektabel", dass Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen votierte.

Laschets Aussage wurde in der ZDF-Sendung nicht widersprochen. Sie ist jedoch gelogen. Dass der CDU-Politiker die Ehe für alle ablehnte, ist hinreichend dokumentiert: "Dem Antrag der SPD hätte ich wie Merkel nicht zugestimmt", erklärte er wörtlich eine Woche nach dem Bundestagsbeschluss in einem "Spiegel"-Interview (Bezahlartikel).


Laschet im Interview mit dem "Spiegel" (Ausgabe 28 vom 7. Juli 2017)

Auch im Bundesrat verweigerte das Land NRW der Ehe-Öffnung die Zustimmung – die FDP war dafür, Laschets CDU dagegen (queer.de berichtete). FDP-Chef Christian Lindner kritisierte den Widerstand des Ministerpräsidenten am 6. Juli 2017 in einem Tweet.

Twitter / c_lindner
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Laschet log auch über das Grundgesetz

Seinen Widerstand gegen die Gleichstellung homosexueller Paare begründete Armin Laschet schon damals mit einer Falschbehauptung, nämlich der angeblichen Verfassungswidrigkeit der Ehe-Öffnung. "Das Grundgesetz definiert Ehe als Verbindung von Mann und Frau", behauptete der CDU-Politiker Anfang 2017 in einem Interview mit dem Magazin "Fresh" (queer.de berichtete). Tatsächlich heißt es jedoch neutral im Grundgesetz: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung."

Frage zur Diskriminierung lesbischer Mütter

Die Diskussion über die Rechte von Lesben und Schwulen in der ZDF-Sendung "Klartext" brachte die lesbische Mutter und Aktivistin Christina Klitzsch-Eulenburg ins Rollen, die in einer Frage an Laschet die Diskriminierung lesbischer Paare im Abstammungsrecht thematisierte. "Warum verhindert die Union, dass mein Sohn rechtlich zwei Elternteile an die Seite gestellt bekommt und damit genauso gut abgesichert wird wie alle anderen Kinder in diesem Land?", wollte die Berliner Juristin wissen. Sie selbst werde nicht als Mutter des von ihrer Ehefrau geborenen Sohnes anerkannt.


Christina Klitzsch-Eulenburg brachte Armin Laschet ins Schwimmen (Bild: Screenshot ZDF)

Der Kanzlerkandidat der Union kam bei seinem Antwortversuch deutlich ins Schwimmen. Der Fall sei ein "sehr spezieller", da gebe es "sehr viele Detaildiskussionen", das hänge auch "mit dem Adoptionsrecht zusammen" und das müsse "umfassender angepackt" werden. Trotz der Ermahnung "Machen Sie mal Klartext!" von Moderator Peter Frey gab Laschet keine eindeutige Antwort.

"Es gibt Tausende von Menschen, denen es so geht", konterte Klitzsch-Eulenburg auf die Behauptung des CDU-Politikers, es handele sich um einen Einzelfall. Auch in anderen Punkten korrigierte sie den Kanzlerkandidaten und bekam dafür Beifall des Publikums. Am Ende riet sie Laschet: "Es wäre gut, wenn die Union diesmal auf der richtigen Seite der Geschichte wäre, damit sie auch für Familien wählbar bleibt."

Follow-Up-Bericht vom 11.09.2021: "Laschets Klarstellung zur Ehe für alle: 'Heute hätte ich für das Gesetz gestimmt'"



#1 SchonAnonym
  • 10.09.2021, 06:41h
  • Nach dem überfliegen der Wahlprogramme und dem Benutzen des Wahlomats und dem lesen diverser Wahlempfehlungen (Umweltschutz, LGBTIQ++,...), bin ich inzwischen der Überzeugung, dass es mindestens genau so wichtig ist, zu prüfen, was die Spitzenpolitiker/Parteien in der Vergangenheit getan und wie sie sich zu Themenmverhalten haben. Das ist ja öfter mal das Gegenteil. Parteilprogramme zur Wahl sind Maßanfertigungen für eine aktuelle Meinungslage des Volks, um möglichst viele Stimmen abzuschöpfen.
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#2 mesonightAnonym
  • 10.09.2021, 07:48h
  • ...ich hoffe, dass man ihm das spätestens am sonntag, beim nächsten Triell, aufs brot schmiert und ihn der Lüge überführt!
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#3 globoProfil
  • 10.09.2021, 08:09hBerlin
  • Auch als die CDSU seinerzeit die absolute Mehrheit im Bundestag hatte wurde der §175 weder entschärft noch abgeschafft.
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#4 LegatProfil
  • 10.09.2021, 08:24hFrankfurt am Main
  • Im seinem Kopf hat er schon Recht. Hätte er damals schon gewusst, dass die Ehe für alle später sogar von größeren Teilen seiner eigenen Wählerschicht akzeptiert würde und den meisten anderen nach wie vor einfach egal ist (und daher keine Wählerstimmen kostet), hätte er natürlich dafür gestimmt. So ist Laschet. Sollte seine Wiederwahl anstehen und sich das gesellschaftliche Klima wieder gegen uns gewendet haben, wird er genau das Gegenteil tun und hätte dann sicher auch keinerlei Problem damit, uns zu rekriminalisieren. So ist Laschet.
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#5 Uuo118Anonym
  • 10.09.2021, 08:38h
  • Ich hoffe, dass dieser Heuchler von der politischen Bildfläche dauerhaft verschwindet.
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#7 KaiJAnonym
#8 TimonAnonym
  • 10.09.2021, 09:20h
  • Wer so offen und dreist die Bürger belügt und nach Strich und Faden verarscht, darf auf keinen Fall Kanzler werden.
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#9 WindheimerAnonym
#10 YannickAnonym
  • 10.09.2021, 09:31h
  • Entweder lügt Herr Laschet vorsätzlich oder er ist wirklich kognitiv nicht in der Lage, sich an seine eigenen Überzeugungen zu erinnern.

    So oder so ist er damit als Regierungschef ungeeignet.
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