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TV-Tipp

Eine nicht unbedingt unkomplizierte Liebe zu dritt

Heute auf ZDFneo, ab Samstag in der Mediathek: "Trigonometry" präsentiert mit Humor, Ernsthaftigkeit und einer großen Portion Wahrhaftigkeit Beobachtungen aus dem Alltag einer Großstadt-Generation um die 30.


Gemma (Thalissa Teixeira, l.), Ray (Ariane Labed, ,.) und Kieran (Gary Carr, r.) führen eine Dreierbeziehung. ZDFneo zeigt "Trigonometry" als Deutschlandpremiere. Nach Ausstrahlung aller Episoden am 10. September 2021 ab 23.15 Uhr sind die acht Folgen vom 11. September bis 7. November in der ZDF-Mediathek abrufbar (Bild: ZDF / Mark Johnson)
  • Von Patrick Heidmann
    10. September 2021, 07:53h, noch kein Kommentar

Dass es Liebe nicht nur zu zweit, sondern auch zu dritt gibt, wusste schon die wunderbare Françoise Cactus von Stereo Total. Doch während die vor 20 Jahren dabei vor allem von Sex sang, ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Dreier nicht nur im Bett, sondern eben auch als Beziehung funktionieren können. Und mit "Trigonometry" gibt es nun nach "You Me Her" erneut eine Serie, die sich dieser Thematik annimmt. Zu sehen ist sie in einem Rutsch bei ZDFneo am 10. September ab 23.15 Uhr sowie ab dem 11 September. und bis in den November hinein in der ZDF-Mediathek.

Auch in dieser britischen Produktion (die 2020 bei der Berlinale Premiere feierte und anschließend bei BBC2 zu sehen war) besteht das Throuple aus zwei Frauen und einem Mann. Und auch in diesem Fall fängt alles mit einem zunächst heterosexuell lebenden Paar an. Gemma (Thalissa Teixeira) allerdings identifiziert sich schon seit langem als queer, sie hatte früher auch schon Beziehungen mit Frauen, bevor sie mit Kieran (Gary Carr aus "Downton Abbey" & "The Good Fight") den Mann kennen lernte, den sie als "Menschen ihres Lebens" bezeichnet.

Halb-Französin Ray sprengt die Hetero-Beziehung

Er ist Notfallsanitäter, sie betreibt in London ein kleines Restaurant, über dem auch die Wohnung der beiden liegt. Weil das Geld knapp ist, beschließen sie, eine Untermieterin bei sich einziehen zu lassen. Ray (Ariane Labed, bekannt unter anderem aus "The Lobster" von ihrem Ehemann Yorgos Lanthimos) passt auf den ersten Blick nicht wirklich zu ihren beiden neuen Mitbewohner*innen. Die Halb-Französin ist behütet bei ihren Eltern in der Provinz aufgewachsen, so sie gerade erst mit 30 Jahren endgültig ihre Koffer gepackt hat. Nach einer Olympia-Teilnahme und einem Unfall im Becken hat sie ihre Karriere als Synchronschwimmerin an den Nagel gehängt und will ein neues Kapitel aufschlagen, ist in der Metropole – und der neuen Wohngemeinschaft – allerdings auch die staunende Unschuld vom Lande.


Gemma, Ray und Kieran sind ein eingespieltes Team (Bild: ZDF / Mark Johnson)

Trotzdem funkt es schnell, zwischen Ray und Gemma, zwischen Ray und Kieran – und weiterhin auch zwischen Gemma und Kieran, die zwar stressbedingt nicht mehr allzu viel Sex haben, aber sich trotzdem nach wie vor leidenschaftlich lieben. Was als Freundschaft mit viel Unausgesprochenem und sehnsüchtig-vielsagenden Blicken beginnt, wird schließlich mehr. Und natürlich nicht unbedingt unkompliziert.

Queerness ist eher ein Randthema

Wohl um ein möglichst breites, mit "alternativen" Beziehungskonzepten wenig erfahrenes Publikum mit ins Boot zu holen, rücken die Showrunner*innen Duncan Macmillan (als Dramaturg und Theatermacher ein häufiger Kollaborateur von Katie Mitchell) und Effie Woods (früher als Schauspielerin in Soaps wie "Hollyoaks: In the City" zu sehen) weniger die Polyamorie an sich oder die Fallstricke von Dreier-Beziehungen ins Zentrum ihrer Geschichte. Auch Queerness ist eher ein Randthema, obwohl zum Beispiel gleich in der ersten von acht Folgen der Besuch einer Drag-Bar eine wichtige Rolle spielt, bei dem gewisse Terminologien (Stichwort: Unicorn!) erklärt werden und es außerdem eine rührende Dragqueen-Gedenkfeier zu sehen gibt.

Viel mehr nutzt "Trigonometry" – ähnlich wie andere britische Serien wie "Fleabag", "Back to Life" oder "Pure" – die ungewöhnliche Prämisse, um mit Humor und Ernsthaftigkeit, aber vor allem einer großen Portion Wahrhaftigkeit Beobachtungen aus dem Alltag einer Großstadt-Generation um die 30 zu präsentieren. Entsprechend ist die Serie längst nicht so radikal oder experimentierfreudig, wie man angesichts des Themas hätte erwarten können. Als Beziehungsdrama kommt sie trotzdem frischer, moderner und charmanter daher als viele andere. Was nicht zuletzt an den drei Hauptdarsteller*innen liegt, zwischen denen die Chemie so knisternd stimmt, dass man wirklich kaum anders kann, als sich auch in sie zu verknallen. Und zwar in alle drei.

Direktlink | Englischer Original-Trailer zur Serie
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